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13.09. | Film | Persischstunden | Abaton Kino

Ein Jude bringt einem SS-Offizier in einem Arbeitslager Persisch bei. Was klingt wie der Beginn eines makaberen Witzes, ist die Kerngeschichte dieses auf einer literarischen Vorlage des berühmten Drehbuchautors Wolfgang Kohlhaase basierenden und von realen Ereignissen inspirierten Films.

Wir schreiben das Jahr 1942. Gilles (Nahuel Pérez Biscayart), ein junger Belgier, wird von der SS verhaftet und mit weiteren Juden in ein Lager nach Deutschland gebracht. Bei einem Zwischenstopp entgeht er einer Exekution, indem er behauptet, kein Jude, sondern Perser zu sein. Wie es der Zufall will, hat er auf der Fahrt ein Stück Brot aus Mitleid gegen ein persisches Buch eingetauscht, was der Behauptung durchaus Glaubwürdigkeit verleiht. Zudem erinnert sich einer der Soldaten, dass der Hauptsturmführer Koch (Lars Eidinger), die persische Sprache lernen will, um in Teheran ein deutsches Restaurant zu eröffnen.

 

Ein Wort wird zum Verhängnis

 

Gilles wird zu ihm gebracht, gibt vor Persisch zu sprechen und unterrichtet den SS-Mann fortan in einer Sprache, die er sich komplett ausdenkt: Wort für Wort, Satz für Satz, erfunden um zu überleben. Das ist nicht nur eine unfassbare Gedächtnisleistung, sondern ein gefährliches Spiel. Jeder Fehltritt kann den Tod bedeuten, zumal Koch ein zu cholerischen Wutanfällen neigender Kommandant ist. In einer zentralen Filmszene fragt dieser Gilles, was Baum auf Persisch heißt. Gilles antwortet mit „radz“. Nur hat er das Wort schon mal genutzt, um Brot zu übersetzen: Das wird ihm zum Verhängnis.

Regisseur Vadim Perelmann („Haus aus Sand und Nebel“) ist mit „Persischstunden“ ein spannendes, intensives Drama über den Überlebenswillen des Menschen und die Macht der Sprache gelungen – gespickt mit vielen packenden, wenigen witzigen und einigen dramatischen Momenten. Während die Nebenrollen etwas eindimensional und teils stereotyp dargestellt sind, brilliert Lars Eidinger („25 km/h“) mit seiner zwischen Kontrolle, Menschlichkeit und emotionalen Ausbrüchen abrupt wechselnden Performance und Nahuel Pérez Biscayart („120 BPM“) mit seiner vorwiegend über die Augen und über die Sprache ausgedrückten Verletzbarkeit, Unsicherheit und Intelligenz. Beide Darstellungen kulminieren in unvergesslichen Schlussszenen mit emotionaler Wucht. Im Abaton Kino findet bereits elf Tage vor Kinostart, am 13.9., eine Preview in Kooperation mit dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden statt. Zum Filmgespräch im Anschluss ist Literaturwissenschaftler Dr. Sebastian Schirrmeister zu Gast.

/ MAG

Regie: Vadim Perelman. Mit Nahuel Pérez Biscayart, Lars Eidinger, Jonas Nay. 127 Min. Ab 24.9. im Kino

Abaton Kino
13.9.2020, 11 Uhr


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