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08.06. | Literatur | Da sind wir | Graham Swift

Sommer 1959 in Brighton: Abends zieht es die Urlaubs­gäste in das Varieté am Pier, wo sie jenes magische Dreieck bestaunen. Da wäre Jack, der gewandte Conférencier und Frauenschwarm, sein Freund Ronnie, der unscheinbare Magier. Und Evie, Ronnies Assistentin und Verlobte. Ronnies und Evies Show wird zum großen Ereignis des Sommers – des letzten Sommers, denn etwas ist im Umbruch. Nicht nur beginnt Evie eine Affäre mit Jack, auch im Showbusiness bahnt sich eine neue Ära, die des Fernsehens, an. Ronnies letzte Vorführung wird seine Krönung: Er löst sich vor Publikum in Luft auf und taucht nie wieder auf.

graham-swift-coverGraham Swift erzählt von dieser typisch anmutenden Dreiecksbeziehung mit unfassbarer Eleganz. „Da sind wir“ ist ein flirrend erotisches Meisterwerk auf schlanken 160 Seiten. Der britische Romancier springt leichtfüßig in der Zeit hin und her und verwebt kunstvoll die Vorgeschichten der Protagonisten, den Hauptstrang des Sommers 1959 und einen Blick in die Zukunft mit­einander – fünfzig Jahre später. Fünfzig Jahre, auf die Evie mit einer unheimlichen Verwunderung über die Wirkkraft von – im wahrsten Sinne – Ent-­Scheidungen blickt, über die Zufälligkeit eines Lebenswegs, und darüber, wie leicht ein Leben hätte anders verlaufen können.

„Schauspielern? Das machen wir doch alle, oder? Die ganze Zeit“, sagt Jack einmal. Swift geht es nicht um eine vermeintliche Echtheit hinter dem Vorhang, sondern um die Nuancen und Zwischentöne im Schauspiel des Lebens.
Sind diese trotzdem wahrhaftig? Man kann es wohl nie endgültig wissen, aber „wie sollte man weiterleben ohne diese verlockende, rettende Illusion?“

/ Ulrich Thiele

Graham Swift: „Da sind wir“, dtv, 16o Seiten, 20 Euro


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