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Moderne Flüsterkneipe – Rendez-Vu im Speakeasy

Zwei Läden, eine Hausnummer – Nach dem Essen im VU2 hält die Speakeasy Bar passende Absacker bereit und bringt moderne Flüsterkneipenkultur in die Karolinenstraße.

Text: Laura Lück
Fotos: Simone Rudloff

Eine Szene aus „Der große Gatsby“ zeigt hinter der Preisliste eines New Yorker Friseursalons eine geheime Schiebetür. Ein Codewort gibt Leonardo DiCaprio und seinen Kompagnons den Weg frei an einen Ort, der zu Zeiten der amerikanischen Prohibition nicht sein darf: eine sogenannte Speakeasy Bar. Vor allem Gauner und Mafiosi betreiben zu dieser Zeit die illegalen Kneipen. Die Regeln: Speak easy, damit die Polizei nichts hört. Und zweitens: Zutritt nur für Eingeweihte – durch Klingeln oder Klopfzeichen. Die Cocktail Hour in mafiöser Manier zu zelebrieren, ist aber auch 2019 noch möglich. Zum Beispiel im VU Speakeasy an den Messehallen. Sein Nachbar, das VU2, tischt vorweg die perfekte Grundlage auf.

vietnamesisch-israelische Crossover-Küche

Zwei Läden, eine Hausnummer: In der Karolinenstraße 18 ragen zwei gläserne Pavillons symmetrisch aus der Altbaufassade. Außen leuchten zwei stilisierte rote Neon-Buchstaben: VU. Da klingelt was: In der kleinen Freiheit serviert das VU seit 2017 vietnamesische Snacks und – so flüstert man sich auf St. Pauli zu – die beste Pho in Hamburg. Im VU2 vereint sich nun das Beste aus zwei Esskulturen. Die Brüder Vu und Koch Lior bringen vietnamesisch-israelische Crossover-Küche auf den Speiseplan. „Eggplant for days“, „Mama’s Pho“ oder „Shrimp Bacon is the Life“ stehen auf der Tafel.

Als Bao Vu, der eher nach hippem Berliner Design-Kollektiv als nach Restaurantküche aussieht, unseren ratlosen Blicken begegnet, setzt er sich auf einen der pistaziengrünen Samthocker neben uns. Er hat zwei Rotweine im Gepäck, über die er alles weiß, lässt uns probieren und erklärt die Gerichte. Drei empfiehlt er für die angenehme Sättigung zweier Mägen.

Teilen gehört zum Konzept. Für eigene Teller wäre ohnehin kein Platz auf den kleinen Marmortischen. Das sorgt für herrliche Anarchie beim Essen: Wir dippen, spießen und schneiden drauf los. Der „Pork Belly“ (17 Euro) wird mit karamellisierter Ananas serviert und zerfällt zart und saftig im Mund. Den oft unterschätzten Blumenkohl (12 Euro) befreit Lior aus seiner Belanglosigkeit: Im Ofen geröstet kommt er im Ganzen auf den Teller und schmeckt wie von einem israelischen Streetfood-Imbiss. Die Schale der Aubergine (11 Euro) hat der Koch über dem Feuer abgebrannt. Daraus entsteht eine leicht scharfe, würzige Sauce, von der wir keinen Tropfen übriglassen.

Verdauungszigarette. Der Plan: Wir möchten uns jetzt dem linken Glasvorbau widmen. Neugierige Blicke lässt der nicht durch – die Scheiben sind von innen mit vietnamesischen Zeitungen zugeklebt. Kein Schild, keine Leuchtschrift, kein Hinweis auf Leben.

Speakeasy/VU in der Karolinenstraße Hamburg © Kai Knoernzer

Die durchgestylte Bar im Artdéco Look sorgt für Schnappatmung bei jedem Design-Liebhaber.

