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„Es macht Spaß, mein Unvermögen zu zeigen“

In Karin Henkels Inszenierung zur Saisoneröffnung am Deutschen Schauspielhaus spielt Kristof Van Boven als frisch gebackenes Ensemblemitglied Shakespeares blutrünstigen Königsmörder Macbeth. Im Interview wirkt der Belgier eher schüchtern

Interview: Sören Ingwersen

 

SZENE HAMBURG: Kristof, zur Eröffnung des diesjährigen Zürcher Theater Spektakels bist du in „Waterworks“ der Choreografin Meg Stuart zu sehen. Den Pressefotos nach zu urteilen eine ziemlich nasse Angelegenheit …

Kristof Van Boven: Mit Meg arbeite ich schon seit 20 Jahren zusammen. Verrückterweise spielen wir diesmal an der Saffa-Insel im Zürichsee im Wasser. Das Publikum sitzt dabei auf zwei Schwimmelementen.

Choreograf:innen arbeiten ja primär mit den Ausdrucksformen des Körpers und Tanzes …

Ich würde mich niemals als Tänzer bezeichnen. Aber es stimmt: Mein Spiel ist eher körperlich. Es beginnt nicht erst mit der Sprache, sondern sobald mein erster Finger oder Zeh auf der Bühne zu sehen ist.

Du hast aber eine klassische Schauspielschule besucht …

Weil gute Freunde von mir gesagt haben, ich solle das mal ausprobieren. Ich war nie derjenige, der auf dem Tisch stand und die Familie unterhalten hat. Ich habe dann in Arnheim in den Niederlanden vorgesprochen, um das für mich abzuhaken, und mich danach gar nicht mehr darum gekümmert. Plötzlich klingelte das Telefon, und man sagte mir, ich könne im August mit dem Unterricht beginnen. Während der Ausbildung habe ich dann ein Jahr lang geschwiegen, weil ich meine eigene Stimme nicht hören wollte. Ich wollte zwischen dem Text und seinen möglichen Betrachtungsweisen nicht im Weg stehen.

Ein Nein, das wie ein Ja klingt

Und das haben die Lehrer durchgehen lassen?

Manche waren sehr böse mit mir, aber andere, die den Unterricht eher körperlich angingen, fanden das genau richtig und fühlten sich durch mein Schweigen positiv herausgefordert. Ihnen habe ich es zu verdanken, dass ich nicht von der Schule geschmissen wurde.

Und wie hast du schließlich zur Sprache gefunden?

Irgendwann forderte mich eine Lehrerin vor der ganzen Gruppe auf, „ja“ zu sagen. Doch jedes Mal, wenn ich „ja“ sagte, klang es wie „nein“. Dann forderte sie mich auf „nein“ zu sagen, und es klang wie „ja“. Durch die Liebe und Zuwendung dieser Frau habe ich nach und nach kapiert, dass es nicht schlimm ist, wenn die Wörter durch mich hindurchgehen.

Das ist doch eine von vielen Theaterkonventionen. Muss man die überhaupt hinterfragen?

Ich war einmal bei meinem Bruder zu Besuch, der Botschafter in Sambia in Afrika ist. Dort ist es uns nicht gelungen zu erklären, was ich beruflich mache. Dass viele Menschen zusammen im Dunkeln sitzen, um zuzuschauen, wie ich vorgebe, ein mittelalterlicher König zu sein, erschien ihnen völlig absurd. Von daher bin ich wahnsinnig dankbar, dass die Menschen in unseren Breitengraden bereit sind, sich auf das Ritual des Theaters einzulassen und Vorgänge auf der Bühne zu verfolgen, die nicht immer leicht zu verdauen sind.

„Dann verwandelt sich meine Angst in Freude“

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Frisch im Ensemble und gleich die Hauptrolle als Macbeth zur Spielzeiteröffnung: Kristof Van Boven (Foto: Monika Rittershaus)

Hast du auf der Bühne Zeit, dir Gedanken über die Gedanken des Publikums zu machen?

