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Hamburger Theater: Hoffen auf Öffnung

Ralf Fiedler, Dramaturg am Schauspielhaus, über das, was ihm in dieser Zeit wichtig ist.

 

SZENE HAMBURG: Was war Ihre schönste Theatererfahrung?

Wenn das Theater zum Beruf geworden ist: fast nicht beantwortbar, weil sich irgendwann alles verbindet und verkettet und vergleicht. Das Erste, was aufleuchtet: „24 Stunden sind kein Tag“ von René Pollesch in der „Neustadt“ von Bert Neumann an Berliner Volksbühne. Einfach wegen der Wucht und Präsenz der Spielerinnen in diesem gigantischen Großraum, von dem man Teil war und sein wollte. Gleichzeitig das Gefühl totaler Relevanz der Themen und Theorien, Texte laut gerufen, ohne Psychologie, aber unmittelbar in Berührung mit dem Leben.

Ralf Fiedler, Dramaturg am Schauspielhaus (Bild: Dan Cermak)

Was ist die größte Herausforderung für Sie während der Corona-Krise?

Menschen, die mir nahestehen, physisch nicht mehr zu treffen – Freunde, weil sie im Ausland „EU“ leben, oder meine Mutter im Pflegeheim, mit der es gar nicht möglich ist, medial zu kommunizieren. Das ist hart, man wird das Gefühl nicht los, jemanden absolut alleinzulassen.

Was stimmt Sie momentan hoffnungsfroh?

Die Hoffnung, dass die Maßnahmen sich ausdifferenzieren, spezifischer und treffsicherer werden und die „Öffnung“ weitergehen kann.

Wem sind Sie in diesen Zeiten besonders dankbar?

Wenn ich die vielen beiseite lasse, die geholfen haben, eine gewisse Normalität aufrechtzuerhalten und die wirklich Dank verdient haben, dann bin ich absolut all den Freunden dankbar, die sich bei mir wieder gemeldet und mir das Gefühl geben haben, noch „in Verbindung zu stehen“.

Wer hätte mehr Dankbarkeit verdient?

Dankbarkeit ist da vielleicht nicht ganz der richtige Begriff, aber ich bin berührt und beschämt all denen gegenüber, die sich jetzt noch um die Not der Menschen in den Flüchtlingslagern, Kriegsgebieten und an den Grenzen kümmern und für deren Belange tatsächlich „kämpfen“. Und die vielleicht sogar bereit waren, ein derart privilegiertes Land wie unseres und eine sichere Versorgung hinter sich zu lassen, um vor Ort etwas zu bewirken.

 


 Der Text stammt aus dem SZENE HAMBURG DANKE!-Magazin. Das Magazin ist seit dem 29. Mai 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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