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Japan-Filmfest: Gegensätze durch Liebe vereinen

Das Japan-Filmfest Hamburg hat eine lange Tradition. Vom 22. bis 26. Juni 2022 läuft die 23. Ausgabe in drei Hamburger Kinos

Text: Mascha Sprenger

Vom 22. bis zum 26. Juni 2022 bietet das 23. Japan-Filmfest Hamburg einen Einblick in die japanische Filmkultur. Das diesjährige Festival steht unter dem Motto „Japan – Tradition und Moderne versöhnt durch die Kraft der Liebe“. Passend dazu beginnt das Filmfest mit dem Drama „The Last Goze“ – ein Film über die 2005 im Alter von 105 Jahren verstorbene blinden Künstlerin Haru Kobayashi, mit dessen Tod eine Jahrhunderte alte Tradition erlosch.

Von Anime bis Rakugo

Das 23. Japan-Filmfest Hamburg findet neben dem Metropolis Kino auch im, das 3001 und im Studio Kino statt. Über 80 japanische Filme stehen auf dem Programm, darunter zahlreiche Deutschland-, Europa- und auch Weltpremieren – vom abendfüllenden Spielfilm bis zum experimentellen Kurzfilm. Zu sehen sind farbenfrohe Anime- und Arthaus-Filme der Noh-Reihe sowie Komödien der Rakugo-Reihe. Japan gilt als Land großer Gegensätze: Postmoderne Gesellschaft und jahrhundertalte Traditionen sind genauso präsent wie strenge Konventionen. Das Festival will diese durch die Kraft grenzenloser Liebe vereinen.

Hier gibt’s einen ersten Eindruck vom Eröffnungsfilm „The Last Goze“:


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Federführend: Traditionsunternehmen Montblanc

Das Hamburger Traditionsunternehmen Montblanc eröffnet direkt neben seiner Produktionsstätte im Westen Hamburgs eine luxuriöse Institution des Schreibens. SZENE HAMBURG war vor der Eröffnung zu Besuch

Text: Marco Arellano Gomes

Zugegeben: Leicht zu erreichen ist das neue Montblanc Haus nicht. Kein Vergleich zum einstigen Unternehmenssitz mitten in der Schanze (bis 1989), wo noch heute denkmalgeschützte Embleme an den Eingängen der Volkshochschule prangen. Stattdessen: Hamburg-Stellingen, knapp 1000 Meter vom Volksparkstadion entfernt. Hier, direkt vor dem Hauptsitz und der eigenen Manufaktur, ließ das Hamburger Unternehmen nun also das Montblanc Haus bauen, eine Institution, die sich der Schreibkunst widmet. So viel vorweg: Die Reise lohnt sich.

„Wir hoffen, dass das Montblanc Haus in der Stadt Hamburg, die untrennbar mit der Geschichte und Identität von Montblanc verknüpft ist, zu einem bedeutenden Wahrzeichen wird, das sowohl Einheimische als auch Gäste aus aller Welt be­geistert“, sagt Montblanc-CEO Nicolas Baretzki. Welch Geist hier weht, wird schnell klar: Das Montblanc Haus widmet sich der Kunst des Schreibens.

Das vom Madrider Architekturbüro Nieto Sobejano Arquitectos entworfene Gebäude ist in schlichtem Schwarz-Weiß gehalten und bietet auf drei Etagen mit insgesamt 3600 Qua­dratmetern und einer Länge von knapp 100 Metern jede Menge zum Entdecken. Das Gebäudekonzept ist eine Hommage an die Produktverpackung der Schreibgeräte. Außen schwarz, innen weiß, erinnert es an eben jene Schatullen, in denen die wertvollen Schreibgeräte verkauft werden. Die Silhouette an der Außenwand zeichnet das Mont Blanc-Gebirge ab, nach dem das Unternehmen benannt ist. Abends leuchtet es in hellen Streifen. Entstanden ist eine Mischung aus Ausstellung, Markenwelt und Bildungseinrichtung. Ein glanzvolles Aushängeschild, direkt vor dem eigenen Industriegelände. Kosten: 30 Millionen Euro.

