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add art: Hamburgs Wirtschaft zeigt seine Kunst

Bei der add art 2021 zeigen zwölf Unternehmen ihre Sammlungen – und viel junge Kunst

Text: Sabine Danek

 

Seit acht Jahren öffnen Hamburger Unternehmen einige Tage lang ihre Konzern-, Büro- und Kanzleitüren für Interessierte, präsentieren ihre Kunstsammlungen, etablierte Positionen und stellen Nachwuchs aus. Letztes Jahr musste die add art Hamburg ausfallen, jetzt sind wieder zwölf Unternehmen dabei. Und ganze acht von ihnen zeigen Arbeiten von Studierenden der HAW Hamburg und unterstützen so die junge der Szene der Stadt, kaufen Werke an, zahlen Honorar oder finanzieren einen Katalog.

 

Publikumsliebling und Preisträgerin von 2020 sind mit dabei

 

Die „you with schipper company“ zeigt mit Julia Kloos, die Preisträgerin des Add Art Jurypreises, der 2020 trotz Pandemie vergeben wurde, bei „Bright Skies“ sind Arbeiten von Andrés Muñoz Claros zu sehen, der bei einem Online-Voting den Publikums-Award gewann. In der Handelskammer werden in einer Sonderschau zudem Landkarten präsentiert, die sich mit „Fakt, Fake oder Fiktion“ beschäftigen. Interessierte können zu festen Besichtigungszeiten die Unternehmen besuchen, zu Führungen kann man sich auf der add-art-Website anmelden.

Add Art, 18. bis 21. November 2021, an verschiedenen Orten in der Stadt

Einen Eindruck von der add art gibt es hier:

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Schweine streicheln: Ausstellung im Kunsthaus

In Zeiten von Klimawandel und Pandemie zeigen drei Künstlerinnen aufregende Utopien

Text: Sabine Danek

 

Donna Haraway hat eine Vision. Um den Planeten zu retten, schlägt die amerikanische Professorin und Feministin vor, dass Menschen mit Monarchfaltern und anderen bedrohten Spezies Symbiosen eingehen. Ein Kind hätte drei Elternteile, würde zusätzlich zu seinem Erbgut das aussterbender Tierarten in sich tragen und dazu gemusterte Haut oder Fühler. Das hört sich alles ziemlich utopisch an. Doch Haraway bewies bereits mit ihrem Cyborg-Manifest 1985 Weitsicht. Darin schlug sie vor, Gender-Grenzen und -Benachteiligungen durch Cyborgs zu überwinden, die sich jenseits von festgeschriebenen Geschlechtern bewegen. Ihre aktuellen Gedankenfäden spinnt sie in ihrem Buch „Unruhig bleiben“ lose um die Forderung „Making kin“, „Macht euch verwandt“ – und die Kuratorin Anna Nowak nimmt sie mit den Künstlerinnen Melanie Bonajo, Madison Bycroft und Anne Duk Hee Jordan auf. Im Kunsthaus verweben sie das Credo zu einer Welt, die in violett leuchtende Landschaften führt, zu Pavianen und Seegurken, die von der Decke schweben und Spinnen, die überlebensgroß durch einen See aus Videoscreens huschen.

Gleich mehrfach kann man sich zwischen diesen Wesen niederlassen. Inmitten changierender Fadenvorhänge oder auf Sitzkissen, die an einen künstlichen See einladen und vor der Videoarbeit „Night Soil“ der Holländerin Melanie Bonajo. Und das sollte man unbedingt tun. Bereits vor mehreren Jahren entstanden, wirken die einzelnen Episoden wie hochaktuelle Kommentare. Die 30.000 tagtäglichen Schweineschlachtungen von Tönnies im Kopf, sieht man Männer und Frauen im Businessdress Schweine streicheln. Sie knien bei ihnen im Stroh, haben sich neben ihnen ausgestreckt. Zärtlich fahren sie über die riesigen Körper und geben den Tieren ihre Individualität zurück, verwandeln Zahlen in Lebewesen. Von dem Gnadenhof geht es auf die Soul Fire Farm Upstate New York, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Afroamerikaner wieder mit der Erde ihres Landes zu versöhnen, die von den Leiden der Sklaverei getränkt ist. Jugendliche bauen Gemüse an, laufen mit nackten Füßen über die Äcker und spüren die Geschichten ihrer Ahnen nach.

Melanie Bonajo: Night Soil – Nocturnal Gardening, 2016 (Foto: Melanie Bonajo und Akinci)

Die Arbeit der Öko-Farmer basiert auf der Überzeugung, dass Essen auch ein Werkzeug der Unterdrückung sein kann und man sich dagegen auflehnen muss, mit Fast Food abgespeist zu werden, das dick, krank und kraftlos macht und statt zur Revolution, zu einem frühen Tod führt. Leitet „Night Soil“ einen auf Felder, in Wüsten und Ställe, hat die Australierin Madison Bycroft ein leuchtendes Panorama installiert, das zwischen einer Unterwasserwelt und einer violetten Mondlandschaft changiert. Mischwesen, Amöben und Korallenriffe kämpfen dort ums Überleben während Pavian und Faultier ein „Affentheater“ aufführen und pupsend zwischen Wildnis und Zivilisation balancieren. Im Hintergrund räumt die „Water Crab“ von Anne Duk Hee Jordan auf einem See aus Screens vergeblich auf. Unbeholfen dreht sie kleine Kreise, wühlt die Videobilder auf und zeigt die Vergeblichkeit einer Rettung. Das ist düster, doch Jordans bizarre Kreaturen sind immer auch tragikomisch. Ganz so wie der „Critter Teapot“, ein großer Alu-Kessel, der als Sinnbild des Klimawandels klappernd zu einem Sturm anschwillt.

Kunsthaus 
Ausstellung “Making Kin” bis 06.09.2020
Rundgänge: 06.08.2020, 18 Uhr & 04.09.2020, 16 Uhr

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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