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SZENE HAMBURG AUGUST 2018 – Sind wir #sozial?

Einfach mal machen: Sich kümmern, um einen Freund oder einen Fremden – das tut nicht weh und kostet nichts. Klar, Zeit und manchmal auch Kraft, aber ist es das nicht wert?

Denn jeder von uns braucht hin und wieder Unterstützung. Vor allem im ­Alter. So wie unsere Eltern oder Großeltern, wenn sie nicht mehr alleine wohnen können, und sich die Frage stellt, was dann? Alternativen zum konventionellen Altenheim, hat unser Redakteur Erik besucht. Und mit zwei Damen gesprochen, die sich mit 86 und 90 Jahren für eine Wohnform entschieden haben, die Unabhängigkeit mit Gemeinschaft verbindet.

Was bedeutet eigentlich sozial? Wir haben sechs Hamburger nach ihrer Definition gefragt.

Solidarisch geht es auch in der Wohngemeinschaft Stadt.Land.Fluss in Ochsenwerder zu: 30 Erwachsene mit ihren 19 Kindern haben sich zusammengeschlossen – Familien, Alleinerziehende, ­Geflüchtete, Rentner, sie alle unterstützen sich gegenseitig im Alltag. Allerdings hat es viel Durchhaltevermögen gebraucht, damit diese inklusive Vision gelebt werden kann.

In diesen sozialen Projekten könnt ihr euch engagieren.

Natürlich muss es nicht immer gleich das große Ganze sein, Helfen geht auch in kleinen Schritten. Die Organisation „tatkräftig“ sucht helfende Hände für Projekte, die maximal einen Tag dauern. Perfekt für alle, die gerne etwas tun, sich aber nicht auf Dauer verpflichten möchten. Der wachsende Zulauf zeigt, dass ehrenamtliches Engagement für viele hier selbstverständlich ist.

Der Faktencheck zeigt, wie sozial unsere Stadt tatsächlich ist.

Doch wie sozial unsere Stadt, nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich ist, zeigt der Faktencheck im Städtevergleich mit Berlin und München.

Aber was genau bedeutet eigentlich sozial? Laut einer Definition des Duden ist es „dem Gemeinwohl, der Allgemeinheit dienend“. Das heißt in der Praxis was? Wir haben in der Redaktion lange darüber diskutiert. Und beschlossen, diese Frage von sechs Hamburgern beantworten zu lassen.

Herausgekommen ist dabei, so unterschiedlich die Leben auch sind, was zählt ist Fürsorge, Achtsamkeit und ein respektvolles Miteinander. Genau. Denn „Zusammen ist man weniger allein“.

SZENE HAMBURG im Schnelldurchlauf:

Text: Hedda Bültmann, Redaktionsleitung SZENE HAMBURG
Beitragsbild: Katja Anna Krug (Unsplash)


Foto: Sophia Herzog

Hedda Bültmann, unsere Redaktionsleiterin, hat den Kopf voller Ideen und seit Mai 2018 bei der SZENE HAMBURG das Ruder in der Hand. Vielleicht ist euch schon die ein oder andere Veränderung im Magazin aufgefallen? Die ist dem Spirit von Hedda zu verdanken. Lust auf Austausch? Ihr erreicht sie unter hedda.bueltmann@vkfmi.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Sport: Girls Power

Integration. Junge Mädchen mit Migrationshintergrund spielen Fußball. Sie sind die „Kicking Girls“. In Hamburg ganz groß – und von der UEFA ausgezeichnet.

Bastian Kuhlmann hat Sport studiert. Berufswunsch Lehrer. Der 33-Jährige steht in der Alsterdorfer Sporthalle. Ein kleines Mädchen der Anton-Ree-Schule läuft auf ihn zu. „Krieg’ ich auch eine Medaille?“, fragt sie. „Aber klar“, sagt Kuhlmann. Mit großen Augen und der um ihren Hals baumelnden Plakette kehrt sie zurück zu ihren Mitschülerinnen. Geht hier ein Traum in Erfüllung? Ja. Anders als gedacht. Kuhlmann verantwortet für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) die bundesweite Initiative „Kicking Girls“. Heute ist er auf Einladung des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) zu Gast beim großen Hamburger Winterturnier. „Eigentlich ging es nur um die wissenschaftliche Umsetzung einer Pilotidee im Studium. Dann wurden wir immer größer. Nun gibt es ,Kicking Girls‘ seit zehn Jahren“, sagt Kuhlmann. „Und ich habe es nie geschafft, Lehrer zu werden“, fügt er hinzu. Unglücklich sieht er dabei nicht aus.