Inspiration zum Schreiben

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Multimediale Präsentationen führen die Besucher und Besucherinnen in die Welt des Schreibens ein (Foto: Daniel Schäfer Photography)

Auf drei Ebenen wird die Unternehmensgeschichte, die Herstellung der Schreibgeräte, aber auch bildungsrelevantes Wissen nahegebracht. Unzählige Füllfederhalter werden ausgestellt – von den allerersten Modellen über ihr „Meisterstück“ bis hin zu limitierten Spezialeditionen. Exponate, Videos und Multimedia-Projektionen lassen die Besucher in die Welt der Schreibkunst eintauchen. Ziel ist es, die Menschen zu inspirieren und wieder zu Stift und Papier greifen zu lassen. Kurz: „A place built to inspire writing“. Am Ende des Ganges wird noch gebaut. „Dort wird eine Boutique stehen, in der die Montblanc-Produkte erworben werden können“, erklärt Jana Oberländer, die für die Besucherführungen zuständig ist. Diese könne ebenso wie das Café am anderen Ende unabhängig von der Ausstellung besucht werden.

In der knapp 16 Meter hohen Empfangshalle hängt ein Kunstwerk von der Decke. Es stammt von der Pariser Künstlerin Marianne Guély, besteht aus Papier und zeigt einzelne Buchstaben, die das zentrale Element des Hauses widerspiegeln: das Schreiben. Nach einigen Treppenstufen geht es rechts herum in den ersten Raum, der sich der Geschichte des Unternehmens widmet. Eine aufwendige 360-Grad-Videoinstallation lässt einen direkt in die Welt von Montblanc eintauchen. Schriftzeichen, Striche und Formen fliegen knappe zwei Minuten lang bei experimenteller, rhythmischer Musik um einen herum. Eine männliche Stimme spricht, erzählt vom Schreiben, Denken, Fühlen. Formvollendete Montblanc-Schreibgeräte schwirren im Großformat an einem vorbei. „Ich schreibe Reden, um dich zu bewegen, Songs, um dich zu berühren, Witze, damit du lachst. Und du liest, was ich lernte, du weißt, was ich wusste, siehst, was ich dachte … Wir inspirieren einander, wir schreiben einander“, sagt die Stimme.

Ein Hamburger Unternehmen

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Nachts leuchtet das Montblanc Haus eindrucksvoll (Foto: Daniel Schäfer Photography)

Inspirierend ist auch der erste Raum, der die Geschichte des Unternehmens illustriert. Von den Anfängen in Hamburg 1906 durch den aus den USA zurückkehrenden Geschäftsmann August Eberstein bis zum weltweiten Durchbruch. Zu Beginn waren die Schreibgeräte noch schwarz-rot. Die charakterliche schwarz-weiße Optik kam erst mit der zweiten Kollektion 1910. Auch der Name Montblanc kam erst dann auf, ebenso wie das Emblem (1913), das die sechs Gletscherzonen auf dem gleichnamigen Berg wiedergibt und inzwischen einen hohen Wiedererkennungswert genießt.

„Der Legende nach entstand der Name in einer langen Kartennacht“, erzählt Oberländer. „Das neue Design erinnerte einen der ­Beteiligten an den Gipfel des höchsten europäischen Berges. Er verband den Gipfel Europas mit dem Gipfel der Schreibkunst.“ Das zog! Der Name etablierte sich, das Unternehmen wurde zunehmend erfolgreicher. Fotos in der Ausstellung von berühmten Vertragsunterzeichnungen zeugen davon, wie weit der Erfolg von Montblanc reicht: Zu sehen sind unter anderem die US-Präsidenten John F. Kennedy und Barack Obama, die Queen, der sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Autokraten bleiben ausgespart.

Seit 1998 ist Montblanc Teil der Richemont-Gruppe. Das Sortiment umfasst mittlerweile alle möglichen Luxusaccessoires – von der Ledertasche über Armbanduhren bis hin zu Schmuck. Doch das wichtigste Geschäftsfeld ist mit einem Anteil von 50 Prozent des Umsatzes noch immer das der Schreibgeräte. 950 Mitarbeiter sind am Hamburger Standort tätig. Das wissen nicht alle Hamburger: „Viele vermuten, dass Montblanc ein französisches oder ein Schweizer Unternehmen ist“, erzählt Jana Oberländer. Das Montblanc Haus könnte dafür sorgen, dass es allen bewusst wird.

