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Theater: Wut, Witz und Wiener Walzer

Noch bis zum 6. November 2021 läuft das „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ von Richard Alfieri unter der Regie von Anatol Preissler im Ernst Deutsch Theater

Text: Katharina Manzke 

Wenn man so will, steckt in der Geschichte des Tanzes die emotionale Bandbreite eines ganzen Lebens. Diesen Eindruck hat man zumindest als Zuschauer des Stückes „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ von Richard Alfieri, das Anatol Preissler im Ernst Deutsch Theater inszeniert. Eine vereinsamte alte Dame, Lily Harrison (Gila von Weitershausen), hat private Tanzstunden gebucht. Die Tanzschule schickt ihr mit Michael Minetti (Mark Weigel) einen Lehrer, mit dem sie zunächst überhaupt nicht zu harmonieren scheint. Nachdem sich die Witwe eines Baptisten-Predigers und der um einige Jahre jüngere, schwule Tänzer gegenseitig angegiftet haben, tanzen sie doch miteinander – die erste Stunde steht im Zeichen des lebensfrohen Swing. Beide merken: Sie, zusammen auf der Tanzfläche, das hat Potenzial. Und so geht es Woche für Woche weiter.

 

Tolle Musik und viel Gefühl

 

Mit dem Tango, dem Tanz der zwischen leidenschaftlicher Dynamik und gespannten Pausen wechselt und Gegensätze vereint, dem Wiener Walzer, dem Foxtrott, dem Cha-Cha-Cha und schließlich dem Modernen Tanz. Auf der Bühne wird zu bekannten Melodien von den Comedian Harmonists, über R.E.M. bis hin zu den Blues Brothers also viel getanzt, was vor allem die freuen dürfte, die selbst den Paartanz zelebrieren und lieben. Besonders schön dabei ist, wie die Entwicklung der Beziehung zwischen beiden in diese Tanzstunden eingewoben ist. Auf der Bühne lenkt kein schmückendes Beiwerk oder ein Zuviel an Nebenschauplätzen oder -figuren ab: Von Woche zu Woche, von Szene zu Szene, kommen sie einander näher und gewähren auch den Zuschauern tieferen Einblick in ihre Erinnerungen und Gefühle. Was lustig und spritzig begann, endet tieftraurig und emotional, aber auch mit Hoffnung.

Sechs Tanzstunden in sechs Wochen, Ernst-Deutsch-Theater, 1., 3. bis 6. November 2021


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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50 Jahre Gruenspan – Ein Club, der überdauert

50 Jahre Gruenspan: Die Musikindustrie taumelt, der Club an der Großen Freiheit steht wie eine Eins – und feiert Jubiläum

Text: Erik Brandt-Höge
Foto: Alessa Pieroth

Das Haus an der Ecke Simon-von-Utrecht-Straße hat schon einiges hinter sich. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde es unter anderem als Tanzsalon, Badeanstalt und Lichtspielhaus genutzt, bevor es 1968 zum Gruenspan kam, einer bis heute bestehenden Institution in der Hamburger Musiklandschaft.

Eine der frühen Sternstunden des St. Pauli-Clubs: Als er Ende der 1970er der erste weltweit war, der mit eigener Lasertechnik hantierte. Optimale Voraussetzungen für die damaligen Disko-Nächte im Gruenspan, die zunächst von Progressive Rock, später, in den 80ern, von elektronischer Musik geprägt waren. Natürlich machten auch die Räumlichkeiten an sich etwas her, in denen bereits Bryan Adams, Linkin Park, Alice In Chains, R. E. M., die Pet Shop Boys und Jack Johnson aufschlugen.

 

 

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Backstein-Industrie-Charme an den Wänden, verschnörkelte Säulen und Balkonbrüstungen, seitlich abgerundete Decken, warme Farben: Im Gruenspan konnte und kann sich einer schnell wohl fühlen. Auch das SZENE HAMBURG-Team hat das an zwei besonderen Abenden erlebt. Während des Reeperbahn Festivals 2017 und 2018 durften wir im Gruenspan Bands wie Superorganism, All Them Witches, Brett, Bazookas, Yoke Lore und Darwin Deez präsentieren.

Deshalb auch in eigener Sache: Glückwunsch zum Geburtstag. In einer Zeit, in der Labels, Vertriebe, Fachmagazine und -läden um ihre Existenzen bangen, ist dieser Club ein Ort, an dem Musik wertig bleibt.

Gruenspan: Große Freiheit 58 (St. Pauli)

Nächste Termine: 23.11, Revival Rock Party, ab 21 Uhr; 27.11., Matinée & Tag der offenen Tür, ab 12 Uhr (für geladene Gäste) & ab 15 Uhr



 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2018. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

 


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