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Bildung 2.0: Ein digitaler Booster

Corona hat dem technischen Fortschritt an Hamburgs Schulen einen Schub verpasst, doch es gibt noch immer Kritik

Text: Andreas Daebeler

 

Digital ist besser. Das wussten schon die Jungs von der Hamburger Indierock-Band Tocotronic. Und zwar 1995, als Google und Facebook noch nicht geboren waren, Informatik im Schulunterricht in den Anfängen steckte und Medienkompetenz bedeutete, die richtigen Zeitungen zu lesen. 27 Jahre später hat sich die Welt verändert. Und der Wandel wird immer rasanter. Können Lehrpläne, technische Ausstattung und die Ausbildung der Pädagogen da mithalten? Wo setzt Hamburg Zeichen, ist innovativ? Wurde aus der Pandemie gelernt? Die Stadt hat eine klare Antwort, sieht sich „weit vorn“, wie es aus der Schulbehörde heißt. Schauen wir mal genauer hin.

Und dafür erst mal zweieinhalb Jahre zurück. In eine Zeit als Corona alles verändert. Die Realitäten von rund 260.000 Kindern und Jugendlichen in der Stadt. Dazu die von Lehrern und Betreuern an mehr als 400 Bildungseinrichtungen. Und von unzähligen Familien, deren Alltag mal eben auf den Kopf gestellt wird. Von einem Tag auf den anderen Unterricht zu Hause – eine neue Realität mit Tücken. Schnell wird klar, dass es an vielem mangelt. An Strukturen, digitalen Endgeräten, Fortbildungen und IT-Experten in den Schulen. Ruckelnde Videostreams, versagende Technik, Probleme bei der Kommunikation – Kritik bricht sich Bahn. Der Bund reagiert mit Sofortprogrammen. Es gibt frisches Geld.

„Wir wollen, dass die Digitalisierung in die Praxis aller Fächer Einzug hält“

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„Digital ist besser“ – wussten schon Tocotronic 1995 (©Unsplash/Andrew Neel)

Und Hamburg greift zu. Das belegen ganz aktuelle Zahlen. Demnach hat die Stadt die für Digitalisierung bereitgestellten Fördermittel schon jetzt weitgehend genutzt. Von den 166,3 Millionen Euro, die der Bund für eine bessere Ausstattung der Schulen zur Verfügung gestellt hat, sind laut Schulbehörde 95 Prozent investiert. „Jede Schule hat inzwischen WLAN und digitale Tafeln, in allen Schulen gibt es Laptops. An einzelnen Standorten sind noch nicht alle Klassenräume mit WLAN ausgestattet, aber insgesamt liegt die Abdeckung bei weit über 90 Prozent. Die restlichen Räume nehmen wir uns in den kommenden Monaten vor“, sagt Schulsenator Ties Rabe.

Der nächste Schritt sei, den Unterricht zu verbessern. „Wir wollen, dass die Digitalisierung in die Praxis aller Fächer Einzug hält. Dazu schulen wir die Lehrkräfte, dazu erarbeiten wir aber auch Bildungspläne, in denen künftig in stärkerem Maße als bisher die Digitalisierung enthalten ist“, so Rabe. Besagte Pläne hätten klare Vorgaben, sie gingen sogar soweit, dass künftig in Hamburg in den üblichen Klausuren Tablets oder Laptops eingesetzt werden sollten. „Nicht in allen, sehr wohl aber Schritt für Schritt in immer mehr Klausuren“, so der Senator.

Ties Rabe spricht von einem „gewaltigen Investitionsprogramm“

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Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (©Behörde für Schule und Berufsbildung/BSB)

Fakt ist, dass der Digitalpakt Schule schon vor der Pandemie auf den Weg gebracht wurde. Dass Corona Versäumnisse aufgezeigt und wie ein Booster gewirkt hat, daran gibt es dennoch keinen Zweifel. Zumal weitere Fördertöpfe an den Start gebracht wurden. Die Zahlen: 121 Millionen Euro hat Hamburg bereits in die allgemeine Digitalisierung der Schulen gesteckt. Bis zu 128 Millionen Euro können abgerufen werden. Hinzu kommt der Digitalpakt für Sofortausstattung, aus dem Hamburg 12,8 Millionen Euro für Schüler-Tablets genutzt hat. Um Endgeräte für Lehrer anzuschaffen, stehen 12,8 Millionen Euro bereit, 11,5 Millionen Euro davon hat Hamburg bislang für seine Pädagogen investiert. Geht es um IT-Administration sind 11,8 Millionen Euro auf den Weg gebracht worden, um Wartung und Pflege der digitalen Ausstattung an den Schulen auf ein vernünftiges Niveau anzuheben.

