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08.09. | Literatur | Zuhause bei Loki und Helmut Schmidt

Kritik

Helmut und Loki Schmidt hatten noch zu Lebzeiten bestimmt, dass ihr Haus nach ihrem Tod der Öffentlichkeit zugänglich sein sollte – und zwar im Originalzustand, nichts sollte verheimlicht werden. Das berühmte „Kanzler-Reihenhaus“ in Langenhorn ist legendär – ein unprätentiöses „Haus wie aus dem Legokasten“ (Peer Steinbrück), das zugleich eine Bühne der politischen Zeitgeschichte war. In seiner Hausbar diskutierte Schmidt bereits im Juni 1978 mit dem damaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing über eine gemeinsame europäische Währung.

Das alles ist bereits aus unzähligen Büchern über den Ex-Kanzler bekannt. „Zuhause bei Loki und Helmut Schmidt“, herausgegeben von der Bundeskanzler Helmut Schmidt Stiftung, sticht jedoch aus der Menge heraus und überrascht mit bisher unbekannten Infos. Das liegt zum einen am Fotografen Michael Zapf, der das Ehepaar schon vor Jahrzehnten fotografisch begleitete. Seine Aufnahmen erlauben einen Rundgang durch das Kanzlerhaus und einen Blick auf Kunst, Bücher und skurrilen Nippes. Zehn Tage lang hat Zapf mehr als 100 Einzelexponate im leeren Schwimmbad der Schmidts aufbereitet und abgelichtet.

Hinzu kommen Anekdoten von Bekannten, etwa von Schmidts Haushälterin Ursel Trebbin. Sie berichtet von Lokis Schema beim Schreiben der Einkaufszettel. Sie zählte die gewünschten Waren in der Reihenfolge auf, in der sie im Supermarkt auf dem Weg vom Eingang bis zur Kasse geordnet waren. Eine reine Anekdotensammlung ist das Buch dennoch nicht – dafür sorgen die ausführlichen Schilderungen der langen Bau- und Umbaugeschichte, vor deren Hintergrund auch die stadtplanerischen Entwicklungen Hamburgs in der Nachkriegszeit sichtbar werden.

/ Ulrich Thiele

Bundeskanzler Helmut Schmidt Stiftung (Hrsg.): „Zuhause bei Loki und Helmut Schmidt“, Edel Books, 224 Seiten, 22 Euro


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