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Drehort Hamburg: Die besten Filme aus der Hansestadt

Auch wenn Hamburg noch nicht mit Los Angeles und Paris mithalten kann, so sind doch bereits einige Kinohits zwischen Harburg und Norderstedt abgedreht worden. Hier sind die Top Ten der Filme, die in Hamburg gedreht wurden. (Nicht wundern, Filme von Fatih Akin bekommen in einer zusätzlichen Liste gesonderte Aufmerksamkeit)

Text: Felix Kirsch

 

Absolute Giganten  

Etwas in die Jahre gekommen, aber eins der Hamburger Filmoriginale. In Absolute Giganten geht es um die drei unzertrennlichen Hamburger Freunde Floyd, Ricco und Walter, die vor einer großen Veränderung stehen: Aus heiterem Himmel teilt Floyd mit, dass er auf einem Kreuzer angeheuert hat, der bereits am nächsten Morgen Richtung Singapur aufbricht. Als die drei dicken Kumpels realisieren, dass ihnen nur noch eine letzte Nacht im Dreierverbund bleibt, beschließen sie eben diese zur besten, unvergesslichsten und verrücktesten Nacht aller Zeiten zu machen. Was eignet sich dafür besser als der Hamburger Kiez?  

 

Bonnie & Bonnie

Seit ihre ältere Schwester sich abgesetzt hat, hat die 17-jährige Yara die Mutterrolle in ihrer Familie inne. Während der Bruder einen auf dicke Hose macht und mit seinen Kumpels abhängt, kocht und putzt sie, wenn sie nicht im Kiosk arbeitet. Bis sie Kiki kennenlernt und sich in sie verliebt. Ein Unding in der Wilhelmsburger Albaner-Community – und so bleibt den beiden jungen Frauen kein Ausweg als die Flucht… Regisseur Ali Hakim stammt selbst aus Wilhelmsburg und hat diesen sehr berührenden Film Bonnie & Bonnie auch dort gedreht.

 

Gegengerade  

Auch ein Fußballfilm darf in dieser Liste nicht fehlen. Ähnlich wie in Absolute Giganten geht es in Gegengerade um drei dicke Freunde, denen eine Veränderung bevorsteht. Der Unterschied: Die Jungs aus Gegengerade sind leidenschaftliche Fußballfans und – wie der Name schon verrät – in der Fanszene des FC St. Pauli aktiv. Ob die Schlägerei mit den Nazis vorm Millerntor oder die Auseinandersetzung mit der Polizei – all das ist für Magnus, Arne und Kowalski Alltag. Als ihr Herzensverein plötzlich in die 1. Bundesliga aufsteigt ändert sich aber alles für die drei Jungs von der Gegengerade.  Das deutsche Pendant zu „Hooligans“, aber mit viel Charakter und einer ordentlichen Portion Kiez dabei! 

 

So was von da

Clubbetreiber Oskar Wrobel führt – mehr oder weniger erfolgreich – einen Musikclub auf der Reeperbahn. Als sich in einer Silvesternacht auf einmal alles ändert, gerät das Leben des Hamburgers völlig außer Kontrolle: Er braucht Kohle um seine Schulden zu decken. Und das am besten ganz schnell, denn die Schuldeneintreiber sitzen ihm im Nacken. Auch privat geht es für den Lebemann heiß her, aber im positiven Sinne. Regisseur Jakob Lass’s Romanverfilmung des gleichnamigen Bestsellers So was von da von Tino Hanekamp 

 

Rocker  

Absoluter Kiez-Kultfilm von Klaus Lemke: Der in die Jahre gekommene Rocker-Führer Gerd freundet sich über Umwege mit dem 14-jährigen Lehrling Mark an, der erst kürzlich einen Schicksalsschlag verkraften musste und immer mehr aus seinem behüteten Vorstadtleben ausbricht. Schon bald taucht er in die gewaltvolle Parallelwelt des Hamburger Rotlichtviertels ein. 

 

Lindenberg! Mach dein Ding!

Auch der Weltstar aus dem Hotel Atlantik darf in dieser Liste nicht fehlen: Lindenberg! Mach Dein Ding! ist ein Film, der das Leben von Udo Lindenberg biographisch abbildet. Von der Kindheit aus dem langweiligen Gronau in Westfalen geht es 1973 ins sagenumwobene Hamburg. Dort nimmt die musikalische Karriere des Hut-Rockers erst so richtig an Fahrt auf. Aber der Film zeigt auch die Schattenseiten des Geschäftes, die die Jagd nach dem Leben eines Rockstars so mit sich bringt.  

