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FoodSZENE – Brügge sehen und schwärmen

Das Brügge feiert schon seinen ersten Geburtstag und hat trotzdem noch Geheimtipp-Status. Wir verraten warum das Café-Bar-Konzept nichts mit Belgien zu tun hat und weshalb es sich unbedingt lohnt, auf eine Stulle vorbeizuschauen.

Text: Laura Lück

Backen und bewirten mit Herz: Caro und Kelly.

„Kellys Brownies sind der Brüller! Zack in die Mikrowelle, bisschen warm machen – ein Gedicht!“, schwärmt Jay, täglicher Stammgast und gute Seele des Brügge in der Weidenallee. Er hat sogar seinen eigenen Kaffee-Button in der Kasse und wird von Caro und Kelly, die an diesem Donnerstagmorgen den Laden schmeißen, mit Umarmungen begrüßt.

Verkaufsschlager: die Avocado-Stulle

 

Brügge, Belgien, Colin Farrell – da war doch was? Die Betreiber Torben und Hendrik sind allerdings weder Cineasten noch Fans flämischer Kultur. „Brügge“ meint im Ostfriesischen „Butterbrot“. Die zwei Jungs von der Küste bieten neben einem wechselnden Mittagstisch mit Suppen, Salaten, Bowls und Flammkuchen nämlich auch ehrliche Stullen an. Verkaufsschlager: der Avocado-Klassiker. Gäste haben die Wahl zwischen Biovollkornbrot und einer Sylter Sauerteig-Variante. Das Brot mit Ziegenkäse, Apfel und Walnüssen serviert Caro mit separatem Ahornsirup. Das schmeckt fantastisch und sättigt wie eine Portion Pasta. Ein Stück Kuchen muss trotzdem noch sein – die Vitrine sieht einfach zu verlockend aus. Der spanische Mandelkuchen ist nicht nur glutenfrei, sondern auch mit frisch gepresster Orange (und Liebe!) selbst gebacken. Saftiger geht nicht.

 

Entspannt, abseits des Trubels und doch mitten auf der Schanze

 

Dieses ganz bestimmte Weidenallee-Gefühl liegt in der Luft. Nachbarschaftlich, entspannt, abseits des Trubels und doch mitten auf der Schanze. Die Sonne scheint in das große offene Fenster. Die ewige Baustelle ist endlich passé. Seitdem ist der Außenbereich noch schöner und breiter und der LKW-Verkehr erfolgreich umgeleitet. Bei Schietwetter finden circa 30 Personen im gemütlich reduzierten Innenbereich mit viel Holz und warmen Farben Platz. Bis 22 Uhr gibt’s Carroux Kaffee aus der Elbchaussee, Abendbrot-Stullen und Feierabend-Drinks. Diese Saison möchte das Brügge auch mit selbst kreierten wechselnden Cocktails locken.

Obwohl das Café schon seit einem Jahr im ehemaligen Hallo Kleines sitzt, ist der charmante Laden noch ein Geheimtipp. Keine Lust auf Schulterblatt-Remmidemmi und überfülltes Kiosk-Cornern am Grünen Jäger? Dann ab ins Brügge – ein gastfreundlicher Ort mit guter Laune und ganz viel Herz.

Weidenallee 61 (Eimsbüttel), bruegge-cafe-bar.de

Veröffentlicht am 25.4.19

 


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Appetit auf mehr?


SomeDimSum – Lecker, laut, voll

In der Weidenallee in Eimsbüttel verbindet dieses asiatische Restaurant Teigtaschentradition (Dumplings) mit gelungenen Fleisch- und Gemüse-Neukreationen.

