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Fatih Akin und „Der Goldene Handschuh“ – Hamburger Horror

Fatih Akins Verfilmung von Heinz Strunks „Der Goldene Handschuh“ über den Serienkiller Fritz Honka feierte auf der Berlinale Premiere. Produzentin Nurhan Sekerci-Porst hat uns von den Dreharbeiten, Sauf-Exzessen in der Kiezkneipe und Akins Vorliebe fürs Abseitige erzählt.

Text & Interview: Maike Schade
Foto (o.): Warner Bros.

Fatih Akin wurde 1973 geboren. Zwei Jahre später wurde Fritz Honka verhaftet – jener Serienkiller, der über Jahre hinweg in der Kiez-Kaschemme „Zum Goldenen Handschuh“ Frauen abgeschleppt, in seiner Wohnung in der Ottenser Zeißstraße ermordet, zerstückelt und die Leichenteile in seiner Mansarde versteckt hat. Das beispiellose Verbrechen erschütterte die Hamburger nachhaltig – lange noch ging Honka als Manifestation des sprichwörtlichen „Schwarzen Mannes“ in den Gedanken um.

Auch bei Fatih Akin, der in Altona aufgewachsen ist. Nun hat er Heinz Strunks Roman über die damaligen Geschehnisse verfilmt, in die Kinos kommt der Film ab 21. Februar. Premiere ist auf der Berlinale (7. bis 17. Februar). Hoffentlich. Schließlich geht es hier um den Goldenen Bären. Doch das Ganze ist ein ziemlich enges Höschen, der Horrorstreifen wird wohl erst kurz vor knapp fertig. Sehen konnten wir den Film deshalb noch nicht, Akin schraubte zu Redaktionsschluss noch mit Hochdruck daran. Von der Produzentin Nurhan Sekerci-Porst haben wir trotzdem eine Menge Interessantes über den Film erfahren.

SZENE HAMBURG: Nurhan, mit dem Buch und der Theaterinszenierung am Schauspielhaus ist das Thema Fritz Honka ja eigentlich schon ziemlich gut bedient. Warum wolltet ihr trotzdem diesen Film machen?

Nurhan Sekerci-Porst: Wir haben das beschlossen, gleich nachdem wir den Roman gelesen hatten. Fatih war total begeistert von dem Buch, er kennt ja auch Heinz Strunk und die Geschichte aus eigener Erfahrung – er ist in Altona aufgewachsen, dieser Serienmörder lebte also quasi in seiner Nachbarschaft. Er braucht immer einen persönlichen Zugang zu dem Stoff, den er verfilmt, und das war hier natürlich gegeben. Denn hinzukommt noch, dass die Griechen, die in der Wohnung unter Fritz Honka in der Zeißstraße lebten, Verwandte von Fatihs gutem Freund Adam Bousdoukos waren. Der Onkel, genauer gesagt. Und so entstand schnell die Idee, den Roman zu verfilmen, obwohl der sich mit all der Grausamkeit eigentlich gar nicht unbedingt dafür anbietet.

 

Die Nacktheit der Frauen und das Zersägen hat uns alle sehr mitgenommen

 

Wie war das denn bei dem Dreh? War es für dich überhaupt erträglich, bei der Zerstückelung der Leichen zuzusehen?

Das war für uns alle, für das gesamte Team und die Schauspieler, ziemlich krass. Diese Nacktheit der Frauen, dieses Abschlachten und Zersägen, das hat uns alle sehr mitgenommen. Deshalb hatte ich auch entschieden, dass ein Psychologe am Set sein sollte, wenn es an die expliziteren Szenen geht.

Habt ihr ihn – oder sie – gebraucht?

Das war Dr. Angélique Mundt, eine Psychologin. Es gab Gespräche mit ihr am Set, wenn auch eher genereller Natur. Aber Fatih ist ja auch ein sehr einfühlsamer Regisseur. Es war alles sehr respektvoll, er hat sich sehr viel Zeit genommen für die Szenen und ist erst einmal sehr technisch da rangegangen, um etwas mehr Abstand dazu zu haben. Dennoch war es gut und auch notwendig, dass die Psychologin dabei war.

