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Swutscher: Von mystischen Nächten

Pop, Rock, Honky Tonk, Country – alles drauf auf dem neuen Album von Swutscher, das schlicht nach der Band benannt ist. Textlich fallen zwei Themen auf: Rauchen und Trinken. Wieso, weshalb, warum? Erzählen Swutscher im Interview

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Sascha, Martin, Velvet, Mike und Seb, gerade sitzt ihr alle zusammen, um allerhand Exemplare eures neuen Albums zu signieren. Wie oft finden denn generell Swutscher-Treffen während der Pandemie statt?

Sascha: Wenn nicht gerade eine Tour ansteht, kommt es schon mal vor, dass wir uns einen Monat lang nicht sehen. Aber Gott sei Dank geht es ja bald wieder mit Konzerten los, und dann proben wir alle zwei Wochen.

Euer Proberaum befindet sich in Hamm. Vermutlich ein Raucher-Proberaum …

Mike: (lacht) Na ja, so halb, wir können vor der Tür rauchen. Aber ich werde eh erst nach dem fünften Bier zum Raucher.

Ein prominenter Fan

Rauchen und Trinken – das sind die beiden großen Themen zweier Single-Auskopplungen im Vorfeld der Album-Veröffentlichung, nämlich „Tabak“ und „Palm Royal“. Zwei Oden, die einfach mal geschrieben werden mussten?

Sascha: Bei „Tabak“ ging es anfangs gar nicht ums Rauchen, sondern um das Parfüm. Um diesen alten Herrenduft, den mein Großvater schon trug, und den ich auch ab und zu getragen habe. Als ich diesen Duft dann auch noch bei einigen anderen von Swutscher bemerkte, dachte ich: Da sollten wir vielleicht mal einen Text drüber schreiben. Die Zweideutigkeit, also der Bezug auch zum Rauchen, entwickelte sich erst mit der Zeit.

Ein prominenter Swutscher-Fan ist Jan Müller von Tocotronic, der über „Tabak“ schrieb, er, der seit 2005 Nichtraucher wäre, würde sich nach dem Hören am liebsten eine anstecken. Jan hat zudem eine sehr wohlwollende Presse-Info zum Album geschrieben. Wie kam es zur Verbindung Swutscher und Jan Müller?

Martin: Jan ist irgendwie auf uns aufmerksam geworden und hat uns nach einem Interview gefragt. Später hat er uns auch bei einem Konzert in 68 (Mike von Swutscher) Berlin besucht. Mit der Zeit ergab es sich, dass wir öfter mal geschnackt und uns gut verstanden haben.

„Diese Nächte kommen von selbst“

Zurück zu den beiden Singles, jetzt zu „Palm Royal“, benannt nach einem belgischen Bier. Der Songtext deutet an, dass du, Sascha, das Bier während eines Wanderurlaubs entdeckt hast – stimmt das?

Sascha: Ja – und danach wurde es natürlich schwieriger, es zu bekommen. Aber: Es gibt ja „Getränke Hoffmann“ – Grüße gehen raus! – der kriegt alles, und so kommen wir ab und an noch mal in den Genuss von „Palm Royal“, natürlich in Maßen (alle lachen).

Im Song „Rocker“ scheint der Genuss durchaus auch mal über ein, zwei „Palm Royal“ hinauszugehen („Meine Leber leidet leise“), in „Mystische Nächte“ dreht sich vieles rund um „Kräuter und Absinth“. Geht es in Letzterem um ganz bestimmte mystische Nächte, die erlebt wurden, oder verbringt ihr solche Nächte immer mal wieder und theoretisch überall?

Seb: Immer mal wieder und theoretisch überall. Wir brauchen da eigentlich keinen bestimmten Anlass. Diese Nächte kommen von selbst. Und wenn sie kommen, dann weiß man schon Bescheid (lacht).

„Wir sind große Freunde des Pub-Rock“

In „Tohuwabohu“ besingt ihr dann etwas ganz Anderes, Ernsteres, und zwar die Pandemie („Die Welt im Wandel“). Wie hart hat Corona denn Swutscher erwischt?