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Das „Meisterstück“ steht heute weltweit für Perfektion beim Schreiben (Foto: Daniel Schäfer Photography)

Perfektion braucht Zeit

Besonders begehrt ist das seit 1924 produzierte ikonische „Meisterstück“ – das Flaggschiff unter den Füllfederhaltern. Ein in jeder Hinsicht perfektes Schreibgerät. Das Design ist zeitlos und minimalistisch. Der Begriff wird weltweit in der deutschen Form gebraucht: Ein „Meisterstück“ ist ein „Meisterstück“ – ob in London, Paris, New York, Tokio oder Shanghai. Überall wird die damit verbundene Perfektion geschätzt.

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Wie aufwendig die Produktion der Füllfederhalter ist wird ausführlich erklärt (Foto: Daniel Schäfer Photography)

Wie sehr der Wille zur Perfektion reicht, zeigt der zweite Bereich der Ausstellung, der sich der Handwerkskunst der Herstellung widmet: „Diese beginnt bereits bei der Werkzeugfertigung“, erzählt Oberländer. Diese seien so speziell, dass Montblanc sie selbst herstellt und wartet. Nur so könne die erforderliche Präzision erzielt werden. Auch die Materialien der Schreibgeräte sind von höchster Qualität: Für die Feder wird 18-karätiges Gold verwendet – nicht nur weil es schick und luxuriös ist, sondern weil es ein flexibles und weiches Material ist, nicht rostet und die Tinte gut leitet.

Die zwölf Hauptschritte der Fertigung werden detailliert gezeigt und beschrieben: Die Feder wird ausgestampft, geprägt, geformt, geschnitten, poliert und kontrolliert. Zudem wird eine kleine 1,2 Millimeter große Kugel aus Iridium an der Spitze der Feder eingeschweißt. Iridium ist eines der härtesten Metalle weltweit – seltener und teurer als Gold. Durch den Aufsatz wird gewährleistet, dass sich die Feder nicht abnutzt. Die Mitarbeiter werden monatelang geschult und trainiert. Perfektion braucht Zeit. Acht Federstärken gibt es – abgestimmt auf jeden Geschmack. Wir haben „für jede Handschrift die passende Feder“, sagt Oberländer.

Liebe zur Schrift

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Zu besichtigen sind auch historische Füllhalter des traditionsreichen Hamburger Unternehmens (Foto: Daniel Schäfer Photography)

Schreiben kann die Welt verändern. Das will das Montblanc Haus zum Ausdruck bringen. Und so findet sich darin auch allerhand Geschriebenes. Insbesondere im dritten Teil der Tour hängen Schriftstücke von Voltaire, Ernest Hemingway, Albert Einstein, Frida Kahlo, den Beatles und Karl Lagerfeld an einer Wand. Auch Besucher können ihre eigene Handschrift in einem digitalen Gästebuch hinterlassen. Zudem gibt es die Möglichkeit, einen der Stifte zu testen, indem eine mit Montblanc-Motiven versehene Postkarte beschriftet und in einen in der Wand eingelassenen Schlitz gesteckt wird. Porto geht aufs Haus. „Durch die Digitalisierung ist es natürlich so, dass das handgeschriebene Wort in vielen Bereichen leider zunehmend von der Bildfläche verschwindet.

Wir wollen mit diesem Haus der Handschrift eine Ode setzen“, erklärt Oberländer und weist auf die geplanten Workshops hin, die in einem eigens hierzu geschaffenen Schreibatelier stattfinden sollen. Gelehrt wird dort die Kunst der Kalligraphie sowie kreatives Schreiben. Auch Kurse für Kinder (auch benachteiligte) und junge Erwachsene sind vorgesehen.

Dieses Haus – so viel wird bei der exklusiven Vorabbesichtigung klar, ist eine Liebeserklärung ans Schreiben und eine ­respektvolle Verneigung vor den Denkern, Träumern und Schöpfern. Neben der Dauerausstellung soll es temporäre Exponate sowie Werksbesichtigungen geben. Am 10. Mai wird das Haus feierlich eröffnet. Ab 16. Mai ist die Ausstellung für Besucher von montags bis freitags von 9 und 18 Uhr zugänglich. 2023 soll dies auch am Wochenende möglich sein. Der Eintrittspreis liegt bei 14 Euro. Unbedingt notieren, am besten mit Stift auf Papier.


