Kunst statt Brot

Auf St. Pauli fand man es nicht so geil, dass der Aldi schloss. Für die Nachbarschaft zwischen Holstenstraße und Bernstorffstraße verschwand so ein günstiger Nahversorger. Die gute Nachricht: Kein geistloser Investor, sondern ein Kollektiv der Hamburger Kulturszene beerbt den Discounter in der Paul-Roosen-Straße. Da kann man zwar kein Brot kaufen, aber Kunst.

Am 16. Mai eröffnet die Galerie, die zuvor in der Detlev-Bremer-Straße zuhause war. Aus 70 werden dann 1.000 Quadratmeter – eine respektable Fläche für urbane und zeitgenössische Kunst. Die Affenfaust sei dann die größte private Galerie Hamburgs, so das Team. „Die alten Räume wurden der Kunst nicht mehr gerecht. Die Besucherzahlen sind gewachsen und wir wollen der Kunst mehr Luft geben.“

Robert Neuendorf, Fred Schäfer, Lycien-David Cséry und Marcus Schild (v.l.n.r.) bilden die „Affenbande“. Im Jahr 2012 gründeten sie ihre Galerie. In drei Jahren spielten sie sich mit über 50 Veranstaltungen und dem jährlichen Kunstfestival „Knotenpunkt“ ins Bewusstsein der Kulturszene. Das Programm soll nun noch ausgebaut werden: monatliche Ausstellungen, Kunstevents und ein Shop für Kunstdrucke gehören dazu.

Der Haken an der Sache: Der Mietvertrag ist befristet, das Projekt ist zunächst bis Ende des Jahres begrenzt. „Aber mit einer positiven Aussicht auf eineVerlängerung bis 2017“, sagt Cséry.

Die Gruppenausstellung „Das eigene Ich“ weiht die neue Affenfaust ein. Der Hamburger Künstler Elmar Lause kuratiert dafür 44 lokale und internationale Künstlerinnen und Künstler, die sich mit dem Selbstporträt beschäftigen. Sie nähern sich dem eigenen Ich und untersuchen die Gattung in klassischen wie modernen Darstellungsformen. Ein spannendes Feld in Zeiten von allgegenwärtigen Selfies.

Text: Lena Frommeyer
Foto: Tim Brüning

Affenfaust
Paul-Roosen-Straße 43 (St. Pauli)
16.5., 20 Uhr – Vernissage: „Das eigene Ich“