Ties Rabe hat ein ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen, dass Hamburgs Schüler:innen in allen Fächern genauso selbstverständlich den Computer einsetzen wie Schulbücher und Arbeitshefte“, sagt er. Deshalb sei digitale Technik an allen 376 staatlichen Schulen erheblich ausgebaut worden. Hamburgs eigene Mittel eingerechnet, spricht Rabe von „einem gewaltigen Investitionsprogramm“, das rund 200 Millionen Euro umfasse. Das sei erst der Anfang. Geplant sei, den Digitalpakt zwischen Bund und Ländern weiterzuführen und bis 2030 zu verlängern. „Wir können also mit weiteren Fördergeldern rechnen“, so der Senator.

„Es braucht technische-, pädagogische- und rechtliche Fortbildungen“

Alles ganz prima also? Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wird die Lage weniger rosarot gesehen. Fraglos habe die Schulbehörde in den vergangenen Jahren viel Geld abgerufen und auch in die Schulen investiert, so die stellvertretende Vorsitzende Yvonne Heimbüchel. Die Probleme lägen jedoch in der Ausführung. So stelle die Schulbehörde noch immer keine Plattform für die Lehrkräfte zur Verfügung, auf der sensible Daten von Schülern gespeichert oder versendet werden könnten. Es würden Tablets quasi ausgeschüttet, ohne vorher zu klären, was Pädagogen mit diesen Geräten konkret anstellen sollten. „Unterrichtsvorbereitung oder Zeugnisse schreiben ist auf diesen kleinen Geräten meist nicht fehlerfrei möglich“, sagt Heimbüchel. Zudem fehle es an einem nachhaltig durchdachten Fortbildungskonzept. Es müsse erklärt werden, wie Apps funktionierten, wo Technik sinnvoll einzusetzen sei und welche Probleme es mit Datenschutz geben könne. „Es bedarf sowohl technischer und pädagogischer als auch rechtlicher Fortbildungen“, so die Gewerkschafterin weiter.

„Wir wollen, dass Hamburgs Schülerinnen und Schüler in allen Schulfächern genauso selbstverständlich den Computer einsetzen wie Schulbücher und Arbeitshefte.“
Schulsenator Ties Rabe

Die gibt es laut Ties Rabe längst. Hamburg habe die Fortbildung für Lehrkräfte deutlich ausgebaut. „Die Teilnahmequoten während der Corona-Pandemie waren überwältigend. Man konnte erkennen, dass Lehrkräfte sich diese Technik jetzt wirklich erschließen wollen“, so Hamburgs Schulsenator. Man arbeite daran, Schulungen zu intensivieren. Zudem sei Digitalisierung in der Lehrerausbildung fest verankert worden. Rabe: „Wir haben sogar die Prüfungen verändert. Zukünftig kann in Hamburg nur das Referendariat, also die zweite Prüfung zum Lehrer, bestehen, wer im Unterricht unter Beweis stellt, dass digitale Techniken beherrscht werden.“ Es gebe seit einem Jahr die Regel, dass die sogenannten Vorführstunden, die in das Zeugnis für Lehramtsbewerbungen eingehen, immer mit digitaler Technik ausgeführt werden müssten. „So sichern wir, dass sämtliche Nachwuchslehrkräfte in jedem Fall digitale Erfahrungen auch schon im Unterricht mitbringen.“

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„Es gibt keinen grundlegenden Fachsupport“: Yvonne Heimbüchel (©GEW Hamburg)

