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Hamburger des Monats – Anne de Wolff

Die Musikerin Anne de Wolff spielte schon mit Popgrößen wie Bosse, Elif oder BAP zusammen. Eines ihrer Herzensprojekte neben der Musik ist das Benefizkonzert der Stiftung „Initiative Courage“

Interview: Hedda Bültmann
Foto: Rene van der Voorden

SZENE HAMBURG: Anne, du hast ja einen traumhaften Wintergarten hier bei dir zu Hause …

Anne de Wolff: Danke. Ja, hier haben wir auch schon oft geprobt. Zum Beispiel mit Bosse die „Leise Landung“. Oder mit Mark Forster das zdf@bauhaus. Mit Elif, mit Tokunbo, Stoppok und sogar mit BAP. Natürlich alles nicht in voller Lautstärke. Aber dennoch: Wir haben sehr freundliche Nachbarn, die das geduldig aushalten.

Erzähl doch mal, was du als Musikerin genau machst.

Ich bin Multi-Instrumentalistin. Angefangen hat alles mit der Geige, doch da fühlte ich mich später musikalisch zu sehr eingeschränkt. Nicht jede Band braucht in jedem Song ein Geigengeräusch, deshalb hatte ich schnell Lust, meine klangliche Bandbreite zu erweitern und es kamen unter anderem Bratsche, Akkordeon, Percussion, Cello, ein bisschen Gitarre, Mandoline und Posaune dazu.

Du spielst nicht nur auf der Bühne, sondern arbeitest auch im Studio, das praktischerweise auch hier im Hause ist …

Genau. Vieles nehme ich hier zusammen mit meinem Mann Ulle (Gitarrist Ulrich Rode, Anm. d. Red.) auf. Es kommen oft Musiker zu uns, die noch Farben für ihr Album suchen, so wie letzte Woche zum Beispiel Fayzen. Für Niels Frevert und Johannes Oerding haben wir gerade ein paar Streicher aufgenommen. Momentan bereiten wir das neue BAP-Album vor.

 

Hdm-Anna-de-Wolff

In ihrem Wintergarten hat Anne de Wolff (48) schon mit Bosse geprobt

 

Hast du dir schon einmal gewünscht, du hättest einen anderen Beruf?

Nein, Musik spielte schon in meiner Kindheit eine wichtige Rolle und ließ mich seitdem nie los. Dazu kam noch ein bisschen Glück. Eigentlich hätte ich nie gedacht, dass ich von Musik leben kann – erst recht nicht so lange. Ich dachte früher, Popmusik wäre eher etwas für junge Frauen, da ich quasi keine Instrumentalistinnen jenseits der 40 kannte.

Leider gibt es aber generell einfach ziemlich wenige „Sidefrauen“ – ich frage mich immer, warum? Mittlerweile spiele ich mit vielen unglaublich tollen, zum Teil auch erheblich jüngeren Musikern und Musikerinnen und empfinde dies als sehr bereichernd. Man kann sich gegenseitig inspirieren und voneinander lernen.

Ein anderes Thema. Du bist Schirmherrin der Stiftung Initiative Courage. Wie kam es dazu?

Ich habe die Initiatorin dieser Stiftung, Karin Schmedt, kennengelernt. Und als wir uns unterhalten haben, sprach sie mir so aus der Seele: Ich finde es schlimm, dass Leute sich die ganze Zeit über Missstände beschweren, ohne selbst initiativ zu sein. Dieses passive Gemecker strengt mich an. Ich habe lange nach etwas gesucht, wo ich mich engagieren kann.

Was macht die Stiftung?

Sie schenkt Kindern, denen das nicht möglich ist, schöne Momente. Momente, in denen sie respektiert und wertgeschätzt und dadurch gestärkt werden. Karin macht das beispielsweise für Kinder in Kinderheimen und für Flüchtlingskinder. Aber auch für Kinder, die es offensichtlich zuhause schwerer haben. Damit sie merken, dass es auch Gutes gibt.

 

Fußball-Camps und Reisen ins Wunderland

 

Welche Momente sind das?

Sie betreut mehrere kleinere Initiativen, für die sie Geld sammelt. Es gibt zum Beispiel ein Fußballcamp und die „Wunderlandreisen“, bei denen die Kinder aus schwierigen Verhältnissen mit ihren Familien eine Woche in den Urlaub fahren können. Es gibt Trommelgruppen und auch eine Zusammenarbeit mit der HipHop Academy. Diese Aktionen unterstützen wir mit dem Geld, das wir unter anderem bei dem jährlichen Benefizkonzert einnehmen.

