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Hört der Welt zu! – die Lessingtage am Thalia Theater

Lessingtage: Zum zehnten Mal findet am Thalia Theater das internationale Festival für eine offene Gesellschaft statt und vereint die unterschiedlichsten Stimmen. Wie das auf der Bühne aussieht, erzählt die Chefdramaturgin Julia Lochte.

Interview: Hedda Bültmann
Foto: George Udeze

Julia Lochte setzt sich für den Toleranzgedanken ein

SZENE HAMBURG: Julia Lochte, das diesjährige Motto der Lessingtage ist „Hear Wor(l)d!“. Was bedeutet das?

Der Titel ist aus dem Namen eines zentralen Gastspiels entwickelt, „Hear Word! Naija Woman Talk True“, in dem Schauspielerinnen aus Nigeria erzählen, was die Frauen in ihrer Heimat bewegt. Wir haben daraus „Hört der Welt zu!“ gemacht. Wir wollen die Vielstimmigkeit zulassen, auch Stimmen, die sonst nicht gehört werden. Das ganze Festival ist ein Plädoyer für die offene Gesellschaft, entgegen der Ausgrenzungsmechanismen, die leider überall entstehen. Das Theater entwickelt eine große Kraft, wenn es so viele Stimmen aus den verschiedensten Ländern versammelt.

Die Stücke erheben eine Stimme, um auf ein bestimmtes Thema aufmerksam zu machen?

Ja, oder sie sind in sich selbst schon vielstimmig. Das russische Gastspiel „Who is Happy in Russia“ ist eine der großen Inszenierungen von Kirill Serebrennikov, der im Moment mundtot gemacht werden soll. Er befindet sich gerade in einem Prozess und steht schon lange unter Hausarrest. Trotzdem arbeitet er unter schwierigsten Bedingungen, kommuniziert nur über seine Anwälte. Aber sein Gogol Center in Moskau spielt weiterhin. Deshalb ist es so wichtig, dass das Stück auch außerhalb von Russland gezeigt wird.

Ebenso haben wir zwei Exil-Ensembles eingeladen. Collective Ma’louba mit syrischen Geflüchteten, die hier in Deutschland leben, reden über ihre Exil-Situation, und das Exil-Ensemble vom Maxim Gorki Theater Berlin zeigt die „Hamletmaschine“ von Heiner Müller.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die postkoloniale Emanzipation …

Der Postkolonialismus ist ja generell ein Thema. Wir zeigen zwei Stücke aus Afrika. Es ist uns wichtig, die Menschen, die es direkt betrifft, über sich und ihre Emanzipationsgeschichte sprechen zu lassen und ihnen Gehör zu verschaffen.

 

Seht hier den Trailer zu den Lessingtagen am Thalia Theater

 

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Worauf habt ihr bei der Auswahl der Produktionen geachtet?

Joachim Lux, Emilia Heinrich und ich kuratieren gemeinsam das Festival. Mindestens einer von uns hat die Produktion gesehen, die in Frage kommt und dann besprechen wir uns. So entsteht ein Programm, das natürlich immer in Gedenken an Lessing mit einer offenen Gesellschaft und dem Toleranzgedanken zu tun hat.

Was muss ein Stück mitbringen, damit ihr euch dafür entscheidet?

Sie dürfen sehr unterschiedlich sein. In der Gaußstraße zeigen wir zum Beispiel eine Tanztheater-Truppe aus dem Libanon, die das Stück „#minaret“ über die Zerstörung von Aleppo auf die Bühne bringt. Es zeigt, mit welchen anderen Mitteln als denen des Sprechtheaters künstlerische Formulierungen entstehen können. Beirut stellen wir, neben Hamburg und New York, auch auf der Langen Nacht der Weltreligionen vor.

Der Abend dreht sich um das Zusammenleben der verschiedenen Religionen in der Stadt. Dazu wird die deutsch-amerikanische Autorin Deborah Feldman kommen, die in ihrem Buch „Unorthodox“ erzählt, wie sie in der ultraorthodoxen jüdischen Glaubensgemeinschaft der Satmarer im New Yorker Stadtteil Williamsburg aufgewachsen ist.

Lessingtage „Hört der Welt zu!“: Thalia Theater,  18.1.–2.2.19


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Anfachen Award -Toleranz auf St. Pauli

Der Plakatwettbewerb „Anfachen Award“ widmet sich in diesem Jahr dem Thema Toleranz in der Gesellschaft. Gewinnermotive des Plakatwettbewerbs sind bis zum 8. Februar 2018 auf St. Pauli zu sehen.

Der Plakatwettbewerb „Anfachen Award“ widmet sich in diesem Jahr dem Thema Toleranz in der Gesellschaft. Die 25 Gewinnermotive stehen an öffentlichen Orten in Hamburg. Sie deuten die thematische Vorgabe individuell und wollen auf ästhetische Weise zum Nachdenken anregen. Die Plakate stellen die Frage: Sind wir nur so lange tolerant, bis die eigene Komfortzone berührt wird?

Bis zum 8.2.2018 sind die Plakate rund am Nobistor, am Millerntorplatz 1 und am Millerntor-Stadion zu sehen. Darüber hinaus sind sie an weiteren Orten ausgestellt: Mönckebergstraße 1; Hachmannplatz; Kirchenallee; Kennedybrücke; Jungfernstieg; Ballindamm/Lombardsbrücke; und vor der Kunsthalle Hamburg (hier nur bis zum 23.01.).

Keine Toleranz für Toleranz-Wettbewerb?

Einige Plakate scheinen bereits herausgefordert zu haben. Ein Motiv, das vermeintlich einen „Schwarzen Block“ zeigt, wurde innerhalb von wenigen Tagen bereits zweimal zerstört. An anderer Stelle gab es aber auch emotionale Zustimmung durch abgelegte Rosen. Eine der Gewinnerinnen, Katharina Gschwendtner, kommentiert die Stimmung in Hamburg und die Wirkung der Kunstaktion: „Das Anfachen-Projekt stößt auf Interesse und Begeisterung. Es ist einfach schön, an den oft erst zu entschlüsselnden Motiven hängenzubleiben. Und es macht Spaß, die Poster-Ideen zu vergleichen, die Facetten des Toleranzgedankens zu erleben.“

Ein Plakat, das vermeintlich den Schwarzen Block darstellt, wurde an mehreren Orten mehrfach zerstört.

Der Anfachen Award

Der internationale Plakatwettbewerb „Anfachen Award“ des gemeinnützigen Vereins Frappant will Emotionen und Gedanken entfachen, für wichtige Themen sensibilisieren und zum Handeln bewegen. Er findet bereits zum zweiten Mal in Hamburg statt.

Die Jury des Wettbewerbs bildeten Suze Barrett, Hamburg; Mieke Gerritzen, Amsterdam; Dennis Koot, Den Haag; Prof. Yang Liu, Berlin und Dr. Reinhold Wittig, Göttingen. Die Schirmherrschaft übernahmen Prof. Klaus Staeck, Heidelberg und Tom Geismar, New York.

Text: Melina Seiler

www.anfachenaward.de

St. Pauli
Bis 8.2.18