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FoodSZENE – Mediterranes Flair in der Kleinen Brunnenstraße

Nachbarschaftstreff und Institution in Ottensen: das Restaurant Kleine Brunnenstraße. Warum es jetzt Zeit ist, den beliebten Mittagstisch aufzugeben, erklärt Inhaber Andreas Steinwandt.

Interview: Jasmin Shamsi

SZENE HAMBURG: Aus wirtschaftlichen Gründen geben immer mehr Gastronomen ihren Mittagstisch auf. Warum?

Andreas Steinwandt: In Zeiten von Fachkräftemangel ist gutes und verlässliches Personal rar. Um gute Mitarbeiter langfristig zu halten, muss man ein attraktiver Arbeitgeber sein. 12-Stunden-Schichten mehrmals die Woche kann man seinen Leuten auf Dauer nicht zumuten. Da es aber mein Anspruch ist, alle Gerichte frisch zuzubereiten, auch mittags, musste ich mir langfristig etwas einfallen lassen. Ich möchte in Zukunft den Druck rausnehmen und meinen Köchen wieder mehr Spielraum für Kreativität bieten.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigst du?

Ich habe ein stabiles Team, das sich aus fünf Köchen, drei festangestellten Servicekräften und zwei Aushilfen zusammensetzt. Wenn ich die Putz- und Bürokraft, den Spüler und die Springer mit einrechne, komme ich auf rund 15 Mitarbeiter – und das merke ich auch am Monatsende. Was die Platzkapazitäten betrifft, können wir drinnen 42 Gäste und im Sommer, wenn wir die Terrasse eröffnen, noch mal 40 weitere unterbringen.

 

Unter Zeitdruck kann keine Kreativität aufkommen

 

Worauf möchtest du dich jetzt wieder mehr konzentrieren?

Auf meine Work-Life-Balance sowie die meiner Mitarbeiter. Ich liebe es, mir schöne Gerichte auszudenken und tolle Aromen miteinander zu kombinieren. Das geht nur, wenn man dabei einigermaßen relaxt ist. Steht man hingegen unter Zeitdruck, hat man keinen freien Kopf für neue Impulse. Mein Küchenchef und ich unternehmen beispielsweise hin und wieder kulinarische Reisen. Nach Neapel etwa, um echte neapolitanische Pizza zu kosten. Oder wir fliegen nach San Sebastian, um die besten Sardinen ausfindig zu machen. Dafür muss jetzt wieder mehr Zeit sein.

 

Restaurant Kleine Brunnenstraße_Andreas Steinwandt_Szene Hamburg

Andreas Steinwandt: „In Zeiten von Fachkräftemangel ist gutes und verlässliches Personal rar“

 

Der Mittagstisch fällt weg, dafür öffnet ihr früher. Noch mehr Neuigkeiten, die anstehen?

Ab dem 1. Juni wird mediterranes Flair durch unsere Räume wehen. Die Aperitivo-Kultur gefällt mir so gut, dass ich das auch bei uns ausprobieren möchte. Ab 17 Uhr gibt es die besten italienischen und spanischen Appetithäppchen, begleitet von sommerlichen Weinen, die unser Sommelier gerade zusammenstellt. Wir werden Nüsse in der Küche frisch rösten, kantabrische Sardellen aus der Dose bereitstellen und dazu hausgebackenes Brot und ein paar Dips anbieten.

Verlockend! Eine andere Frage zum Schluss: Welche Erfahrungen hast du mit No-Shows gemacht?

Der Großteil unserer Reservierungen findet telefonisch statt. No-Shows sind durchaus ein Thema bei uns, aber das Gute an der Location ist, dass wir viel Laufkundschaft haben. Richtig ärgerlich wird es an Tagen wie Silvester oder bei lange im Voraus geplanten Verkostungsveranstaltungen. Wenn allein vier Leute bei einer Kapazität von 40 Plätzen absagen, bedeutet das 10 Prozent Einbußen für mich.

Im alltäglichen Tagesgeschäft habe ich aber glücklicherweise kein Problem mit No-Shows. Wir haben viele treue Stammgäste, darunter sogar einige, die seit 13 Jahren zwei bis drei Mal die Woche kommen. Ich habe Verständnis dafür, dass mal was dazwischenkommt oder man spontan doch lieber den Grill anschmeißt. Wenn die Absage ein bis zwei Stunden vorher erfolgt, ist das für mich vertretbar. Dann rücken die nächsten auf der Warteliste nach.

