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Top 10 – Auf diese Events freuen wir uns im Juli

Konzert-Dinner, Videokunst, Open-Air: Der Juli hält wieder tolle Events bereit – auf diese zehn freuen wir uns besonders

Foto: Gesche Jäger

 

1) Circus Theater Roncalli – Zirkus der Träume

Das Gastspiel des Circus Theater Roncalli in Hamburg neigt sich langsam dem Ende zu. Noch bis zum 14. Juli gastiert der Zirkus der Träume mit seinem neuen Programm „Storyteller: Gestern – Heute – Morgen“ in der Stadt. Innovativ und fantastisch: Tiere als Hologramme entern die Manege, atemberaubenden Artistik, charmante Clowns zum Kaputtlachen. Und das unter dem Dach des nostalgischen Zirkuszeltes. Fast drei Stunden lang werden die Besucher in eine andere Welt entführt – genau so geht Zirkus. / HED

Circus Theater Roncalli: 4.7., Moorweide, 15:30+20 Uhr

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Foto: www.roncalli.de


2) Here We Are Today – Foto- und Videokunst

Bei der heutigen Führung kann man nicht nur die Kuratorin der Ausstellung „Here We Are Today“ treffen, die beleuchtet, wie Fotografie und Video auf unsere Welt blicken, sondern mit Kathrin Baumstark gleichzeitig auch die neue Museumsdirektorin des Bucerius Kunst Forums kennenlernen. Gezeigt werden in der Schau, mit der gleichzeitig auch der neue Standort eröffnet wird, Werke von Shirin Neshat, Andreas Gursky, Hito Steyerl und zwölf weiteren internationalen Künstlern. / SD

Here We Are Today: 8.7., Bucerius Kunst Forum, 18 Uhr

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Foto: Ulrich Perrey 


3) The Cure – Eine filmische Musikreise

Live sind The Cure eine Macht. Im Juli 2018 gaben die kultigen Briten im Londoner Hyde Park eine besonders eindrucksvolle Performance ab: Sie feierten 40 Jahre Bandgeschichte. Ihr langjähriger Weggefährte Tim Pope zeichnete das Spektakel in 4K auf. In den Zeise Kinos ist der daraus entstandene, sound- und bildgewaltige Dokumentarfilm „The Cure – 1978-2018 Live in Hyde Park“ heute einmalig zu sehen. Eine 135-minütige Musikreise mit 29 großen Cure-Songs. / MAS

The Cure: 11.7., Zeise Kinos, 20 Uhr

The-Cure


4) Richie Ros live – Dinner mit Konzert

Musikalische Sommerpause in der Elbphilharmonie gleich große Leidenszeit im berühmtesten Konzerthaus der Stadt? Nix! Der Monat Juli sowie Anfang August sind pickepackevoll mit Top-Events im Störtebeker Restaurant Beer & Dine. Beim dortigen „Dinner mit Konzert“ gibt es an ausgewählten Terminen ein Überraschungsmenü in drei Gängen sowie dienstags bis freitags Live-Künstler, etwa den irischen Singer/Songwriter Richie Ros, der heute mit seiner Gitarre im Lokal aufschlägt. / EBH

Dinner mit Konzert: 12.7., Störtebeker Restaurant, 18-21 Uhr

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Foto: Kelby Guilfoyle 


5) Join-The-Difference-Party – Open-Air fürs elektronische Tanzbein

Der Arno-Schmidt-Platz vor der Bücherhalle am Hauptbahnhof hat sich in diesem Jahr zur festen Open-Air-Location gemausert. An den Treppen zum Hühnerposten wird mit fetten Bässen und herrlich ungestört das elektronische Tanzbein geschwungen. Heute mit einer weiteren Ausgabe der Join-The-Difference-Party und dem Mannheimer Nick Curly, Kopf des Underground-Labels 8bit und herausragender Act der weltweiten House- und Technoszene. / OMA

Join-The-Difference-Party: 13.7., Arno-Schmidt-Platz, 19 Uhr

Join-The-Difference-Nick-Curly


 6) Theater ohne Grenzen – Eine „Lebensreise“ im Sprechwerk

Inklusion auf der Theaterbühne: Seit 2007 erarbeiten Menschen mit und ohne Behinderung aus Hamburg, der Schweiz und Russland im Rahmen des Festivals „Theater ohne Grenzen“ gemeinsam ein Theaterstück – nach der letzten Premiere im Ernst Deutsch Theater präsentiert die Gruppe ihre neue, dreisprachige Inszenierung dieses Jahr erstmals im Sprechwerk. Die insgesamt 30 Ensemblemitglieder verarbeiten dabei Erinnerungen, gute und schlechte Momente zu einer theatralischen „Lebensreise“. / SHE

