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Sternschanze

Was ist die Sternschanze? Vielleicht passt der alte Ausspruch „Klein aber oho“ am besten zu diesem Stadtteil zwischen Party, linksalternativer Szene und G20-Gipfel

Text: Felix Willeke

Nur 0,6 Quadratkilometer, so groß ist der Stadtteil Sternschanze. Zum Vergleich: Selbst die Hamburger Außenalster ist mehr als doppelt so groß. Zwischen Fernsehturm und Sternbrücke leben rund 8.000 Menschen und am Wochenende kommt ein Vielfaches der Bevölkerung obendrauf. Neben den vielen Menschen ist die Sternschanze vor allem eines: jung. Erst 2007 wurde aus dem historisch geteilten Gebiet zwischen dem ehemals dänischen Altona und Hamburg der Stadtteil Sternschanze. Wir machen uns jetzt zu einem Streifzug vom Sternschanzenpark (umgangssprachlich auch Schanzenpark genannt), über die verwunschenen Hinterhöfe und die besonders im Sommer gut bevölkerten Straßen bis zur stadtbekannten Sternbrücke und ins Karoviertel.

Schanzenpark

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Im Sommer lockt das Schanzenkino die Menschen in den Schanzenpark (Foto: Outdoor Cine)

Die knapp 12 Hektar große Parkanlage zwischen Schlump, Bahngleisen und der S-Bahn Sternschanze ist die grüne Lunge des Viertels. Der Name stammt dabei wie der Name des Stadtteils von Festungsbauten, die als Schanzen bezeichnet wurden. Mit 23 Metern liegt im Schanzenpark die höchste Erhebung des Stadtteils. Früher war diese „Schanze“ eine Verteidigungsanlage vor den Hamburger Stadtmauern – deren Wallanlagen heute noch an Planten un Blomen zu erkennen sind. Heute ist der Schanzenpark geprägt vom alten Wasserturm, den Sportanlagen des SC Sternschanze und den Menschen, die es vor allem im Sommer in den Park zieht. Kein Wunder, denn wenn die Tage am längsten sind, gibt es Musik und Literatur im Schanzenzelt. Dazu lädt alljährlich das Schanzenkino zu OpenAir-Filmabenden. Und mit dem Schrødingers gibt es einen der schönsten Open Air Locations der Stadt.

Politik

Politisch ist das Schanzenviertel links orientiert. So holte die Linke bei der Bundestagswahl 2021 mit fast 20 Prozent eines der hamburgweit besten Ergebnisse und die Grünen fuhren mit fast 50 Prozent sogar ihr stadtweit bestes Ergebnis bei den Zweitstimmen ein. Die CDU hingegen erhielt bei der Bundestagswahl 2021 im Stadtteil Sternschanze gerade einmal vier Prozent der Zweistimmen. Außerdem ist der Stadtteil seit den 1980er-Jahren maßgeblich durch das linke Kulturzentrum Rote Flora geprägt.

Die Rote Flora

Im Zentrum des Schanzenviertels steht die Rote Flora. Das seit 1989 besetzte Gebäude war früher ein Theater, später ein Kino und ab 1964 Standort der Warenhauskette 1000 Töpfe. Als schließlich Ende der 1980er-Jahre bekannt wurde, dass das Haus zu einem Musical-Theater umgebaut werden sollte, sorgte das insbesondere in der Hausbesetzer:innenszene der Hafenstraße und bei anderen linken Gruppen für Unmut. Auseinandersetzungen mit der Polizei und kleinere Anschläge auf die Baustelle folgten und der Investor zog sich zurück – das geplante Musical-Theater wurde stattdessen als Neue Flora an der Holstenstraße errichtet.

Der G20 Gipfel 2017 in unmittelbarer Nachbarschaft, ein No-Go für das linke Kulturzentrum Rote Flora (Foto: unsplash/Dyana Wing So)

Am 1. November 1989 erklärten Aktivist:innen die Flora für besetzt und das ist sie bis heute. Verwaltet wird das Haus zur Zeit formal von einer Stiftung. Einen Miet- oder Kaufvertrag für das linke Kulturzentrum gibt es nach wie vor nicht. Die Rote Flora ist seither ein Ort für politische Treffen, Aktionen, Partys und die kritische Auseinandersetzung mit der Stadt. Ein Vertreter sagte einmal gegenüber dem NDR, die Flora wolle „ein Stachel im Fleisch der Herrschenden sein“. Getreu diesem Motto widersetzte sie sich auch immer wieder der politischen Forderung nach einer Räumung, die besonders infolge der Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel 2017 noch einmal lauter wurde.