Ja, alles läuft wie beim Billard über Bande. Ich war auch immer bis zum Kotzen nervös, habe mir das aber abtrainiert, weil es sehr ungesund war. Es hat sehr geholfen, überall auf der Welt zu spielen und Menschen zu begegnen – auch ohne Sprache. Dadurch gewöhnt sich der Körper daran, dass er nicht in Gefahr ist. Ich mache in meiner Garderobe auch immer das Fenster auf und schaue mir die Menschen draußen an, die absolut nichts mit dem Theater zu tun haben. Dann verwandelt sich meine Angst in Freude, dass ich diesen Beruf ausüben darf.

Du hast viele Theaterpreise gewonnen …

Auch sie haben mir geholfen, nicht nur so zu tun, als sei ich Schauspieler, sondern es wirklich zu sein. Denn auch nach der Ausbildung habe ich oft gedacht, dass ich für diesen Beruf nicht geeignet bin. Das Unvermögen oder das Gefühl, dass etwas nicht geht, ist für mich immer ein Motor. Auch in jedem guten dramatischen Text zieht die Figur in voller Fahrt eine Handbremse. Dadurch stiftet sie einen Konflikt mit sich selbst oder anderen, aus dem sie sich dann wieder herauszulügen versucht.

Schauspieler: Etwas „Vernünftiges“ machen

Zur Saisoneröffnung am Schauspielhaus spielst du den Macbeth, dem die Hexen zu Beginn prophezeien, dass er König von Schottland wird. Welchen Stellenwert haben das Stück und die Rolle für dich?

Die Engländer nennen das Stück bis heute „the scottish play“. Der Aberglaube verbietet es, den Titel „Macbeth“ wörtlich zu nennen. Man fürchtet den Teufel, der in diesem außer Kontrolle geratenen Jedermann steckt. Wenn man so einem Jedermann eine Prophezeiung ins Ohr tröpfelt – auch wenn sie noch so undenkbar, abscheulich und dumm ist –, setzt das etwas in Gang. Für den prophezeiten Königstitel schlachtet er dann sogar König Duncan ab, den er übrigens für einen absolut perfekten Herrscher hält.

Er will die Macht um jeden Preis?

Bei Vorstellungen habe ich einmal Angela Merkel und auch den König von Belgien getroffen. Solche Menschen haben immer jemanden dabei, der ihnen etwas ins Ohr flüstert, von dem sie dann so tun, als hätten sie es schon immer gewusst. Sie spielen das Spiel von Souveränität, sind dabei sehr sympathisch und nett, aber in ihren Augen sieht man: Wenn du Macht hast, dann hast du die gewollt und geplant. Macbeth hingegen hat überhaupt keinen Plan, der über seine Krönung hinausgeht. Mit ihr kreiert er nur sein nächstes Trauma.

Die Magie der Weissagung wendet sich gegen ihn …

Die Prophezeiung verstehe ich nicht als Magie. Sie ist das, was die Eltern und Großeltern von einem verlangen. Ich war früher Jockey. Meine Eltern haben mich da herausgezogen, weil sie einerseits Angst um mich hatten, aber auch wollten, dass ich etwas „Vernünftiges“ mache. Mit diesem „Hexenspruch“ im Rücken bin ich dann Schauspieler geworden. Und die Pferde habe ich immer noch.

„In Deutschland reden die Schauspieler auf der Bühne manchmal nicht wie Menschen“

Bist du deinen Eltern rückblickend dankbar?

Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich innerhalb meines Berufs immer wieder alles neu denken und den Texten so nahe kommen kann, wie jetzt mit Regisseurin Karin Henkel. Wenn ich aber wieder auf den Hof komme und den Geruch dort atme, denke ich jedes Mal, ich hätte mir den ganzen Umweg sparen können. Aber dann hätte ich alles verpasst, ich würde reden, wie man auf einem Hof redet, und mir würden wahrscheinlich auch ein paar Zähne fehlen.

