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Operation Ton #12 – Konzerte und Workshops im Bunker

Initiiert von RockCity Hamburg e. V., werden bei Operation Ton #12 musikalische Zukunftsfragen am 29. und 30. März per Konferenz und Festival geklärt.

Text: Erik Brandt-Höge
Foto: Robin Hinsch

Judith Holofernes, PeterLicht, H. P. Baxxter, BOY, Enno Bunger: Die Liste der Operation Ton-Gäste seit der Erstausgabe 2007 liest sich so imposant wie divers. Liegt natürlich an der Ausrichtung der Konferenz- und Festivalreihe: Alle denkbaren popkulturellen Bereiche sollen beleuchtet, besprochen und weitergedacht werden.

Musiker und Musikschaffende aus dem gesamten Bundesgebiet kommen hierfür zusammen, im Resonanzraum, dem OT-Hauptquartier und an vielen weiteren Spielorten rund um den Hamburger Medienbunker, um ihre Themen zu diskutieren. Workshops, Labore, Lesungen, Konzerte: Das Programm ist immer pickepackevoll, auch in diesem Jahr. Die Organisatoren von RockCity Hamburg e. V. – Zentrum für Popularmusik haben keine Mühen gescheut, um den OT-Teilnehmern zwei Tage lang bestmögliches Infotainment zu bieten.

Das jetzige Motto: „UNITY!“ Logisch, dass ein Ziel der Veranstaltungen die Verschworenheit aller Anwesenden ist. Es geht um Schulterschlüsse und die gemeinsame Entwicklung von Ideen, wie ein Überleben im Musikgeschäft auf Dauer möglich ist.

 

Bühnengespräche, D. I. Y. und Fehler, die voranbringen

 

Unter anderem sicherlich erlebenswert: ein Bühnengespräch mit Gudrun Gut über D. I. Y. und Selbstvermarktung, das ebenso für den ersten OT-Tag angesetzt ist wie ein Panel zum Thema „Welche Stadt braucht die Musik?“, bei dem auch Andrea Rothaug von RockCity anwesend sein wird. Und ein Talk am Tag darauf mit Gereon Klug und Andreas Dorau über Fehler. Ja genau: Fehler, und wie diese einen irgendwie doch weiterbringen und womöglich zum nächsten großen Hit führen können.

Diese und alle weiteren Programmpunkte von Operation Ton besitzen freilich eine ziemliche Branchenwichtigkeit. Denn wo und wie sonst können diejenigen, die mit und für die Musik arbeiten, so viele spannende Gleichgesinnte und neue Impulse finden?

Holt euch eure Tickets für Operation Ton im SZENE HAMBURG Ticketshop, in Kooperation mit Reservix.

 

Operation Ton: 29. + 30.3., an diversen Orten in Hamburg.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Konzert des Monats – Granada im Nochtspeicher

Popmusik aus Österreich hat ihren jüngsten Hype überlebt – auch dank Granada aus Graz. Ein Gespräch mit Sänger Thomas Petritsch

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Carina Antl

Etabliert ist er, der Rock aus Österreich. Wie unterschiedlich die Protagonisten jedoch sind, zeigt allein der Vergleich Granada (Graz) und Wanda (Wien). Während letztere fröhlich über Exzess und Tod singen, macht die Grazer Formation lieber Musik wie Pastelltöne. Auf dem aktuellen Granada-Album „Ge Bitte“ geht es musikalisch höchst harmonisch, textlich sehr versöhnlich zu.

Ein Gespräch mit Sänger Thomas Petritsch über Stadtrivalitäten, Verständnisprobleme außerhalb des eigenen Landes, eine Stimmung, die sich nirgendwo vermeiden lässt und einen Ort an der Elbe, der es ihm offensichtlich angetan hat.

SZENE HAMBURG: Thomas, setze doch mal folgenden Satz fort: Denk ich an Graz, denk ich an …

Thomas Petritsch: … den Lebensmittelpunkt. Und an den Uhrturm, das Wahrzeichen der Stadt.

Denkst du ausschließlich an Positives? Oder hat Graz auch Schattenseiten?

Graz ist vor allem eine sehr sichere, ungefährliche Stadt. Ich wohne in Lend, einem Viertel, das vielleicht nicht so gute Referenzen hat, aber die Kriminalitätsrate ist sehr niedrig. Klar, es gibt ein paar Drogendealer, aber die gibt’s anderswo auch.