Velvet: Megahart, muss man schon sagen. Corona hat uns ausgebremst. 2020 haben wir eine EP veröffentlicht, wollten auf Tour gehen – aber das ging halt nicht. Vielleicht war das aber auch ganz gut, denn davor waren wir zwei Jahre dauerhaft unterwegs. Und mittlerweile fühlt es sich zumindest schon wieder wie ein kleiner Neustart an.

Geplant ist, dass ihr „Swutscher“ Ende April im Molotow präsentiert, quasi eurem Hamburger Stamm-Auftrittsort. Könntet ihr euch vorstellen, in Hamburg auf lange Sicht immer dort zu spielen, oder strebt ihr schon auch die größeren Läden der Stadt an?

Mike: Wir mögen das Molotow nach wie vor sehr, dort sind einfach wunderbare Leute. Wir haben aber auch nichts gegen größere Läden. Am allerliebsten spielen wir jedoch nach wie vor im Pub. Wir sind alle große Freunde des Pub-Rock.

„Swutscher“ von Swutscher ist am 25. Februar 2022 auf La Pochette Surprise/Membran/The Orchard erschienen; Live am 30. April 2022 um 20 Uhr im Molotow


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Burger Invasion: Indie- und Punk-Party im Molotow

Das kalifornische Label Burger Records kommt erneut für eine Präsentation ihres Katalogs ins Molotow und veranstaltet mit der Burger Invasion eine Club-Party mit Live-Musik und kunterbuntem Punk-Merch

Text: Erik Brandt-Höge
Foto: Pooneh Ghana

 

Fullerton, Kalifornien, 2007. Im immer sonnigen Palmentstädtchen haben zwei High-School-Kumpels die Idee von einer eigenen Plattenfirma, und zwar einer sehr speziellen. Sean Bohrmann und Lee Rickard wollen ein Label, das unbekannten Garagenrockbands eine Plattform bietet und sich gleichzeitig einem, nun ja, etwas aus der Mode gekommenen Tonträger widmet: der Kassette. Im industriellen Teil des Küstenortes mieten sie Büroräume und richten sich ein, mit zerknautschten Sofas und Sesseln, Bandpostern als Tapeten und unzähligen, wackligen Regalen – die ziemlich fix voll werden sollen.

Burger Records, wie Bohrmann und Rickard ihr Unternehmen nennen, signt wie verrückt, auch weil die Burger-Philosophie Indie- und Punk-Bands aus der Seele spricht und sie geradezu magnetisch anzieht. In den ersten zehn Jahren kann das Duo mehr als 1.000 Veröffentlichungen realisieren, natürlich vornehmlich auf Tapes.

 

Club-Partys rund um den Globus

 

Eines der Burger-Release-Highlights: Die Punk-Superstars Green Day erlauben ihnen, das legendäre „Dookie“-Album von 1994 auf Kassette herauszubringen. Und neben dem bestens laufenden Tonträgergeschäft veranstalten Bohrmann und Rickard bald sogar ein Burger-Festival. Im nicht weit entfernten Santa Ana lassen sie ihre Künstler auftreten und verkaufen ihren Katalog, gewinnen immer mehr Anhänger und Marktanteile.

Und weil das alles so prima klappt, setzen die Burger-Jungs noch einen drauf: „Burger Invasion“ nennen sie ihre Club-Partys, die sie rund um den Globus veranstalten. Zum dritten Mal kommen sie nun schon ins Molotow, präsentieren Punkrock, kunterbuntes Burger-Merchandising von Shirts über Plakate, Sticker und Buttons, und, eh klar, die Prestigeobjekte des Labels: Kassetten.

Bohrmann: „Lee und ich lieben unser Festival in dieser Stadt. Geradezu surreal zu sehen, dass unser Logo mittlerweile an in so vielen verschiedenen Orten zu sehen ist, vor allem in einer Stadt namens Hamburg.“

Auftreten werden am Burger-Tag im Molotow auf den drei Bühnen des Clubs u. a. die New Yorker Gruppe Surfbort (Punk), Fruit Tones aus Manchester (Garage), die Kasseler Suck (Punk), Jealous aus Berlin (Post-Punk) und – regelmäßige Molotow-Gänger kennen sie längst – die Lokalmatadoren Swutscher (Indie-Rock).

 

 

Burger Invasion: 17.8., Molotow, ab 15 Uhr


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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