Gentrifizierung

Mittlerweile ist die Rote Flora aber auch ein Standortfaktor und damit Teil der Gentrifizierung des Stadtteils. Ein anderes Symbol für diesen Strukturwandel ist das Hotel im Schanzenpark. Vor über zehn Jahren wurde der alte Wasserturm umgebaut und auch hier gab es massive Proteste. Die linke Szene äußerte Bedenken ob des Vier-Sterne-Hauses in ihrem Viertel. Doch im Gegensatz zur Roten Flora setzten sich hier die Investoren durch und das Hotel eröffnete.

Eine solche Entwicklung ist typisch für eine Gentrifizierung, die häufig wie folgt abläuft: In einem Viertel siedelt sich durch günstige Mieten – oder wie im Fall der Flora durch Hausbesetzung – ein kreatives, häufig eher linkes Milieu an. Dieses macht das Viertel attraktiv für Investoren und es werden große Kapitalgeber angezogen. Diese kaufen Häuser, sanieren diese und erhöhen die Mieten – das kreative Milieu wird verdrängt. So ist es auch zum Teil auf der Sternschanze passiert. Seit Jahren werden immer wieder Gebäude mutmaßlich dem Verfall überlassen, Bewohner:innen müssen ausziehen und Neubauten werden erreichtet. So werden alt-eingesessene Bewohner:innen und Geschäfte verdrängt. Das Viertel wandelt sich mit der Zeit vom links-alternativen Viertel zum Party- und Ausgeh-Hotspot und weiter zum gehobeneren Wohnviertel.

„Wir wollen ein Stachel im Fleisch der Herrschenden sein“

Linkes Kulturzentrum Rote Flora

Kultur

Ein Wandel der langsam voran schreitet. Trotzdem hat sich die Schanze eines bewahrt: die Kultur. Denn Institutionen wie das 3001 Kino, eines der besten Programmkinos der Stadt, sind weiterhin hier zu Hause. Dazu kommen ein nahezu unbegrenztes kulinarisches Angebot und einiges der besten Partylocations der Stadt.

Restaurants

Nur wenige Meter hinter dem Schanzenpark eröffnet sich direkt hinter der Bahnbrücke ein Paradies für Freunde des guten Geschmacks. Kumpir, Omas Apotheke, indisches Essen, das Pamukkale und das Lokmam, schon auf den ersten Metern gibt es alles, was das Herz begehrt. Und wenn man von der Schanze spricht, gehören auch die Bullerei von Tim Mälzer, das Braugasthaus Altes Mädchen und die Ratsherren Brauerei mit dazu. Außerdem gehören Restaurants wie das Pamukkale oder schräg gegenüber das Lokmam zu den Top-Adressen für türkische Küche in Hamburg. Dazu kommt mit dem Jill einer der besten Pizza-Läden der Stadt, mit Erika’s Eck ein echter Klassiker, mit dem Berta Emil Richard Schneider ein richtiger Geheimtipp und den Royal Donuts auch noch etwas Süßes.

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Im Lokmam gibt es beste türkische Küche (Foto: Lokmam)

Nachtleben

Das Goldfischglas, die Rote Flora, der Waagenbau, das Fundbureau oder das PAL: Auf und rund um die Schanze finden sich einige der besten (Techno-)Clubs der Stadt. Feiern lässt es sich hier also ebenfalls bestens. Neben Partylocations hat aber auch die Kultur im Schanzenviertel sein Zuhause. Alles fängt mit der Rota Flora an und in direkter Nachbarschaft steht das Haus73. Vor einigen Jahren frisch renoviert, bietet es gutes Bier gepaart mit regelmäßigen Quizabenden im Galopper des Jahres. Dazu kommt all das, was hier entstanden ist: So gab es noch vor Jahren im Haus 73 das ehemals größte und unbekannteste Theaterfestival Norddeutschlands, das Kaltstart, und bis heute findet neben den regelmäßigen Singer- & Songwriter Slams auch der legendäre „Slam the Pony“-Poetry Slam statt.