Und die Organisation des Konzertes ist dein Part …

Genau. Ich kümmere mich um die Bands und stelle das Programm auf. Und natürlich wickle ich die Koordination im Vorfeld ab. Woher kommt der Flügel, wer sponsert den, wie bekommen wir ihn in unsere Location, die Markthalle? Ist der Fahrstuhl groß genug? Es ist übrigens ganz wundervoll, wie schnell alle Musiker immer Lust hatten, dabei zu sein. Das waren in den letzten Jahren unter anderem Aino Löwenmark, Jon Flemming Olsen, das Tingvall Trio, von Brücken, Johannes Oerding, Fayzen, Tokunbo, Diane Weigmann, Phil Siemers …

Die Markthalle steht ja unter anderem auch für soziale Nachhaltigkeit. Eine perfekte Partner-Location …

Die Markthalle ist so großartig und unterstützt uns seit Anfang an – jetzt schon das fünfte Jahr. Bis 2018 war das Konzert eher eine Veranstaltung für Sponsoren, in diesem Jahr wollten wir das Ganze öffnen, um auch andere Menschen für das Thema zu sensibilisieren und weitere Spenden zu generieren. Wir hatten Spendenboxen aufgestellt, und die Eintrittsgelder gingen komplett an die Stiftung. Es war toll, mit den Leuten von der Markthalle zusammenzuarbeiten. Die haben uns den kompletten Tag alles für einen sehr geringen Unkostenbeitrag für Personal zur Verfügung gestellt.

Zurück zum passiven Meckern: Woran liegt es, dass viele Menschen zwar ständig nörgeln, aber nicht aktiv werden?

Gefühlt prasseln auf uns täglich Unmengen von Geschichten ein über Gewalttaten, Umweltsünden, Kriege und Menschen, die betrügen oder schlecht zueinander sind. Zudem fällt es immer schwerer, Dinge in Gut oder Böse einordnen zu können, da alles unheimlich komplex ist in diesen Zeiten der Globalisierung und des Internets. Angesichts dessen fühlt man sich oft überfordert und neigt dazu, immer misstrauischer zu werden. Daraus entstehen dann oft diese Wut und Hilflosigkeit, die unser Leben eigentlich traurig macht, weil das Geschimpfe am Ende nur uns selbst schadet.

Hast du einen Vorschlag, wie es besser gehen kann?

Ich halte es für ganz wichtig, trotz allem davon auszugehen, dass die meisten Menschen gut sind. Dabei hilft ungemein, selbst die Initiative zu ergreifen, sich im Kleinen irgendwie zu engagieren. An jeder Ecke gibt es Gruppierungen, man kann sich etwas aussuchen, das einem liegt. Das könnte das Einkaufen für eine Oma sein und Gespräche mit ihr. Man verbessert so nicht nur das soziale Miteinander, sondern auch das eigene Leben. Man lernt andere tolle, liebevoll engagierte Menschen kennen und spürt die Dankbarkeit und Freude der Menschen, die man unterstützt. Diese kleinen Dinge machen am Ende das große Ganze aus und damit unsere Welt besser.

Annedewolff.de

Sic-stiftung.de


Szene-Hamburg-juni-2019 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2019. Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Ladies – Artists – Friends: Konzert des Monats

Miu, Sarajane, Debby Smith, Kathrin Ost, Linda Kauffeld und Joscheba Schnetter geben gemeinsam ein Konzert. Ein Gespräch über die Vorteile für die Musik und das Geschäft.

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Miu und Sarajane, mit Ladies-Artists-Friends habt ihr einen Schulterschluss mehrerer Hamburger Musikerinnen geschafft. War es leicht, alle an einen Tisch zu bekommen und gemeinsame Sache zu machen?

Sarajane: Ja, denn viele Hamburger Musikerinnen kennen sich schon lange, haben teils zusammen studiert und sind freundschaftlich miteinander verbunden.

Miu: Wir haben viel Kontakt. Auch weil alle ähnliche alltägliche Probleme und Wehwehchen haben.

 

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Die Initiatorinnen von Ladies-Artists-Friends mit Miu (M.) und Sarajane (3. v. l.) Foto: Elena Zauke.

 

Zum Beispiel?