Doch es gibt weitere Kritikpunkte der Gewerkschaft: Das technische Know-how hänge oft an den finanziellen Möglichkeiten der einzelnen Schulen und dem Engagement einzelner Lehrer. „Es gibt keinen grundlegenden Fachsupport, der dringend eingerichtet gehört“, bemängelt Yvonne Heimbüchel. Sie fordert einen konzeptionellen Rahmen, in dem die Schulen und ihre Beschäftigten mit der Entwicklung neuer digitaler Konzepte nicht allein gelassen werden, zusätzliche Fortbildungszeiten, Geräte, digitale Plattformen und Apps, die mit den Personalvertretungen abgestimmt sind. Plus eine längerfristige finanzielle Planung: „Es ist ja jetzt schon klar, dass alles, was jetzt angeschafft wurde, in ein paar Jahren wieder ausgetauscht werden muss.“

Schule der Zukunft erfordert fraglos eine ausgeklügelte Digitalisierungsstrategie. Eine der größten Herausforderungen unsere Zeit sei es, Bildungsprozesse so zu gestalten, dass Schüler:innen angemessen auf das Leben in der derzeitigen und künftigen Gesellschaft vorbereitet werden, so heißt es. Klingt nach einem Plan. Ein Baustein für die Umsetzung ist das digital.learning. lab, ein von der Schulbehörde 2018 initiiertes Internet-Portal. Umgesetzt wurde es zusammen mit der Joachim Herz Stiftung und der Technischen Universität Hamburg. Das digitale Labor bietet zum Download kostenlose digitale Unterrichtsbausteine in zahlreichen Fächern, eine Toolbox mit passenden Unterstützungsangeboten sowie Hintergrundmaterial mit Forschungsergebnissen und Trends.

Mit der Anschaffung von Laptops ist es nicht getan

Geht es um Bildung, ist Digitalisierung nur eine von vielen Herausforderungen, vor denen die Stadt steht. Vor allem, weil die Zahl der Schüler rasant wächst. Allein in diesem Jahr zählt die Behörde 6000 zusätzliche Jungen und Mädchen, die unterrichtet werden. Laut Senator Rabe werden neben den Investitionen in digitale Strukturen weiterhin bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr in die Hand genommen, um Hamburgs Schulen fit für die Zukunft zu machen – und Neubauprojekte an den Start zu bringen. Klimagerechtigkeit ist dabei ein weiterer wichtiger Aspekt, hier wird die aktuelle Energiekrise zum Booster. Eine weitere wichtige Stellschraube ist das Personal. So wurden kürzlich 540 zusätzliche Stellen freigegeben.

Doch zurück zum Thema Digitalisierung. Wir wollen von der Schulbehörde wissen, was Hamburg plant, damit die Entwicklung nach der Pandemie nicht wieder ins Stocken gerät. Und bekommen den Hinweis darauf, dass es in Kürze eine Landespressekonferenz zum Thema geben wird. Am Tenor dürfte sich nicht viel ändern: Digital ist besser. Dass es mit der Anschaffung von ein paar Laptops allein nicht getan ist, wissen Eltern, Lehrer und Schüler. Sie werden weiterhin ganz genau hinschauen.


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Schüler:innen gegen Rassismus

Anne Pretzsch hat mit „100 Tage gegen Rassismus“ eine Performance-Aktion am Hamburger Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium initiiert. Ein Gespräch über die Idee, die Kraft der Schüler:innen und die politische Dimension des Projekts

Interview: Henry Lührs

 

Anne Pretzsch ist Performance-Künstlerin und Mentorin. Zusammen mit Schüler:innen des Hamburger Emilie-Wüstenfeld-Gymnasiums (EWG) hat sie die Performance-Aktion „100 Tage gegen Rassismus“ umgesetzt. Dabei setzen sich Schüler:innen kreativ für mehr Gleichberechtigung in der Gesellschaft ein und fragen sich: Was ist Rassismus?. Pünktlich zum Jahresbeginn gehen sie mit ihrem digitalen Kunstprojekt an die Öffentlichkeit.

SZENE HAMBURG: Frau Pretzsch, wann haben sie das letzte mal Rassismus miterlebt?

Neulich im Bus bei einer Fahrkartenkontrolle. Da wurde mit einer von mir als Person of color gelesenen Person laut und langsam gesprochen, obwohl diese Person perfekt Deutsch sprach.