Das klingt, als wäre es auch für die Zuschauer keine leichte Kost …

Nein, das ist nichts für zartbesaitete Seelen. Allerdings findet beim Zuschauer auch viel im Kopf statt, vieles hört man nur. Das geht aber voll unter die Haut, weil wir in Dolby Atmos gedreht haben, da haut dich der Sound wirklich um. Es ist ein Horrorfilm, das muss man ganz klar sagen.

Also nichts mit Sozialstudie oder so?

Nein. Wir ergründen auch nicht, warum Honka zum Serienmörder geworden ist. Im Grunde genommen ist es wie „Große Freiheit Nr. 7“ (Hans-Albers- Klassiker von 1944, Anm. d. Red.) als Horrorfilm.

Habt ihr den Roman eins zu eins verfilmt?

Nicht eins zu eins. Der Film hat eine stringentere erzählerische Struktur. Der Roman erzählt die Story um die Kneipe herum. Wir erzählen die Story um den Serienkiller. Die Reeder-Familie und den Reeder-Sohn, die in Strunks Roman ja durchaus eine größere Rolle spielen, haben wir beispielsweise weggelassen.

Ihr habt aber in den Originalkneipen gedreht? Also im Handschuh, dem Elbschlosskeller und dem HongKong Hotel?

Jein. Die Außenszenen auf der Reeperbahn und in der Zeißstraße haben wir an den Originalschauplätzen gedreht. Die Interieurs, also den Goldenen Handschuh und auch die Wohnung von Fritz Honka, hat unsere Ausstattungsabteilung komplett und eins zu eins im Überseezentrum nachgebaut. Sascha Nürnberg, einer der Besitzer des Goldenen Handschuhs und ein Enkel des damaligen Besitzers, war völlig geplättet, als er da hineinkam. Er meinte: „Krass, wie haargenau das hier aussieht wie bei uns. Ich fühle mich wie im Handschuh, es fehlt nur der Geruch.“

Warum habt ihr den Goldenen Handschuh denn nachgebaut, wenn es die Location noch gibt?

Es stimmt, und es sieht wohl auch noch genauso aus wie zu Honkas Zeiten. Aber es wäre sehr schwierig geworden, im Goldenen Handschuh zu drehen. Der Laden hat ja bis auf einen Tag im Jahr wirklich immer und rund um die Uhr auf, und die Besitzer wollten ihn nicht längerfristig schließen, er ist ja quasi das Zuhause von vielen Leuten. Und die wären dann vermutlich auf die Barrikaden gegangen, wir hätten dann sowieso nicht in Ruhe drehen können. Es war schon schwierig genug, mitten im Sommer auf dem Kiez zu drehen. Da braucht man super viel Geduld, man darf nicht ausflippen, wenn die Passanten einen anquatschen oder durchs Bild laufen wollen.

 

„ ‚Wenn ihr unartig seid, holt euch der Honka‘, hieß es in der Schule immer“

 

Aber der Kiez sieht doch ganz anders aus als damals, oder?

Ja, das kommt noch hinzu. Die Ausstattung musste vieles anfassen. Trotzdem, alles geht da natürlich nicht. Wir haben deshalb in der Postproduktion für VFX (visuelle Effekte, Anm. d. Red.) eine sehr hohe Summe ausgegeben, weil beispielsweise die Autos verdreckt, Schilder bearbeitet und Fenster retouchiert werden mussten. Oder die Häuserfassaden in der Zeißstraße, die so was von totsaniert wurden – es hat unheimlich viel Zeit und Geduld gekostet, das so nachzubearbeiten, dass es so original wie möglich wirkt.

Hättet ihr das Ganze nicht im Heute spielen lassen können?

Das haben wir tatsächlich ganz kurz diskutiert. Aber nee.

Kann sich Fatih eigentlich an die Geschehnisse damals erinnern?

