Beiträge

Leseempfehlungen: 4 Bücher für die Auszeit

Jetzt ist die Zeit zum Lesen. Sich entspannen und in eine fremde Welt entfliehen geht hervorragend mit diesen vier Büchern

 

Herzklappen von Johnson & Johnson

Vom Theater des Lebens

 

Wie der kanadische Soziologe Erving Goffman schon klarstellte: Wir alle spielen Theater. Das Bild unserer Identität wird auf der Bühne des Lebens sichtbar, wir pflegen unser Image, nur auf der Hinterbühne dürfen wir aus der Rolle fallen. So verhält es sich auch in der Familie der kleinen Alma aus Valerie Fritschs neuem Roman „Herzklappen von Johnson und Johnson“.

herzklappen-fritsch-coverDie Kindheit des Mädchens ist durchsetzt von quälender Sprachlosigkeit, ihre Eltern und Großeltern scheinen eigens für sie Theater zu spielen. Insbesondere ihr Großvater beansprucht das Schweigen für sich: „Der Krieg hatte sein Leben in ein Davor und Danach geteilt.“ Erst im Erwachsenenalter entwickelt Alma eine „späte Liebe“ zu ihrer Großmutter, die das Schweigen der Familie bricht und über die Kriegsverbrechen des Großvaters berichtet.

Alma, inzwischen Ehefrau und Mutter, fasziniert die Leidensgeschichte der Großmutter. Gleichzeitig wächst ihre Sorge, ihr Sohn Emil könnte ebenso kalt und berechnend werden wie der Großvater – zumal Emil mit einem Gendefekt zur Welt kommt, der ihn keinen Schmerz spüren lässt. Wie kann man jemandem, der sich zu Demonstrationszwecken Stifte in den Arm rammt, das Schmerzempfinden anderer Menschen nachvollziehen lassen? Hier setzt sich das Theaterstück auch in der vierten Generation fort: Emil inszeniert, er lernt auswendig und setzt in den passenden Momenten ein schmerzverzerrtes Gesicht auf.

Fritsch besticht mit ihrer altmodischen und lakonischen Sprache. Die von der Grazer Autorin und Fotografin entworfenen Szenen sind wie vergilbte Polaroidfotos, welche die skurrilen Momente mit präzisem Blick umso klarer aufzeigen. Am Ende steht der große Aufbruch bevor, die Suche nach dem Ursprung des Familienschmerzes. Fritsch arbeitet hierbei mit kräftigen, mystischen, teils dystopischen Naturbeschreibungen. „Herzklappen von Johnson & Johnson“ ist ein Buch über Lebensrollen, über Empathie und vererbtes Schweigen. Fritsch selbst wird dabei ihrer Rolle als Schriftstellerin mehr als gerecht – mit eindringlichen Motiven und ungewöhnlichen Sprachbildern. Nach dem Zuklappen möchte man den Roman noch einmal lesen, die Sätze aufsaugen, wie ein Gedicht auswendig lernen und im Geiste nachhallen lassen.

/ Ingrun Gade

Valerie Fritsch: „Herzklappen von Johnson & Johnson“, Suhr- kamp, 174 Seiten

 

Fehlstart

Houellebecqs Erbin?

 

Marion Messinas Debütroman „Fehlstart“ wurde verkaufsfördernd als das neue „Ausweitung der Kampfzone“ angekündigt. Die Berechtigung des Houellebecq-Vergleichs liegt im Thema: die Übertragung der ökonomischen Marktlogik auf andere Lebensbereiche.

fehlstart-coverAurélie ist 18, als erste aus ihrer Familie hat sie das Abitur gemacht. Das Studium entpuppt sich für sie als trostlose Angelegenheit. Aurélie kann sich nicht einfügen, sie beherrscht nicht den Habitus der vergnügungssüchtigen „Bürgerkinder“ mit „netten Gesichtern ohne Zukunftsangst“. Messina beschreibt pointiert und kühl die Anarchie des Wohnungsmarktes, die unterschwelligen Codes des Bürgertums, die zum Bestehen auf dem Arbeitsmarkt gehören, die Lieblosigkeit der Fun-Kultur und die Selbstausbeutung des akademischen Prekariats.

