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Market Garden: Die Gemüseboxen vom Haidehof

Frischer geht Gemüse kaufen nicht – das Gut Haidehof bringt ein spannendes Farming-Konzept mit Shop in die Region Hamburg: ressourcenschonend, traktorlos und im Einklang mit der Natur

Text: Laura Lück
Fotos: Gut Haidehof

Was gerade einmal fünf Menschen hier auf die Beine stellen ist sowohl beeindruckend, als auch wunderschön: Alba, Stephan, Astrid, Arek und Corinna haben den Haidehof in Wedel dieses Jahr in ein Gemüseparadies verwandelt. Auf dem ehemaligen Reiterhof gedeihen nun, umgeben von einer bunten Bienenweide, Fenchel, Gurken, rote Bete, Kräuter und Co.

Damit findet der Haidehof zu seinen Wurzeln zurück. 1904 wurde das Gut als Landwirtschaft für die Lebensmittelversorgung des Hamburger Westens gegründet. Heute öffnet der hofeigene Farmshop jeden Samstag von 9 bis 16 Uhr seine Türen. Wer hier die bunt gemixten Gemüseboxen kauft, unterstützt nicht nur ein Herzensprojekt, sondern wird vermutlich eine ganz neue Geschmackserfahrung machen. Das Team verfolgt hier nämlich leidenschaftlich das Farming-Konzept des Market Garden.

Das Besondere: Die Anbauform ist traktorlos. Bei der täglichen Arbeit verwenden die Mitarbeiter Handwerkzeuge und Mulchsysteme, die schädliche Bodenverdichtung minimieren und nützliches Bodenleben fördern.

 

Gemuese-c-Gut-Haidehof

Auf dem Gut Haidehof wird Gemüse ohne die Hilfe eines Traktors angebaut, um dem Boden nicht zu schaden

 

Bei der Zubereitung zeigt sich, dass ein Boden voller Mikroorganismen und kurze Transportwege (morgens ernten, mittags im Hofladen, abends auf dem Teller!) eben tatsächlich einen Unterschied machen. Wer Lust hat, das Projekt über den Gemüsekauf – der übrigens auch im Abo möglich ist – hinaus zu unterstützen, ist eingeladen auch selbst mal die Hände in die Erde zu stecken. Das Haidehof-Team ist für jede Hilfe dankbar; im Gegenzug gibt’s einen idyllischen Tag inmitten der Natur.

Nächsten Samstag also: Alle mal raus nach Wedel, Hände schmutzig machen, durchatmen und vor allem köstliches Gemüse probieren.

Gut Haidehof: Haidehof 3-10 (Wedel)


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im
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Wissen, was gut ist #4 – Das Gut Wulksfelde in Tangstedt

Wer sich mit guten und ehrlichen Lebensmitteln beschäftigt, will wissen, wo sie ihren Ursprung haben. Deswegen haben wir fünf regionale Erzeuger besucht. Hier kommt Teil 4 unser Serie „Wissen, was gut ist“, in der wir euch das Gut Wulksfelde vorstellen.

Geschäftsführer Rolf Winter und Leiterin der Tierhaltung Ulrike Schreiber stehen stellvertretend für das gesamte Team von 160 festen Mitarbeitern und ca. 40 Saisonarbeitern des Guts Wulksfelde in Tangstedt. Es liegt direkt vor den Toren Hamburgs und wird seit 1989 konsequent ökologisch bewirtschaftet. Auf den Äckern des Guts wachsen Gemüse und Getreide, Kartoffeln und Erdbeeren (auch zum Selberpflücken).

Rund um den Hof leben außerdem 250 Rinder der robusten Rasse Limousin und Deutsch Angus. Auch die Schweine haben jede Menge Platz zum Ausleben ihres Wühltriebs und die rund 2.350 Legehennen und ihre 40 Hähne leben in zwei Mobilställen, die regelmäßig auf frische Grasnarben verschoben werden.

