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(6.9.) Kunst, Lu Yang: „Electromagnetic Brainology“, Galerie Âme Nue, 19 Uhr

Soloschau Während der China Time 2018 zeigt die Galerie Âme Nue die aufregenden virtuellen Welten von Lu Yang.

Man muss schon gute Nerven haben, um sich Lu Yangs Video „Reanimation! Underwater Zombie Frog Ballet“ anzuschauen. Eine bizarre Tanznummer mit toten Fröschen, die aus einem Forschungslabor stammen und in deren offenen Rücken Elektroden angebracht sind, die sie zu einem Elektrobeat tanzen lassen.

Darf man das? Sollte man das? Klagt es gar Tierversuche an? Oder ist das nur ein Kunstgag?

Die junge chinesische Künstlerin Lu Yang, die an der Academy of Art in Hangzhou studierte, lotet Wissenschaft und Spiritualität, Moral und Kunst aus, ihre Möglichkeiten und Verschmelzungen. Sie balanciert auf der Grenze neurowissenschaftlicher Manipulation und taucht dabei in virtuelle Welten ab.

Wie auch in dem Video „Moving Gods“, das 2015 auf der Kunstbiennale in Venedig im chinesischen Pavillon gezeigt wurde und den Heiligenschein in eine Art Martial Arts Schild verwandelt, das Männer auf ihrem nackten Oberkörper tragen während sie durch cheesy virtuelle Welten ziehen.

Oder sie entwickelt eine asexuelle Simulation ihrer selbst und zeigt, wie sie durch Tiefenhirnstimulation in Wahnvorstellungen versetzt wird. „Lu Yang Delusional Mandala“ nennt sie das.

In digitalen Welten ist eben alles möglich. Am liebsten würde Lu Yang sowieso im Internet leben, ohne Grenzen, Nationalitäten und Geschlechtszuordnungen. Sie sieht ihre Kunst als eine Erweiterung ihrer Selbst und nicht als politischen Akt.

Ihre Familie sei sehr religiös gewesen, deshalb beschäftige sie sich mit Spiritualität und ihr Interesse am menschlichen Körper sei entstanden, weil sie als Asthmatikerin in ihrer Kindheit so viel Zeit in der Notaufnahme verbracht habe. Bei Körpern gebe es kein richtig oder falsch, sie sind reines Sein und das fasziniere sie.

Cartoons inspirieren mehr als Museen

Genauso wie die Kollaboration mit Manga-Artists, Musikern und anderen Künstlern. Ins Museum aber geht sie nicht. Sie hat zu viel Angst, die große alte Kunst nicht zu verstehen. Sie zieht ihre Inspirationen aus den Cartoons, die sie jeden Tag schaut, aus Pop und sucht in ihren eigenen Arbeiten nach Dingen, die universell sind, abseits von Geschlecht und Kontinent und davon, ob man Mensch oder Tier ist.

Divers sind ihre Materialien, sie arbeitet mit 3-D-Animationen, Video-Game-Installationen, Neon und Hologrammen, manipuliert Software, lässt gläserne Skulpturen anfertigen und beschäftigt sich mit künstlicher Intelligenz.

Ihr „Delusional Mandala“ ist eine von sechs Arbeiten, die bei Âme Nue zu sehen sind. Im Zentrum steht ihre „Electromagnetic Brainology“, in der die vier Elemente des Buddhismus, Feuer, Wasser, Luft und Erde sich in Superhelden verwandelten, die gegen die Bürden des menschlichen Lebens kämpfen. Wenn das nichts ist!

/ Sabine Danek / Foto: Lu Yang

Galerie Âme Nue
6.9.18, 19 Uhr / Bis 15.9.

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