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Herbst-Oasen: Stimmungsaufheller in Hamburg

Es wird früher dunkel, immer kälter – und die Stimmung schon mal schlechter: Der Herbst ist da. Ein Herbst-Blues muss aber nicht aufkommen. Die Stadt bietet allerhand Orte, die von jetzt auf gleich stimmungsaufhellend wirken

Interview: Erik Brandt-Höge

Hygge Brasserie & Bar

Klein Dänemark in Nienstedten

Wer das Hygge betritt, weiß, warum das Wort Gemütlichkeit bedeutet (Foto: Nina Struve/Hygge)

Wer das Hygge betritt, weiß, warum das Wort Gemütlichkeit bedeutet (Foto: Nina Struve/Hygge)

Klar, eine Reise nach Dänemark lohnt sich immer. Schließlich gibt es dort diese kleinen, süßen, supergemütlichen Häuschen mit Kamin, in denen man sich von jetzt auf gleich geborgen fühlt. Genau dieses gute Dänemark-Gefühl gibt es aber auch in Hamburg, genauer: in Nienstedten. Die Hygge Brasserie & Bar bietet dort ein Wohlfühl-Ambiente der besonderen, weil eben dänischen Art. Fachwerk, Hängelampen, Ledersessel und -sofas, Kaminfeuer – alles da. Zudem eine feine Auswahl an Weinen und Cocktails sowie Essen aus aus hochwertigen, regionalen Zutaten.

Baron-Voght-Straße 179 (Nienstedten); hygge-hamburg.de

Komet

Versteckter Schuppen

Feiern auf dem Kiez ohne Touristen und Junggesellenabschiede, das Komet (Foto: Erik Brandt-Höge)

Feiern auf dem Kiez ohne Touristen und Junggesellenabschiede, das Komet (Foto: Erik Brandt-Höge)

Keine fünf Gehminuten weg vom Kiez-Gewimmel liegt ein kleiner, feiner Laden namens Komet. Etwas versteckt und deshalb nicht von Junggesellenabschiedssuffis überlaufen, können hier (aktuell nach 2G-Regel) die Abende und Nächte in alten Kinosesseln verbracht oder zu Blues, Soul, Rockabilly und Italo-Pop durchgetanzt werden. Zwischen Discokugel, gerahmten Filmstars an den Wänden und LeuchtGlobus finden übrigens auch regelmäßig Schallplattenauktionen statt.

Erichstraße 11 (St. Pauli); komet-st-pauli.de

Tropen-Aquarium Hagenbeck

Exotischer Kurzurlaub

Große Haie, kleine Fische und vieles mehr gibt es im Tropenaquarium bei Hagenbeck (Foto: Hagenbeck)

Große Haie, kleine Fische und vieles mehr gibt es im Tropenaquarium bei Hagenbeck (Foto: Hagenbeck)

Haien und Rochen ganz nah kommen, ohne sich dabei auch nur ansatzweise in Gefahr zu begeben: kein Problem – zumindest nicht im Tropen-Aquarium Hagenbeck. Durch die Sichtscheibe des Großen Hai-Atolls, einem 30 Meter langen Becken, können die genannten sowie viele weitere Meeresbewohner wie im Kino bestaunt werden. Neben dem Großen Hai-Atoll gibt es im Tropen-Aquarium unter anderem einen Krokodilsee, eine sattgrüne Dschungellandschaft und Hamburgs einzigen Wasserfall. Insgesamt sind im Tropen-Aquarium mehr als 14.300 exotische Tiere äquatorialer Gebiete zu Hause.

Lokstedter Grenzstraße 2 (Lokstedt); hagenbeck.de

Holthusenbad

Relaxen de luxe

Draußen Wind und Regen, drinnen im Holthusenbad relaxen (Foto: Bäderland)

Draußen Wind und Regen, drinnen im Holthusenbad relaxen (Foto: Bäderland)

Lust auf etwas Gesundes? Auf Tiefenentspannung? Auf Unterhaltung? Und nicht zuletzt auf hohe, teils sehr hohe Temperaturen? Das Holthusenbad bietet all das in seiner Saunalandschaft. Und zwar en masse. Nicht eine, nicht zwei, nicht drei, nein: ganze neun Schwitzangebote gibt es – von 45 °C bis 100 °C, von ruhig bis erlebnisreich. Unter anderem können in der Mediensauna (Foto) bei 90 °C-Aufgüsse ebenso genossen werden wie die dazu gelieferten Filme und Musiken.