Wie unterscheidet sich die Sprache des Reiterhofs von der des Schauspielers?

In Deutschland reden die Schauspieler auf der Bühne manchmal wie Schauspieler und nicht wie Menschen. In Holland gab es Ende der 1960er-Jahre die „Aktion Tomate“. Da haben die Leute Tomaten auf die Bühne geworfen, wenn die Schauspieler nicht wie Menschen gesprochen haben. Irgendwann haben sie dann Netze vor die Bühne gespannt.

„Es fragt sich nur, woher das Böse kommt“

Noch einmal zurück zu Macbeth. Ferdinand von Schirach sagt: Es gibt keine bösen Menschen, nur böse Taten. Würdest du dem zustimmen?

Ich glaube, dass es auch sehr böse Menschen gibt. Es fragt sich nur, woher das Böse kommt. Das hat viel damit zu tun, dass in deinem Leben zur falschen Zeit das Falsche passiert: ein traumatisches Erlebnis, ein Unfall, eine Ungerechtigkeit oder emotionale Verletzung. Diese ganze Paul-McCartney-Generation, die jetzt gerade wegstirbt, wurde von den Eltern, die den Krieg noch miterlebt hatten, so verwöhnt, dass dort eine große Gleichgültigkeit entstanden ist. Diese Gleichgültigkeit macht mir Angst.

Bestimmt lässt eure Aufführung niemanden gleichgültig, wenn du mit der Figur des Macbeth gegen dein eigenes Unvermögen anspielst, wie du vorhin gesagt hast …

Macbeth sagt auf der Bühne: „Es ist noch gar nichts passiert, und ich zittere schon am ganzen Körper.“ Wenn ich dann denke: Der kleine Belgier, Eröffnungsvorstellung, Vergleich mit anderen Shakespeare-Abenden – also ich zittere auch schon am ganzen Körper. Es ist krass, wenn so viele Leute da sitzen. Warum tue ich mir das an? Weil es ein geiler Abend wird. Weil es Spaß macht, dieses Unvermögen zu zeigen.

„Macbeth“ am Deutschen Schauspielhaus, 5. Oktober 2022 (Premiere), weitere Termine: 13. Oktober und mehr

 


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Shakespeare in den Wallanlagen: „Der Sturm“ im Ententeich

Das frisch gegründete Theater Ensemble U3 bringt gleich zwei Stücke des englischen Dichters in die innerstädtische grüne Lunge Hamburgs. „Ein Sommernachtstraum“ und „Der Sturm“ von William Shakespeares laufen bis Ende August 2021 in Planten un Blomen – inszeniert mit erfahrenen Schauspieler:innen als Picknick-Aufführungen für laue Sommerabende

Text: Kevin Goonewardena

 

Auch wenn die Corona-Pandemie überwiegend negative Auswirkungen auf unser aller Leben hat, einige der Ideen sich mit diesen Umständen zu arrangieren, werden hoffentlich auch dann Bestand haben, wenn ein Ende der Pandemie erreicht ist. Das im vergangenen Jahr kurz nach dem ersten Lockdown konzipierte und später im Sommer aufgeführte Theaterprojekt „Sommernachtstraum auf St. Pauli“ ist der Grundstein einer solchen Idee.

Der daraus hervorgegangene Verein U3 Theater-Oper-Musical e.V. hat es ich zum Ziel gesetzt, Kultur für alle in Hamburgs Parks und an öffentliche Orte zu bringen. Für manch eine:n angsteinflößende Institutionen zu schaffen, die Interaktion zwischen Schauspieler:innen und Publikum zu fördern, genauso wie den darstellerischen Nachwuchs oder die Diversität in der Besetzung der Stücke – edle Vorhaben, auch unabhängig von einer pandemischen Notlage.

