(24.1.) Film, „It Comes at Night“, UCI Wandsbek, 22:45 Uhr

Unruhige Zeiten bringen oft in gesteigertem Maße Filme hervor, die Untergangsszenarien beschreiben. 2015 überraschte der Nordire Stephen Fingleton mit seinem radikal minimalistischen, postapokalyptischen Thriller „The Survivalist“. 2016 sorgte der Schotte Colm McCarthy mit seiner spannenden Zombie-Variation „The Girl with All the Gifts“ für Gänsehaut. Und 2017 veröffentlichte der US-Amerikaner Trey Edward Shults seine nihilistische Horrormär „It Comes at Night“. Dem texanischen Regisseur und Drehbuchautor ist hier ein brutal intensiver, höchst gruseliger Film gelungen.

Nach einem nicht näher erläuterten Virus-Ausbruch und dem Kollaps der Zivilisation hat sich der frühere Lehrer Paul (Joel Edgerton) mit seiner Ehefrau Sarah (Carmen Ejogo) und seinem Teenager-Sohn Travis (Kelvin Harrison Jr.) in ein tief im Wald verstecktes Gebäude zurückgezogen. Als eines Nachts ein junger Mann (Christopher Abbott) in die verbarrikadierte Hütte eindringt, gewährt der misstrauische Hausherr dem Unbekannten und seiner Familie nur widerwillig Unterschlupf.

Tiefe Abgründe in dunkler Atmosphäre

Eine eigentlich schlichte Prämisse, die Shults allerdings für einen moralisch komplexen Trip in menschliche Abgründe nutzt. Auch wenn zwischendurch kleine Hoffnungsschimmer aufblitzen, liegt über dem Geschehen eine allumfassende Paranoia. Eine ständige Furcht vor einer plötzlich hervorbrechenden Gefahr.

Wichtiger als konventionell-aggressive Angstmacherei ist dem Filmemacher die Etablierung einer dichten, diffus bedrohlichen Atmosphäre, die sich unter anderem aus einer umsichtigen Kameraarbeit und einem beunruhigenden Sounddesign speist. Auf Handlungsebene passiert lange Zeit nur wenig. Und das Erzähltempo ist betont gemächlich. Wer ausreichend Geduld aufbringt, wird jedoch mit einem hochdramatischen Finale belohnt, das einem Schlag in die Magengrube gleichkommt.

/ Christopher Diekhaus

UCI Wandsbek
24.1.18, 22:45 Uhr

FOTO: FILMKINOTEXT