Schulterblatt

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Das Schulterblatt ist das Zentrum des Schanzenviertels (Foto: Johanna Zobel)

Dieser Kulturelle Hotspot mit dem Haus73 und der Roten Flora befindet sich direkt am Schulterblatt. Die Straße zwischen Neuem Pferdemarkt und Max-Brauer-Allee kann getrost als Herz der Schanze bezeichnet werden. Im Norden lädt der breite Gehweg zum Verweilen ein und viele Lokale verlagern ihren Gastraum im Sommer nach draußen. Nur wenige Meter weiter gen Richtung Süden lohnt ein Besuch in der Buchhandlung im Schanzenviertel und wer direkt gegenüber neben Brunos Käseladen einen Blick in den Durchgang riskiert, entdeckt den Baschu. Der Baschu ist ein Spielplatz in einem der grünen Innenhöfe im Viertel. Wer Glück hat und eine Wohnung mit Balkon zu einem der Innenhöfe bewohnt, wird merken, wie ruhig und fast schon idyllisch die Schanze sein kann.

Sternbrücke

Aber auch abseits der Innenhöfe hat die Schanze ruhige Ecken. Hinter der Flora erreicht man durch den Flora-Park, vorbei am Kilimanschanzo (einer Outdoor-Kletterwand), die Wohnstraßen der Schanze. Hier gibt es noch echten Altbau, große Wohnungen und kleine Eckkneipen ohne Trubel und mit viel Ruhe. Wem das auf Dauer aber zu langweilig ist, der hat es nicht weit. Nur ein paar Meter die Stresemannstraße entlang und schon steht man unter der Sternbrücke im Nordwesten des Viertels. Ein fast schon legendärer Ort. Neben Clubs wie dem Waagenbau und dem Fundbureau gibt es hier mit dem Brückenstern eine der schönsten Jazz-Locations der Stadt.

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Die Beckstraße verbindet die Sternschanze mit dem Karoviertel (Foto: Mediaserver Hamburg)

Karolinenviertel

Wer nicht feiern, sondern Shoppen möchte, sollte sich im Fall der Schanze nach Südosten orientieren. Vom Neuen Pferdemarkt geht es vorbei an Zoë-Sofabars mit ihren Bedien-Robotern in die Beckstraße. In dieser Straße aus dem 19. Jahrhundert ist das Azeitona der perfekte Ort für einen Zwischenstopp. Gestärkt mit den wohl besten Falafeln der Stadt geht es über den Lattenplatz am Knust, vorbei an der Hanseplatte ins benachbarte St. Pauli. Direkt hinter der Brücke über die U3 zwischen U-Bahn Sternschanze und Feldstraße gelangt man ins Karolinenviertel.

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Das Karoviertel: Ein Muss für Fans von Vintage-Mode (Foto: Mediaserver Hamburg)

Im Norden begrenzt durch die Messe Hamburg und im Süden durch die Feldstraße haben sich im hier neben Jung von Matt, einer der größten Werbeagenturen Deutschlands, viele kleine Geschäfte niedergelassen. Im Karoviertel finden sich nicht nur einige der besten Plattenläden der Stadt, entlang der Marktstraße liegt ein Augenmerk ganz klar auf Vintage-Mode. Darüber hinaus gibt es aber auch neuen Chique wie bei Herr von Eden oder kleine Restaurants wie das Bodega Lima. Damit ist das Karoviertel der perfekte Abschluss oder ein wunderschöner Auftakt für einen Streifzug über die Sternschanze.