Als Vorzeigebetrieb ist das Gut Wulksfelde auch ein beliebtes Ausflugsziel: „Mit unseren Veranstaltungen bieten wir den Hamburgern eine tolle Möglichkeit, mit der ökologischen Landwirtschaft, der Natur und mit uns in Kontakt zu kommen“, sagt Winter.

Das hofeigene Restaurant, der Hofladen und das Café sind besonders an den Wochenenden sehr gut besucht. Gut so, denn schließlich steht der Betrieb für eine transparente Landwirtschaft zum Anfassen. Hofführungen, Märkte und Feriencamps für Kinder gehören ebenso zum Programm wie die Möglichkeit, einen der vorbepflanzten, biozertifizierten Gemüseäcker für eine Saison selbst zu bewirtschaften – eine Kooperation mit dem Anbieter Ackerhelden.

Ein Acker mit einer Fläche von 40 Quadratmetern kostet für eine Saison (Mai bis November) 199 Euro und versorgt bis zu drei Erwachsene mit Biogemüse.

Text: Mira Eggerstedt
Foto: Philipp Schmidt

Wulksfelder Damm 15-17, 22889 Tangstedt/Hamburg; www.gut-wulksfelde.de


Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG Essen+Trinken 2018/2019. Das Magazin ist zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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#Schreberleben – Wo fließt das ganze Wasser hin?

Im Garten wächst nicht nur Gemüse, sondern auch das Bewusstsein für die Natur und ihre Ressourcen.

„Wo fließt das ganze Wasser hin, während ich noch am Zähne putzen bin?“ Diese Textzeile vom Mia-Album „Stille Post“ verfolgt mich seit meiner Studienzeit Anfang der Nullerjahre im fränkischen Bamberg. Sie hat sich so tief in mein Gedächtnis gebrannt, dass ich sie täglich abspule, wenn ich beobachte, wie das Wasser aus dem Hahn rauscht und im Abflussrohr verschwindet. Ich würde von mir selbst behaupten, recht sparsam im Umgang mit Wasser zu sein. Dass da aber noch deutlich Luft nach oben ist, habe ich in unserem Kleingarten gelernt.

Kanalisation á la Kleingarten.

Auch dort müssen wir Zähne putzen, Hände waschen und Abspülen – ohne Kanalisation. Das Schmutzwasser sammeln wir in Kanistern direkt unter dem Becken. Wenn die voll sind, schleppen wir sie nach draußen und schütten den Inhalt über den Kompost. Alle 15 Liter ein Gang. Das Gute: Ich habe genau im Blick, wie viel Wasser ich verbrauche. Erschreckend viel! Ich sehe aber auch, dass ich mit wenig Aufwand meinen Wasserkonsum auf ein Zehntel verringern kann – indem ich etwa beim Einschäumen der Hände das Wasser aus- oder erst nach dem Ausspucken der Zahnpasta, es wieder einschalte.

Zwar müssen wir in Hamburg im Moment keinen Wassermangel fürchten – selbst in diesem Rekordsommer war das Grundwasser, aus dem unsere Stadt ihr Trinkwasser gewinnt, auf einem guten Niveau. Und trotzdem sollte man den eigenen Verbrauch kritisch hinterfragen. Denn Wasser ist eine kostbare Ressource und weltweit nur ­begrenzt vorhanden.

Und für ein weiteres Thema bin ich sensibler geworden. Einmal kippten wir das Wasser mit einem Mikroanteil Spülmittel direkt ins Beet. Einmal und nie wieder! Alle Pflanzen verkümmerten zu blattlosen Skeletten. Der Hibiskus hat sich bis heute nicht erholt. Seitdem benutzen wir nur noch biologisch abbaubares Spülmittel, auch zu Hause.

