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Art & Brothers: Techno’s Coming Home

Das DJ-Künstlerkollektiv Art & Brothers feiert den ersten Stadion-Rave der Stadt – am Millerntor des FC St. Pauli!

Text: Mirko Schneider
Foto: Art & Brothers

Was haben der Hinterhof des Thomas Read, der Flughafen, die U-Bahn und das Millerntor-Stadion gemeinsam? Es sind perfekte Orte für den Rave! Der international weit gereiste und erfolgreiche DJ Iman Hanzo, besser bekannt als „Me and My Monkey“, wirkt elektrisiert wie nach einem Feuerwerk guter Beats. Sein Ende 2016 gegründetes Hamburger Künstlerkollektiv „Art & Brothers“ steht der nächste Coup bevor: eine Rave-Sause in den heiligen Hallen des Hamburger Fußballclubs FC St. Pauli. Bespielt wird der Ballsaal, geöffnet auch die überdachte Terrasse samt Sitzmöglichkeiten und Blick auf den Rasen. „Der Stadion-Rave am Millerntor, das wird unser bisher größtes Ding“, sagt Hanzo.

„Dynamische elektronische Tanzmusik voller Energie plus echtes Stadionfeeling.“

Das Line-up mit Artenvielfalt, Me and My Monkey, Kiianu, Dirty Dominguez, Aartmn und dem japanischen Headliner Taichi Kawahira zum Auftakt verspricht Großes, die Herren der guten Setlists nicht minder: „Wir sind wie eine kleine Krake. Das Letzte, was man uns nach­sagen kann, ist Langeweile“, kündigt Ben Sachau vom Duo Artenvielfalt an. „Ich bin nicht umsonst gegen Ende dran, denn ich haue ­allen gerne noch mal so richtig harten Techno um die Ohren“, verspricht Dirty Dominguez. Und Hanzo fragt: „Dynamische elektronische Tanzmusik voller Energie plus echtes Stadionfeeling – was wollen die Leute mehr?“

Eine Frage, die sich Art & Brothers vermutlich häufiger stellen. „Als ich Ende 2016 nach Hamburg zurückkam, fand ich die Clubszene hier total langweilig“, erinnert sich Hanzo. Er als liebevoller Plattensammler macht das im Nachhinein weniger an Hamburg fest, als an einem ­unheilvollen Auswuchs der digitalen Entwicklung. Viele Clubs hätten eher DJs gesucht, die das Drücken des Sync-Buttons beherrschen, nur um Geld zu sparen. Hanzos erste Reaktion darauf hätte ebenfalls eine gute Story abgegeben. „Ich wollte eine Gewerkschaft für DJs gründen, damit die Preise nicht weiter fallen“, erinnert er sich mit einem Lächeln.

„Viel mehr als kommerziellen Shit, aber nicht nur tiefsten Underground.“

Doch da war noch ein anderer Impuls in ihm. Und der hieß, vereinfacht gesagt: ungewöhnliche Orte mit Rave wachküssen – und die Raver gleich mit. „Ich wollte den Leuten etwas Neues geben. Viel mehr als kommerziellen Shit, aber nicht nur tiefsten Underground. Ich wollte ein DJ-Künstlerkollektiv an der Schnittstelle zwischen Underground und Kommerz, dass an ungewöhnlichen Locations Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenbringt.“ Hanzo hörte sich in der Szene nach Teamplayern um – und fand begeisterte Mitstreiter, um die Menschen hemmungslos tanzen zu lassen.

So wurde der Hinterhof des Thomas Read liebevoll zum „Sommergarten“ umdeklariert und mit „Der letzte Tanz“ ein Sommer-Open-Air ins Leben gerufen. Der 45-minütige U-Bahn-Rave in einer historischen U-Bahn samt Aftershowparty im Club Bahnhof Pauli mauserte sich zur etablierten Partyreihe. Und im letzten Jahr startete der erste Flughafen-Rave mit 199 Gästen. Insgesamt zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen samt dem Einholen sämtlicher Genehmigungen.

„Wir hoffen, dass der Rave der Startschuss für eine neue Veranstaltungsreihe in unserem Stadion wird.“

Die Idee, am Millerntor zu raven, entstand kurze Zeit später. An einem Ort, an dem der frühere Fast-Fußballprofi Hanzo mit elf Jahren zum ersten Mal ein Fußballspiel live sah. Er selbst spielte damals bei den Amateuren des 1. FC Kaiserslautern und musste seine Karriere mit 19 Jahren wegen Knieproblemen beenden. Zurück am Millerntor zeigte sich der ­FC St. Pauli offen für das Konzept des Künstlerkollektivs. „Art & Brothers ist ein hochprofessioneller Veranstalter, der bereits in ganz Hamburg tolle Partys organisiert und durchgeführt hat“, sagt Benjamin Bendel, Event- und Cateringleiter beim FC St. Pauli, „Hier treffen jetzt eine der besten Locations der Stadt mit den besten Techno-DJs zusammen, um gemeinsam was Tolles auf die Beine zu stellen.“ In Aussicht stellt er sogar, der Stadion-Rave müsse, ähnlich wie „Der letzte Tanz“ und die U-Bahn-Raves, keine einmalige Sache bleiben. „Der FC St. Pauli ist bekannt für seine Weltoffenheit – so auch im Bereich der Kunst und der Musik. Wir hatten zwar noch keine Techno-Veranstaltung in dieser Form am Millerntor. Aber wir hoffen, dass der Rave von den Techno-Fans angenommen und somit der Startschuss für eine neue Veranstaltungsreihe in unserem Stadion wird.“

 

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Zu Spekulationen lädt die Facebook-Ankündigung ein, die Raver erwarte ein „spezielles Licht- und Soundkonzept“. Hanzo: „Es wird keine Las-Vegas-Show und kein Mainstage-Tomorrow-Land-Feeling. Wir haben uns unter anderem mit Lichtexperten getroffen. Ich garantiere, es wird was Cooles da sein.“

Nicht einfach nur cool, sondern in den heutigen Zeiten notwendiger denn je ist die politische Ausrichtung des Sta­dion-Raves, die den linksalternativen FC St. Pauli umso mehr überzeugt haben dürfte. „Wir möchten darauf hinweisen, dass jeder bei uns willkommen ist, unabhängig von ethnischer, religiöser oder sexueller Zugehörigkeit, denn kein Mensch ist illegal!“, heißt es auf der Facebook-Seite von Art & Brothers. Ein starkes Statement vor der starken Party.

Ballsaal Millerntor-Stadion, 21.4.19, 21 Uhr


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2019. Das Magazin ist seit dem 28. März 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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