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1. Mai – viel los in Hamburg

Nach Neujahr und Ostern wartet mit dem 1. Mai endlich wieder ein Feiertag auf Hamburg, zwar an einem Sonntag, trotzdem ist viel los in der Stadt – ein Überblick über die wichtigsten Demonstrationen und Partys

Warum feiert man den „Tag der Arbeit“ überhaupt? Die Tradition des 1. Mai geht zurück auf den „Haymarket Riot“ am 4. Mai 1886 in Chicago. Nachdem am 1. Mai des Jahres in den ganzen USA rund 400.000 Arbeiter:innen für die Achtstundenwoche gestreikt und demonstriert hatten, kam es in der Stadt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Am Ende starben sieben Polizeibeamte und mindestens ein Zivilist bei den Ausschreitungen am Haymarket. Für den 1. Mai 1890 wurde in Gedenken an diese Ausschreitungen ein weltweiter Feiertag geplant – die Geburtsstunde des 1. Mai als „Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse“. Mittlerweile ist der erste Tag im Mai in vielen Ländern weltweit ein gesetzlicher Feiertag.

Am Wochenende des 1. Mai sind in Hamburg 24 Demonstrationen angemeldet

Demonstrationen am 1. Mai

Auch in Hamburg wird am 1. Mai 2022 wieder demonstriert. Laut Polizei sind insgesamt 24 Veranstaltungen am ganzen Wochenende angemeldet, hier kommen die wichtigsten:

Demonstrationen von ver.di und dem Deutschen Gewerkschaftsbund

Din Hamburg gibt es am 1. Mai 2022 drei Demonstrationen der Gewerkschaften, in…

… in Bergedorf um 10 Uhr ab dem Lohbrügger Markt, Abschlusskundgebung um 12 Uhr im Rathauspark Bergedorf;

… in Harburg um 10.15 Uhr ab dem Rathausplatz, Abschlusskundgebung um 11 Uhr ebenfalls auf dem Rathausplatz;

… und von Eimsbüttel nach St. Pauli um 10 ab Heußweg, Nähe der U-Bahn Osterstraße, Abschlusskundgebung um 12 Uhr auf der Straße St. Pauli Fischmarkt.

Linke Demonstrationen

Unter dem Motto „Wer hat, der gibt“ demonstriert außerdem ein linkes Bündnis aus unter anderem der „Seebrücke Hamburg“, der Partei „die Linke“, dem AStA der Uni Hamburg und Fridays for Future Hamburg um 13 Uhr ab der Elbphilharmonie. Ziel der Demo ist der Ballindamm Nähe Alstertor (unweit der Warburg Bank).

Auch in Wilhelmsburg wird am 1. Mai demonstriert. „Verboten gut – Anarchismus in die Offensive“ ist das Motto, los geht es um 18 Uhr an der Neuenfelder Straße, Ziel ist die Harburger Chaussee.   

Unter dem Motto „Heraus zum revolutionären 1. Mai“ startet um 16 Uhr am Berliner Tor eine weitere Demonstration und soll um 20 Uhr am U- und S-Bahnhof Barmbek enden.

Fast parallel dazu gibt es auf der Schanze das „Klassenfest gegen den Staat und das Kapital“. Die hier angemeldete Demonstration startet um 15 Uhr.

Die Polizei erwartet einen ruhigen 1. Mai

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Die Polizei erwartet für Hamburg einen ruhigen 1. Mai

Besonders im Stadtteil Sternschanze war die Polizei im vergangenen Jahr mit Wasserwerfern gegen Demonstrierende vorgegangen. In diesem Jahr gibt es aber weder ein Versammlungsverbot noch Maskenpflicht. Daher rechnet die Polizei „mit einem Versammlungsgeschehen, wie wir es aus der Zeit vor Corona rund um den 1. Mai kennen“ und geht für dieses Jahr von einem „störungsfreien und gewaltfreiem Verlauf“ aus. 

Tanz in den Mai – der Start in den Party-Sommer

Neben dem politischen ist der 1. Mai auch der Startschuss für den Party-Sommer. Während in vielen Teilen Deutschlands in der sogenannten Walpurgisnacht der Frühling begrüßt wird, ist in Hamburg in der Nacht auf den 1. Mai Zeit für den Tanz in den Mai. Auch 2022 gibt es etliche Partys in der Stadt:

„Mai Ahoi“ auf der Cap San Diego. 