Goernestraße 21 (Eppendorf); baederland.de

zeise kinos

Ab in den Sessel – und eine andere Welt

Eines der schönsten Programmkinos der Stadt, das zeise Kino (Foto: Jan Brandes)

Eines der schönsten Programmkinos der Stadt, das zeise Kino (Foto: Jan Brandes)

Kinos gibt es allerhand in der Stadt. Schöne Kinos auch. Besonders schöne sind die zeise kinos. In den Ottensener Zeisehallen, wo einst Schiffsschrauben produziert und in alle denkbaren Länder exportiert wurden, trifft heute Industrie-Charme auf moderne Glas-Stahl-Architektur. In den drei Kinos mit mehr als 523 Plätzen werden nationale wie internationale Top-Filme gezeigt, darunter viele Premieren mit Regisseuren, Schauspielern und Teams als Gästen. Auch Singer und Poetry Slams sowie Lesungen und Konzerte werden veranstaltet. Einmal in die gemütlichen Samtsessel gefallen, schon kann eine andere, faszinierende Welt erlebt werden. Übrigens können die Säle samt Film für ein Wunschkino auch gemietet werden.

Friedensallee 7–9 (Ottensen); zeise.de

Yu Garden

Oase südchinesischer Bauart

Das Yu Garden ist eine chinesische Oase mitten in der Stadt (Foto: Marc Sill)

Das Yu Garden ist eine chinesische Oase mitten in der Stadt (Foto: Marc Sill)

Schon gewusst: Hamburg und Shanghai sind Partnerstädte. 2006 wurde dieser Partnerschaft ein regelrechtes Denkmal im Hamburger Stadtbild gebaut: der Yu Garden. Das Teehausensemble nach südchinesischer Bauart ist außen wie innen ein absoluter Hingucker. Neben traditioneller chinesischer Küche wie gerösteter Ente mit Wokgemüse und Hoisin-Soße können hier zahlreiche Tees der Extraklasse genossen werden. Rund 13.000 Kilometer entfernt von Shanghai ist der Yu Garden eine Hamburger Oase, in der eine ferne Kultur durch ihre Küche kennengelernt werden kann.

Feldbrunnenstraße 67 (Rotherbaum); yugarden.de

Adolf-Jäger-Kampfbahn

Bierchen, Bratwurst, Fußball

Fußball wie früher, das ist Altona 93 (Foto: Erik Brandt-Höge)

Fußball wie früher, das ist Altona 93 (Foto: Erik Brandt-Höge)

Die Leidenszeit von Fußballfans und -spielern ist vorbei, sie sind wieder vereint. Tausende sind zurück in den Stadien und live dabei, wenn etwa der HSV und St. Pauli versuchen, in der 2. Bundesliga voranzukommen. Ein paar Nummern kleiner, deshalb aber nicht unspannender, sind die Spiele von Altona 93 auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Bierchen, Bratwurst und ziemlich ansehnlichen Fußball gibt es nämlich auch hier – und das zu ziemlich fairen Preisen.

Griegstraße 62 (Ottensen); altona93.de

Hamburger Tierschutzverein

Gassigehen mit Tierheim-Hunden

Ehrenamtlich mit Hunden Gassi gehen? Jap, das geht beim Hamburger Tierschutzverein (Foto: Hamburger Tierschutzverein)

Ehrenamtlich mit Hunden Gassi gehen? Jap, das geht beim Hamburger Tierschutzverein (Foto: Hamburger Tierschutzverein)

Schon mal in die Augen eines Tierheim-Hundes geguckt, wenn er aus seinem Gehege herauskommt, einen Spaziergang im Grünen macht, herumtollt und überall schnüffelt, wo es etwas zu schnüffeln gibt? Das ist das pure Glück! Und eben dieses färbt auf denjenigen ab, der den Spaziergang ermöglicht. Das Gassigehen ist eine enorm dankbare Aufgabe und nur eines der zahlreichen Ehrenämter, die man beim Hamburger Tierschutzverein ausüben kann. Nach einer Schulung sowie Probespaziergängen wird ein Gassi-Geh-Ausweis erworben – damit können die Hunde ausgeführt werden. Voraussetzung ist zudem ein Mindestalter von 18 Jahren. Aktuell sucht der Verein speziell für die Gassi-Zeiten unter der Woche Unterstützung.