Theater ohne Grenzen: 15.7., Hamburger Sprechwerk, 19.30 Uhr

Theater-ohne-Grenzen-c-Gesche-Jaeger

Foto: Gesche Jäger


7) Apocalypse Now – Im „Final Cut“

Laut American Film Institute ist Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ einer der 100 besten Filme überhaupt; 1979 wurde er mit drei Golden Globes ausgezeichnet und für acht Oscars nominiert. Nun wurde das meisterhafte, visionäre Antikriegs-Epos mit Marlon Brando in der Hauptrolle aufwendig restauriert – von Coppola höchstselbst. „Apocalypse Now – Final Cut“ ist heute in der Astor Film Lounge zu sehen: in 4K und mit Dolby-Atmos-Sound und 183 Minuten lang. / MAS

Apocalypse Now: 15.7., Astor Film Lounge, 20.15 Uhr

Apocalypse-Now-c-Studiocanal

Foto: Studiocanal


8) Knust Acoustics – Unplugged-Musik auf dem Lattenplatz

Gibt Schlimmeres, als Live-Musik unter freiem Himmel zu erleben und das auch noch zu Spottpreisen. Die Knust Acoustics machen genau das möglich. An ausgewählten Abenden (bis 28.8.) spielen drei Künstler jeweils 30-minütige Sets und präsentieren ihre Songs im musikalisch reduzierten Gewand. Heute auf der Bühne: die Sängerin und Songschreiberin Lina Maly (Foto), die Indie-Popper Me & Reas sowie die DIY-Truppe Odeville. Eintritt: 5 Euro (Kinder, Jugendliche unter 18 Jahren und sozial Bedürftige müssen nichts zahlen). / EBH

Knust Acoustics: 24.7., Knust Vorplatz, 18 Uhr

Knust-Acoustics-Lina_Maly-c-Mightkillya

Foto: Mightkillya


9) Too Many Zooz – Brass-House im Mojo Club

Matt Doe, David Parks und Leo Pellegrino sind zusammen Too Many Zooz und nennen das, was sie zunächst in New Yorks Subway-Stationen vorstellten und mittlerweile weltweit auf großen Bühnen spielen, schlicht: Brass-House. Jazz, Funk, Punk, Swing – alles dabei, und zwar so geschickt miteinander verknüpft, dass die Zooz einen nicht ganz unprominenten Fürsprecher haben: Questlove von The Roots. / EBH

Too Many Zooz: 24.7., Mojo Club, 20 Uhr

Too-Many-Zooz


10) Slamville – Geschichtenerzähler auf dem MS-Artville-Gelände

Das Slamville geht in die vierte Runde! Auf dem Gelände des MS Artville in Wilhelmsburg versammeln sich auch dieses Jahr wieder die besten Poetry Slammer und Literaten Deutschlands zum gemeinsamen Wortspielfest. Und mit „die besten“ sind auch wirklich die besten gemeint. Das Line-up kann sich sehen lassen: Heinz Strunk, Sophie Passmann, Felix Lobrecht, Patrick Salmen, Svenja Gräfen, Stefanie Sargnagel und viele mehr erzählen auf der Grünfläche am Hafen ihre Geschichten und Gedanken. / IGA

Slamville: 27.7., Reiherstieg Hauptdeich / Ecke Alte Schleuse, ab 14 Uhr

Slamville-Sophie-Passmann-c-Asja-Caspari

Foto: Asja Caspari


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDiese Texte stammen aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
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Sprechwerk – (Über-)leben in der Freien Szene

Selbstausbeutung und ein prekäres Leben nehmen viele Künstler aus der Freien Szene in Kauf – für die Kunst. Ein Gespräch mit Konstanze Ullmer, Intendantin vom Sprechwerk, über das, was in Hamburgs Kulturpolitik falsch läuft.

SZENE HAMBURG: Wieviel Förderung bekommt ihr für eure Spielstätte?
Konstanze Ullmer: Das Sprechwerk bekommt seit letztem August 140.000 Euro als institutionelle Förderung, die immer für zwei Jahre bewilligt wird. Im Rahmen der Produktionsförderung haben wir bisher durchschnittlich für eine Eigenproduktion im Jahr Unterstützung bekommen.

Was hat sich in der Förderungsstruktur verändert?
Die Förderungssumme für die Freie Szene wurde insgesamt in den letzten beiden Haushaltsjahren erhöht. Durch die Empfehlung des Mindestlohns, die der Förderungssumme zugrunde liegt, werden weniger Projekte und dafür mit einer höheren Summe unterstützt.

Welche Auswirkungen hat das für euch?
Die negativen Auswirkungen erleben die freien Spielstätten unterschiedlich. Das Lichthof hat meist zwischen fünf und acht Förderungen pro Jahr bekommen. Sie spüren es jetzt natürlich deutlicher als wir, dass weniger Projekte gefördert werden. Was sich für uns alle gleich auswirkt ist, wenn weniger Produktionen der Freien Szene gefördert werden, für die wir ja da sind, müssen wir mit anderen Sachen unseren Spielplan füllen. Ich habe jetzt in diesem Jahr für sechs Wochen unsere Räume an die Theaterakademie vermietet. Natürlich würde ich viel lieber den Zeitraum nutzen, um tolle Stücke zu zeigen, denn die Produktionen der Theaterakademie sind nicht öffentlich. Das tut mir künstlerisch weh, aber finanziell gut. Oder wir produzieren ein Stück, was wir uns gar nicht nicht leisten können und begeben uns ins Risiko.