Nur die Klingel führt ins VU Speakeasy. Drücken müssen wir die nicht, denn Bao kommt mit Fluppe im Mundwinkel nach draußen und bringt den Schlüssel mit. Die durchgestylte Bar im Artdéco Look sorgt für Schnappatmung bei jedem Design-Liebhaber. Dreizehn lederne Barhocker und ein edler Holztresen – mehr passt nicht rein. Eine verspiegelte Wand verleiht dem winzigen Raum optisch ein wenig mehr Tiefe. Aus den Boxen wummert poppiger Jazz. Die Getränkekarte? Verwahrt der Barkeeper im Kopf. „Was habt ihr denn so?“ – „Kommt drauf an, was ihr so mögt“. „Gin?“ Langweilig und typisch deutsch findet der Barkeeper unsere Antwort und schlägt grobe Geschmacksrichtungen vor: „Eher süß-sauer oder bitter-sauer?“ Bitter klingt gut. „So bitter wie Campari oder Cointreau?“. Cointreau. Wir kommen der Sache näher.

Drei Minuten später stellt er uns zwei maßgeschneiderte Kunstwerke vor die Nase – stilecht serviert in Coupettes mit Goldrand. Die genauen Zutaten bleiben bis zum Schluss sein Geheimnis. Unwichtig, denn es schmeckt fantastisch! Wir probieren außerdem einen Rum in hübschen Keramikschälchen, stoßen mit den anderen drei Besuchern an und geben dem Barkeeper die Carte blanche für je zwei weitere Drinks. Alles Volltreffer. Nach knapp vier Stunden VU-Erlebnis verabschieden wir uns leicht angeduselt in die kalte Nacht und sind sicher: Es werden weitere Besuche folgen – definitiv!

Karolinenstraße 18 (St. Pauli), Reservierung via Instagram @vuspeakeasy


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Appetit auf mehr?

Top 10 – Das sind die besten Asia-Restaurants Hamburgs

Asia-Glück in Hamburg – Sushi, Sashimi und Streetkitchen haben viel mit Vertrauen zu tun. In diesen zehn Asia-Restaurants werdet ihr mit Sicherheit einen tollen Abend haben

Text: Anissa Brinkhoof und Stevan Paul
Foto (o.): Matthew Hamilton via Unsplash, Symbolbild

Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung, zuletzt aktualisiert 7/2019

 

1) Bok – Frau Lees Glück

Nirgendwo bekommen Hungrige asiatisches Essen zu so einer Qualität, in so großen Portionen zu so wenig Geld. Es gibt Suppen, Sushi, Reisbandnudelgerichte, Hauptspeisen mit Huhn, Rind oder Ente, vegetarische Gerichte und eine kleine Auswahl besonders empfohlener vietnamesischer und koreanischer Speisen. Die Karte ist mittlerweile groß und an den Asia-Mainstream-Geschmack angelehnt. Aber auch für die, die gar kein Geld haben, engagieren sich die Restaurants von BOK: Seit neun Jahren wird in jedem Imbiss mittags um 12 Uhr kostenloses Essen ausgegeben, beispielsweise in Altona. An kalten Wintertagen sind das täglich über 20 warme Gerichte. Ein großes Glück für viele, dass es das Bok in Hamburg gibt und dass Frau Lee eine Frau ist, die ihr Glück so gerne teilt. /AB

Bok: Schanzenstraße 36 (Sternschanze)

 

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2) Herr He – Ein Stück China in Hamburg

Der Asien-Testsieger in der SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN 2018/2019 kocht konstant großartig. Es gibt einen guten, einfachen Mittagstisch und abends laufen die Köche in ihren gestärkten Uniformen und weißen Kochhüten dann zur Hochform auf. In Hamburg kann man kaum besser chinesisch essen! Im Herr He gibt es eine große frische Auswahl an klassischen Dim Sums oder auch ausgefallene Gerichte wie Hühnersuppe mit Datteln, feurig-knusprige Rippchen, gebackener Barsch mit Herrn Hes süß-saurer Spezialsauce oder Hummer mit gerösteten Nudeln. Die zarte Ente zur chinesischen Nudelsuppe wird knusprig und separat serviert. /SP

Herr He: Ernst-Merck-Straße 10 (St. Georg)