Die Pilotidee stammt vom Soziologieprofessor Ulf Gebken aus dem Jahr 2005. Überschrift: „Soziale Integration von Mädchen durch Fußball.“ Kuhlmann war einer der Pioniere, die im Studium an der praktischen Umsetzung arbeiteten. Das ursprüngliche Konzept? So simpel wie genial: Fußballkurse in Grundschulen für Mädchen mit Migrationshintergrund zur Stärkung des Selbstbewusstseins. Ein niedrigschwelliges Angebot ohne Wettbewerbsdruck. Gekämpft wird um Ball und Tore, nicht um Punkte. Was klein begann, wurde schnell groß. Mittlerweile existieren auch Mädchenfußball-Camps für die teilnehmenden Mädchen, weibliche Jugendliche können Coach-Ausbildungen zur Leitung von Kursen, Turnieren und Camps durchlaufen. Die früheren Nationalspieler Nia Künzer und Jens Lehmann sind starke Paten des Projekts. Ihr Engagement wird von allen Seiten sehr gelobt. „Ich selbst habe in meiner aktiven Karriere die Erfahrung gemacht, dass es auf dem Fußballplatz keine Rolle spielt, welche Hautfarbe du hast, aus welchem Land du kommst oder an welche Religion du glaubst. Der Teamgedanke zählt“, sagt Lehmann. Ihre großen Idole können die Schülerinnen sogar manchmal selbst sehen. Kooperationsschulen besuchten mit ihren Kindern schon Spiele der deutschen Frauen-Fußballnationalelf. Dies alles bewirkte eine immense Vergrößerung des schließlich „Kicking Girls“ benannten Projekts. Circa 20.000 Mädchen nahmen in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland an den Kursen teil. Hamburg ist mit 31 Schulen dabei, als größter Standort. 600 Schülerinnen kicken in unserer Hansestadt eifrig mit, zweimal im Jahr steigt in der Alsterdorfer Sporthalle ein großes Turnier. Bundesweit wird an 270 Schulen und 80 Standorten gegen den Ball getreten.

„Die Mädchen lernen unglaublich viel. Das fängt schon an mit dem Mut, zum Ball zu gehen, setzt sich fort über die Kommunikation und Teamfähigkeit, um zusammenzuspielen. Besonders freue ich mich immer, wenn Kinder über die Kurse an den Grundschulen den Weg zu den Vereinen finden“, sagt Martina Rehders. Sie ist Stützpunkttrainerin beim HFV und leitet einmal in der Woche den „Kicking-Girls“-Kurs an der Anton-Ree Schule. Der riesige Erfolg des Projekts ist auch der Europäischen Fußball-Union UEFA nicht verborgen geblieben. Sie prämierte die Idee mit dem UEFA Award for Children, immerhin dotiert mit 50.000 Euro.

„Wir sind alle stolz auf diesen Award. Er spiegelt vor allem das wider, was die Übungsleiter an den Schulen leisten“, sagt Stefanie Basler, die beim HFV das Projekt „Kicking Girls“ verantwortet und intensiv mit den Schulen zusammenarbeitet. „Mehr geht immer“ lautet ihre Vision. „Die Nachfrage an den Schulen ist riesig. Wir haben das Projekt schon auf weiterführende Schulen ausgeweitet.“ Allerdings wachsen trotz starker Kooperationspartner wie der Laureus-Stiftung, Spenden und der Hilfe der Stadt die Bäume finanziell nicht in den Himmel. Doch die Idee der „Kicking Girls“ scheint unaufhaltsam. „Das Projekt gibt es jetzt auch zum Beispiel in Irland und in der Schweiz. Es internationalisiert sich“, freut sich Basler. Nicht nur sie und Bastian Kuhlmann wissen: Der Ball ist eben nicht nur männlich.

Text: Mirko Schneider

Beitragsbild: Norbert Gettschat

www.kicking-girls.info

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!