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Âme Nue: Matcha-Goji-Blütenbilder von Roman Moriceau

Das Projekt Âme Nue verjüngt die hiesige Kunstszene: mit coolem Elan, neuen Ideen und den Matcha-Goji-Blütenbildern von Roman Moriceau.

Text: Katrin Schulze
Foto: Gregory Copitet 

Die beiden Relief-Figuren an der Fassade des Aztekenkontor scheinen segensreich zu wirken. Trifft man Liberty Adrien, 31, und Bettina Freimann, 36, die in dem Gründerzeithaus zusammen mit Niels Bacher den Kunstraum Âme Nue betreiben, wird man fast hinweg gestrudelt vom Elan und der Begeisterung der beiden. Ein Enthusiasmus, der sehr genau weiß, was er will oder nicht will, und gerade deshalb programmatisch offen sein kann, um immer wieder Anregungen aufzunehmen.

 

Ein warmherziger Ort, der jedes auch zögerliche Interesse willkommen heißt.

 

Im letzten Jahr etwa war das die Begegnung mit dem Hamburger Start-up Rundblick 3D, das 2019 die großen Schauen des multidisziplinären Kunstraums dreidimensional aufnimmt. So sind die Ausstellungen im Netz künftig auch für alle zu durchwandern, die es nicht in die Räume an der Herrengraben-Fleet-Brücke schaffen. Denn die internationale Ausrichtung von Âme Nue soll sich einerseits in der Herkunft der Künstler zeigen: Während etwa im letzten September die überwältigenden Farb- und Formenextravaganzen „Electromagnetic Brainology“ der Chinesin Lu Yang gezeigt wurden, stellt in diesem Jahr die so junge wie kraftvolle indische Künstlerin Sarah Naqvi aus. Andererseits soll Âme Nue weit über Hamburg hinaus auch in der Ferne wahrnehmbar sein.

Zwischen Subkultur und etablierter Galerie: Âme Nue in der Hamburger Neustadt

Als Liberty Adrien vor sechs Jahren nach einem Designstudium in Paris nach Hamburg kam, um hier im Bereich Architektur zu arbeiten, fiel ihr auf, wie viele Menschen in ihrem Umfeld den Kontakt zur zeitgenössischen Kunst verloren hatten. Sie beschloss einen zwischen Subkultur und etablierten Galerien angesiedelten, neuartigen Raum zu entwickeln. Er sollte junge, ernsthafte Kunst als wichtigen Beitrag zum gesellschaftlicher Ideen-Austausch zeigen und zugleich ein warmherziger Ort sein, der jedes auch zögerliche Interesse willkommen heißt.

Für 2019 sind acht große Ausstellungen geplant, dazwischen aber auch kurze Präsentationen: kleine Schauen hier lebender Künstler und auch mal ein kleiner Markt für Kunstbücher und Editionen. Damit die aufwendigen großen Ausstellungen finanziert und für die Künstler auch durch Produktionsbudgets großzügige Bedingungen geschaffen werden können, werden die makellosen Räume mit Fleetblick zwischenzeitlich für Präsentationen, Dinner-Events oder als Showroom vermietet.

Die erste Ausstellung in diesem Jahr zeigt ab 22. Februar die hypnotisierend schönen Blumen-Siebdrucke des Pariser Künstlers Roman Moriceau. Der versteckte Stachel seiner „Blüten-Blätter“: Die Farben stammen aus pudrigen Partikeln des Matcha-Tee, der Goji-Beere oder der Chlorella-Alge. Ein Paradox: Während die Superfoods ihren Adepten Jugend und Schönheit versprechen, altern und verblassen ihre Partikel auf dem Papier besonders schnell.