Okay, nächste Satzforsetzung, bitte: Denk ich an Wien, denk ich an …

… eine sehr lebenswerte Stadt. Und an Freunde, die ich gerne besuche.

Ist irgendjemand aus der Band mal für kurz oder lang in Wien gelandet?

Nein, wir sind alle immer in Graz geblieben. Aber wir mögen alle Wien. Es ist immer wieder schön dort, vor allem am Gürtel, in der Mariahilferstraße, im 7. Bezirk. Hat sich alles a bissl gewandelt, ist aber immer noch super.

Irgendwelche speziellen Stadtrivalitäten zwischen Grazern und Wienern?

Klar, die Hauptstädter nennen alle anderen Bauern, und die anderen sagen auch was zu den Hauptstädtern. Aber ab einem bestimmten Alter gibt’s das alles nicht mehr.

Auch Bands dissen sich nicht untereinander?

In dem Bereich, in dem wir unterwegs sind, überhaupt nicht.

 

„Die Melancholie ist überall zu Hause“

 

Ein musikalischer Graz-Wien-Vergleich, der zumindest in Deutschland immer wieder bemüht wird, ist der zwischen euch und Wanda. Nervt’s langsam?

Ich glaube, dieser Vergleich ist der Sprachbarriere geschuldet, also der, die es ab dem Weißwurstäquator nordwärts gibt. Dabei ist es, als wenn man die Toten Hosen mit Von Wegen Liesbeth oder Isolation Berlin vergleicht. Aus der Perspektive von Österreichern besteht die Gemeinsamkeit nur darin, dass beide Deutsch-Pop-Rock machen.

Allein die textlichen Geschichten sind extrem unterschiedlich: Wanda spielen da mit Rock ’n’ Roll-Klischees, mit Suff, Sex und Tod. Und ihr lasst es durchweg ruhiger angehen, singt nicht über das wilde Leben, sondern über Saunagänge und den Mallorca-Urlaub. Außerdem, heißt es, würdet ihr lieber mal einen Gin Tonic trinken als ständig Bier. Wirkt alles, als würden die Pastelltöne auf dem Albumcover von „Ge Bitte“ einen generell recht hellen Gemütszustand widerspiegeln.

Ja, sicher. Wobei Pastelltöne ja immer auch etwas Verblassendes zeigen, fast schon herbstlich sind. Die Farben signalisieren also auch: Der Sommer geht zu Ende.

Allzu viel Melancholie möchte man mit euch aber nicht in Verbindung bringen.

Die Melancholie ist überall zu Hause, nur unterschiedlich ausgeprägt. Graz zum Beispiel liegt südlicher als Wien, wenn’s auch nur 200 Kilometer Entfernung sind. Es liegt also näher an Slowenien, Kroatien und Italien, hat südländische Einflüsse. Wien dagegen hat eher einen deutschen Einschlag.

 

„Hochdeutsch würde ich mir selbst nicht abkaufen“

 

Apropos Deutsch: Mundart im Gesang würdet ihr wahrscheinlich nicht gegen Hochdeutsch eintauschen, oder?

Die Authentizität würde vielleicht verloren gehen, wenn wir nicht mehr Mundart sängen. Das Ausleben der Emotionen über die Sprache würde auf Hochdeutsch nicht mehr so gut gehen, jedes Wort wäre anders und würde sich irgendwie falsch anhören. Hochdeutsch würde ich mir selbst nicht abkaufen – ich kann’s nicht einmal wirklich gut sprechen.

Könnte das Dritte Granada-Album denn ein englischsprachiges sein? Oder eins auf Italienisch?

Italienisch wäre schon toll!

Sprichst du Italienisch?

Un poco. Pizza bestellen könnte ich schon.

Zum Schluss noch mal vollenden, ein Hamburg-Konzert steht ja an: Denk ich an Hamburg, denk ich an …

die Schanze, den Hafen, den Fischmarkt, den Schellfischposten, „Inas Nacht“, das Dockville, Reeperbahn Festival, Uebel & Gefährlich – das ist alles supergeil! Außerdem denke ich an HipHop! Zum Beispiel an Dynamite Deluxe, die ich in meiner Jugend sehr oft gehört habe. Und Dendemann ist ja auch Hamburger. Ach, ich liebe Hamburg!