Süderstraße 399 (Hamm-Süd); hamburger-tierschutzverein.de

Kaffee Stark

Gemütlich, gemütlicher, Stark

Auf der Suche nach einem gemütlichen Café für jeden Anlass, dann ab ins Café Stark (Foto: Erik Brandt-Höge)

Auf der Suche nach einem gemütlichen Café für jeden Anlass, dann ab ins Kaffee Stark (Foto: Erik Brandt-Höge)

Rausgekämpft aus dem Gewühl auf der Wohlwillstraße und reingekommen ins Kaffee Stark, schon ist Entschleunigung angesagt. Uriges Holzmobiliar, allerhand warm-leuchtende Kunst an den Wänden, Kissen en masse: So geht Café- und Bar-Spaß. Es gibt Kaffee, Kuchen, Snacks und Kaltgetränke, und es ist immer gemütlich, immer entspannend. Und übrigens auch immer vegan.

Wohlwillstraße 18 (St. Pauli); kaffeestark.de

Blankeneser Leuchtturm

Pötte gucken

Durchs Treppenviertel an die Elbe, selbst im grauen Herbst wunderschön (Foto: Erik Brandt-Höge)

Durchs Treppenviertel an die Elbe, selbst im grauen Herbst wunderschön (Foto: Erik Brandt-Höge)

Immer und immer wieder bombastische Bilder: Wenn die ganz großen Pötte langsam in den Hamburger Hafen einfahren. Gerade die halbe Welt umschippert, sind die XXL-Containerschiffe ihrem Zielort schon sehr nah, wenn sie den Leuchtturm Unterfeuer Blankenese passieren. Der hat eine Aussichtsplattform, von der aus Besucher die Riesen auf dem Wasser besonders gut beobachten und fotografieren können. Selbst bei Regen und im tiefsten Nebel empfehlenswert.

Treppenviertel (Blankenese)


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Klein Shanghai: Das Yu Garden Teehaus

Im chinesischen Teehaus in Rotherbaum, das heute am 17. Januar wiedereröffnet, entsteht Entspannung durch Kulturaustausch

Text: Erik Brandt-Höge

 

Rund 23 Millionen Menschen, 6.300 Quadratmeter Fläche, XXL-Glitzer-Skyline, größter Containerhafen der Welt: Das ist Shanghai. Die chinesische Metropole ist an Gigantismus kaum zu überbieten, als Wirtschaftsstandort eine globale Macht. Schwer-, Textil- und Elektroindustrie bestimmen die zweitgrößte Stadt des Landes. 13.000 Kilometer entfernt von Hamburg erscheint sie als hochmoderner Riese, wirkt westlicher als manch mitteleuropäisches Zentrum.

Hinter der blitzblanken Hightech-Fassade bietet Shanghai aber auch chinesische Tradition. Fest im Stadtbild verankert und echte architektonische Hingucker sind zum Beispiel Teehäuser. Zwischen den grauen Hochhausarrangements sind kunterbunte Areale dafür angelegt, mit üppig gestalteten Pavillons auf Stelzen, künstlichen Wassergärten und verschnörkelten Holztreppen. Es sind städtische Täler der Entspannung, in denen sich Shanghaier und Touristen vermengen, um bei einer Tasse Tee vom allgegenwärtigen Trubel abzuschalten. Wer teilhaben will an den typisch chinesischen Genussmomenten, muss jedoch keinen Langstreckenflug in Kauf nehmen, sondern nur eine Fahrt nach Rotherbaum.

 

Prestigeobjekt einer Fernbeziehung

 

Hamburg und Shanghai sind Partnerstädte, und das schon seit 1986. Gepflegt wird die Fernbeziehung durch Austauschprogramme für Schüler, Studenten und Praktikanten, durch gemeinsam organisierte Veranstaltungen und natürlich durch wirtschaftliches Hand-in-Hand-Gehen. Ein dauerhaftes Symbol der Liaison wurde 2006 in Hamburg errichtet: der Yu Garden in der Feldbrunnenstraße, direkt hinter dem Museum am Rothenbaum, einst Museum für Völkerkunde Hamburg.