Sarajane: Man muss es sich so vorstellen, dass wir alle jeden Tag in unseren Büros sitzen und versuchen, unsere Karrieren zu pushen. Wir sind gleichzeitig Künstlerinnen, Label, Management, Booker.

Miu: Es ergeben sich immer Situationen, in denen wir die Unterstützung der anderen gut gebrauchen können. Zum Beispiel, wenn wir mal eine Vertretung für einen Gig suchen oder einen bestimmten Booking-Kontakt. Auch Dinge wie das Playlist-Marketing für Spotify und Co. sind nicht so einfach, da ist es gut zu wissen, dass wir jemanden anrufen können, der vielleicht schon mehr Erfahrung hat.

 

Hier könnt „Bullets Out Of Love“ von Sarajane hören

 

Wie verlief denn das erste Treffen von Ladies-Artists-Friends? Ging es dabei nur um Musikgeschäftsfragen?

Sarajane: Erst mal wollten wir unser Wissen gegenüber den anderen Künstlerinnen offenlegen, damit alle etwas davon haben. Wenn wir immer nur als Einzelkämpferinnen unterwegs wären, würden wir womöglich ständig in die gleichen Fallen tappen. Zum Beispiel, was Auftritte in Clubs angeht, in denen wir noch nicht waren, andere aber schon. Dann können wir diejenigen einfach kurz fragen, ob u. a. die Konditionen dort okay sind.

Miu: Unsere Herzen schlagen aber weniger fürs Geschäft, als für die Musik an sich. Deshalb kamen wir ziemlich schnell auf den Gedanken, mal etwas zusammen auf der Bühne zu machen.

Wettbewerbsgedanken gab es bei all dem nicht untereinander?

Miu: Nein. Wettbewerbsgedanken kann ich in der Musik aus Sicht von Plattenfirmen zwar grundsätzlich verstehen, die wollen schließlich ihren Gewinn maximieren. Aus Musiker- und Musikrezipientensicht sind solche Gedanken aber total unangebracht. Musik entsteht schließlich durch gemeinsames Musizieren, und dafür macht es Sinn, dass man sich alles, was einem Labels über Wettbewerb vielleicht schon eingeimpft haben, schnellstmöglich wieder abtrainiert.

Also keine Wettbewerbsgedanken – aber sicher verschiedene musikalische Geschmäcker. Seid ihr schnell auf einen Nenner gekommen, was euer Live-Programm betrifft?

Miu: Ja. Wir haben eine Band, die uns bei Auftritten begleitet, jede Künstlerin spielt drei oder vier Songs mit ihr und kann ihre Ideen so umsetzen, wie sie möchte. Für Singer/Songwriterinnen, die normalerweise nur mit der Gitarre auf der Bühne stehen, bietet diese Konstellation auch ganz neue Möglichkeiten, weil sie ihre Stücke größer arrangieren können, zum Beispiel mit Percussion-Parts und Chören.

 

Hört hier „Ohana“ von Miu

 

Ist der Kreis der Ladies-Artists-Friends eigentlich begrenzt?

Miu: Es gibt zwar einen harten Kern, aber wir sind kein abgeschlossener Club. Vielmehr geht es uns darum, dass diejenigen, die richtig Bock haben, sich auch einbringen können.

Sarajane: Miu und ich übernehmen normalerweise viel von der Organisation, machen aber gerade beide Solo-Alben und sind sehr eingespannt. In dieser Phase freuen wir uns, dass etwa Kathrin Ost von der Band August August, die neu im Orga-Team ist, bei der Ladies-Artists-Friends-Planung oft mit anpackt und auch große Lust darauf hat. Wir haben auch offene Stammtische mit allen Künstlerinnen, die wir am liebsten noch regelmäßiger veranstalten würden.

 

Hier könnt „Shape of You“ als Cover von Debby Smith hören

 

Euer nächstes gemeinsames Konzert veranstaltet ihr am 8. März im Knust. Ist es Zufall, dass es auf den internationalen Frauentag fällt?

Sarajane: Nein, das ist pure Absicht. Die Leute vom Knust haben uns dieses Datum für Ladies-Artists-Friends vorgeschlagen – und wir waren natürlich sofort Feuer und Flamme.

Wird es danach womöglich auch ein Ladies-Artists-Friends-Album geben?

