(29.3.) Lesung: „In der freien Welt“ von Norbert Gstrein, Literaturhaus, 19.30 Uhr

Von der Wahrheit eines Toten

Mit der Wahrheit ist es oft so: Je länger man die Fundamente dessen untersucht, was man sicher zu wissen glaubt, desto mehr bröckeln sie. Das erlebt der Schriftsteller Hugo, als sein langjähriger jüdischer Freund John niedergestochen wird. Dessen Tod reißt in Hugos Leben eine empfindliche Lücke. Voller Fragen macht er sich auf die Spurensuche nach Johns Leben, das vital und imposant sein eigenes stets in den Schatten stellte, jedoch nun mit jedem neuen Mosaikstück gebrochener erscheint. Dabei führt es Hugo von Kalifornien bis auf beide Seiten des Gaza-Krieges, in dem sich zwei unversöhnliche Wirklichkeiten schon lange hasserfüllt gegenüberstehen. Die Kunst, vermeintlich sichere Wahrheiten erzählerisch zu hinterfragen, zieht sich wie ein roter Faden durch Norbert Gstreins Buch „In der freien Welt“, weshalb dieser kluge Roman seinem Leser auch die Empfehlung voranstellt, aufmerksam zu bleiben: „Manches von dem Folgenden ist wirklich geschehen, aber ich bin nicht ich, er ist nicht er, sie ist nicht sie, die alte Geschichte“. Der Autor liest am Dienstag selbst aus seinem Werk vor. (BIE)

Literaturhaus
Schwanenwik 38
29.3., 19.30 Uhr

Foto: Gunter Glücklich