 

Minimalistisches Setting

 

Für „Der Sturm“, den Stoff Shakespeares um das Schicksal des Zauberers Prospero und seiner Tochter Miranda, wählte Regisseur Hartmut Uhlemann ein schlichtes Setting in den Wallanlagen, bei dem die Niedrigschwelligkeit des Konzepts nicht nur durch den Verzicht einer (mobilen) Bühne unterstrichen wird, sondern auch durch die sporadische aber durchaus pointierte Verwendung von Kulissen, Requisiten und Kostümen – etwa, wenn Caliban, der Sohn der Hexe Sycorax, durch den Ententeich watet, zuerst versteckt in einem kleinen Spielhaus für Kinder aus Plastik, wie es manch eine Familie im Garten stehen hat. Das geschaffene Theatererlebnis hat dadurch nicht nur wenig mit dem Besuch einer klassischen Spielstätte zu tun, der Regisseur lenkt naturgemäß und gewollt den Fokus auf sein hochkarätig besetztes und spielstarkes Ensemble.  

 

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Foto: Jérome Gerull

 

Auf dem Hang am Ententeich auf Campingstühlen oder gleich auf der mitgebrachten Decke inklusive Korb mit Brot und Wein, lässt sich verfolgen, wie Prospero nach der Vertreibung aus Mailand durch seinen Bruder zuerst auf eine Insel flüchtet, um sich dann mit seiner Tochter Miranda seinen Feinden stellt und nach wiederhergestellter Ehre schließlich zurückkehrt.

Uhlemann, der seit 1995 als freier Regisseur tätig ist, als Autor mehrere Theaterstücke verfasste und auch als Schauspieler auf diversen Bühnen stand und in mehreren Fernsehfilmen und -serien der öffentlich-rechtlichen Programmen zu sehen war, inszenierte nicht nur den Verein U3 Theater-Oper-Musical e.V. im letzten Jahr, sondern konnte ein Ensemble von ebenso hochkarätigen Schauspieler:innen mit jahrelanger Bühnen, Film- und Fernseherfahrung, wie hoffnungsvollen Talenten zusammen stellen, etwa Shari Streich (die Prosperos Tochter Miranda spielt) oder Yasemin Cec (Antonia & Stephano), die erst kürzlich ihre Schauspielausbildung erfolgreich abgeschlossen haben.

 

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Foto: Jérome Gerull

 

Viele der Darsteller:innen sind wie Uhlmann selbst mit dem Ernst Deutsch Theater in Mundsburg verbunden. Beeindruckend performen vor allem Ulrich Bähnke, der die Rolle des Caliban übernahm, und Prospero selbst, hier dargestellt von Udo Jolly, dessen Vita nicht nur mehrere abgeschlossene Musik- und Schauspielausbildungen aufweisen, sondern auch cairca 50 Film- und Serienarbeiten für das Fernsehen, darunter internationale Kinoproduktionen. Die unerwähnten Kolleg:innen der hier Genannten fallen, und das sei explizit festgehalten, keineswegs in ihrer Leistung signifikant ab.

 

Theater für alle

 

Man muss zu  Shakespeares-Sprache einen Zugang haben, auch den Stoff zu kennen schadet natürlich nicht – obgleich jede Inszenierung, jedes Ensemble ein Stück anders auf die Bühne bringt. Wer das tut, aber auch, wer sich erstmals oder wieder an die Darstellungsform Theater heranwagen möchte und bisher immer vor der Schwere der Institutionen, dem vermeintlich oder tatsächlich anwesenden Fachpublikum, des unausgesprochenen Dresscodes, der Etikette oder einem anderen tatsächlichen oder fälschlicherweise angenommenen Aspekt im letzten Moment daran gehindert wurde, eine Theaterkarte zu lösen, kann sich auf das U3-Ensemble ganz gefahrlos einlassen. 