Granada: 28.11., Nochtspeicher, 20 Uhr


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2018. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

 


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LEA – “Ich wollte ein Studentenleben”

(Promotional Content) Lea schüttet ihren Zuhörern ihr Herz aus und wird dafür gefeiert. Der Erfolg begann auf Youtube:  2007 wurde die selbstgeschriebene Piano-Ballade „Wo ist die Liebe hin“ millionenfach geklickt. Die damals 16-Jährige entschied sich, erst mal zu studieren und hat 2016 das Album „Vakuum“ veröffentlicht. Jetzt gilt sie bei manchen als neue deutsche Pop-Hoffnung und geht diesen Sommer auf Tour.

 

Du hast deinen ersten Song „Wohin willst du schon?“ mit 16 bei Youtube eingestellt. Der hatte wahnsinnig viele Aufrufe. Mit dem Elektro-Mix hast du sogar Platinum erreicht. Mit welchem Ziel hast du das damals eingestellt?

Ich habe meinen ersten Song einfach mal ins Internet gestellt, um zu schauen, was Leute sagen, die mich persönlich nicht kennen, ohne große Hintergrundgedanken. Ich hätte niemals gedacht, dass das so viele Klicks haben wird.

„Ich wollte ein Studentenleben“

Du hast dich dann nicht nur auf Musik konzentriert, sondern Sonderpädagogik studiert. War Musik ein Plan A und das Studium ein Backup? Oder umgekehrt?

Ich habe studiert, um einen geregelten Alltag zu haben und, um nicht komplett von der Musik abhängig zu sein, da einfach noch freier zu sein. Aber ich habe trotzdem schon während des Studiums mein Album aufgenommen. Ich bin viel gependelt zwischen Hannover und Berlin und habe viel Energie in die Musik gesteckt. Aber ich wollte trotzdem einfach mal studiert haben und ein Studentenleben führen. Ich glaube, ich hätte das total vermisst, wenn ich es nicht gemacht hätte. Es war eine superschöne Zeit. Dieses Studentenleben in einer Studentenbude ist schon ein besonderer Lifestyle. Ich bin sehr froh, dass ich das hatte.

In deinem Song „Leiser“ singst du von deinen eigenen Erfahrungen. Ist es bei allen deinen Liedern so, dass du sie aus der persönlichen Erfahrung heraus schreibst?

Ich nutze das Songschreiben, um Gedanken und Erlebnisse zu verarbeiten. Und „Leiser“ habe ich auch genau so erlebt. Ich habe aufgeschrieben, was passiert ist, wie dieser Mensch zu mir war. Diese Erfahrung war nicht so schön, weil es nur um ihn ging, was ich nicht wahrhaben wollte. Das Schreiben hat mir geholfen, das zu verarbeiten und darüber hinwegzukommen.

Sehr mutig!

Man wird natürlich angreifbar, wenn man sich verletzbar macht und alles so ehrlich ausspricht. Ich merke aber selber, dass viele Leute sagen: „Das habe ich auch erlebt. Du hast es endlich mal ausgesprochen.“ Dass ich so ein Feedback bekomme, ist natürlich schön. Dass ich nicht die einzige bin, die solche Gefühle hat.

Die Songs sind sehr emotional. Hast du da manchmal Angst, in die kitschige Ecke gestellt zu werden?

Es ist genau das, was aus mir herauskommt. Wenn das kitschig ist, dann ist das eben so. Ich kann das auch nicht ändern. (lacht)

„Das Lied sagt mir, wie es klingen will“

Es gibt so viel deutsche Popmusik. In welches Genre packst du dich?

Ich denke nicht in Schubladen. Ich glaube, man kann genreübergreifend Menschen erreichen. Ich kriege öfter mal Nachrichten wie: „Ich höre eigentlich nur Heavy Metal, aber dein Song gefällt mir total gut.“ Und man denkt: Ah, krass. Das hat gar nicht nur mit Leuten zu tun, die Popmusik hören. Ich würde es natürlich als Deutschpop bezeichnen. Aber ich habe keine großartigen Vorbilder im Deutschpop-Bereich. Ich gucke eher: Was will das Lied? Das Lied sagt mir beim Schreiben, wie es klingen will.

Hattest du wirklich nie ein Vorbild, das dich inspiriert hat?

Nee, nie.

Interview: Anne May


Am 4.8.2018 ist LEA der Support für Glasperlenspiel im Stadtpark.