Auf dem alten Frachtschiff im Hamburger Hafen gibt es bei „Mai Ahoi“ am 30. April ab 21 Uhr vier Areas mit Partyclassics, Clubsounds, finest House & Electro und Black, RnB und old school. Tickets gibt es ab 13 Euro (Vorverkauf wird empfohlen).

Indie Rock bei Frau Hedis Revolver Club

An den Landungsbrücken gibt es ab 20 Uhr von New Wave über Indierock und Post Punk bis Brit Pop alles, was das Herz begehrt. Und wie sagte es schon Thees Uhlmann: „Ich finde was Günther Netzer für stilvollen Fußball und Analyse war, das ist der Revolver Club heute immer noch für stilvolle und coole Indie-Parties!“ Der Eintritt kostet 15 Euro (Abendkasse 18 Euro). Rein kommen alle ab 18, außer Junggesell:innenabschiede.

Freundlich+Kompetent in den Mai tanzen

Direkt an der Mundsburg bittet Carlos aka The Wingman ihm Freundlich+Kompetent zu Beats á la Neo Beat, Rap, Trap, Funk&Soul und Rock. Einlass ist um 17 Uhr, los geht‘s um 20 Uhr und der Eintritt ist wie immer frei.

„Manhatten Mayday“ im Fundbureau

Gemeinsam in den Mai Tanzen im das geht auch endlich wieder an der Sternbrücke. Auf zwei Floors gibt es bei „Manhatten Mayday“ einerseits Pop, Charts & Rnb) und andererseits Techno & Techhouse. Tickets gibts nur an der Abendkasse und los gehts um 23 Uhr.

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Mit dem Tanz in den Mai startet der Party-Sommer 2022 (Foto: unsplash/Pablo Heimplatz)

Im Goldbekhaus tanzen alle Ü 40 in den Mai 

Hat das Kulturzentrum in Winterhude mit der „Winterhuder Tanznacht“ schon eine legendäre Ü40-Party etabliert, kehr jetzt auch der Tanz in den Mai zurück. Die perfekte Adresse für alle über 40. Getanzt wird zu bewährter Musik und nach dem 2G+-Modell. Tickets gibt es für 8 Euro (Abendkasse 10 Euro).

Club 40up im Kent Club

Der Kent Club ist neu, sieht gut aus und lädt mit dem Club 40up ebenfalls zum Tanz in den Mai. Für alle über 40 eine der besten Adressen der Stadt, um bei richtig guten Beats in den Mai zu tanzen. Zur Begrüßung gibt es einen Shot und in der ersten Stunde eine Happy Hour. Los gehts um 22 Uhr, Ticktes gibts ab 13 Euro (Abendkasse 15 Euro).

Punk in Marias Ballroom

Für alle Fans des gepflegten Punk geht es am 30. April nach Harburg. In Marias Ballroom geben sich ab 20.30 Uhr „Blanker Hohn“, die „Barrytown Wheelies“ und „Bondgirl“ die Ehre. Tickets gibt es für 11,50 Euro (Abendkasse 14 Euro), Einlass ist um 20 Uhr.

Motorbooty im Molotow

Wenn es auf dem Kiez eine legendäre Partyreihe gibt, dann ist es Motorbooty im Molotow. Zum 1. Mai feiert die Reihe auf 2 Floors mit reichlich Rock’n’Roll und zwar mit dem mittelmäßigen oder schlechten, sondern nur mit dem richtig guten Zeug. Einlass ist ab 23 Uhr und der Eintritt für das 2G+-Event kostet 6 Euro für alle Floors.

Lange raven im Südpol

Den längsten Tanz in den Mai gibt es in der Süderstraße. Die Party im Südpol startet schon am 29. Mai um 23.55 Uhr. Schluss ist erst am 1. Mai um 22.00 Uhr. Einlass gibts bei dem 2G+-Event nur mit gültigem Nachweis. Tickets sind außerdem auch nur vor Ort zu haben. Mehr Infos unter suedpol.org.

Open Air im Schrödingers

Wer zum Wegfall der Maskenpflicht unter freiem Himmel in den Mai tanzen will, für den gehts in den Schanzenpark. Im Schrödingers ist ab 16 Uhr die Lichtung bei freiem Eintritt (nach 2G+-Regel) geöffnet. Ab 22 Uhr geht es im Wintergarten weiter und ab 23 Uhr gibt’s Musik von Ida Daugaard.