Ihr Projekt „100 Tage gegen Rassismus“ am Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium ist mit Jahresbeginn in die finale Phase gekommen, wie kam es zu der Idee zu dem Projekt?

Mich interessiert es mit Kindern und Jugendlichen politisch zu arbeiten. Die Arbeiten und Performances, die ich mache, sind immer sehr politisch. Mir ist es erstens wichtig, die Bühne für relevante Themen zu nutzen und zweitens konnten wir den Jugendlichen mit dieser Produktionsform eine Menge Freiheiten ermöglichen. Ich habe gemerkt, dass ich generell Lust habe, in freien Projekten mit Schulen und Lehrenden zu arbeiten.

 

„Nichts davon wurde von unserer Seite initiiert“

 

In Workshops haben sich die Schüler:innen das Thema erarbeitet (Foto: Tina Weggler )

In Workshops haben sich die Schüler:innen das Thema erarbeitet (Foto: Tina Weggler )

Haben die ‚Kids‘ denn Lust auf das Thema?

Total. Es gab zum Beispiel einen Vorfall mit einer Lehrkraft. Daraufhin haben sich die Kids sehr engagiert. Es ging sowohl darum, der Lehrkraft zu erklären, was dort gerade passiert ist, als auch rassistische und diskriminierende Strukturen aufzudecken. Die Schüler:innen haben als Reaktion zum Beispiel die Lehrbücher überprüft oder bemängelt, dass Kolonialismus im Lehrplan nicht vorkommt. Es wurde sogar ein Brief an den Schulsenator Thies Rabe verfasst. Nichts davon wurde von unserer Seite initiiert.

Die Schüler:innen haben sich über Monate hinweg kreativ mit dem Thema Diskriminierung auseinandergesetzt. Wie hat das genau ausgesehen?

Wir haben den Kids das Projekt erst einmal vorgestellt und die Themen im Unterricht bearbeitet. Die Schüler:innen haben sich dann komplett selbstständig weiter eingelesen. Unterstützung gab es dabei von den Expert:innen von We A.R.E. e.V., einer Initiative zur frühkindlichen antirassistischen Erziehung und Bildung. Dazu kamen dann noch Workshops zu den verschiedenen Themen und auch die Schulbibliothek wurde und wird zu diesem Thema aufgestockt. So gibt es in Zukunft genügend Informationsmaterial, Sachbücher, Romane und Lyrik BiPoC (Schwarz, Indigen und der Begriff People of Color Anm. d. Red.) Autor:innen und die Kids können sich weiter gegenüber Diskriminierung sensibilisieren.

 

„Weiße Menschen sind rassistisch sozialisiert“

 

Einer der Workshops wurde von We A.R.E. e.V. durchgeführt (Foto: Tina Weggler)

Einer der Workshops wurde von We A.R.E. e.V. durchgeführt (Foto: Tina Weggler)

Das Kunstprojekt ist in mehrere Phasen aufgegliedert.

Ja, auf die erste Input-Phase folgte die Produktionsphase. Hier haben wir Performances und Formate entwickelt, wie zum Beispiel Plakate oder Hörspiele. Dann ging es fließend in die dritte Phase über, die seit Anfang des Jahres läuft. In dieser Phase werden die Ergebnisse präsentiert, sei es über Postings oder über diverse Präsentationen auf unserer eigenen Website. Die Klassen produzieren weiter und gleichzeitig finden Uploads statt.

Wurden von Rassismus betroffene Menschen in die Konzeption des Projekts mit eingebunden?

Die Kids haben bei der Vorstellung des Projektes sofort gesagt, dass wir weiß sind und das Projekt daher nicht machen könnten. Das fand ich super, denn das ist auch eine Frage, die ich mir stelle. ‚Darf ich?‘ oder ‚sollte ich so ein Projekt initiieren?‘ Für 100-Tage arbeiten wir eng mit People of Color zusammen, das Projekt Rapfugees hat gerade die Patenschaft übernommen.