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Die Hamburger Osterfeuer sind zurück

In den letzten zwei Jahren waren sie aufgrund der Corona-Pandemie verboten, jetzt kehren die traditionsreichen Osterfeuer zurück – auch privat ist wieder mehr möglich

Text: Felix Willeke

Es ist eine alte Tradition, am Ostersamstag entzünden sich in Hamburg unzählige kleine Osterfeuer. Das war in den letzten zwei Jahren nur unter Beachtung der pandemie-bedingten Kontaktbeschränkungen möglich. Die goßen Feuer wie am Elbstrand von Blankenese fielen sogar ganz aus. 2022 wird nun wieder alles so wie es war. Wie der NDR berichtet, könnten die großen öffentlichen Feuer am Elbstrand wieder stattfinden. Sicher sind hingegen schon das Osterfeuer in Stellingen oder das in Langenhorn – eine Übersicht über öffentliche Osterfeuer gibt es auf Hafengeburtstag 2022.

Private Osterfeuer

Seit Anfang April gibt es kaum noch Kontaktbeschränkungen. Das bedeutet: Private Osterfeuer sind wieder nahezu unbeschränkt möglich. Wichtig ist nur, dass das Feuer vom Grundeigentümer (bei Feuern auf privatem Grund) oder vom Bezirksamt (bei Feuern auf öffentlichem Grund) genehmigt werden muss. Wie immer gilt aber, dass man besonders auf Umwelt-, Natur- und Brandschutz achten sollte. Das heißt: Keinen Müll verbrennen, genügend Abstand zu Gebäuden einhalten und den Reisighaufen vor dem Anzünden abklopft, um Tiere zu schützen.

Genaue Verhaltensregeln und -empfehlungen gibt es bei der Hamburger Behörde für Umwelt, Klima und Agrarwirtschaft.


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Nachhaltige Weihnachtsbäume

Tim Laumanns, Revierförster in Bergedorf, kümmert sich um den Anbau und den Verkauf sogenannter ökolo­gischer Weihnachtsbäume. Ein Gespräch über die umweltfreundliche Alternative, die Missstände in der Weihnachtsbaumproduktion und die Symbolkraft des Tannenbaums

Interview: Rosa Krohn

 

SZENE HAMBURG: Tim Laumanns, wann denken Sie im Jahresverlauf erstmals an Weihnachten?

Tim Laumanns: Weihnachten beginnt für diejenigen, die sich beruflich mit Weihnachtsbäumen beschäftigen, im Juni. Das ist die Zeit, in der man sich zu fragen beginnt, wie viele Weihnachtsbäume benötigt werden. Im Verlauf des Jahres müssen die Weihnachtsbäume von Menschen ausgesucht werden und entsprechend zur Ernte markiert werden. Ab August beginnt die Kreuzspinnenzeit, da möchten Sie nicht mehr durch Weihnachtsbaumkulturen schlendern. Ende August, Anfang September kommt dann in den Weihnachtsbaumkulturen außerdem extreme Feuchtigkeit hinzu. Auf den Nadeln sammelt sich sehr viel Wasser und man kann erst mittags bei gutem Wetter rein – ärgert sich dann aber auch noch über Tausende von Kreuzspinnen. Das ist unangenehm, auch für jemanden, der keine Probleme mit Spinnen hat (lacht). Insofern muss man Anfang Juni planen und bis Mitte August seine Auslese in den Kulturen getroffen haben. Verkauft wird dann im Dezember, in diesem Jahr ab dem 10.

 

Öko bedeutet viel Aufwand

 

Sie arbeiten mit Öko-Weihnachtsbäumen. Wofür genau steht bei Ihnen das „öko“?

Das „öko“ steht für verschiedene Aspekte im Anbau der Bäume. Zuerst einmal gibt es keine „Roundup“-Behandlung. Insbesondere bei den jungen Bäumen, aber auch bei älteren muss die Graskonkurrenz weg. Die jungen Bäume wachsen andernfalls nicht und bei den Älteren führt sie dazu, dass das Gras in den untersten Kranz des Baumes hineinwächst und für unschönes Nadelwachstum sorgt. Also: Das Gras muss weg. Ein Problem, das im klassischen Anbau mit Glyphosat gelöst wird.

