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Bühne frei: Hamburgs Musicals kehren zurück

Lange mussten Musical-Fans verzichten, das ist jetzt vorbei. Im Herbst kehren die Musicals in Hamburg auf die Bühne zurück

Text: Felix Willeke

 

Hamburg ist die drittgrößte Musical-Stadt der Welt. Nachdem der Broadway in New York so langsam erwacht, wird es auch in Hamburg höchste Zeit für Musicals. Wie Stage Entertainment am 8. Juli bekannt gab, findet ab September 2021 wieder Musiktheater auf Hamburgs Bühnen statt.

Den Auftakt macht am 5. September „Wicked“ mit seiner Premiere im Stage Theater an der Neuen Flora. Am 2. und 10. Oktober folgen die Wiederaufnahmen von Disneys „König der Löwen“ im Stage Theater im Hafen und von „Tina – Das Tina Turner Musical“ im Operettenhaus. Im November wird es dann frostig – die Deutschlandpremiere von Disneys „Die Eiskönigin“ ist im Stage Theater an der Elbe zu sehen.

 

„Hamilton“ kommt nach Hamburg

 

Im September feiert dann eines der weltweit erfolgreichsten Musicals seine Deutschlandpremiere in Hamburg – „Hamilton – Das Musical“ kommt ins Stage Operettenhaus an der Reeperbahn!

Natürlich hängt die allgemeine Planung von den aktuellen Corona-Entwicklungen ab. Es bleibt zu sagen: „Seid bereit“!


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Liebeserklärung an Hamburgs Musicals

Löwen, Vampire und fliegende Teppiche: Eine Liebeserklärung an die oft belächelte Hamburger Musicallandschaft

Text: Natalja Fischer 

 

Musicals sind keine Shakespeare-Klassiker. Es gibt keine sprachlich anspruchsvollen Dialoge, komplexen Figurenzeichnungen oder innovativen Inszenierungen. Das wird Musicals von Kritikern oft zum Vorwurf gemacht: Sie seien kitschig, kommerziell und platt. Wer das gesellschaftskritische Theater als Maßstab setzt, hat Musicals nicht verstanden. Hier geht es nicht um intellektuelle Stimulierung oder künstlerischen Anspruch.

Es geht um Unterhaltung, große Show und ein bisschen Eskapismus: Es geht darum, der Welt um einen herum für ein paar Stunden zu entfliehen und ins Reich der Vampire, Zauberer, in die afrikanische Savanne oder ins Land fliegender Teppiche und Wunderlampen einzutauchen. Und diese Reise funktioniert für viele Menschen – und ja, das ist auch total okay – eben besonders gut mit Heldengeschichten, imposanten Kostümen, spektakulären Effekten und den passenden Balladen. Wer sich darauf einlassen kann, wird vielleicht auch bemerken, dass die Geschichten gar nicht so stumpf sind, wie oftmals angenommen.

 

Musicals erzählen Geschichten fürs Herz

 

In „König der Löwen“ verliert der junge Simba seinen Vater durch den hinterhältigen Mord des machtsüchtigen Onkels. Es gilt, Rache zu nehmen und die Verhältnisse wieder geradezurücken. Klingt ein bisschen nach Hamlet, oder? Das „Phantom der Oper“, das mit seinem entstellten Gesicht zum Außenseiter wurde, ringt mit seiner Kunst um Anerkennung und Liebe. Gar nicht mal so seichter Stoff. Und in „Pretty Woman“ geht es immerhin um das Überwinden gesellschaftlicher Vorurteile.

Im Übrigen sind Musicals gesanglich und tänzerisch alles andere als anspruchslos. Im „Phantom der Oper“ oder „Cats“ kann man klassische Ballettdarbietungen bewundern. Und in manchen Musical-Melodien müssen die Darsteller durchaus opernähnliche Tonsprünge leisten. Hamburgs Musicals sind zwar manchmal keine Broadway-Leistungen, aber dennoch bieten die oft internationalen Stars großes Können.

Musicals sind im herkömmlichen Sinn nicht immer intellektuell sehr herausfordernd, aber sie erzählen Geschichten fürs Herz, bei denen – im Gegensatz zu Shakespeares Dramen – am Ende meist das Gute siegt. Und genau das will man manchmal sehen.


Cover_SZ1020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2020. Das Magazin ist seit dem 27. September 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Unsere Leute – Andreas Dorau und Gereon Klug

Andreas Dorau und Gereon Klug haben ein Musical, ähm, eine musikalische Dramödie erschaffen: „König der Möwen“. Es geht um einen strauchelnden Plattenhändler, die Identitätssuche einer Band und eine moderne Scheinstadt. Die Macher im Kurzgespräch.

SZENE HAMBURG: Andreas und Gereon, was ist so schlimm am Begriff „Musical“?

Gereon: Unser Anliegen mit dem „König der Möwen“ ist es gar nicht, ein Anti-Musical oder Ähnliches zu machen. Wir haben ein Theaterstück geschrieben, in dem viel Musik vorkommt. Damit wird man beinahe automatisch zum Musical in der Einordnung. Ob Andrew Lloyd Webber oder Disney das Genre zu Tode formatiert haben, interessiert uns eher weniger.

„König der Möwen“ nennt ihr dennoch lieber eine „musika­lische Dramödie“. Es geht um den taumelnden Plattenhändler Hans, der an der ­Gentrifizierung der Stadt zu scheitern droht …

Gereon: … und vor allem um eine Identitätssuche: Eine junge Band sucht ihr Ich, indem sie sich permanent häutet, während die Altvorderen in Gestalt von Hans und seinen Stammkunden versuchen, wiederum ihr Ich zu bewahren, obwohl HH-Marketing und die restliche Welt schon versuchen, dies auszuhöhlen und zu korrumpieren.

Andreas: Hans und die Band sind umzingelt vom Wahn, keine Lücken mehr zu lassen für nicht auswertbare Ideen, fürs Ausprobieren und fürs Sein ohne Geld.

Hans wird irgendwann auch stückweise zum Gentrifizierer. Kennt ihr das Dilemma aus eigener Erfahrung?

Andreas: Ja, Hans geht auf den Deal ein, seinen Laden aus finanziell starken und moralisch schwachen Gründen in die HafenCity zu verlegen. Als Potemkinsches Dorf. Noch eine Fassade in der modernen Scheinstadt. Damit man zeigen kann, dass auch Subkultur berücksichtigt wird.

Gereon: Da geht es ihm wie jedem Kulturschaffenden: Irgendwann werden sie in die HafenCity das Dagegen auch professionell einbauen.

Was wäre denn, wenn man euch nach der Premiere einen der berühmten Musical-­Schauplätze an der Elbe gegenüber den Landungsbrücken für eure Dramödie anbieten würde?

Gereon: Hans plant ja, die Möwe als Wappentier Hamburgs zu etablieren. Berlin hat den Bären, München den Löwen und Hamburg hat kein Tier. Wenn man ihm und uns einen Prachtbau in Form einer Riesenmöwe neben Blohm + Voss errichtet, nehmen wir das natürlich an …

Andreas: … und lassen ihn von allen norddeutschen Möwen zuscheißen.

Interview: Erik Brandt-Höge 

Foto: Brigitta Jahn

9.8.18, Kampnagel, 19 Uhr (Premiere); Album „König der Möwen“ erscheint am 3.8. (Tapete)


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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