Und natürlich die, die einfach nur einen lauen Sommerabend im Park bei Unterhaltung auf der Picknick-Decke genießen wollen. Vor Überlänge braucht man ebenfalls keine Angst zu haben – die Inszenierung von „Der Sturm“ dauert gerade einmal 75 Minuten. Das Stück wird noch bis zum 3. August täglich um 20:30 Uhr im Rahmen des Kultursommers in den Wallanlagen gezeigt. 

Das Ensemble des U3 Theater-Oper-Musical e.V. führt noch bis Ende August „Ein Sommernachtstraum“, in anderer Besetzung, am großen Kinderspielplatz in Planten un Blomen auf. Das Stück läuft auch zeitweise im Volkspark.

u3-theater.de


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„König Lear“ – Königsdrama im Transvestitenfummel

Die Regisseurin Karin Beier hat am Deutschen Schauspielhaus Shakespeares „König Lear“ inszeniert – als endzeitliches Cross-Gender-Spiel.

Wie irre darf einer genannt werden, wenn die ganze Welt verrückt spielt? Ist das die Frage, mit der Schauspielhausintendantin Karin Beier sich dem komplexen Shakespeare-Drama „König Lear“ nähern wollte?

Wie Statisten, die auf ihren Einsatz warten, lungern die neun Schauspieler in dem weißen Guckkasten herum. Allen voran Edgar Selge als Lear, ein gebrochener, jähzorniger alter Mann, der sein Reich in Form eines gigantischen Perserteppichs unter seinen drei Töchtern Goneril, Regan und Cordelia aufteilen, sich zuvor aber ihrer Liebe versichern möchte.

Das geht gründlich schief, denn während Carlo Ljubek und Samuel Weiss sich als giftig konkurrierende Transvestiten à la Conchita Wurst singenderweise bei ihrem Vater erfolgreich einschleimen, geht Lina Beckmanns Cordelia, die ihrem Erzeuger als einzige wahrhafte Gefühle entgegenbringt, leer aus. Eine Entscheidung mit fatalen Folgen.

 

Edmund ist wie Lear einer, der naiv in sein Unglück stolpert

 

Fatal ist auch, wie vordergründig Regisseurin Beier sich verschiedenster theatraler Mittel bedient, um einen Stoff effektvoll aufzupeppen, zu dem ihr offenbar nicht viel eingefallen ist. Während die Figuren ihre Konflikte vorzugsweise schreiend austragen und Yuko Suzuki an Klavier und Elektronik unterschwellig bedrohliche Minimalismen beisteuert, wie man sie aus Arte-Dokumentarfilmen kennt, turnen Selges Lear und Jan-Peter Kampwirths Edgar über lange Strecken nackt über die Bühne.

Edmund ist wie Lear einer, der naiv in sein Unglück stolpert und der berechnenden Maskerade des überformten Kulturmenschen nicht gewachsen ist. In der Rolle seines intriganten Gegenspielers und Halbbruders Edmund bringt Sandra Gerling das Cross-Gender-Spiel der drei Negativ-Figuren auf den Punkt: „Fühl dich wohl in deiner Haut oder näh dich um!“

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„König Lear“ am Deutschen Schauspielhaus.

Während Goneril, Regan und Edmund am Ende als bizarre, außerzivilisatorische Wesen mit Körperbemalung und ausladendem Federschmuck wie erstarrte Götzenbilder dem Geschehen beiwohnen, ist Lear im weißen Patientenhemd endgültig in der geschlossenen Psychiatrie angekommen. Einziger Lichtblick in dieser dreistündigen Entthronung des berühmten Königsdramas mit problematischer Sprechakustik: die großartige Lina Beckmann als Lears anhänglicher, geistig zurückgebliebener Narr, der seine Bezugsperson liebevoll „Munkel“ nennt und nicht nur mit seinen unkontrollierten Gesichtszuckungen für viele Lacher sorgt.

Text: Sören Ingwersen
Fotos: Matthias Horn

„König Lear“: Deutsches Schauspielhaus, nächste Vorstellungen am 21., 27., 30. November



 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2018. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

 


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