Leider opfert sie im Laufe ihres Romans die Form der politischen Botschaft. Die Analysen werden unmotiviert in die Monologe der Nebenprotagonisten gepresst, die Sprache wird unpräzise, Messina greift auf schwammige Superlative („grenzenlos“) zurück. Die schlafwandlerische Klarheit, die in Houellebecqs boshafter, gekonnter Mischung aus Erzählung und essayistischen Exkursen liegt, hat Messina nicht.

/ Ulrich Thiele

Marion Messina: „Fehlstart“, Hanser, 168 Seiten

 

 

Ganz nebenbei

Woody Allens Memoiren

 

Was für ein Wirbel: Menschen protestierten, Autoren boykottierten, der amerikanische Verleger stoppte die Veröffentlichung. Der Rowohlt Verlag hingegen publizierte trotz des Protests einiger seiner Autoren. „Apropos of Nothing“, in der deutschen Variante: „Ganz nebenbei“ – passend zum koketten Understatement des New Yorker Filmemachers Woody Allen. Sein Nimbus als Drehbuchautor und Regisseur ist – unabhängig von den privaten Anschuldigungen – unbestritten. Umso neugieriger stürzten sich Kritiker wie Fans auf sein Werk.

woody-allenEines vorweg: Das Buch ist eine Verweigerung aller modernen Lesegewohnheiten. Es gibt keine Kapitel, keine Zwischenüberschriften, nur Absätze und alle 30 bis 40 Seiten auch mal ein Initial. Woody Allen mutet dem Leser durchaus was zu. Doch schon nach wenigen Zeilen wird deutlich, dass er sein Handwerk – das Schreiben – versteht.

Es ist, als säße Woody Allen vor einem, an seinem Schreibtisch, in seinem Appartement in Manhattan, an seiner geliebten Olympia-Schreibmaschine: „Ich schweife wieder ab.“. „Wo war ich stehengeblieben?“ Allen schreibt wie er denkt – und so liest sich das Buch: sprunghaft, witzig, launisch. Mal ist er misanthropisch, mal euphorisch, mal herablassend, mal vernichtend.

Wer auf neue Erkenntnisse zum Missbrauchsvorwurf hofft, wird enttäuscht: Auf etwa 50 Seiten kaut Allen seinen bereits bekannten Standpunkt noch einmal ausführlich wieder. Ansonsten führt er in kurzen, griffigen Sätzen durch sein Leben, beginnend bei seiner Kindheit in Brooklyn. Viele Fragen werden anekdotisch beantwortet: Was treibt ihn an? Welche Frauen mochte er? Wer hatte Einfluss auf seine Filmkarriere? Welche Filmdrehs mochte er? Welche nicht? Das ist stellenweise trivial, dann wieder bewegend, hin und wieder auch deplatziert – aber stets in charmantem Allen-Stil vorgetragen. Wer eine kritische oder gar intellektuelle Selbstreflexion erwartet, wird enttäuscht. Wer schlichtweg eine fiese und zugleich unterhaltsame Erzählung eines „zum Filmemacher mutierten Witzboldes“ erwartet, wird seine Freude haben.

/ Marco Arellano Gomes 

Woody Allen: „Ganz nebenbei“, Rowohlt Verlag, 448 Seiten

 

 

Naturtrüb

Dadaistisches Bandtagebuch

 

Ei, ei, ei! Eigentlich ist damit das Buch schon ganz gut zusammengefasst. Tatsächlich ist überdurchschnittlich häufig die Zubereitung von Eierspeisen Thema dieser Sammlung abwechselnd geschriebener Tagebucheinträge mit dem schönen Titel „Naturtrüb“. Naturtrüb ist ja quasi das back to nature des kleinen Mannes, und auch die vier Männer über 50 – als da wären „Reverend“ Christian Dabeler, Timur Mosh Çirak, Gereon Klug und Maurice Summen – haben sich selbst für einige Tage in die Natur zurückgezogen, um eine Band zu gründen. Was erst mal etwas heikel klingt, gestaltet sich erfreulicherweise viel weniger schmierig als ihr Bandname OIL. Im Gegenteil, eher etwas trocken, geradezu sandig rieseln die vielen subjektiven Eindrücke ins Getriebe der Bandgründung und bringen sie hier und da ins Stocken.

