(26.3.) Film, „Arthur & Claire“, Abaton, 20 Uhr

Das Filet Mignon nebst teurem Rotwein, das sich der 50-jährige Arthur in seinem lauschigen Amsterdamer Hotel aufs Zimmer ordert, soll sein letztes Abendmahl sein. Am nächsten Morgen wird er sich in einer Klinik die Todesspritze setzen lassen. Die Modalitäten sind mit dem befreundeten Chefarzt einer holländischen Klinik längst abgeklärt.

Doch dann begegnet der Todgeweihte seinem „Engel“: Claire logiert in der Suite nebenan. Sie ist 20 Jahre jünger aber nicht minder lebensmüde. Arthur stürmt ihr Zimmer, um sich wegen ihrer lauten Musik zu beschweren. Doch als er dann ein Glas voller kleiner weißer Pillen entdeckt, erwachen in dem Lebensmüden Retter- und Vatergefühle. Die tödliche Dosis landet im Klo. Claire hat anfangs nur Verachtung für den ungebetenen Samariter übrig, doch im Laufe einer durchsoffenen, durchtanzten und durchkifften Nacht entspinnt sich zwischen beiden eine zarte Zweierkiste irgendwo zwischen Vater-Tochter-Städtetrip, MiniSelbsthilfegruppe und schüchterner Romanze.

Bittersüßes Kammerspiel

Regisseur Miguel Alexandre adaptierte das gleichnamige Theaterstück von Stefan Vögel und verfasste das Drehbuch zusammen mit Hauptdarsteller Josef Hader. Der spielt den Arthur mit der gewohnten verzweifelt-sarkastischen, wienerischen Schnodderigkeit, die sein allseits beliebtes Markenzeichen wurde. In seinen stärkeren Momenten hat dieses bittersüße Kammerspiel durchaus anrührende Qualitäten, vor allem im etwas hölzernen letzten Akt geht die Reise dann aber mitunter gefährlich in Richtung „öffentlich-rechtliches Rührstück“.

Zum Glück sind mit Hader und der jungen holländischen Schauspielhoffnung Hannah Hoekstra zwei darstellerische Hochkaräter an Bord, zwischen denen genügend Funken fliegen, um die Leinwand am Leuchten zu halten und den Kahn aus allzu seichtem Fahrwasser herauszusteuern. So spielt „Arthur & Claire“ zwar nicht in der ersten Liga der Hader-Filme … aber gibt es bei diesem Titanen überhaupt eine zweite …?

/ Calle Claus / Foto: Tivoli Film

Abaton
26.3.18, 20 Uhr / Sondervorstellung: In der Reihe „Licht und Dunkel“ ist der Regisseur Miguel Alexandre zu Gast.