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Millerntor Gallery #9: Wenn aus Kunst Trink-Wasser wird

Zum neunten Mal verbinden Viva con Agua und der FC St. Pauli Kunst und Musik für einen guten Zweck bei der Millerntor Gallery. Warum sich jede Mühe dafür lohnt, erzählt der Geschäftsführer von Viva con Agua Arts, Arne Vogler

Text und Interview: Hedda Bültmann
Foto (o.): Jerome Gerull

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Viva con Agua Arts Chef Arne Vogler (Foto: Andirn Fretz)

SZENE HAMBURG: Arne, von der Schnapsidee zum festen Bestandteil der Hamburger Kulturszene. Wie geht das?

Es kamen mehrere Fakto­ren zusammen. Zum einen der nicht zu bremsende Akti­vismus der Gründer von Viva con Agua, die alles dranset­zen, eine Idee zu verwirkli­chen. Gemeinsam mit dem freudvollen Engagement un­serer Ehrenamtlichen. Zum anderen die Unterstützung unseres Partners FC St. Pauli, der von der ersten Stunde an dabei war. Die Offenheit und die Bereitschaft sich als Fußballverein und als Unter­nehmen auf das Projekt ein­ zulassen, ist einmalig und hat uns vieles ermöglicht.

Dieses Jahr lautet das Motto „Water is a Human Right“. Wie spiegelt sich das in der Ausstellung wider?

Die gezeigten Werke wer­den von den Künstlern aus aller Welt exklusiv für die Gal­lery entworfen. In der Ver­gangenheit hatten wir eher komplex formulierte Themen wie „Identikey“, was dazu führte, dass nicht alle Künstler themenbezogen gearbeitet ha­ben. Das wollten wir ändern.

Menschenrecht ist ein kon­kretes Thema und bietet nicht nur den Künstlern viele Anknüpfungspunkte, auch unser Kurations-­Team kann noch mehr einem roten Faden fol­gen, um über die Ausstellung eine Geschichte zu erzählen. Einige Künstler werden zum Beispiel Wasser als Thema wählen oder eine politische Herangehensweise, sodass ein schöner Mix unterschied­licher Umsetzungen und Genres zu sehen sein wird.

Ihr habt zum ersten Mal nicht nur das Thema konkreter formuliert, sondern auch wohin die Erlöse fließen …

Ja, genau. In der Vergan­genheit gingen die Spenden allgemein an den Verein. Diesmal haben wir im Vor­feld festgelegt, dass die Erlöse in das Oratta­-Projekt in den Provinzen Cabo Delgado und Nampula fließen. Dort, im Norden vom Mosambik, set­zen wir uns bereits seit 2015 für sauberes Trinkwasser und bessere Hygienebedin­gungen ein. Wir glauben, dass die Motivation der Künstler, Supporter und Besucher noch größer ist, wenn sie nicht nur für einen allgemein guten Zweck arbeiten oder spenden, sondern genau wissen für wen. Wir hoffen, so un­ser Spendenergebnis aus dem letzten Jahr von etwa 90.000 Euro zu übertreffen.

 

Millerntor Gallery #9: So bunt wird’s im Millerntor-Stadion

 

 

Innerhalb weniger Monate stelltet ihr eine Ausstellung mit mehr als 90 Künstlern auf die Beine. Klingt nach einem chronisch hohen Stresspegel?

Die acht bis zehn Wochen der Produktionsphase im Sta­dion sind schon eine enorme Belastung für die Familie und Freunde. Währenddessen bleibt kein Raum für anderes. Es ist, als würde man sich mit einem schweren Rucksack auf den Weg machen und es ist klar, für eine gewisse Zeit sieht man weder seine Fami­lie noch Freunde, es sei denn, man bindet sie als Helfer mit ein.

Doch das Ziel ist es auf je­den Fall wert. Die Gallery ver­braucht viele Ressourcen, aber sie ist auch wie ein Akku, ein Ort, der ganz viel Kraft gibt.

Was ist es, das sie so besonders macht?

Sie ist eine ganz besondere Veranstaltung, weil die soziale Grundhaltung aller Beteiligten besonders ist. Eine Galerie, die Kunst mit Musik verbindet, in einem Fußball­stadion mitten in der Stadt. Und das in einem Viertel, dessen Bewohner grundsätzlich eher gesellschaftskritisch und sozial engagiert sind.

Die Millerntor Gallery ist die Möglichkeit, die Grund­sätze von Viva con Agua zu erleben, das Freudvolle und Aktivistische. Wir kümmern uns um eine positive Verän­derung der Welt, aber auf eine spielerische Weise, indem wir die universelle Sprache von Kunst, Musik und Sport nut­zen, um die Menschen für unsere Themen zu erreichen und zum Mitmachen zu bewegen. Die Gallery ist sozusagen der Schmelztiegel von allem, was den Verein ausmacht.