naturtrübZu Beginn kreisen die Gedanken noch um die anderen Bandkollegen: „Er (Reverend Christian Dabeler, Anm. d. Red.) will das Sagen haben, den Hut aufhaben, ist Macher und Bestimmer. Das kommt aus seiner Jugend. Alles kommt aus seiner Jugend. Sein beschränkter Musikgeschmack, sein Essensgeschmack, sein Stilgeschmack. Alles hat sich seit seiner Adoleszenz nicht mehr verändert. Und er ist stolz darauf, hält Blues für die Wiege der Menschheit und Wurzel von allem.“ Doch mit der Zeit werden die Gedanken deeper: „Ich kann gar nicht mehr schnell gehen. Ich hab es mir irgendwann abgewöhnt, vielleicht aus Snobismus. Sich wie ein Dienstbote beeilen zu müssen, ist einfach nur grauenvoll. Selbst beim Autofahren stelle ich mir lieber vor, ich würde stillstehen und die Welt um mich herum bewegt sich wie Weltraumschrott an mir vorbei. Das beruhigt mich“, schreibt besagter Reverend an einer Stelle.

Und dann ist da ja noch die Bandhündin Emma, die ihr ganz eigenes Abenteuer erlebt … Am Ende entstehen Songs mit Titeln wie „Derogation“, „Frack it“ oder „Wichsbold“, und man muss die Musik nicht mögen – aber das Buch, begleitet von diversen Zeichnungen, die den ganzen Wahnsinn dieser Unternehmung bebildern, geht direkt ins (Tomaten-)Mark der eigenen nichtigen Existenz.

/ Julia Kleinwächter

Die Gruppe OIL: „Naturtrüb“, Verbrecher Verlag, 224 Seiten


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Kino on Demand & Grandfilm: Top 5 Kinofilme zum Streamen

Die Hamburger Kinos brauchen dringend Unterstützung. Mit Kino on Demand und Grandfilm gibt es gleich zwei Online-Plattformen, die ihre Gewinne mit den lokalen Kinos teilen – eine gute Alternative zu den großen Streaming-Anbietern. Hier sind einige Empfehlungen

Text: Marco Arellano Gomes

 

Apocalypse Now – Final Cut

Coppolas Meisterwerk in neuer Fassung

 

Regielegende Francis Ford Coppola hat an seinem legendären Kriegsfilm von 1979 ein letztes Mal die Schere angelegt – zumindest, wenn man dem Zusatz „Final Cut“ Glauben schenken mag. „Apocalypse Now“ ist ein Highlight der Filmgeschichte. Mindestens so legendär wie der Film ist auch seine Entstehung, die von einem überzogenem Budget, Chaos am Drehort und Schauspielern im Drogen- rausch handelt. Die finale Fassung dieses Monumentalfilms – 2001 gab es bereits die 49 Minuten längere Redux-Version – kam vergangenes Jahr, pünktlich zum 40-jährigen Jubiläum in ausgewählte Kinos. Wer das verpasst hat, kann es nun nachholen.

Der Film, der lose auf der Romanvorlage von Joseph Conrad („Herz der Finsternis“) basiert, zeigt den für Spezialeinsätze zuständigen Captain Willard (Martin Sheen), der im Auftrag der US-Army mit einem von vier Männern besetzten Patrouillenboot einen Fluss in Vietnam bis tief in den Urwald hinauffährt, um den exzentrischen, offenbar verrückt gewordenen Colonel Walter Kurtz (Marlon Brando) zu liquidieren. Was folgt, ist ein Trip mitten in das Herz der Finsternis. Warum sich das lohnt? Weil der Film auch in dieser Version in der ersten Liga spielt, weil Bild und Ton klarer und wuchtiger denn je daherkommen, und weil die Reise mit Captain Willard durch die Wirren des Krieges eine Erfahrung mit visueller und erzählerischer Wucht ist, die bis heute ihresgleichen sucht.