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Sommerzeit ist Schanzenparkzeit

Musik, Artistik, Kinderunterhaltung. Einmal mehr haben die Macher vom Schanzenzelt im Park an der U Sternschanze ein großartiges Programm auf die Beine gestellt. Höhepunkt: die Rap-Show von Akua Naru.

Sommerzeit ist Schanzen­parkzeit, eh klar. Hipster, Yuppies, Kiddies, Omis und Opis treffen sich auch in diesem Jahr bei gutem Wetter auf den Wiesen des ewigen Szenevier­tels, in dessen Zentrum natürlich eins nicht fehlen darf: das Schanzenzelt. Schon von Wei­tem sind sie ein Hingucker, die gelben und roten Streifen der Dachplane, auch das blaue Vor­zelt strahlt einem entgegen. Es entsteht eine Zirkusatmosphä­re ohne Affen, Löwen und Ele­fanten, stattdessen mit einem erneut tollen Programm für alle Altersklassen. Logisch, dass es keinen passenderen Saison Opener geben kann als den clubkinder Kosmos (17.5.), gefolgt vom großen Hip­ Hop­Tanzabend, präsentiert von MC Rene am Tag darauf. In den zwei Zelt­-Monaten stehen fortan genreübergreifend zig empfehlenswerte Abende an, etwa der mit DeWolff (31.5.), die The Grand East als Support mit­ bringen, und Pohlmanns Nachtschicht (7.6.). Für die Kleinen gibt es die Circusschule TriBüh­ne (15.6., 30.6., 1.7.) und den Zir­kus Regenbogen (23.6.) – um nur zwei Highlights zu nennen.

Besonders eindrucksvoll verspricht das Konzert von Akua Naru (Foto) zu werden. Die US-­amerikanische Rappe­rin hat nicht nur ein besonderes Gespür für federleichte musi­kalische Arrangements, in de­nen HipHop auf Jazz, Blues und Soul trifft. Sie ist auch eine Mei­sterin in Sachen Lyrics. Eines ihrer textlichen Ziele: schwarzen Frauen eine Stimme geben. Narus Geschichten haben auch deshalb Hand und Fuß, weil sich die mittlerweile in Köln lebende Künstlerin bereits in ihrem Ur­banistik­ Studium in Camden, New Jersey mit den Faktoren be­schäftigt hat, die zur Benachtei­ligung von Menschen mit dunk­ler Hautfarbe führten und nach wie vor führen.

Und wem gerade nicht nach Konzerten und sonstigem Zelt­-Trara ist, der kann sich jeder­ zeit vor dem Ort des Geschehens auf den Liegenstühlen nieder­ lassen, in der einen Hand ein Kaltgetränk halten und mit der anderen durchs Gras fahren. Die Szenerie allein ist näm­lich schlichtweg ein Genuss.

Text: Erik Brandt-Höge

Schanzenzelt im Schanzenpark
17.5.-15.7.18


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Daniela Bar: „Das hier ist unser Herzblut“

Die Daniela Bar war eine der ersten Szenekneipen auf dem Schulterblatt. Jetzt schließt die Bar nach über 26 Jahren. 2016 war SZENE HAMBURG hier noch zu besuch und sprach mit den Wirtinnen Patricia Neumann und Florence Mends-Cole über Veränderungen und die Rolle der Kneipe

Interview: Jasmin Shamsi

Mitten auf dem Schulterblatt, das war für über 26 Jahre das Zuhause der Daniela-Bar. Jetzt muss sie wegen der Verluste während der Corona-Pandemie schließen. Damit verschwindet ein Stück Kneipenkultur und eine Institution des Schanzenviertels. Schon bevor es die Pizza gab – die hinter vorgehaltener Hand auch „Galão-Strich“ genannt wird – war die Daniela-Bar ein wichtiger Bestandteil des Viertels. Dabei wollten die Betreiberinnen trotz der Lage nie ein Teil des Kneipenkults sein und sind es vielleicht gerade deswegen geworden. SZENE HAMBURG hat 2016 mit den beiden Wirtinnen gesprochen – ein kleiner Blick in eine Zeit vor Corona.