Er sagt, dass er mit der Angst vor Fritz Honka aufgewachsen ist. In der Schule hieß es wohl immer: „Wenn ihr unartig seid, holt euch der Honka“ oder so ähnlich. An die Verhaftung Honkas erinnert er sich natürlich nicht, da war er ja erst zwei, drei Jahre alt. Aber das hing wohl wie ein Schatten über seiner Kindheit, schließlich war das der skrupelloseste, gewalttätigste Serienmörder der Bundesrepublik. Der hat über fünf Jahre hinweg mehrere Frauen ermordet, hat die Leichenstücke die ganze Zeit da in seiner Mansarde gehortet und immer nur Teile weggeschleppt, alles war abgeklebt und überall in der Wohnung hingen Wunderbäume, um den Geruch zu überdecken. Zu wissen, dass das nebenan passiert ist … Das ist ja das Finstere an der Geschichte: So etwas kann auch in deiner Nachbarschaft geschehen, auch heute noch, und keiner merkt es.

 

Seht hier den Trailer zu „Der Goldene Handschuh“

 

Adam Bouskoudos spielt doch auch mit – wen denn?

Er spielt seinen Onkel. Der hat Honka wegen des Gestanks mehrfach angesprochen und sich auch beim Vermieter beschwert. Aber niemand hat was unternommen. Nicht einmal die Polizisten, die vor Ort waren, weil eines der Opfer entkommen ist und ihn wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt hat. Als die den Geruch ebenfalls bemerkt haben, hat Honka ja behauptet, der käme von den Griechen – also Adams Onkel –, die immer Hammelköpfe kochen würden. Das steht wirklich in den Polizeiakten. Und die sind dann einfach von dannen gezogen.

Die Rolle des knapp 40-jährigen Fritz Honka spielt Jonas Dassler (beim Dreh 22 Jahre alt, Anm. d. Red.). Wie seid ihr denn auf den gekommen, der ist doch viel zu jung und hübsch dafür?

Ja, das stimmt. Wir haben ihn bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises gesehen, wo er als Bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet wurde. Wir waren so beeindruckt von seinem Auftreten. Er war zwar sehr nervös, dabei aber unglaublich charismatisch. Und da sagte Monique, Fatihs Frau, die auch das Casting für den „Goldenen Handschuh“ gemacht hat: Schade, wenn der ein paar Jahre älter wäre, wäre das dein Fritz Honka. Und da fing es bei Fatih an zu rattern, und er hat ihn zum Casting eingeladen. Eigentlich zuerst eine Schnapsidee, aber Jonas hat uns voll überzeugt.

Wie habt ihr ihn so hässlich und alt gemacht?

Da haben wir sehr, sehr lange getüftelt. Honka hatte ja mehrere Unfälle und ein sehr eingedrücktes, entstelltes Gesicht, und er hat geschielt. Das wollten wir entsprechend umsetzen. Das hieß für Jonas, dass er jeden Tag drei Stunden Maske durchziehen musste. Morgens musste er schon um fünf, sechs am Set sein, abends noch mal eine Stunde zum Abschminken.

 

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Kneipenbesuche waren Pflicht für Fatih Akin

 

Wie habt ihr das mit dem Schielen hinbekommen?

Wir haben in London von einer Expertin, die zum Beispiel auch für den „Fluch der Karibik“ arbeitet, eine riesengroße Linse anfertigen lassen, die die Iris nicht erkennen lässt, sodass wir damit das schielende Auge erzeugen konnten. Die konnte Jonas immer nur eine halbe Stunde am Tag für die Nahaufnahmen tragen – er musste sie nicht immer tragen, ging ja auch gar nicht, in der Kneipe wurde ja auch wirklich geraucht, und da bekam das Auge nicht genug Sauerstoff. Für ihn war das alles körperlich schon sehr, sehr anstrengend. Auch mental natürlich. Und er musste ja auch noch mit Akzent spielen. Aber er hat es wirklich großartig gemacht, und seine eigene Figur Honka mitentwickelt. Wirklich ein ganz, ganz toller Schauspieler, obwohl er ja noch gar nicht so viel Erfahrung hat.

