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Bedrohte Räume #23: Grünanlagen, Flipflops und ein Povoll!

Kaum benetzt der erste Sonnenstrahl die Hansestadt, schon fummelt der Hamburger die Flipflops raus. Ab geht’s zum DOSEN-Saufi kaufen. Dazu EINWEGgrill, PLASTIKflaschen und jede Menge KOTeletts, Würstel und lecker naschfertige Salate aus dem Kühlregal.

Und nun ab in die Grünanlage. Chillen. Decke raus, Würstel aus der Packung und Grill angeschmissen. Kaum freut er sich über das selbstgemachte Essen, erhebt sich der Hamburger, grabscht den Rhododendron, bricht ihm das Genick und tritt ihn in Stücke. Feuer fertig. Licht an. Weiter grillen.

Wenn der gemeine Hamburger dann nachts schön satt und betrunken ist, will er zügig seine Sachen packen. Er ist da praktisch veranlagt, er nimmt nur mit, was 100% ihm gehört. Den Kubikmeter Plastikmüll lässt er zurück. Ist ja alles leer. Aber er schwärmt am nächsten Tag den Kollegen vor: „Gestern im Park hab ich so richtig schön am Feuer gesessen, Holz gehackt, mal ganz regional gegessen.“ Er erinnert sich nicht mehr an Mutter, die ihn lehrte: „Ein voller Mülleimer, mein Kind, bedeutet, du musst deinen Scheiß selbst mit nach Hause nehmen!“ und „Gib nicht so an!“

Ja, so sinnierte ich, als ich heute morgen meine Eichhörnchenfriends im Park an einem verkohlten Stück Würstel knabbern hörte, ein paar Ratten an einem toten Eichhörnchen nagen sah und neben dem überquellenden Mülleimer 10 Packungen Rattengift fand.

Ja, so kam ich zu dem Schluss, dass die Sonne dem Hamburger jeden Sommer ein gehöriges Loch in die Birne fräst. Ein Sommerloch. Jeder kleine Intellekt krepiert sofort, jedes gute Benehmen wird kurzgebraten. Der Hamburger erinnert nicht, dass PLASTIK TÖDLICH ist für diesen Planeten, dass DOSEN für die ERDERWÄRMUNG mitverantwortlich sind, dass HORMONfleisch giftig ist und EINWEGgrills der schlimmste TOXICMIST sind. Der Hamburger genießt schwerelos.

Und so machte ich mich an die Arbeit, um für den bedrohten Raum „Grünanlage“ Folgendes von der Stadt zu erbitten:

  1. Hamburg – stell’ bitte von April bis Oktober sehr große Müllcontainer in alle Parks.  Getrennt nach Plastik, Papier, Glas, Kompost.
  2. Dazu helfen Gebotsschilder: Müll wegwerfen nur von 6.15h-6.16h erlaubt.
  3. Und baut endlich mehr Grünanlagen, sonst werden wir sauer.
  4. Wenn 1-4 nicht helfen, dann bitte Arschloch-Schilder verschenken und fiese Povolls verteilen.

Eure Raumsonde

Andrea


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahren Sie unter www.andrearothaug.de

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Zero Waste – Noch mehr Stückgut

Knapp ein Jahr nach der Eröffnung hauen sie die gute Nachricht raus: Stückgut eröffnet eine zweite Filiale. Schon bald lässt sich auch in der Rindermarkthalle unverpackt einkaufen.

Die Welt versinkt im Müll. Allein die Deutschen produzieren laut Bundesumweltamt jährlich 45 Millionen Tonnen, das sind rund 559 Kilo pro Einwohner. Um hier ein grünes Zeichen zu setzen, hat im Januar 2017 mit Stückgut Hamburgs erster Unverpackt-Laden in Ottensen seine Türen geöffnet. Per Crowdfunding hatten Christiane Bors, Insa Dehne, Sonja Schelbach und Dominik Lorenzen zuvor rund 43.000 Euro gesammelt, um ihren Traum von einem nachhaltigen Supermarkt zu verwirklichen. Hier gibt es (fast) alles – außer: Verpackungen. Und das kommt an. „Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen“, freut sich Geschäftsführerin Insa Dehne. „Offenbar sehnen sich die Menschen danach, ihren Plastikverbrauch einschränken zu können.“

Jetzt planen die Macher ihre zweite Filiale. Im Frühjahr soll sie in der Rindermarkthalle eröffnen. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen. Auf rund 100 Quadratmetern soll es auch dort Lebensmittel sowie Kosmetik und Haushaltsprodukte geben – alle verpackungsfrei und möglichst aus der Region. Denn schließlich geht es um Nachhaltigkeit und dafür braucht man keine weiten Wege. Wer einkaufen möchte, bringt sich seine Verpackungsbehälter mit – oder erwirbt einfach welche im Laden. Abfüllen, wiegen, fertig.

Der bestehende Laden in Ottensen bleibt von den neuen Plänen unbeeinträchtigt. Aktuell sucht das Stückgut-Team bereits nach Verstärkung für die neue Filiale. Es gibt viel zu tun: „Wir müssen die Ladeninneneinrichtung fertigstellen, Behälter und Ware bestellen und und und“, sagt Insa Dehne. „Aber diesmal wissen wir ja schon viel besser, wie es geht und was wir brauchen; das macht es etwas leichter.“ Auf Startnext hat das Stückgut- Team bereits ein neues Crowdfunding gestartet.

Text: Ilona Lütje

Unterstützt Stückgut auf Startnext unter www.startnext.com/stueckgut2

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Februar 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!