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Partyzone Stadtpark: Zeit für Solidarität

Während ein Teil der Hamburger Jugend in den Grünanlagen feiert, überlegen Stadt und Politik, was dagegen zu tun ist – ein bisschen mehr gegenseitige Rücksicht könnte helfen

Kommentar: Felix Willeke

 

Die Inzidenz sinkt, die Politik lockert die Corona-Maßnahmen und auch das Wetter sorgt für gute Stimmung. In Hamburg wird diese Stimmung leider vielerorts getrübt: Nachdem die Polizei Ende Mai das Schanzenviertel nach einem „Rave“ geräumt hatte, versammeln sich die Partygänger mittlerweile in den Grünanlagen der Stadt. Sei es am Elbstrand mit den angrenzenden Parks, am Winterhuder Kai oder im Stadtpark – an fast jedem Abend treffen sich hier tausende junge Menschen zum Feiern. Die Folge sind Lärm, Beschwerden von Anwohnern, große Polizeieinsätze – und viel Müll. 

 

Die Sehnsucht von vielen

Junge Menschen sehnen sich nach dem Feiern und Zusammensein – wie wir alle. Seit März 2020 ist besonders das Leben der Jugend stark eingeschränkt. Das beginnt beim Homeschooling und endet bei Ausgangsbeschränkungen. Wir erinnern uns alle an die wilden Jahre und die Zeit nach der Schule: Party, Freiheit und Lebenslust – uns stand die Welt offen. Jetzt stelle man sich genau diese Zeit nach dem März 2020 vor: Angst vor dem Virus, Isolation von deinen Freunden und ein Lockdown folgt auf den nächsten. Dass sich dabei Frust anstaut und die Angst aufkommt, etwas zu verpassen, kann ich verstehen. Aber muss ich das auf diese Weise ausleben, und deswegen den Stadtpark in eine Müllkippe verwandeln?

Diese Massenpartys sind keine gute Idee. Denn es ist immer noch Pandemie. Das Infektionsgeschehen geht zwar langsam zurück, aber es sind noch lange nicht alle geimpft – erst recht nicht die jungen Menschen zwischen 12 und 24. Ich weiß, es fällt schwer, aber auch dank der Delta-Variante sind wir noch nicht über den Berg.

 

Exzess muss nicht bekämpft werden

Am Winterhuder Kai wird in Hauseingänge gepinkelt, die Jogger im Stadtpark laufen morgens „Glasscherbenslalom“ und am Elbstrand stapeln sich die Einweggrills. Das ist ziemlich widerlich. Vergangenen Samstag wurden im Stadtpark circa 7.000 Feiernde gezählt. 7.000 von fast 250.000 Hamburgern zwischen 12 und 24. Das sind nicht mal drei Prozent der jungen Menschen in der Stadt. Aufgrund von nur drei Prozent alle jungen Menschen als unvernünftig oder partywütig zu bezeichnen, wäre falsch. Die meisten halten sich an die Maßnahmen und üben sich in Geduld.

Dass dann vor dem Hintergrund der medialen Aufregung Politiker im Wahlkampf leicht auf dieses Thema aufspringen und mehr Sicherheit oder Kontrolle fordern, spitzt die Situation nur weiter zu. Auch mehr Polizeipräsenz, eine eigene Kontrolleinheit oder Schilder mit Verhaltensregeln werden kaum helfen. Das sorgt nur für mehr Konfliktpotential. Es kommt vielleicht mehr denn je in dieser Pandemie auf Solidarität an: Solidarität mit den vulnerablen Gruppen, mit Anwohnern, aber genauso mit den Menschen, die gehofft haben, ihre Jugend ausleben zu können. Lasst uns deshalb abends im Park mit Freunden sitzen, ohne jemanden zu stören. Lasst uns draußen grillen und den Müll danach mitnehmen. Und lasst uns die gewonnenen Freiheiten genießen, aber dabei auch an morgen denken und nicht nur an heute.


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