Im ökologischen Anbau hingegen, wird das Gras entweder manuell oder durch Schafbeweidung entfernt. Ein weiterer Punkt ist die Düngung. Normalerweise wird mit Kunstdünger gearbeitet, der energieaufwendig erzeugt wird. Im biologischen Anbau wird mit Biodünger gearbeitet, wie zum Beispiel Hühnerkot. Der stammt seinerseits von biologisch gehaltenen Tieren. Eine weitere Hürde beim Anbau: Jedes Jahr bildet der Baum einen neuen, sogenannten Jahrestrieb. Wenn dieser aufgrund guter Witterungsbedingungen stark wächst, muss er im Verlauf kurzgehalten werden. Ansonsten entstehen im Laufe seines Wachstums Löcher im Baum, weil die Abstände der Astquirle zu groß werden und oben auf dem Baum eine zu lange Spitze entsteht. Also muss eine sogenannte Wuchsreduzierung vorgenommen werden. Im klassischen Anbau wird die Spitze dafür mit einem kleinen Chemikalienschwämmchen behandelt.

Und bei Ihnen ohne Chemikalien …

… genau, bei uns wird dem Baum manuell mit einer Zange eine kleine Verletzung zugefügt, damit er vorerst seine Kraft darauf verwendet, diese zu heilen und so stufig und dicht bleibt. Was uns schließlich zusätzlich vom konventionellen Weihnachtsbaumhandel unterscheidet, ist, dass wir nicht nur eine Tannenart anbieten: Neben der klassischen Nordmanntanne bieten wir die Nobilistanne, die Rotfichte, die Blaufichte und die Kiefer an. Diese „altgedienten“, schönen Weihnachtsbaumarten dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

 

Weihnachtsbäume sind ein landwirtschaftliches Produkt

 

Tim Laumanns setzt bei Weihnachtsbäumen auf Nachhaltigkeit (Foto: privat)

Tim Laumanns setzt bei Weihnachtsbäumen auf Nachhaltigkeit (Foto: privat)

Was bedeutet dieser Anbau im Vergleich zum konventionellen Weihnachtsbaumanbau in Bezug auf Arbeitsaufwand und Kosten?

Das Aufwendige ist, die oben beschriebene Kette an ökologischen Arbeitsschritten zu gewährleisten. Angefangen bei den ökologisch gehaltenen Tieren, deren Kot wir als Dünger verwenden, bis hin zur Wuchsreduzierung, die durch entsprechendes geschultes Personal, das die Bäume kennen muss, durchgeführt werden muss. Natürlich bedeutet das erheblichen Mehraufwand und auch Mehrkosten.

Findet der gesamte Prozess in der Revierförsterei Bergedorf selbst statt?

Nein. Es gibt eine gemeinsame Försterei, in der die Weihnachtsbäume angebaut werden. Die Herkunft des Weihnachtsbaums wird aus emotionalem Grund im Wald verortet. Aber Sie müssen verstehen: Jedes Jahr werden allein in Deutschland an die 25 Millionen Bäume innerhalb von sechs Wochen benötigt. Es handelt sich also um ein hoch professionalisiertes, landwirtschaftliches Produkt. Mittlerweile ist die Nachfrage nach ökologischen Weihnachtsbäumen sogar so hoch, dass wir allein den Bedarf nicht mehr decken können. Deshalb beziehen wir den Restbedarf von einem Produzenten, der nach unseren Standards produziert.

 

Eine Tanne kostet zwischen 40 und 60 Euro

 

Sie erleben also eine steigende Nachfrage, was Öko-Weihnachtsbäume angeht. Demnach auch mehr Bewusstsein für den Klimawandel?

Ja, das glaube ich schon. Die Leute, die bei uns einen Weihnachtsbaum einkaufen, tun dies auch aus einem Nachhaltigkeitsbewusstsein heraus. Aber es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Für viele ist das Erlebnis des Kaufs wichtig und Teil des Weihnachtszaubers. So sind sie bereit, zwischen 40 und 60 Euro für eine Tanne auszugeben. Denn der Verkauf unserer Weihnachtsbäume hat einen richtigen Eventcharakter.

Wie läuft denn der Verkauf ab?