Hui … ist das voll hier. Zum Glück haben wir reserviert. Als wir uns setzen, merken wir: es ist nicht nur voll, es ist auch eng. Und laut. Vielleicht ein Anfängerfehler des sehr jungen Restaurants in der Weidenallee – zumindest verzeihen wir es schnell, denn die Bedienung ist unverschämt reizend. Wir bestellen bei ihr zur Kühlung der erhitzten Köpfe schnell zwei Bier (Ratsherrn Pils für 3,50 Euro und Pale Ale für 3,80 Euro). Das geht runter wie Öl und passt zum Studium der erfreulich übersichtlichen Speisekarte. SomeDimSum bietet Plates (kleine Vorspeisen), vegetarische Nudeln und Dumplings (kleine Teigtaschen) mit herausragend klingenden Füllungen an. Letztere kann man gebraten oder gedämpft bestellen und hat die Wahl zwischen vegetarischem oder karnivorischem Innenleben. So ordern wir erst mal zwei „Kleine Köstlichkeiten“ aka Plates: Oma He’s Schweinebauch (4,90 Euro) und Pickled Cucumber (3,90 Euro) sowie die erste Runde Dumplings. Für 4,90 Euro bekommen wir je drei Teigtaschen à la Duck Delight (Ente und Wasserkastanie), Thai-Curry (Süßkartoffel und Lauchzwiebel) und Teriyaki-Beef (Rind mit geschmorten Zwiebeln).

Bis auf die Plates sind wir rundum glücklich – ein bisschen ängstlich vielleicht, dass der zweite Gang auf sich warten lassen wird, denn der Service müht sich zu zweit an etwa 90 Gästen ab. Also schnell dumplingmäßig nachgelegt mit Vegan Tofu (Glasnudeln, China- kohl und Shiitake), Spicy Backyard (Glasnudeln, Gewürztofu und Backyard-Spice) und BBQ-Pork (Überraschung: Schwein mit BBQ-Mix) – ziemlich gut. Dazu noch mal eine Runde Bier (Pluspunkt: die Auswahl passt zum Futterangebot). Und bis das Essen kommt? Die Wartezeit lässt sich sonst mit guten Gesprächen überbrücken – hier geht das gesprochene Wort leider konsequent über die halbe Tischlänge verloren. Also lieber zuprosten und verliebt gucken.

Der Nachbartisch ist nicht ganz so geduldig und fängt bald an zu mosern, da kommt zumindest unsere zweite Runde. Danach sind wir vollkommen gesättigt. Der hochgepriesene Cheesecake-Schaum muss noch reinpassen, tut er auch. Schmeckt aber nicht. Schade eigentlich, denn die Selbsteinschätzung auf der Karte stimmte schon beim „wahnsinnig leckeren“ Gurkensalat so gar nicht. Es war trotzdem ein geschmackvoller Abend. Die frische Vorwinterluft ist aber der bessere Nachtisch.

Text: Jenny V. Wirschky

Weidenallee 60 (Eimsbüttel), Telefon 41 12 51 11, Mo-Fr 12–15 und 17.30–22.30, Sa-So 14–22.30 Uhr; www.somedimsum.de


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

FoodSZENE: Jasmin unterwegs im Cook Up #3

Lutz Bornhöft scheut keine Risiken. Mit seinem Cook Up sattelte er von der klassischen Gastronomie zur experimentellen Kochschmiede um.

Strahlende Augen, struppiger Bart, verschmitztes Lächeln – Lutz Bornhöft wirkt gar nicht wie einer, dem irgendwas zu viel werden könnte. Er sprüht vor Elan, lacht viel und weiß eine Anekdote nach der anderen zu erzählen. Zehn Jahre lang hat er das Restaurant Juwelier in der Weidenallee 27 geführt, dann war irgendwann Schluss für ihn: „Ich konnte und wollte nicht mehr. Ich stand in der Küche und war gleichzeitig Geschäftsführer. Das war weder beziehungstauglich, noch gut für den Körper.“

Catering-Aufträge, Juwelier Espressobar und Feinkostlinie, HFBK-Mensa und die Mietlocation Juwelier Studio gaben ihm den Rest. „Am Ende waren das sechs Standbeine, die ich zusammen mit meiner Geschäftspartnerin Katja Dietrich betreut habe. Das wurde einfach zu viel“, sagt Bornhöft und fährt sich energisch durch die blonden Haare. Geblieben ist aber vor allem eines: seine Passion fürs Kochen, am liebsten saisonal und mit hochwertigen Produkten aus der Region.