 

„Unser Traum: den heiligen Rasen nutzen“

 

Der enorme Zulauf aus der Stadt mit 17.000 Besuchern im letzten Jahr, gibt euch Recht. Ruht ihr euch darauf aus, oder ist es eher ein Ansporn neu zu denken?

Natürlich sprechen wir je­des Jahr mit dem FC St. Pauli, ob und wie wir weitere Teile des Stadions in die Millern­tor Gallery einbinden können. Unser Traum wäre natürlich, irgendwann mal den heiligen Rasen nutzen zu können. Auch möchten wir zukünftig vermehrt ein Gleichgewicht zwischen den Genres schaffen, auf der einen Seite Street­ Art und HipHop, gleichzeitig im Kunstbereich die Grenzen erweitern. Noch liegt der Aus­stellungsfokus auf Street Art, aber in diesem Jahr haben wir darüber hinaus einige Hoch­karäter aus der bildenden Kunst dabei.

Was löst Kunst bei dir aus?

Emotionen. Die ganze Palette: von Erstaunen und Begeisterung über Glück bis hin zur Ruhe. Aber auch Trauer. Gerade bei dem dies­jährigen Kurationsprozess habe ich wieder gemerkt, dass Kunst für mich ein Vehikel für einen Perspektivenwech­sel sein kann, so als würde ich mir eine Brille aufsetzen und ein Thema nochmal ganz an­ders entdecken.

Millerntor Gallery #9: 4.-7.7.2019, Millerntor-Stadion (St. Pauli)


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
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#Schreberleben – Wo fließt das ganze Wasser hin?

Im Garten wächst nicht nur Gemüse, sondern auch das Bewusstsein für die Natur und ihre Ressourcen.

„Wo fließt das ganze Wasser hin, während ich noch am Zähne putzen bin?“ Diese Textzeile vom Mia-Album „Stille Post“ verfolgt mich seit meiner Studienzeit Anfang der Nullerjahre im fränkischen Bamberg. Sie hat sich so tief in mein Gedächtnis gebrannt, dass ich sie täglich abspule, wenn ich beobachte, wie das Wasser aus dem Hahn rauscht und im Abflussrohr verschwindet. Ich würde von mir selbst behaupten, recht sparsam im Umgang mit Wasser zu sein. Dass da aber noch deutlich Luft nach oben ist, habe ich in unserem Kleingarten gelernt.

Kanalisation á la Kleingarten.

Auch dort müssen wir Zähne putzen, Hände waschen und Abspülen – ohne Kanalisation. Das Schmutzwasser sammeln wir in Kanistern direkt unter dem Becken. Wenn die voll sind, schleppen wir sie nach draußen und schütten den Inhalt über den Kompost. Alle 15 Liter ein Gang. Das Gute: Ich habe genau im Blick, wie viel Wasser ich verbrauche. Erschreckend viel! Ich sehe aber auch, dass ich mit wenig Aufwand meinen Wasserkonsum auf ein Zehntel verringern kann – indem ich etwa beim Einschäumen der Hände das Wasser aus- oder erst nach dem Ausspucken der Zahnpasta, es wieder einschalte.

Zwar müssen wir in Hamburg im Moment keinen Wassermangel fürchten – selbst in diesem Rekordsommer war das Grundwasser, aus dem unsere Stadt ihr Trinkwasser gewinnt, auf einem guten Niveau. Und trotzdem sollte man den eigenen Verbrauch kritisch hinterfragen. Denn Wasser ist eine kostbare Ressource und weltweit nur ­begrenzt vorhanden.

Und für ein weiteres Thema bin ich sensibler geworden. Einmal kippten wir das Wasser mit einem Mikroanteil Spülmittel direkt ins Beet. Einmal und nie wieder! Alle Pflanzen verkümmerten zu blattlosen Skeletten. Der Hibiskus hat sich bis heute nicht erholt. Seitdem benutzen wir nur noch biologisch abbaubares Spülmittel, auch zu Hause.

Bis Anfang der 2000er Jahre waren übrigens noch fließendes Wasser und Spültoiletten in Hamburger Schreber­gärten erlaubt. Abwasser und Fäkalien wurden gedankenlos in Gruben unter den Hütten gesammelt und versickerten dort nach und nach im Boden. Heute ist das in den rund 35.000 Hamburger Kleingärten nicht mehr erlaubt, um das Grundwasser nicht zu gefährden. Würde man alle Schrebergärtner zusammenfassen, entspräche das der Bevölkerung einer Kleinstadt. Lüneburg ohne Abwassersystem? Unvorstellbar.

Text & Foto: Alessa Pieroth


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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