Miu: Wir haben mal über einen Sampler nachgedacht. Dafür müssen wir aber auch die Zeit und das Geld haben. Ladies-Artists-Friends ist im Moment noch ein teurer Spaß für uns, auch weil wir die Band stellen und uns als Ziel gesetzt haben, dass jede auftretende Künstlerin ein Honorar bekommt. Aber: Es gibt schon eine Spotify-Liste mit Songs von vielen, die bei uns sind.

Ladies – Artists – Friends: 8.3., Knust, 21 Uhr.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Further Festival – Club-Festival mit weiblichem Line-Up

Ausschließlich weibliche Acts (u. a. Schnipo Schranke, Sookee, Ebo, Preach und Natascha P., Klitclique) werden auf der Bühne stehen, wenn das Further Festival im Uebel & Gefährlich steigt. Ein Gespräch mit Friederike Meyer aus dem Organisationsteam.

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Es ist „der nächste Schritt, den man machen muss“, sagt Friederike Meyer. Foto: Simone Scardovelli

SZENE HAMBURG: Friederike, ihr veranstaltet ein Festival mit ausschließlich weiblichen Künstlern. Warum erst jetzt?

Friederike Meyer: Eine berechtigte Frage, die ich mit keinem konkreten Grund beantworten kann. Wir haben die Idee vom Festival jedenfalls schon länger mit uns herumgetragen. Als Booking-Agentur sind wir natürlich auch häufig auf Festivals, und nicht erst seit den Erhebungen in den vergangenen Jahren, die das Ungleichgewicht von männlichen und weiblichen Acts aufgezeigt haben, wussten wir, dass es an der Zeit ist, dieses Festival auf die Beine zu stellen.

In einer Mitteilung von euch heißt es: „Unser Ansatz ist ein feministischer.“ Was steckt alles dahinter?

Ich finde es schon mal einen ziemlich feministischen Ansatz zu sagen, dass wir uns ausschließlich auf weibliche Acts konzentrieren – und trans- sowie nicht-binäre Künstler wären natürlich auch willkommen. Man könnte meinen, in der Musikbranche wären wir schon recht weit in Sachen Emanzipation. Das stimmt aber nicht, es gibt immer noch ein großes Ungleichgewicht.

Welche Gründe siehst du dafür?

Das Ende der Fahnenstange ist immer dann erreicht, wenn es ums Geld geht. Wollen Festivalmacher den größtmöglichen Gewinn erwirtschaften, ist ein feministischer Gedanke schnell verworfen, auch wenn er eben noch auf die eigenen Fahnen geschrieben wurde. Außerdem bewegen sich viele Booker schon viel zu lang in Komfortzonen und buchen immer wieder die gleichen männlich besetzten Bands.

Ihr macht es anders – aber könnt ihr mit diesem Festival auch nachhaltig etwas bewirken?

Das Further Festival ist der nächste Schritt, den man machen muss, um Künstlerinnen eine größere Plattform zu bieten. Wir wollen die Wirklichkeit abbilden, die von Festivalmachern sonst teils verschoben wird. Zudem möchten wir Newcomerinnen unterstützen und ihnen eine größere Bühne ermöglichen.

Wobei Schnipo Schranke und Sookee, die beim Further Festival auftreten, jetzt nicht so große Booking-Probleme haben, oder?

Wir brauchten natürlich auch Künstlerinnen, mit denen wir die Leute abholen und die Hütte vollkriegen können. Wir haben im Vorfeld ja keinen Aufruf gestartet, nach dem Motto: „Wer fühlt sich in der Branche besonders schlecht vertreten?“ Am Ende, denke ich, haben wir einen guten Mix gefunden aus bekannten Acts und welchen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Vielleicht tauschen sie sich hinter der Bühne oder auf der After-Show-Party auch aus und wollen sich gegenseitig pushen, in dem sie sich zum Beispiel als Support mit auf Tour nehmen. Das gehört auf jeden Fall auch zu unserem „feministischen Ansatz“.

Und aufs große Ganze bezogen: Was sollte nach dem Further Festival noch passieren?

Es kann gar nicht genug passieren! Female Festivals sollte es in jedem Bundesland und in jeder Stadt geben. Die Zeit ist einfach reif.

Interview: Erik Brandt-Höge
Fotos: Calcio (Beitragsbild), Simone Scardovelli

Further Festival, 2.+3.11., Uebel & Gefährlich; www.furtherfestival.com



 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2018. Das Magazin ist seit dem 29. September 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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