 

„Unsere Generation hat keine Wahl: Wir müssen aktiv werden.“

 

Auch Moriceaus andere Arbeiten thematisieren das Verhältnis von Mensch und Natur. Am Eröffnungsabend wird Fritz Habekuß, Redakteur des Wissensressort bei der Zeit, dieses Thema aufgreifen. Damit startet Âme Nue die Gesprächsserie „Entering the Anthropocene“. Sie widmet sich den Herausforderungen des neuen Erdzeitalters, in dem menschliches Handeln zu einem maßgeblichen Einflussfaktor geworden ist. Denn, so steckt Liberty Adrien den gesellschaftlich und ökologisch durchaus kämpferischen Rahmen des Kunstraums ab: „Unsere Generation hat keine Wahl: Wir müssen aktiv werden.“

 Âme Nue: Roman Moriceau: Our exquisite replica of „eternity“, 22. Februar – 16. März 2019 (Eröffnung 21. Februar 2019, 19 Uhr).


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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FoodSZENE – Was bringt die Zukunft der Gastronomie?

Zum zweiten Mal fand das Das Food Innovation Camp in der Handelskammer Hamburg statt. Das Netzwerktreffen brachte Startups, Investoren und Gastronomen zusammen

Glutenfreies Brot, Insektenriegel, Algenpräparate, Smoothies und Eis – das waren die meist präsentierten Produkte auf dem Food Innovation Camp 2018 in der Handelskammer Hamburg. Organisiert wurde die Netzwerkveranstaltung von Hamburg Startups mit Unterstützung von DS Produkte, QVC und REWE Nord. Neben einem Marktplatz für Food-Startups und der Möglichkeit, die Idee hinter den Produkten kurz und knapp auf einer Bühne vorzustellen, fanden den ganzen Tag Podiumsgespräche zu verschiedenen Themen statt. Im Fokus standen vor allem folgende Punkte: gesunde Ernährung (die schmeckt), bewusste Ernährung in Bezug auf die Qualität der Produkte und versteckte Zucker, Superfoods und Nachhaltigkeit.

Will man eine Idee an die Öffentlichkeit bringen, braucht man Investoren bzw. Multiplikatoren. Der Verzicht auf Plastik – ob in Tüten, Verpackungen oder Strohhalmen – war eines der wichtigsten Anliegen vieler Startups. Dass REWE seit 2016 auf Plastiktüten verzichtet, wurde von vielen Gästen positiv zur Kenntnis genommen. Schließlich muss der Bewusstseinswandel auch bei der Masse ankommen. Podiumsteilnehmer Hans-Jürgen Moog von REWE berichtete von anfänglichen Bedenken, auf den Restbeständen von Plastiktüten sitzenzubleiben. Glücklicherweise erwies sich die Testphase als erfolgreich.

Überall in der Stadt poppen neue Lokale mit spannenden Konzepten auf – aber der Hamburger Gastronomie fehlt das entsprechende Personal. Die Branche habe einen schlechten Ruf, meint Patrick Rüther, der unter anderem die Bullerei, das Alte Mädchen und ÜberQuell mitbegründet hat. Hartes Lehrgeld, rauer Umgangston in der Küche, endlose Nachtschichten, Arbeit am Wochenende, Rückenschmerzen – das seien die gängigsten Vorstellungen von einer Tätigkeit als Koch oder Servicekraft. Dabei könne man es heutzutage allein mit Pünktlichkeit und der Bereitwilligkeit, auch am Wochenende zu arbeiten, schon zum Restaurantleiter machen, so Rüther. Heißt: Aktuell wird so händeringend gesucht, dass von Seiten der Gastronomen ordentlich Eingeständnisse gemacht werden. Als Vorstandsvorsitzender vom Leaders Club, einem Zusammenschluss von weltweit führenden Gastronomen und Entscheidungsträgern der Industrie, weiß Rüther allerdings: Für einen Job in der Gastro muss man brennen. Da helfen auch keine Versprechungen.

Text: Jasmin Shamsi


Who the fuck is…

Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. “Sie hängen eng miteinander zusammen und befinden sich im ständigen Austausch”, sagt sie. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online, in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG und auf Instagram unter @szenehamburg.essentrinken 


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