„Damals konnte man nicht nicht von Kneipenviertel sprechen“

SZENE HAMBURG: Wie lange gibt es die Daniela-Bar schon?

Florence: Seit 1992, wobei wir sie erst 1995 übernommen haben. Patricia und ich haben uns hier beim Arbeiten kennengelernt.

Wie war die Schanze damals?

Florence: Von Kneipenviertel konnte man noch nicht sprechen. Die heutige Piazza war eine kleine Seitenstraße mit einem 1,50 bis 2 Meter breiten Bürgersteig, in der die Autos direkt vor den Läden parkten. Es gab einen Fleischer, einen Gemüse-, Milch- und Tante-Emma-Laden.
Patricia: Uns gab es schon, das Café Transmontana nebenan ab 1994 oder 1995, dann den Saal II …

Florence: Außerdem rechts von uns das Café X – die heutige Katze –, einen Billardladen und die Taxifahrerkneipe Golem, in der ich übrigens angefangen habe zu arbeiten. Die linke Szene war dort stark vertreten. Das Le Fonque hat ungefähr zeitgleich mit uns eröffnet.

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Das Schulterblatt mitten im Zentrum des Schanzenviertels war das Zuhause der Daniela-Bar (Foto: Philipp Jung)

„Mittlerweile kommen sogar die Kinder der ersten Generation zu uns“

Klingt, als sei hier ein vollkommen anderes Publikum unterwegs gewesen.

Patricia: Es gab nicht so viel Laufkundschaft wie heute. Damals kam man gezielt zu uns, heute entdeckt man die Daniela Bar durch Kneipenhopping.

Florence: Die Sommergarten-Öffnungszeiten gab es auch noch nicht. Vor 22 Uhr haben wir gar nicht aufgemacht. Insgesamt ging alles sehr viel später los – dafür dann aber bis in die Morgenstunden, manchmal auch in den Vormittag hinein.

Eure Gäste kommen heute nur noch zum Vorglühen hierher?

Patricia: Das auch nicht. Wir haben tolle Stammkunden, die uns über die Jahre begleitet haben. Die sind froh, dass es uns noch gibt, und fühlen sich wie zu Hause. Das ist auch der Grund, warum uns unser Job noch so viel Spaß macht.

Florence: Das hier ist unser Herzblut. Wir haben ein Publikum, das mit uns gewachsen ist. Mittlerweile kommen sogar die Kinder der „ersten Generation“ zu uns. Dadurch bleibt uns viel Ärger erspart, man kennt sich. Und wenn doch mal was sein sollte, sagt man den Türstehern vom „Kleinen Donner“ gegenüber Bescheid.

2002 kam mit der Piazza die Trendwende

Habt ihr das Gefühl, den Kneipenkult auf dem Schulterblatt losgetreten zu haben?

Patricia: Die Trendwelle wurde definitiv durch die Piazza ausgelöst, die 2002 angelegt worden ist. Veranlasst wurde das durch die Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg, die vorher schon mit der Umstrukturierung des Viertels begonnen hatte. Wir haben uns lange geweigert, Sommerbänke draußen aufzustellen. Mittlerweile öffnen wir im Sommer schon um 18 Uhr und stellen ein paar Bänke raus. Das ist vielen Leuten aber immer noch zu spät.

Florence: Es ist uns wichtig, Kontinuität zu wahren, dass wir beständig sind und uns nicht nach dem richten, was von außen verlangt wird. Gäste, die manchmal nach vielen Jahren wieder unsere Bar besuchen, sind regelmäßig positiv überrascht darüber, alles noch so vorzufinden, wie damals in den 90ern – uns hinter der Bar inklusive.

Wie geht ihr mit den Krawallen am 1. Mai um?

Patricia: Eine von uns ist dann für gewöhnlich im Laden. Das Prozedere kennen wir seit zwanzig Jahren und wissen, was zu tun ist. Wenn es losgeht, kommt die Außenbestuhlung rein und dann wird erst einmal abgewartet. Krawalle kann es aber zu allen möglichen Zeitpunkten geben.


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