 

 

auf DVD/Blu-ray, als VoD; www.kino-on-demand.com

 

LaLaLand

Ein Film zum Träumen, Singen und Verlieben

 

Mia (Emma Stone) und Sebastian (Ryan Gosling) sind Träumer. Mia möchte Filmschauspielerin werden, Sebastian eine klassische Jazz-Bar eröffnen. Bis es so weit ist, schlägt sie sich in einem Coffeeshop durch, während er sein Geld mit kleinen Musikdarbietungen in Restaurants, Bars und Gartenpartys verdient. Auf einer solchen Party laufen sich die beiden dann über den Weg – zum dritten Mal, wohl bemerkt! Das kann in einer Millionenmetropole wie Los Angeles kein Zufall sein, mutmaßt Sebastian. Und so kommen sich die beiden Tanzschritt für Tanzschritt näher. Das erinnert nicht zufällig an Musicalfilme wie „The Band Wagon“ (1953). Hier wie dort folgt auf einen Spaziergang eine plötzliche Tanz- und Gesangseinlage. Hier wie dort dient die Großstadt als Kulisse. Beim Klassiker sind es Fred Astaire und Cyd Charisse in New York. In diesem Fall sind es Gosling und Stone in Los Angeles.

Die Stadt der Träume – was könnte passender sein? Regisseur Damien Chazelle lässt seine Protagonisten gemeinsam tanzen, singen und träumen – und der Zuschauer lässt sich von der einprägsamen Musik, den eleganten Tanzeinlagen und den verspielten Kulissen ebenso verzaubern wie vom harmonischen Schauspiel. Selten wurde das Gefühl, sich zu verlieben, so überzeugend dargestellt, – und so ertappt man sich in einer fantasievollen Szene dabei, wie man gemeinsam mit den Darstellern Richtung Sternenhimmel abhebt. Wie im echten Leben auch, ist aber kein Höhenflug von Dauer.

 

 

auf DVD/Blu-ray, als VoD; www.kino-on-demand.com

 

Woody Allen – A Documentary

Wie aus dem Komiker der Kultregisseur Woody Allen wurde

 

Schreiben fällt Allen Stewart Konigsberg – alias Woody Allen – schon immer leicht. Bereits als Schüler verfasst er unterhaltsame Texte, die an die lokalen Zeitungen verkauft werden. Später schreibt der schmächtige jüdische Junge aus Brooklyn Gags für Comedians – und zwar so gut, dass er mehr als seine Eltern verdient. Das Showbusiness zieht ihn sofort in den Bann. Es dauert nicht lang, bis er selbst eine Karriere als Komiker und Entertainer startet. Er versteht es, die Menschen zum Lachen zu bringen. Es folgt sein Einstieg in das Filmgeschäft. Während seine ersten Filme vor allem durch Komik und Slapstick gekennzeichnet sind („Was gibt’s Neues, Pussy?“, „Bananas“), bildet sich in der mittleren Schaffensperiode ein tragisch-komödiantischer Fokus heraus, der zu ersten Meisterwerken („Der Stadtneurotiker“, „Manhattan“) führt.

In seiner späteren Schaffensphase überzeugt Allen mit Filmen, die zur Abwechslung nicht in New York, sondern in den Metropolen Europas spielen („Match Point“, „Midnight in Paris“). Robert B. Weides Filmbiografie „Woody Allen: A Documentary“ zeichnet eine Karriere von mehr als fünfzig Jahren durch Filmausschnitte und Erzählungen wichtiger Weggefährten und -gefährtinnen nach. Auch Woody Allen kommt zu Wort – und führt den Zuschauer durch die Straßen seiner Kindheit. Fast zwei Jahre hat Weide den scheuen Regisseur begleitet – dennoch ist der Mensch Woody Allen nicht so recht zu greifen.

Künstler (Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler) und Kunstfigur Woody Allen verschwimmen zu einer Person. Zwar gibt es spannende Einblicke in seine privaten Räumlichkeiten. Highlight: Woody Allen am Schreibtisch mit seiner Olympia, die er sich als 16-Jähriger kaufte. Auf dieser deutschen Schreibmaschine, die so zuverlässig funktioniere „wie ein Panzer“ hat Allen bis zum heutigen Tag jedes Drehbuch geschrieben. Und das fällt ihm, wenn man sich den Output an Filmen vor Augen führt (51 Filme in 55 Jahren), wohl noch immer leicht.