Wie viele Fakos (Fanta-Korn, angeblich Honkas Lieblingsgesöff, Anm. d. Red.) habt ihr eigentlich während des Drehs getrunken?

(lacht) Oh, das waren einige. Natürlich nicht während des Drehs, beim Arbeiten gibt’s keinen Alkohol – nur die Komparsen, echte Gäste aus dem Goldenen Handschuh, haben da richtige Fakos bekommen, die durften das und brauchten es auch. Aber wir waren vor allem während der Vorbereitungszeit viel im echten Goldenen Handschuh und ich muss ganz ehrlich sagen: Du kannst in diesem Laden nicht nüchtern sein. Er lässt dich auch nicht nüchtern sein. Ich habe mir so oft vorgenommen: Heute Abend betrinke ich mich nicht. Aber der Laden hat eine so merkwürdige Energie, das macht irgendwas mit dir, du entkommst dem nicht.

Du beobachtest eigentlich nur die Leute, und irgendwann wirst du dann eins damit und erwischst dich dann am Ende des Abends Arm in Arm mit irgendwelchen Frauen, die du eigentlich gar nicht kennst und plötzlich erzählt man sich die traurigsten Lebensgeschichten. Wirklich eine ganz eigenartige Dynamik, ich kann das gar nicht richtig erklären.

Und wie schmeckt ein echter Handschuh-Fako?

Eigentlich gar nicht. Wir haben uns ja auch die richtige Mische zeigen lassen – nicht halbe-halbe, sondern es muss ein bisschen mehr Korn als Fanta sein. Der arme Jonas hat so viel Korn getrunken! Aus Recherchezwecken natürlich, er war sehr oft im Goldenen Handschuh. Ehrlich gesagt glaube ich, Fako ist eigentlich ein Fantasiegetränk von Heinz Strunk. Der war natürlich auch oft im Goldenen Handschuh, zusammen mit Fatih.

 

„Superhelden interessieren ihn nicht“

 

Ach, das hat Fatih aber doch bestimmt gefallen? Bei den Dreharbeiten zu „Tschick“ hat er doch gesagt: „Auch wenn ich mit Jugendlichen drehe: Ich rauche, ich saufe und ich fluche trotzdem.“

Ja, ja, total. Diese rauen Außenseitergeschichten, abgehangene Leute, die der Gesellschaft oft egal sind, das ist so voll seins – er liebt ja auch Bukowski, genau wie Heinz Strunk. Superhelden interessieren ihn nicht.

Du arbeitest schon seit 2005 mit Fatih zusammen. Was nervt dich an ihm?

Tja … Also, er ist ja Künstler. Und das bedeutet, dass man Dinge immer wieder ausdiskutieren muss. Und es ist aber nicht so, dass dann etwas besprochen und abgehakt ist, sondern drei Tage später ist alles wieder ganz anders. Doch genau das ist es ja auch, was das Arbeiten mit Künstlern so spannend macht – auch wenn einem an manchen Tagen schier die Haare ausfallen vom Raufen. Doch wenn das Ergebnis stimmt, und das tut es bei Fatih immer, dann war es das Ganze auch wert.

Ab 21.2; Premiere mit Akin, Schauspielern und Crew am 20.2., 20 Uhr, roter Teppich ab 19 Uhr, Astor Film Lounge.

 24.2., Sondervorstellung mit den Maskenbildnerinnen, Zeise Kinos, 20 Uhr; 27.2., Sondervorstellung mit Heinz Strunk, Zeise Kinos, 19.30 Uhr.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Magdalena bringt neue Partyreihe Shadows ins PAL

Bookerin, Festival-Veranstalterin, Produzentin: Magdalena, die Hamburger DJ und ehemalige Ego-Chefin, ist mittlerweile weltweit unterwegs. Im Februar kommt sie mit ihrer Ibiza-Partyreihe Shadows ins PAL.

Interview: Ole Masch
Foto: Randy Rocket

SZENE HAMBURG: Magdalena, wir erreichen dich in Tulum, Mexiko. Was führt dich dortin?

