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21.10. | Film | Eine Frau mit berauschenden Talenten | Abaton

Kritik

Dank eines vom Gatten hinterlassenen Schuldenbergs gerät eine Witwe in finanzielle Bredouille. Sie beschließt, das Problem mittels Cannabis-Verkauf anzugehen. Letzteres erscheint bekannt? Richtig, da gab es doch im Jahre 2000 diese nette Brit-Komödie namens „Grasgeflüster“.

Zu dieser bietet die französische Antwort von Jean-Paul Salomé („Rache ist weiblich“) allerdings einen wesentlichen Unterschied: Patience (Isabelle Huppert), wie die Protagonistin hier heißt, ist kein unwissendes Greenhorn, das sich an die zum Drogenverkauf erforderlichen Skills erst herantasten muss. Mais non!

 

Französische Drogenlady

 

Jene Madame ist seit Jahrzehnten bestens mit den Gepflogenheiten des Business vertraut, wenngleich sie bislang auf der gegnerischen Seite agierte: Die Tochter marokkanischer Einwanderer übersetzt schon länger Abhörprotokolle im Auftrag einer Pariser Drogeneinheit. Zum Seitenwechsel kommt es, als sie sich die Pflegeheimkosten für ihre demente Mutter nicht mehr leisten kann. Die Lösung könnte eine von der Straße abgekommene, riesige Haschlieferung sein. Mithilfe zweier nicht allzu heller Kleindealer bringt Madame die Ware unter die Leute und gerät unter dem Codenamen „Die Alte“ bald ins Visier ihres (immer noch) offiziellen Arbeitgebers. Dass ihr Freund Philippe (Hippolyte Girardot) die Ermittlungen leitet, macht die Sache umso pikanter …

Isabelle Huppert (oscarnominiert für Paul Verhoevens „Elle“) genießt es sichtlich, die listige Drogenlady zu verkörpern und macht auch im Hidschab und mit haschgefülltem Riesenrollkoffer eine Bombenfigur. Wie die Grande Dame hier obercool zu lässigen Arab Beats durch den pulsierenden melting pot des Pariser Viertels Belleville marschiert, „le shit“ unter die Leute bringt und ihre Verfolger mit raffinierten Einfällen immer wieder elegant austrickst, macht einfach gute Laune.

„Eine Frau mit berauschenden Talenten“ ist eine gewitzte und herrlich entspannte Verfilmung des Romans „Die Alte“ von Hannelore Cayre und zugleich ein anarchisches Loblied auf die Multikulti-Girlpower von Paris.

/ Karin Jirsak

Abaton Kino
21.10.2020, 19:30 Uhr


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