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Maya Lindholm: Die Rückkehrerin

Würde im Leben immer alles nach Plan laufen, säße Maya Lindholm (30) bei diesen Paralympischen Spielen vor dem Fernseher. Nach dem dritten Platz bei der Heim-Weltmeisterschaft in Hamburg 2018 hatte Lindholm ihren Rücktritt erklärt. Jetzt startet sie am 26. August 2021 um zwei Uhr deutscher Zeit gegen Australien in ihr drittes paralympisches Turnier

Text: Mirko Schneider

 

Vor den Paralympics in Tokio dachte Maya Lindholm, die langjährige Aufbauspielerin des HSV, noch einmal um. Die mehrfache Deutsche Meisterin kehrte in die Nationalmannschaft zurück. „Mir hat die Nationalmannschaft einfach gefehlt. Sowohl körperlich als auch mental. Deshalb bin ich vor den Paralympics wieder eingestiegen“, sagt die 30-Jährige.

Nach dem Titel bei den Paralympischen Spielen 2012 in London und dem zweiten Platz 2016 in Rio möchte die dreifache Europameisterin nun zum zweiten Mal mit dem deutschen Team Gold bei den Paralympischen Spielen holen. „Wir haben das Potenzial für eine Medaille. Wenn wir alle fit und gesund bleiben, ist für uns alles drin“, sagt Lindholm.

 

Rollstuhlbasketball

 

Die als Ergotherapeutin im Ambulanten Rehazentrum am BG Klinikum Hamburg beruflich tätige Lindholm sitzt seit ihrem 14. Lebensjahr im Rollstuhl. „Ich konnte morgens auf einmal nicht mehr laufen. Der Grund dafür war eine Rückenmarksentzündung, deren Ursache nie herausgefunden wurde“, sagt Lindholm.

Sich aufzugeben war für sie jedoch keine Option. Lindholm suchte sich einen neuen Sport – und fand ihn im Rollstuhlbasketball. Bereits 2009 wurde sie in die deutsche Nationalmannschaft berufen. Dort legte sie, wie auch national beim Hamburger SV, eine überragende Karriere hin. Das lässt sich nicht nur an Titeln messen. 2012, beim Sieg bei den Paralympischen Spielen in London, spielte die Frau mit den interessanten Hobbys (u.a. Geocaching und Wikingerschach) noch nicht die tragende Rolle auf dem Feld. 2016 in Rio sah das schon anders aus. Lindholm spielte mehr, agierte dominanter. Deshalb dürfte ihre Rückkehr die Chancen der deutschen Rollstuhlbasketballerinnen auf eine Medaille in Tokio erhöhen.

 

Eine gute Vorbereitung ist alles

 

Den letzten Schliff holte sich das deutsche Team in einem zehntägigen Trainingslager auf Lanzarote. „Wir haben alles noch einmal geübt. Angriff, Verteidigung, Wurftechnik, Taktik und Kommunikation, dazu eine Menge Krafttraining gemacht. Wir sind jetzt gut vorbereitet“, sagt Lindholm. Am 14. August fliegt das Frauenteam nach Tokio. Am 26. August geht es los. Die deutsche Gruppe mit Gastgeber Japan, Australien, Kanada und Großbritannien bietet happige Gegner und fordert von Beginn an höchste Konzentration.

Aber danach kann sich Maya Lindholm in Hamburg erholen. Sie weiß auch schon wie. „Ich wollte bald den Angelschein machen. Den habe ich jetzt wegen den Paralympischen Spielen verschoben. Aber wenn ich wieder da bin, werde ich ihn nachholen.“


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Große Ehre: Hamburgerin trägt die deutsche Fahne bei Olympia 2021

Laura Ludwig aus Hamburg und Patrick Hausding sind die deutschen Fahnenträger:innen bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Das Duo setzte sich bei einer Wahl von ARD, ZDF, Eurosport und „Bild“ durch

Text: Felix Willeke

 

Am 23. Juli 2021 ab 12.50 Uhr deutscher Zeit beginnt die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Laura Ludwig und Patrick Hausding stehen dann hinter den Kulissen des Olympiastadions und freuen sich auf eines der Highlights ihrer Karriere: Die Hamburger Beachvolleyballerin und der Berliner Wasserspringer sind die Fahnenträger:innen des deutschen Olympia-Teams. Sie führen über 400 deutsche Sportler:innen zum Auftakt der Olympischen Spiele 2021 ins Stadion. Für die 35-jährige Ludwig sind es die vierten Spiele. 2016 gewann sie mit ihrer ehemaligen Partnerin Kira Walkenhorst Gold in Rio de Janeiro. In Tokio steht sie gemeinsam mit Margareta Kozuch im Sand.

 

Die Wahl

 

Erstmals in der olympischen Geschichte gibt es pro Nation zwei Fahnenträger:innen. Die Auswahl überließ der Deutsche Olympische Sportbund den Fans. Ludwig und Hausding gewannen eine von ARD, ZDF, Eurosport und „Bild“ durchgeführte Wahl, bei der auch die Athlet:innen des deutschen Teams abgestimmt haben. Bei den Frauen standen neben Laura Ludwig die Dressurreiterin Isabell Werth, Turnerin Elisabeth Seitz, Ruderin Annekathrin Thiele und die Tennisspielerin Angelique Kerber – die verletzungsbedingt nicht an den Start geht – zur Wahl. Hausding setzte sich bei den Männern gegen den Hamburger Hockey-Nationalspieler Tobias Hauke, Tischtennisspieler Dimitrij Ovtcharov, Turner Andreas Toba und den Ruderer Richard Schmidt durch.
Die Olympischen Spiele beginnen am 23. Juli und enden am 8. August 2021 mit der Schlussfeier. Aus Hamburg sind 34 Sportler:innen in zehn Sportarten am Start. Vom 24. August bis zum 5. September 2021 folgen dann die Paralympics, hier nehmen voraussichtlich fünf Hamburger Sportlerinnen aus drei Disziplinen teil.


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