Ich möchte für die Freie Szene da sein

Woran verdient ihr Geld, wenn ihr freie Projekte zeigt?
Wir bekommen einen bestimmten Betrag für die Zeit, wenn die Gruppen hier ihre Endproben machen und einen Teil der Eintrittsgelder. Bei Gruppen, die ihre geplante Produktion auch umsetzen, wenn sie keine öffentlichen Gelder bekommen, vereinbare ich einen anderen Deal, denn sie arbeiten auf Selbstausbeutung und ich möchte für die Freie Szene da sein und sie ins Haus holen.

Auffällig viele der geförderten Projekte werden auf Kampnagel gezeigt …
Kampnagel ist eine tolle Spielstätte, keine Frage. Aber für mich ist es eindeutig, dass Kampnagel juristisch ein Staatstheater ist, da der Vorsitzende des Aufsichtsrates der GmbH der jeweilige Kultursenator ist. Das heißt, alle Miesen, die Kampnagel macht, werden im Rahmen einer Fehlbedarfsfinanzierung von der Stadt Hamburg aufgefangen. Wenn wir dagegen in den roten Zahlen sind, müssen wir selbst dafür gerade stehen und schlimmstenfalls schließen. Ich frage mich, warum 50 Prozent des Topfes für die Freie Szene von der Jury der Kulturbehörde an Kampnagel vergeben werden? Kampnagel hat bereits einen Etat für freie Produktionen mit Hamburg-Bezug, den sog. Vorschlagstopf in Höhe von 102.000 Euro.

Was wird eigentlich von der Stadt gefördert und was nicht?
Es reicht nicht aus, nur gutes Theater zu machen. Jedes Mal muss das Rad neu erfunden werden. Meines Wissens nach hat sich die Jury darauf geeinigt, nur das zu fördern, was es noch nicht gibt. Für Stücke, die auch an einem der Privattheater produziert werden könnten, muss man der Freien Szene kein Geld mehr geben. Das gibt es im Schauspiel höchstens für Uraufführungen oder wenn jemand zum Beispiel ganz neu mit einem Text umgeht. Ich verstehe das, finde es aber nicht gut. Theater hat es schon vor 2000 Jahren gegeben und wird es auch nochmal so lange geben. Warum muss man jedes Mal eine neue Kunstform erschaffen? Mich interessiert auch einfach mal eine neue Sichtweise auf alte Stücke. Im Bereich freies Schauspiel sind in der letzten und in der vorletzten Förderperiode gerade mal zwei Stücke pro Jahr gefördert worden.

Wie sieht die Zukunft der Freien Szene in Hamburg aus?
Es fehlt einfach an Geld für Produktionen. Wenn jetzt noch weniger Künstler gefördert werden, gehen viele einfach in andere Städte. Oder sie wählen einen anderen Beruf und arbeiten nicht mehr als Künstler. Ich kenne viele die Erzieher geworden sind; viele der Tänzer unterrichten in Fitness-Studios oder Schauspieler lehren darstellendes Spiel an Schulen.

Wenn die Freie Szene wegbricht, wird die kulturelle Basis beschnitten

Hamburg hat über 40 Theater. Braucht es wirklich so viele?
Ich denke schon. Es ist eine gewachsene Struktur, die ja in der Stadt auch von den Bewohnern so gewollt ist. Außerdem gibt die Freie Szene wichtige Impulse an die Staatstheater. Die saugen auf, was in der Freien Szene entwickelt worden ist. Wenn das wegbricht, wird die kulturelle Basis beschnitten, der Nährboden. Und auch der Nachwuchs hat hier keine Chance mehr. Es gibt so viele private Theaterschulen in der Stadt, aus denen jedes Jahr eine Menge Schauspieler hervorgehen. Soll man sich nur die zwei besten aussuchen und der Rest darf sterben? Ein Schauspieler ist nach seinem Abschluss ja nicht sofort zwangsläufig gut. Er muss sich erst einmal ausprobieren können. Und dafür ist die Freie Szene auch da.

Was ist für dich das größte Problem?
Gutes Theater zu zeigen mit so wenig Mitteln. Wenn ich mir den diesjährigen Spielplan anschaue, dann ist es mir künstlerisch zu wenig. Als es weniger Geld aber mehr freie Produktionen gab, sah unser Spielplan besser aus. Natürlich auf Kosten der Künstler. Das ist also auch kein Weg.

Kannst du manchmal schlecht schlafen?
Ja, selten, aber das kommt vor, dass ich mich hin und her wälze und mich frage, wo reiße ich ein neues Loch auf, um das alte zu stopfen. Aber ich kann und will nichts Anderes (lacht).

Interview: Hedda Bültmann

Foto: G2 Baraniak

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!