 

 

auf DVD/Blu-ray, als VoD www.kino-on-demand.com

 

Fridas Sommer

Sensibler Film über die Einsamkeit eines Kindes

 

Es ist Sommer 1993 in Barcelona, doch der sechsjährigen Frida (Laia Artigas) ist nicht zum Spielen und Herumtollen zumute. Ihre Mutter ist kürzlich verstorben. Ihr Vater lebt schon länger nicht mehr – und so schaut sie schweigend zu, wie die letzten Gegenstände aus der Wohnung in das Auto gebracht werden, das sie zu Onkel und Tante aufs Land bringen soll. Zum Abschied laufen einige ihrer Freunde noch dem Auto hinterher, winkend, einige Worte des Abschieds hinterherrufend. Frida hingegen schaut regungslos durch die Heckscheibe und wendet sich, keine Miene verziehend, nach vorn.

Auch ihrer „neuen“ Familie gegenüber, die sie liebe- und verständnisvoll empfängt, verhält sie sich zu Beginn wortkarg und zurückhaltend. Nur zögerlich lässt sie sich auf die neue Umgebung ein, hüpft mit ihrer jüngeren Cousine Anna (Paula Robles) durch den Garten und die Dachkammer und erkundet einen nahe gelegenen Wald.

Immer wieder bricht die Traurigkeit in Frida aus, wie eine nicht zu bändigende Naturgewalt. Sie verhält sich unvorhersehbar, launisch und trotzig. Die lebendige, atmende Kameraarbeit von Santiago Racaj verstärkt diesen Effekt und bringt einem die Perspektive von Frida nahe. Ihre Tante Marga (Bruna Cusí) und ihr Onkel Esteve (David Verdaguer) stehen vor einer unvorhergesehenen Herausforderung. Wird Frida sich an ihr neues Zuhause gewöhnen und den inneren Frieden finden?

Die sensibel erzählte Geschichte der Regisseurin Carla Simón betont die treibende Kraft der Neugierde, und Naivität im Umgang mit tragischen Ereignissen. 2018 wurde der Film mit diversen Filmpreisen ausgezeichnet (u. a. mit dem spanischen Filmpreis Goya). Zu Recht: „Fridas Sommer“ ist ein einfühlsames Plädoyer für die Kraft des Zuhörens, Verstehens und Zulassens von Gefühlen.

 

 

auf DVD/Blu-ray, als VoD, www.grandfilm.de

 

Mein liebster Stoff

Junge Frau zwischen Hoffnung und Freiheit

 

Damaskus, Frühjahr 2011. Der Bürgerkrieg hat begonnen. Aus dem hoffnungsfrohen Protest im Rahmen des Arabischen Frühlings wird ein bedrohlicher Konflikt, dessen Verlauf und Dauer noch niemandem bewusst ist, aber bereits in den Köpfen spukt. Es wird unübersichtlich und ungemütlich in Syrien. Doch noch scheint Damaskus weit davon entfernt zu sein.

Nahla (Manal Issa), eine 25 Jahre junge, launische Frau hat die Chance mit ihrer Familie dank einer arrangierten Ehe mit Samir (Saad Lostan), einem syrischen Exilanten in Amerika, das Land zu verlassen. Sie fühlt sich hin- und hergerissen, zwischen der Hoffnung, dem drohenden Konflikt zu entkommen und dem Wunsch nach Selbstbestimmtheit.

Als Samir schließlich ihre jüngere Schwester Myriam (Mariah Tannoury) wählt, entscheidet sich Nahla, die Nähe ihrer neuen Nachbarin, der mysteriösen Madame Jiji (Ula Tabari), zu suchen. Das ist der Stoff, der gesellschaftliche Sprengkraft besitzt. Die in Paris lebende und arbeitende syrische Filmemacherin Gaya Jiji feierte mit ihrem 94-minütigen Langfilmdebüt 2018 in Cannes Premiere. Ihr Film ist subtil und doch aufwühlend.

 

 

als VoD, www.grandfilm.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.