Bis Anfang der 2000er Jahre waren übrigens noch fließendes Wasser und Spültoiletten in Hamburger Schreber­gärten erlaubt. Abwasser und Fäkalien wurden gedankenlos in Gruben unter den Hütten gesammelt und versickerten dort nach und nach im Boden. Heute ist das in den rund 35.000 Hamburger Kleingärten nicht mehr erlaubt, um das Grundwasser nicht zu gefährden. Würde man alle Schrebergärtner zusammenfassen, entspräche das der Bevölkerung einer Kleinstadt. Lüneburg ohne Abwassersystem? Unvorstellbar.

Text & Foto: Alessa Pieroth


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Karo Beach – Der Sommer wird öko

Deutschlands erster Zero Waste Beach Club, das Karo Beach, haucht einer langweiligen Asphaltfläche Stadtleben ein.

Zigarettenkippen, Plastikflaschen und Einweggrills im Sand, überquellende Mülleimer… Am Elbstrand vielleicht, aber nicht im Karo Beach! Auf der Freifläche vor der Rindermarkthalle eröffnen die Betreiber der zwei unverpackt-Läden „Stückgut“ einen Strandclub, in dem (fast) kein Müll produziert wird. Er ist der erste seiner Art in Deutschland. 

Der nachhaltige Dorfplatz

Die „Betonwüste“ vor der Rindermarkthalle soll zum urbanen Dorfplatz werden. Den Gründerinnen und Gründern schwebt ein ökologisches Idyll inmitten des Partytrubels vor; eine Großstadtoase, an der die Besucher rasten, ihre Füße hochlegen und klönen können. Eltern, die fair gehandelten Eiskaffee aus pflanzlichen Stroh-Halmen schlürfen, die Kinder backen den köstlichen Kuchen mit Sand aus der Region, Anzugträger und Studenten spielen nach Feierabend eine Partie Volleyball im Sonnenuntergang. Wenn die hamburgische Sommerluft bei Einbruch der Dunkelheit empfindlich frisch wird (also an den meisten Abenden), wärmt man sich am Lagerfeuer. Denn im Karo Beach wird es keine Heizpilze geben, die extrem viel CO2 abgeben. Ein Feuer zu machen, ist nicht nur gemütlich, sondern auch deutlich nachhaltiger.

Details machen den Unterschied: Hier gibt es keine To go-Becher, Plastik-Strohhalme oder Einwegflaschen. Die Gäste essen Gerichte aus den Läden in der Rindermarkthalle, die so regional wie möglich sind. Zero Waste, also wirklich gar kein Müll, ist das hehre Ideal, das die Richtung vorgibt. Zumindest gibt es weder Einweggeschirr noch Plastiktüten. Doch an jeder Lieferkette kommt irgendwann der Punkt, der sich nicht mehr beeinflussen lässt. Für das Karo Eck sind das die Kooperationspartner: „Wenn jemand in der Rindermarkthalle bestellt, um das nach draußen zu bekommen und ein Gastwirt eine Stück Fleisch aus einer Plastikhülle nimmt, können wir das nicht kontrollieren“, so Betreiber Dominik Lorenzen.

„eine Plattform für das Thema Zero Waste“

Die Betreiber vertreten aber ohnehin keine dogmatische „ganz oder gar nicht“-Einstellung. Stattdessen wollen sie es sich und ihren Gästen gut gehen lassen. „Müllvermeidung hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern mit Spaß und der Bejahung von Leben“, sagt Mitgründerin Insa Dehne. Der Club will allen Interessierten Tipps für einen müllfreien Lebensstil geben und eine Plattform für das Thema sein ein. „Denkbar sind Sessions und vielleicht Mini-Kongresse zu Müllvermeidung.“, so Lorenzen. Das Karo Beach ist also nicht nur ein Club, sondern auch ein Versuchslabor für kreative Ideen im Bereich Müllvermeidung. Ideenklau ist erwünscht: Sie wollen eine Zero Waste Bewegung in der ganzen Hamburger Gastronomie. Der erste Schritt ist gemacht und das Karo Beach eröffnet.

Karo Beach, Neuer Kamp 31, (St.Pauli), ab 9.5.18, täglich 10–22 Uhr; www.karo-beach.de

Text: Sabrina Pohlmann


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!