 

Yu-garden-Teehaus-Credit-Universität-Hamburg-Marketing-GmbH

Eine Spezialität des Konfuzius-Instituts: das Laternenfest im Yu Garden (Foto: Universität Hamburg Marketing GmbH)

 

Auf einer Fläche von rund 3.400 Quadratmetern wurde ein Teehausensemble nach südchinesischer Bauart hochgezogen. Vorbild: das gleichnamige Teehaus aus der Ming-Dynastie. Hamburg stellte das Grundstück, Shanghai schickte Ingenieure und Bauerarbeiter. Zwei Jahre lang wurde aus Kiefernholz und Taihu-Steinen eine Anlage geschaffen, die einerseits zur Vermittlung chinesischer Kultur an das Hamburger Publikum dienen, andererseits einfach nur schöne, in Rotherbaum durchaus exotische Wohlfühloase sein sollte. Ab September 2008 war der Yu Garden für alle zugänglich. Und Nutzungsmöglichkeiten gab es viele.

 

Tee & Tagungen

 

Der mehrteilige Gebäudekomplex hatte einiges zu bieten, etwa im Teepavillon. Bei Schwarz-, Grün-, Reis-, Jasmin- und Chrysanthementee konnte der Hamburger Alltagsstress vergessen werden. Geradezu meditative Wirkung hatten die Aufgusszeremonien unterm Licht der überall aufgehängten Laternen. Ebenso gemütlich, aber deutlich deftiger ging es im anliegenden Restaurant des Yu Gardens zu. Hier wurden Ente, Schwein, Fisch, Frühlingsrollen und Suppen aufgetischt. Ziel des kulinarischen Genusses: eine Kultur durch ihre Küche kennenlernen.

Wem das zu schlicht erschien, der konnte am Kulturprogramm des Hauses teilnehmen, das von zuletzt zwei Hauptmietern auf die Beine gestellt wurde: der Uni Hamburg Marketing GmbH, die vor allem Tagungen und Events durchführte, und dem Konfuzius-Institut der Uni, das sich auch auf Vergnügliches konzentrierte wie Konzerte, Lesungen und Laternenfeste. Auch einen Konfuzius-Chor gab es, dem jeder, der Lust auf chinesisches Liedgut hatte, beitreten konnte.

Es passierte viel im Yu Garden, der Betrieb lief rund. Aber er hinterließ auch Spuren. 2017 erfolgte eine Bestandsaufnahme. Ergebnis: umfangreiche Renovierungsarbeiten waren dringend notwendig. Und selbst die waren ein chinesisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt. Die Shanghaier Seite bot erneut Spezialisten auf, die zusammen mit der Baufirma CZICC Mannheim vom Marmorboden bis zur goldfarbenen Decke, von den rotbraunen, fein verzierten Fensterrahmen bis zu den winzigen Ziegeln der geschwungenen Dächer allerhand runderneuerten.

 

Auf zur Wiedereröffnung

 

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Wolfgang Wen (links), Hauptansprechpartner für das Ensemble, und Shuangzhi Li, ehrenamtlicher Vizedirektor des Konfuzius-Instituts ( Foto: Erik Brandt-Höge)

Sprung in die Gegenwart. Beim Ortsbesuch Anfang Dezember, zu dem der neue Hauptansprechpartner für das Ensemble, Wolfgang Wen, Präsident verschiedener chinesischer Vereine in Hamburg, einlädt, ist noch nicht alles fertig für die geplante Wiedereröffnung am 17. Januar. Das Wasser im Garten: trüb-grün. Die Pflanzen: farblos und schlaff. Im Inneren bedeckt Baustaub die Fliesen. Tische, Stühle und Bänke stehen nicht am gewohnten Platz. Einzig ein riesiger Aufsteller mit Bild von der Shanghaier Skyline bei Nacht funkelt schon im Eingangsbereich.

Dennoch: Wen wirkt sorglos, was den anvisierten Wiedereröffnungstermin angeht, freut sich gar euphorisch, wenn er davon erzählt. Ganz sicher sei er, dass der gewohnte Schulterschluss zwischen Stadt, Nachbarschaft und Gästen aus China einmal mehr bereichernd sein wird. Schließlich hätte das Yu Garden-Geflecht aus Gastronomie, Wirtschaft und Kultur bereits bewiesen, wie gut es für viele verschiedene Menschen in der Stadt funktionieren kann.

Zum erneuten Erfolg werde dann auch das Konfuzius-Institut seinen Teil beitragen, so Wen, weil es von Sprachkursen bis zum Singkreis wie zuvor zig Programmpunkte habe. Und das Restaurant, jetzt gemietet von Qiuyi Chen, Präsident der Hamburger China-Gesellschaft, werde die Tradition Shanghais in Hamburg einmal mehr abrunden.

Yu Garden: Feldbrunnenstraße 67 (Rotherbaum)


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 20. Dezember 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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