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Volker Lechtenbrink ist gestorben – ein Nachruf

Mit ihm verliert Hamburg einen seiner beliebtesten Schauspieler – er wollte einfach nur spielen

Text: Felix Willeke

 

Eines Tages beim Schlachter Striga in der Alsterdorfer Straße: Drei Damen stehen in der Schlange und der Schlachter sagt: „Meine Damen, sie sind dran“, „ne, ne, danke“, entgegnen diese, „wir warten noch ein bisschen, bis Herr Lechtenbrink bestellt hat, wir hören seine Stimme so gern.“ Kaum eine Anekdote wie diese, die Volker Lechtenbrink 2018 in der NDR-Talkshow „3nach9“ erzählte, beschreibt den Schauspieler so gut. Volker Lechtenbrink ist am 22. November 2021 im Alter von 77 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben.

 

Theater, Film und Musik

 

Volker Lechtenbrink in „Der Hauptmann von Köpenick“ 2010 am Ernst Deutsch Theater (Foto: Oliver Fantitsch)

Volker Lechtenbrink in „Der Hauptmann von Köpenick“ 2010 am Ernst Deutsch Theater (Foto: Oliver Fantitsch)

Das Multitalent, das nur „spielen“ wollte, wie er selbst einmal sagte, wuchs in Hamburg auf und besuchte die Gelehrtenschule des Johanneums. Mit nur 14 Jahren feierte er als Schauspieler 1959 in dem Film „Die Brücke“ unter der Regie von Bernhard Wicki, seinen Durchbruch. Es folgte eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Bildende Künste und am Hamburger Schauspielstudio Freese.
Danach hatte Lechtenbrink Engagements an Theatern in Hannover, Köln, Berlin, München und Hamburg. Er trat auch immer wieder in Fernsehserien auf, darunter „Derrick“, „Ein Fall für zwei“ oder in den Verfilmungen der „Rosamunde Pilcher“- und „Inga Lindström“-Reihen. Dazu lieh er vielen großen Schauspielern seine Stimme, beispielsweise als deutsche Synchronstimme für Kris Kristofferson und Burt Reynolds. Neben Theater und Film war das Multitalent Lechtenbrink auch als Musiker erfolgreich, er schrieb Lieder für Peter Maffay und veröffentlichte selbst über zehn Alben.

 

Hamburg als Heimat

 

Seine Liebe gehörte aber immer seiner Hamburger Heimat und dessen Theater. „Besonders die Hamburger Bühnen verdanken ihm unvergessliche Abende“, sagte Kultursenator Dr. Carsten Brosda. Verbunden war Lechtenbrink insbesondere dem Ernst Deutsch Theater. Hier arbeitete er immer wieder als Schauspieler und Regisseur. Von 2004 bis 2006 übernahm er sogar die Intendanz des Hauses. Carsten Brosda zitiert als Abschiedsgruß auf Twitter einige Zeilen aus Lechtenbrinks erfolgreichstem Lied „Ich mag“: „Ich mag Bilder von Margitte / Schwimmen ohne mit / Barfuß gehen durchs Watt / Hamburg, meine Stadt / All das mag ich und ganz doll dich.“


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