Andere Forstwirte und ich stehen als Ansprechpartner für diverse Fragen rund um den Forst zur Verfügung. Außerdem gibt es unter normalen Bedingungen auch noch einen Weihnachtsmarkt. Da gibt es unsere regionale Wildbratwurst, dänische Waffeln, leckeren Glühwein und sogar ein großes Lagerfeuer, um das sich Klein und Groß versammeln. Dieses Jahr geht das natürlich aufgrund der Corona-Situation nicht. Der Verkauf findet zwar statt, aber die Leute müssen sich mit uns zufriedengeben. Sie können kommen und sich ihren Baum aussuchen, und wir stehen für Fragen oder einen netten Schnack zur Verfügung.

 

„Land- und Forstwirte sind die Leidtragenden“

 

Was läuft im konventionellen Weihnachtsbaumgeschäft schief?

Es läuft nichts schief. Wie beim Schweinefleisch läuft es schlicht nach Angebot und Nachfrage. Solange es Menschen gibt, die Weihnachtsbäume bedingungslos zu kleinen Preisen kaufen, wird sich immer jemand finden, der sie produziert. Den Anbietern kann man keinen Vorwurf machen, genau so wenig den Käufern, die sich vielleicht den teureren, ökologischen Baum nicht leisten können. Das Problem ist ein systematisches: Primärproduzenten wie Land- und Forstwirte können Mehrkosten, höhere Ansprüche oder Ähnliches an niemanden mehr abwälzen. Sie sind die Leidtragenden, denn sie sind vor die Tatsache gestellt, zu Dumpingpreisen ihre Ware zu produzieren.

Ich würde behaupten, keiner der konventionellen Weihnachtsbaumproduzenten möchte der Umwelt schaden. Sie sind zu der gegebenen Wirtschaftsart gezwungen und können auch nicht einfach auf einen ökologischen, deutlich teureren Anbau umsatteln, denn sie müssen sich als Unternehmer dem Markt anpassen und in der Lage sein, die nötigen Kosten zu tragen. Insofern möchte ich hier ungern die konventionellen Weihnachtsbaumproduzenten an den Pranger stellen.

 

„Der Weihnachtsbaum ist eine wichtige Tradition“

 

Halten Sie in Anbetracht der Gesamtsituation die jährliche Anschaffung eines Baumes für absurd?

Der Weihnachtsbaum gehört zu Weihnachten und ist eine ganz wichtige, alte Tradition. Er ist für mich ein Symbol des familiären Zusammenkommens. Wenn der Weihnachtsbaum fehlt, fehlt etwas in der Atmosphäre und ein Stück der Heimeligkeit. Ich gelte bei uns als der größte Weihnachtself im Haus (lacht). Mir ist es von daher total wichtig, dass die Familie zusammenkommt, die Bude voll ist und wir lecker essen und trinken und tagelang in dieser Blase gemeinsam verbringen.

Dabei spielt der Weihnachtsbaum – obgleich man damit einen Baum tötet – für uns als Gesellschaft eine essenzielle Rolle. Das Zusammenkommen an Weihnachten wird verloren gehen, wird sich nicht bewusst um den Baum versammelt. Auch deshalb will ich hier nicht die Käufer konventioneller Weihnachtsbäume verurteilen. Jeder verdient ein schönes Weihnachtsfest, und zwar mit Weihnachtsbaum. Menschen mit weniger Geld sollen ein genauso schönes, traditionsreiches Fest feiern können wie solche, die sich – zugespitzt – einen teuren Baum in ihre Villa tragen lassen können.

Was für ein Baum wird bei Ihnen zu Hause über Weihnachten stehen?

Ich habe natürlich die volle Auswahl (lacht). Wir haben schon viel ausprobiert, letztes Jahr hatten wir eine Rotfichte. Dieses Jahr wird es, glaube ich, die Nobilistanne. Sie hat genau so weiche und lang haltende Nadeln wie die Nordmanntanne. Ihre Nadeln haben eine besondere, stahlblaue Färbung und sie duftet. Die Nobilistanne wächst nicht so rund und harmonisch wie die Nordmanntanne, sie ist zackiger, robuster, ursprünglicher und in ihrer Gesamtheit wunderschön.

Revierförsterei Bergedorf


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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