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11.09. | Film | Und morgen die ganze Welt | Stream

Kritik

Text: Marco Arellano Gomes

 

Politisches Kino hat in Deutschland Seltenheitswert. Das überrascht in diesen turbulenten Zeiten. In zunehmend mehr Staaten Europas ist längst ein Kampf um die „rechte“ Ordnung im Gange. Auch hierzulande werden Alternativen diskutiert, die eigentlich von der Geschichte aussortiert schienen. Der Film „Und morgen die ganze Welt“ von Julia von Heinz („Ich bin dann mal weg“) widmet sich dem im Hintergrund tobenden Kampf zwischen Faschisten und Antifaschisten in Deutschland und nimmt die Perspektive der Antifaschisten ein.

Im Mittelpunkt des Streifens steht die 20 Jahre alte Luisa (Mala Emde), die aus adligem Hause stammt, Jura im ersten Semester studiert und wie ihre Freundin Batte (Luisa-Céline Gaffron) von dem Wunsch beseelt ist, dass sich im nach rechts rückenden Deutschland etwas verändern müsse. Luisa tritt einer Antifa-Gruppierung in Mannheim bei. Dort lernt sie den charismatischen Alfa (Noah Saavedra) und dessen Kumpel Lenor (Tonio Schneider) kennen, die beide auch Gewalt als legitimes Mittel des Widerstands ansehen. Zunehmend gerät sie in einen Sog, bei dem sich die Ereignisse überstürzen. In Artikel 20 des Grundgesetzes heißt es: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. (…) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ Nur wo fängt dieses Recht an? Und wo hört es auf? Wie weit kann, wie weit mögen Luisa und ihre Genossen gehen?

 

 

Die Regisseurin Julia von Heinz war zehn Jahre in antifaschistischen Gruppierungen aktiv. Das kommt dem Film zugute: Atmosphäre und Sprache der Protagonisten wirken glaubwürdig. Die Handlung ist direkt, aktuell, brisant und flott erzählt – ohne den Charakteren den Raum zu ihrer Entfaltung zu nehmen. Die Bilder haben etwas Dokumentarisches, was dem Film eine Unmittelbarkeit und Natürlichkeit verleiht und für Spannung sorgt.

kino-on-demand.com


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