Magdalena: Ich bin gerade auf Tour. Hinter mir liegen sieben Gigs, unter anderem in Mexico City, Guadalajara, Acapulco und Puerto Escondido. Morgen steht hier der wichtigste Gig an. Es geht um die Shadows-Reihe. Die Gäste die ich begrüßen darf sind meine guten Freundinnen Nicole Moudaber und Anja Schneider sowie Art Department und Radio Slave.

Was ist „Shadows“?

Eine Partyreihe die ich ursprünglich mit meinem Team entworfen habe, um eine wöchentliche Residency auf Ibiza zu spielen, freitags im Blue Marlin. Am späten Nachmittag geht es mit einem Gast los, die Sonne geht langsam unter, die Schatten werden länger, es gibt eine tolle Lichtshow. Zum Schluss des Abends gibt es häufig noch ein b2b von dem Gastkünstler und mir. Nun übertragen wir das Konzept in andere Länder.

Wo geht’s hin?

Wir starten mit Francesca Lombardo am 14. Februar in Berlin, im Watergate. Dann weiter nach Zürich ins Hive und zu guter Letzt in meine Heimat Hamburg, ins PAL. Alles an einem Wochenende. Das Ganze wiederholen wir am 14. März mit La Fleur. Es ist ziemlich schwierig, eine Tour mit einem Gast in so kurzer Zeit in drei Venues zu veranstalten. Die Clubs müssen ihr ok geben, die Gage muss hinhauen, die Künstler müssen rechtzeitig angefragt werden. Es war wirklich ein schwieriges und zeitaufwendiges Unterfangen. Ich bin froh, dass jetzt alles steht.

Was kannst du über die Künstlerinnen erzählen?

Seit ich La Fleur im Ego-Club gebucht habe, kreuzten sich unsere Wege unregelmäßig aber stetig. Ich habe sie im letzten Jahr zu „Shadows“ in Ibiza eingeladen, jetzt freue ich mich besonders, dass sie wieder mit am Start ist. Francesca Lombardo lernte ich vor circa zwei Jahren im Lost Beach Club in Ecuador kennen. Ich habe freitags gespielt, sie samstags. Sonntags haben wir eine lange Afterparty b2b gespielt, seitdem sind wir tief verbunden.

 

„Irgendwann habe ich angefangen, mit dem Mixer zu experimentieren“

 

Hast du bewusst zwei Frauen dafür ausgewählt?

Ich würde nicht sagen, dass ich Frauen generell Männern vorziehe, aber schon, dass ich Freunde eher einlade als mir unbekannte Künstler.

Du bist seit Beginn ein Teil der Diynamic-Label-Familie. Wie bist du zum Auflegen gekommen?

Da ich lange Zeit den Ego-Club geleitet habe, war ich oftmals bis zum Schluss da, um zu schauen, dass alles gut läuft. Irgendwann habe ich angefangen mit dem Mixer zu experimentieren. Da habe ich schnell bemerkt, wie viel Spaß mir das macht – und so kam eins zum anderen.

Was macht das Label für dich aus?

Es ist halt Familie für mich. Innerhalb von Diynamic sind wir alle sehr eng miteinander verwachsen, es gibt einen regen Austausch über Musik, wir sehen uns alle häufig bei den Diynamic Events, die Diynamic Festivals oder Showcases. Ich fühle mich einfach sehr eng mit diesem Label und deren Künstlern verbunden.

Bei Diynamic bist du die einzige Frau. Was meinst du, ist der Grund dafür?

Das ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Noch vor einigen Jahren gab es nicht so viele Frauen, die produzierten. Mittlerweile werden es immer mehr, was ich sehr begrüße. Ich denke nicht, dass es sehr lange dauern wird, bis eine weitere Frau auf Diynamic releasen wird.

Welche Erfahrungen hast du mit Sexismus im Nachtleben gemacht?

Ich bin in Hamburg aufgewachsen und hatte mit dem „Ego“ einen Club mitten auf dem Kiez. Mitten im Rotlichtmilieu, habe ich früh gelernt, mich mit dummen Sprüchen auseinanderzusetzen und auch zu kontern. Ich fühle mich auf dem Gebiet ziemlich abgehärtet.