 

Der Mann im Strom

Der Mann im Strom ist ein atmosphärischer Film mit Jan Fedder. Taucher Jan Hinrichs findet in Wismar keinen Job und entscheidet sich für einen radikalen Schritt. Er fälscht seine Papiere, macht sich jünger und wird prompt in Hamburg engagiert. Doch während sein Leben eigentlich ganz ruhig dahin plätschert, plagt den Berufstaucher vor allem die Angst, er könnte auffliegen. Als der Kleinganove Micha in sein Leben tritt, ändert sich plötzlich alles. Dies ist die Neuverfilmung des Klassikers von 1958 mit Hans Albers.  

 

Nordsee ist Mordsee

Der 14-jährige Uwe weiß, dass ihn sein Vater in deren Hamburger Vorstadtsiedlung verdrischt, wenn er nicht spurt. Trotzdem muss er seiner Gang beweisen, dass er der Coolste in der Siedlung ist. Er knackt Automaten und geht mit den anderen auf den Mongolen Dschingis los, der in ihre Klasse geht und mit seiner Mutter in der Nachbarschaft lebt.

Regisseur Hark Bohm, der auch das Drehbuch zu Nordsee ist Mordsee schrieb, gehört zu den Pionieren des westdeutschen Kinderfilms, denn als der Film in den 1970er Jahren entstand, drehte in der alten Bundesrepublik kaum jemand Filme für Kinder und Jugendliche.

 

Vom Kiez zum Kap

Mal was ganz anderes: Die Kumpels Kay und Bernd haben eine verrückte Idee getroffen: Die Weltmeisterschaft in Südafrika steht vor der Tür. Also ab dahin. Mit einem alten VW Bully. Quer durch Afrika. Klingt nach einer Schnapsidee und das ist es auch. Gerade deshalb gelingt die Verfilmung der Reise Vom Kiez zum Kap aber auch. Der Film zeigt alle emotionalen Höhen und Tiefen einer unmöglichen Reise.

 

St. Pauli Nacht

Zum Abschluss dieser Liste gibt es nochmal einen ordentlich Schlag mit der Kiezkeule. In St. Pauli Nacht sieht sich Kiezganove Johnny nach einem langen Gefängnisaufenthalt direkt wieder mit den Problemen der Reeperbahn konfrontiert. Einem Anruf folgend begibt sich Johnny abends auf die Reeperbahn und wird aufgrund einer Verkettung von unglücklichen Umständen vom Postboten Manfred erschossen. Der Film erzählt die Vorgeschichte der Tat und porträtiert in einzelnen Episoden die teils illustren Gestalten der Reeperbahn.  


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„So was von da“: Großer Rausch mit Tendenz zur Überdosis

Jakob Lass hat 2018 Tino Hanekamps Romanvorlage als großen Rausch mit Tendenz zur Überdosis auf die Leinwand gebracht. 

Text & Interview: Maike Schade

 

Es ist zum Kotzen. Im übertragenen genauso wie im wortwörtlichen Sinn. Irgendwann fischt Oskar (Niklas Bruhn) dann tatsächlich in der hochprozentigen Brühe, die er gerade ins vergammelte Klo gewürgt hat, nach seinem Handy. Schließlich muss er ja erreichbar sein für Kiez-Kalle, der ihm noch in dieser Nacht zehn Mille Schutzgeld abpressen will. Diese Nacht… Die letzte. Die letzte des Jahres. Und die letzte seines Clubs: Die „Rakete“ muss dichtmachen, weil das Gebäude abgerissen werden soll – Investorenkohle sticht Kulturraum, hier auf dem Kiez genauso wie anderswo in Hamburg. Doch das sind längst nicht die einzigen Probleme, die Oskar durch den Kopf dröhnen. Nina, die sich merkwürdig benimmt. Rocky, der psychisch angeknackst zu sein scheint. Dessen halbtoten Vater. Die Innensenatorin. Die Party, die völlig aus den Fugen gerät. Und Mathilda. Mathilda … Scheißegal.

Regisseur Jakob Lass haut dem Zuschauer die Endzeitstimmung, in der sich Oskar und seine Freunde befinden, mit voller Wucht ins Gesicht. Wie ein Rausch zieht diese tempo- und katastrophenreiche Abrissnacht vorbei. Für manche der Statisten war es wohl ein realer: Die Produktionsfirma hatte im November 2016 an vier Samstagen zur Party geladen. Möglichst authentisch sollte das Ganze wirken, und so tanzten und tranken sich insgesamt rund 3000 Hamburger zu Beats aus der Konserve und Live-Musik von Acts wie Mule and Man oder Großstadtgeflüster vor der Filmkamera ins Delirium. Oder versuchten es zumindest, denn bei laufender Kamera ist mächtig feiern gar nicht so einfach. Doch alles eine Frage des Pegels…