3) Man Wah – Drei Generationen Asia-Glück

Das Man Wah sei ein Schnellrestaurant, sagen die Geschäftsführer, weil der Service so schnell funktioniere und die Speisen einzeln frisch zubereitet werden. Die Tische sind immer voll im Restaurant und weil die Wartenden wissen, dass es hier fix geht, stellen sie sich einfach in der Schlange an. Für wirklich alle Gäste empfiehlt Frau Lee die hausgemachten Dim Sum mit verschiedenen Füllungen. Und für alle China-Experten empfiehlt sie die Spezialitäten des Hauses: Hühnerfüße oder Schweinedarm. /AB

Mah Wah: Spielbudenplatz 18 (St. Pauli)

 

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4) Matsumi – Wie in Japan …

Grit Vehren und Hideaki Morita möchten die Speisen in ihrem Restaurant exakt so anbieten, wie es die originale japanische Küche vorgibt, ohne Anpassung an europäische Geschmacksgewohnheiten. Die verwendeten Rezepte basieren auf alten Kochanweisungen, deren Umsetzung tagelange Vorbereitung erfordert. Zwei Köche reisen jährlich zwei Mal nach Japan, um sich dortige Geschmäcker einzuprägen und neue Entwicklungen kennenzulernen. Japan-Neulinge können im Matsumi ein Einsteigermenü bestellen und das Servicepersonal erklärt detailliert Zutaten und Geschmäcker. Gewiss gehört dazu auch etwas Mut, aber die Belohnung ist nicht weniger als eine kulinarische Weiterbildung. /AB

Matsumi: Colonaden 96 (Neustadt)

 

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5) Momo Ramen – Hochgejubelte Ramen-Kenner

Restaurant und Bar zugleich, mit Gemälden von Graffity-Künstler Bash, cooler Musik, Sake, Craft Beer und einer fast zweiseitigen Aperitiv- und Cocktailkarte. Auf der Speisekarte finden sich unter anderem Vorspeisen wie Kimchi, Edamame, Gyoza und der Schweinebauch Chashu. Dazu gibt es noch 15 verschiedene Ramen, die einem das Servicepersonal gerne erklärt: Mit Miso, Hühner- oder Schweinebrühe, Tofu, Huhn, Schweinebauch oder Tantanmen. Die vegane Ramen mit Tofu-Hack ist als Reaktion auf die Hamburger Bedürfnisse entstanden und nicht nach japanischem Vorbild – in Tokyo schmeckt man sich beispielsweise erst sehr langsam an veganes Kochen heran. /AB

Momo Ramen: Margaretenstraße 58 (Eimsbüttel)


6) O-ren Ishii – Hier würde Tarantino essen

Das O-ren Ishii ist ein Familienbetrieb in der Hamburger Altstadt und begann 2007 mit einer rein vietnamesisch ausgerichteten Speisekarte. Inzwischen wird südostasiatische Vielfältigkeit angeboten. Hier kann man es sich in der Mittagspause mit pfannengerührtem Rinderhack mit Chili-Zitronengrasmarinade und Reisnudeln, scharfem Glasnudelsalat, Erdnuss-Curry mit Jackfruit oder geschmortem Hühnchen mit Pho-Nudeln, Bananenblüten und Wasserspinat richtig gutgehen lassen. Das O-ren Ishii trifft mit der wöchentlich wechselnden Speisekarte, auch mit jeweils einem vegetarischen Gericht, genau den Appetit aller, die in der Umgebung arbeiten – weil die Gerichte nicht zu schwer sind, es haus- gemachte Limonaden dazu gibt und auch bei vollem Haus die Bestellung wirklich fix auf dem Tisch steht. /AB

O-ren Ishii: Kleine Reichenstraße 18 (Altstadt)

 

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7) Raw Like Sushi & More – Grits Slow Sushi in Bestform