Weiße Menschen wie ich sind rassistisch sozialisiert und ich sehe es nicht nur als die Aufgabe von Menschen mit rassistischer Diskriminierungserfahrung, unseren Rassismus aus dem System zu bekommen. Genauso ist es auch die Aufgabe von Männern, andere Männer darauf hinzuweisen, dass sie sexistisch sozialisiert sind.

 

Die wilde Kraft der jungen Menschen

 

Initiatorin und Performancekünstlerin Anne Pretzsch (Foto: Vera Drebusch)

Initiatorin und Performancekünstlerin Anne Pretzsch (Foto: Vera Drebusch)

Die Schüler:innen sind in der künstlerischen Ausgestaltung sehr frei. Medium und Ausdrucksform dürfen selbst gewählt werden. Gibt es trotzdem Grenzen oder No-Gos?

Klassische No-Gos gibt es schon. Das sind insbesondere Dinge, die die Kinder noch nicht kennen. Wir erklären dann zum Beispiel, warum die Reproduktion von Rassismen nicht gut ist, warum so etwas wie Blackfacing diskriminierend ist. Wir treten dabei aber auch in einen offenen Dialog. Ansonsten sehe ich gar keinen Grund, künstlerischen Prozessen Grenzen zu setzen, solange nichts diskriminierend ist. Wenn die Schüler:innen sagen: „Wir brauchen eine Drohne“ oder „wir möchten einen Tisch kaputt schlagen, weil uns das alles so wütend macht“, dann müssen wir das irgendwie möglich machen. Das sehe ich als meine Aufgabe, dann muss ich die Kohle dafür besorgen.

Im Frühjahr 2019 haben antifaschistische Sticker in der Ida-Ehre-Schule direkt um die Ecke für große Diskussion gesorgt. Die Schulaufsicht ließ die Sticker entfernen und die AfD rief ein „Petz-Portal“ ins Leben. Sollten sich Schüler:innen aus ihrer Sicht auch eigenständig politisch antifaschistisch positionieren?

Ich finde es immer gut, wenn junge Menschen anfangen, selbstständig zu denken. Dazu gehört für mich auch, eine politische Haltung zu entwickeln. Es gehört aber auch dazu zu reflektieren, wie ich diese vortrage, wie ich mich benehme und wie ich in diesem Kontext spreche. Wenn einem jungen Menschen eine Ungerechtigkeit auffällt – nicht nur im politischen Kontext – dann kommt auf einmal so eine wilde Kraft. Das ist gut. Aber ich empfinde es eher als die Aufgabe von Lehrenden zu gucken, wie diese kanalisiert werden kann. Kunst ist mein Angebot, um aus dieser Kraft zum Beispiel eine Performance, ein Hörbuch, einen guten Text oder ein Bild zu schaffen.

 

„Menschen sind nicht neutral“

 

Oft wird gefordert, dass Schule ein neutraler Ort sein sollte. Wie sehen Sie das?

Ich finde, es ist eine Illusion, dass irgendein Ort, wo Menschen sind, ein neutraler Ort sein könnte. Menschen sind nicht neutral. Natürlich muss ich Schüler:innen nicht politisch anstacheln. Ich muss nicht sagen: ‚Zieht euch alle schwarze Klamotten an und kommt mit mir auf eine Demo.‘ Da gibt es vielleicht eine Grenze. Aber ich kann nicht behaupten neutral zu sein oder neutral sein zu wollen. Wo sind dann die Grenzen des Politischen? Wenn ich Jungs in meiner Klasse auffordern zu gendern, ist das dann schon politisch? Ist mein ganzes Auftreten als weiße Frau politisch? Das alles ist schon nicht neutral.

Wie geht es mit dem Projekt nach Abschluss der Produktionsphase weiter?

Die Website wird an die Schule übergeben und diese übernimmt dann die Kuration. Das Projekt wird dann dadurch geöffnet, dass andere Schulen eingeladen werden, sich an dem daran zu beteiligen. Am EWG wird gerade eine Antidiskriminierungs AG eingerichtet und diese kümmert sich dann vermutlich um die Einsendungen. Ich fände es großartig, wenn diese Plattform so breit genutzt wird, dass am Ende eine Sammlung von Hamburger Schulen entsteht. We will see…

100-tage-gegen-rassismus.de


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