Auch dem Cast scheint es stellenweise schwer zu fallen, richtig in Stimmung zu kommen. Niklas Bruhn alias Oskar Wrobel ist vor allem in den ruhigeren Passagen überzeugend; geht‘s um Alkohol und Drogen, schießt er über das Ziel hinaus. Oder liegt es am Konzept? Wie schon bei seinen preisgekrönten „Love Steaks“ oder „Tiger Girl“ arbeitete Lass auch hier nur mit einem Skelett-Drehbuch. Die Dialoge sind improvisiert – der 37-jährige Regisseur glaubt, dass die Schauspieler dann authentischer agieren. Doch das funktioniert nur bedingt. Martina Schöne-Raunski, die die todkranke, durchgeknallte, liebenswerte Nina spielt, ist großartig und genau wie „Innensenatorin“ Corinna Harfouch dieser Aufgabe voll gewachsen. Dass Mathias Bloech, der hier den Rocky gibt, auch im wahren Leben Musiker (Frontman von Heisskalt) und mitnichten Schauspieler ist, wird stellenweise dagegen schmerzhaft deutlich. Auch andere Szenen und Gespräche (wie die zwischen Mathilda und Oskar) laden durch ihre Unbeholfenheit fröhlich zum Fremdschämen ein.

Unterm Strich bringt Lass das Abrissparty-Cliquen-Gefühl der gleichnamigen Romanvorlage von Tino Hanekamp dennoch gut auf die Leinwand, ein gewisser Flow ist durchaus da. Leider tendiert der Rausch aber stellenweise – auch in Sachen Kostüm und Schnitt – zur Überdosis. Ein bisschen weniger wäre da mehr gewesen.


SZENE HAMBURG: Hi Jakob! Du arbeitest nur mit Skelett-Drehbüchern und besonderen Regeln. Eine davon besagt, dass möglichst in einem Rutsch und chronologisch gedreht wird, damit ein Flow entsteht. Hat die Verteilung auf die vier Party-Samstage das nicht sehr erschwert?

Regisseur Jakob Lass. Foto: Gordon Timpen

Jakob Lass: Wir haben versucht, trotzdem mehr oder weniger chronologisch zu bleiben. Das ist natürlich immer nur bedingt möglich, da spielen ja auch andere Faktoren eine Rolle. Weitestgehend ist uns das aber gelungen – zumindest im Vergleich zu vielen anderen Filmarbeiten, wo ja zum Teil Sekundenbruchstücke des Films völlig voneinander abgesetzt und in zusammengewürfelter Reihenfolge gedreht werden, zum Beispiel die Schlussszene ganz zu Beginn, die dort hinführende dann drei Wochen später und so weiter. Meiner Meinung nach macht es das den Schauspielern fast unmöglich, wirklich in ihrer Figur anzukommen.

 

Hatten die Schauspieler das Buch eigentlich gelesen? Ich stelle es mir sehr schwer vor, eine Szene zu improvisieren, wenn ich schon die Romanvorlage im Kopf habe.

Ich habe ihnen die Entscheidung überlassen, ob sie den Roman lesen wollen oder nicht. Manche haben es getan, und andere, die glaubten, dass sie das behindert, nicht. Wir hatten ja auch noch das Skelettbuch, also quasi die Essenz des Romans, mit der man arbeiten konnte. Jeder hat seine eigene Lösung gefunden.

Vor allem über die Figur der Innensenatorin wird politische Kritik transportiert: Überregulierung, Überwachungswut und auch, dass Geld häufig mehr zählt als kultureller Freiraum. Auch das Clubsterben wird angeprangert. Oder ist das jetzt überinterpretiert?

Nein, das sollte man unbedingt so sehen. Das ist auch mein Blick auf Hamburg. Ich denke, da ist die Gentrifizierung noch spürbarer als in anderen deutschen Städten. Hier müssen viele Freiräume, Möglichkeitsräume geschlossen werden und mein Eindruck ist, dass das von der Politik aktiv und massiv vorangetrieben wird. Natürlich ist das ein Teil eines wirtschaftlich gesteuerten Gesellschaftsmodells, aber eine politische Führung kann das forcieren oder auch nicht. Meinem Gefühl nach ist das in Hamburg sehr stark der Fall. In Berlin, wo ich lebe, wird das auch nicht verhindert. Aber es passiert nicht so schnell, nicht so brutal.

Magst du eigentlich Silvester?

Mag ich Silvester? Gute Frage. Meistens sind das ja so Partys, bei denen alle krampfhaft versuchen, es so richtig krachen zu lassen. Manchmal ganz lustig. Aber ich liebe diesen Mitternachtsmoment, wenn sich wildfremde Menschen in die Arme fallen und gemeinsam in Gedanken nach vorne und nach hinten schwelgen und doch voll im Jetzt sind, an diesem kollektiv vereinbarten Jahreswechsel.

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