Grit Vehren gründete 1997 als erste Deutsche in Hamburg ein Sushi-Restaurant und richtete es mit Dielenboden, gepolsterten Holz- stühlen und Kronleuchtern so ein, dass ihre Gäste in gemütlicher Atmosphäre auch länger blieben. Schon früh entschied sie sich, auch Sushi im California-Style, warme Speisen sowie vegane und vegetarische Gerichte anzubieten. Jeden Monat seit der Eröffnung entwickelt sie neue Maki-Variationen – und auch wenn sich Zutaten wiederholen, stand seitdem keine Kombination zwei Mal auf der Speisekarte. Ganz neu auf der Speisekarte stehen Black Rolls, Sushi-Rollen aus naturschwarzem Reis mit nussigem Geschmack und Poké Bowls – das sind hawaiianisch inspirierte Schüssel- gerichte mit Reis, Fisch und vielen frischen Zutaten – neue Ideen von Grit, die zu probieren definitiv einen Besuch wert sind! Die Atmosphäre ist unverändert kuschlig. /AB

Raw Like Sushi & More: Martinistraße 5 (Eppendorf)


8) Vous – Zwei Berliner in Winterhude

Was passiert, wenn zwei Berliner Freunde ein asiatisches Fusion-Restaurant in Hamburg eröffnen? Es wird lässig. Nicht hanseatisch-lässig, sondern richtig lässig. Denn Duc Hai und Trung Vo wollen keine Ablenkung in ihrem Restaurant, die Gäste sollen sich auf das Essen und sich selbst konzentrieren. Deshalb stehen hier auf der Speisekarte neben ein paar Hauptgerichten vor allem auch asiatische Tapas, von denen vier bis fünf ausreichen, um zwei Personen pappsatt zu machen: Sommerrollen mit Entenfilet und Hoisin-Kokoscreme, Tiger Prawns umhüllt in Wantanteig mit Tamarinde-Honig- Sauce, knuspriger Tofu mit Zitronengras und Erdnussauce oder Tintenfisch mit Mango-Aioli-Dip. /AB

Vous: Gertigstraße 7 (Winterhude)

 

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9) Vu – Sanft und abgerundet im Geschmack

Die Brüder Bao und Chuong Vu eröffneten hier ihr eigenes Restaurant und die Eltern helfen in der Küche – das Vu ist ein echtes Familienunternehmen und Herzensprojekt. Die Speisekarte ist fast minimalistisch, aber dass man hier lieber wenige Gerichte und dafür in höchster Qualität servieren möchte, versteht jeder Gast. Als Vorspeise gibt es Sommerrollen oder vietnamesische Dampfknödel mit Pulled Pork, Schweinebauch oder selbstgemachtem Tofu gefüllt. Als Hauptspeise kann man zwischen vietnamesischen Baguettes, Salat, Glasnudelsuppe oder Pho wählen – und die sind der unangefochtene Star des Hauses. Alle Brühen schmecken sanft, abgerundet, aber sehr vielschichtig und werden mit Nudeln und Rind, Schweinebauch, Huhn oder auch Tofu als Einlage serviert… So wie es eben nur Mamas hinbekommen. /AB

Vu: Kleine Freiheit 68 (St. Pauli)


10) Zipang – Asia-Fusion

Von der Einrichtung über die Dekoration bis zu den Speisen wird den Gästen hier eine Mischung aus japanisch-westlicher Fusion angeboten. Mittags gibt es das traditionelle japanische Teishoku, ein gesetztes Menü mit einem größeren Hauptgericht und festgelegten japanischen Kleinigkeiten dazu – genau so verbringen auch viele Japaner ihre Lunchpause in Tokyo. Zum Abendessen dürfen die Gäste zwischen einem Fünf- oder Sieben-Gänge-Menü und einer dazu passenden Weinbegleitung zwischen vier und sechs Gläsern wählen. Die Bestandteile der Menüs verändern sich nach dem saisonalen Zutatenangebot alle zwei bis drei Monate. Wer à la carte bestellen möchte, kann sich sein Wunsch- menü aus Vorspeise, Hauptspeise, Sushi oder Sashimi und Dessert zusammenstellen. /AB

Zipang: Eppendorfer Weg 171 (Hoheluft-West)

 

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SZENE-HAMBURG-Essen+Trinken-To-GoDiese Topliste stammt aus dem Gastro Guide: Essen + Trinken to go, 2018/2019 – der Guide ist zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!


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