 

 

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Restaurant Kleine Brunnenstraße: Kleine Brunnenstraße 1 (Ottensen)


Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.


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FoodSZENE – No-Show trotz Reservierung

Haben wir den Anstand verloren? Immer mehr Gastronomen beschweren sich über ein verändertes Gästeverhalten. Das Problem: No-Shows bedeuten mehr als ein leerer Tisch

Text: Jasmin Shamsi

Am Valentinstag 2019 war das Bistro Carmagnole in der Schanze bis auf den letzten Platz ausgebucht. Wer am Tag selbst spontan reservieren wollte, wurde vertröstet. Ab 18 Uhr stand das Service- und Küchenteam parat, um den Gästen einen besonderen Abend zu bereiten. Vergebens: Der erhoffte Ansturm blieb aus. Von insgesamt 35 erwarteten Gästen tauchten 12 auf. Auf die Idee, abzusagen, waren sie zu spät oder gar nicht gekommen. Für ein Restaurant dieser Größe eine Katastrophe – und leider kein Einzelfall.

In Zeiten von Online-Reservierungsdiensten sind No-Shows, das Nichterscheinen von Gästen trotz Reservierung, ein zunehmendes Problem. Eine Buchungsanfrage ist mit wenigen Klicks bequem von unterwegs getätigt, die schriftliche Bestätigung binnen Sekunden im Postfach. Andersherum machen sich die wenigsten die Mühe, rechtzeitig zu stornieren, falls etwas dazwischenkommt.

 

Mehr Verbindlichkeit bitte

 

Viele Gastronomen sind daher der Meinung, dass ein persönlicher Telefonanruf mehr Verbindlichkeit schaffe. Gleichzeitg sind Reservierungsdienste wie OpenTable sehr praktisch, nicht nur für Restaurantbesucher: Zum einen arbeitet der Anbieter mit Empfehlungsportalen und Suchmaschinen wie Yelp, Bing, Google oder Yahoo zusammen, steigert also die Auffindbarkeit von mit OpenTable verbundenen Restaurants. Zum anderen bietet er Gastronomen die Möglichkeit, Reservierungen digital zu verwalten und damit Arbeitsprozesse zu vereinfachen.

Wer ein Restaurant betreibt, braucht Planungssicherheit. Vom Wareneinkauf bis zur Personalplanung muss das Betriebsrisiko so gering wie möglich gehalten werden. Wie hoch der Umsatzverlust bei Nichtbelegung von Tischen ist, scheint vielen Gästen nicht klar zu sein. Oder ist es ihnen schlichtweg egal? Im Fall vom Bistro Carmagnole hatte man die Gäste am Nachmittag nochmals angerufen, um die Reservierungen zu bestätigen. Sie waren trotzdem nicht erschienen.

 

 

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Einer, der von der Unzuverlässigkeit seiner Gäste endgültig die Nase voll hatte, ist Thomas Imbusch. In seinem vergangenen Sommer eröffneten Restaurant 100/200 führte er kurzerhand das in Deutschland noch wenig bekannte Buchungssystem Tock ein: Der Gast bucht online einen Platz und zahlt im Voraus. Zur Primetime von donnerstags bis samstags fällt der Ticketpreis etwas höher aus als an ruhigeren Tagen. Damit soll eine gleichmäßige Auslastung und Planbarkeit über die Woche sichergestellt werden.

 

Auf Reservierungen verzichten?

 

Eine andere Möglichkeit wäre, komplett auf Reservierungen zu verzichten, wie es beispielsweise beim Bistrot Vienna in der Fettstraße der Fall ist. Bei Austern und Crémant wartet man vorne an der Bar, bis ein Tisch frei wird. Falls der Andrang zu groß ist – was im Sommer häufig vorkommt –, wird man nicht selten nach Hause geschickt. Unverbindlichkeit auf beiden Seiten – ein faires Modell.

Am Ende steht über allem das große Wort Respekt – der fängt gegenüber den gastronomischen Serviceleistungen an und hört bei den verwendeten Lebensmitteln und der entsprechenden Bepreisung auf der Karte längst nicht auf. Aber das ist nochmal ein Thema für sich.


Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.


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