Vermisst du das „Ego“?

Einerseits ja, andererseits habe ich durch die Schließung auch viele neue Freiheiten bekommen. Da ich sehr viel Herzblut in den Laden gesteckt habe, habe ich auch viele Stunden dort verbracht – denn wenn ich mir etwas vorgenommen habe, gebe ich immer 100 Prozent. Jetzt ist meine Passion das Auflegen, und ich darf jetzt in der Welt umherreisen, was natürlich auch wunderschön ist.

Verschiedene Länder, unterschiedliche Feierkulturen. Jede Nacht ein anderer Club. Was für viele traumhaft klingt, ist sicher auch anstrengend. Wie erholst du dich davon?

Hin und wieder nehme ich mir ein Wochenende frei, aber generell bin ich noch zu „hungrig“ und möchte so viel spielen wie möglich. In der Woche kann man sich kurz ausruhen, aber meistens liegen dann viele andere Sachen an: Man möchte ins Studio, dort arbeiten oder mit seinem Team über die nächste Schritte sprechen. Ich versuche wenigstens am Montag für niemanden erreichbar zu sein, auch wenn das leider häufig nicht klappt …

 

Magdalena live in Beirut

 

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Wie häufig bist du überhaupt noch in Hamburg?

Ich würde sagen, dass ich circa sechs Mal im Jahr vorbeischaue. Manchmal länger, manchmal kürzer. Meine Familie lebt zum Teil noch dort und meine Agentur hat ihren Sitz in Hamburg. Manchmal bin ich auch zum Auflegen dort. Das Ego-Air veranstaltete ich die letzten Jahre ja außerdem auch noch. Ich nehme quasi jede Gelegenheit wahr um meiner Lieblingsstadt einen Besuch abzustatten.

Wird es dieses Jahr wieder ein Ego-Air geben?

Dazu kann ich leider noch nichts sagen. Ehrlich gesagt, hatte ich noch keine Zeit das final zu besprechen.

Neben dem Auflegen, hast du angefangen zu produzieren. Wie kam es dazu?

Nico Plagemann von Kollektiv Turmstrasse half mir auf die Sprünge. Er hat mich in sein Studio eingeladen, mir alle Basics erklärt und mir ans Herz gelegt, mit Ableton zu arbeiten. Damit ist man einfach schneller und kreativer und kommt zu einem super Ergebnis.

Stimmst du der Aussage zu, dass, wer als DJ wahrgenommen werden will, auch produzieren muss?

Generell schon. Das Publikum wünscht sich nicht nur DJs, sondern Musiker. Ausnahmen bestätigen hierbei natürlich wie immer die Regel.

Was hat dich bei deiner ersten EP Elementum inspiriert?

Die Vocals aus dem Track „Mountains of Es Cubells“ kamen von meinem Freund Steve. Er hatte mir eine Whats-App-Nachricht geschickt, die mich total an die Afterparty-Kultur von Ibiza erinnert hat – da musste ich einfach einen Track draus machen.

 

Hört hier „Mountains of Es Cubells“ von Magdalena

 

Verarbeitest du auch deine Hamburger Herkunft in deiner Musik?

Nun ja, ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen – somit trage ich Hamburg immer im Herzen.

Wo kann man dich in diesem Jahr noch auflegen sehen?

Im Mai spiele ich beim Diynamic Festival in München, ansonsten spiele ich in nächster Zeit hauptsächlich außerhalb Deutschlands.

Und was sind deine aktuellen musikalischen Projekte und planst du sonst für 2019?

Im Februar kommt ein Remix auf Timeless raus, dann arbeite ich noch an einem Remix für Hot Since 82, der im März veröffentlicht wird. Außerdem gibt es ein Herzensprojekt von mir, welches klassische Musik kreuzen wird, aber das ist noch nicht ganz spruchreif!

„Shadows“ mit Magdalena und Gästen live in Hamburg: 16.2. und 16.3., PAL, 24 Uhr


 Dieses Interview stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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