 

Feinste Kochkunst ohne viel Tamtam

 

1999 kommt der gebürtige Bad Bramstedter nach Hamburg, um im Landhaus Scherrer und im Tafelhaus zu kochen. „Das Tafelhaus war eine prägende Stätte für mich. Ich war als Saucier Nachfolger von Tim Mälzer und lernte dort Vorbilder wie Gerald Zogbaum von der Küchenwerkstatt und Tom Roßner kennen, heute Geschäftsführer von der Bullerei“, sagt er rückblickend. Die nächste Station führt Bornhöft in eine Weinhandlung, wo er auch Katja Dietrich kennenlernt. Fünf Jahre später eröffnen sie das Restaurant Juwelier. Offene Küche, Platz für 30 Gäste, schlichtes Mobiliar: Von 2006 bis 2016 bietet Bornhöft hier feinste Kochkunst ohne viel Tamtam.

Dann die Kehrtwende: Anfang 2016 beschließt der Tausendsassa, sich von allem freizumachen. Den Restaurantbetrieb empfindet er inzwischen als Klotz am Bein. „So einen Laden kannst du nicht einfach loswerden“, sagt der 41-Jährige. „Du kannst abschließen und dann kommt der zigste Burgerladen oder ein Sonnenstudio rein. Das wollte ich nicht. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass meine Zeit noch nicht vorbei ist.“ Zwischen zwei Schnapsgläsern – wie soll es anders sein – kommt ihm plötzlich die Idee: Er will seinen Laden als Pop-up-Fläche zur Verfügung stellen. Er fährt nach Köln, um sich ein ähnliches Konzept anzuschauen. Im August ist es dann soweit: Das sozio-kulturelle Projekt „Juwelier des Ostens“ macht den Anfang. Das Ganze hat so viel Erfolg, dass Bornhöft seinen Urlaub canceln muss.

 

 

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Dann geht alles ganz schnell: Im September holt er den quirligen Miguel Zaldívar rein, der seinen Gästen Tacos und Mezcal serviert (heute Taqueria Mexiko Strasse). Weiter geht’s mit einer Ceviche-Bar, die später unter dem Namen Leche de Tigre in Altona eröffnen wird. „Ich freue mich für die Jungs, dass sie sich so toll selbstständig gemacht haben“, sagt der umtriebige Gastronom nicht ohne Stolz und räumt ein: „So was ist dann natürlich auch für mich eine super Referenz.“

 

Jungen Köchen eine Bühne bieten – unverbindlich und unkompliziert

 

Bornhöfts Plan geht auf: jungen Köchen eine Bühne zu bieten, unverbindlich und unkompliziert. Einzige Voraussetzung: die Vorlage von Gewerbeschein, Steuernummer und Gesundheitszeugnis. Im Angebot: ein voll ausgestattetes Restaurant und Bornhöfts Know-how. Und das ist viel Wert. Einige Bewerber haben zwar gute Ideen in petto, aber wenig Praxiserfahrungen. Der Profi weiß: „Sich als Koch selbstständig zu machen, kostet einen Haufen Geld. Ohne Rücklagen oder einen privaten Investor wird das schwierig. Wer bei uns gekocht hat, kann später mit der Kassenauswertung zur Bank oder einem Investor gehen und zeigen, dass die Idee funktioniert.“

Ob mexikanische, äthiopische oder mongolische Küche – mit jedem Koch ändert sich auch das Publikum. „Meine Stammgäste lachen schon, wenn hier wieder die Bude brennt. Mal ist Rambazamba mit lauter Musik und Trinkgelagen bis in die Puppen angesagt, dann wieder stehen disziplinierte Hotelfachschüler in steifer Kochjacke vor dir“, bemerkt Bornhöft grinsend. Mit seinen Geschichten könnte er mittlerweile ein ganzes Buch füllen. Und klar, auch das ist in Planung.

Im Dezember wird Dirk Neumann kochen, auf den Tisch kommen Klassiker aus Wald, Wild und Wiese. Ob Lutz Bornhöft mit seinem Cook Up jetzt mehr Zeit fürs Privatleben bleibt, sei mal dahingestellt. Sicher ist: Innovative Geister sind eben nicht zu stoppen.

Cook Up – Culinary Gallery, Weidenallee 27 (Eimsbüttel), Telefon 25 48 16 78


Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.

jasmin.shamsi@vkfmi.de