Ausbildung zum Hafenschiffer: Raus aufs Wasser

Thore Tanger, Auszubildender zum Hafenschiffer bei der HADAG Seetouristik und Fährdienst AG, erzählt, warum es ihn schon immer raus aufs Wasser gezogen hat

 

Ob es Zufall war oder ge­plant kann man heute nicht mehr mit Sicherheit sagen, aber seit dem 8.8.1888 fahren die Schiffe der HADAG Seetouristik und Fährdienst AG als Liniendienst im Hamburger Hafen. Heute sorgt die HADAG mit ihren 26 Schiffen in Kooperation mit dem HVV für den sicheren Fährdienst für rund 9,5 (in 2019) Millionen Passagiere pro Jahr. Neben der Ausbildung zum Hafen­schiffer bietet die HADAG ihren Schiffsführern den Erwerb des Bin­nenschifffahrtpatents A, mit dem man in ganz Europa auf den Bin­nengewässern unterwegs sein kann. Wir sprechen mit Thore Tanger und Tanja Cohrt, Betriebsleiterin und Prokuristin, über einen ungewöhn­lichen, aber auch spannenden Beruf, der nicht nur Seetauglichkeit be­nötigt, sondern auch eine große Por­tion Verantwortungsbewusstsein.

 

Moin Thore, was hat dich auf das Wasser getrieben und Lust gemacht eine Ausbildung zum Hafenschiffer zu machen? 

Thore: Die Faszination für Schiffe hatte ich schon ganz früh, mein Vater hat leidenschaftlich gerne Schiffsmodelle gebaut und mich damit infiziert. Wir haben viel gemeinsam gebastelt und mich hat eben auch immer die Technik interessiert. Nach meinem Abitur habe ich auch erst einmal in ein Schiffbau­-Studium reingeschnup­pert, aber es war mir zu theore­tisch. Ich habe einfach gemerkt, dass ich lieber ein Schiff fahren statt konstruieren wollte.

Ihr habt also schon familiär eine große Affinität zu See gehabt, richtig?

Thore: Für uns gab es nichts Schö­neres als am Meer zu sein und haben unsere Urlaube meist an der Ostsee verbracht. Das waren tolle Zeiten.

Für viele unserer Leser planst du sicherlich einen Beruf, von dem sie noch nie gehört haben, was sind die Kernaufgaben eines ausgebildeten Hafenschiffers?

Thore: Speziell hier bei der HADAG ist es natürlich, Passa­giere durch den Hafen zu fahren. Bei anderen Firmen ist das dann auch der klassische Frachttrans­port auf der Elbe. Wir führen die Schiffe aber nicht nur, sondern sind auch mitverantwortlich für die Wartung, um das Schiff ent­sprechend mit in Stand zu halten.

 

Ausbildung zum Hafenschiffer: Das steht im Lehrplan

 

Also kannst du direkt nach der Ausbildung die Schiffe im Hafen selber führen?

Tanja Cohrt: Nach der Hafen­schiffer­-Ausbildung hat man erst einmal den Gesellenbrief. Danach kommt dann die Hafenpatent­-Prü­fung bei der Hamburg Port Autho­rity, die sehr ähnliche theoretische Aufgaben beinhaltet wie die Ge­sellen-­Abschlussprüfung sowie eine praktische Fahrprüfung. Und erst nach dem Ausstellen des Hafenpatentes durch die HPA darf man dann hier selbstständig im Hafen fahren.

Wie läuft denn diese Ausbildung konkret ab? Ich habe gelesen, dass es in jedem Lehrjahr einen anderen Schwerpunkt gibt.

Tanja Cohrt: Das ist sicherlich bei den jeweiligen Ausbildungs­betrieben im praktischen Teil anders. Bei der HADAG liegt naturgemäß der Schwerpunkt beim Personentransport, während andere mehr auf Frachtgut spezia­lisiert sind.

Thore: In der Schule haben wir unterschiedliche Lernstoff­-Mo­dule, die diese unterschiedlichen Bereiche entsprechend in der Theorie behandeln und vertiefen. In jedem Jahr gibt es einen Lern­ Block, der sich dann schwer­ punktmäßig zum Beispiel mit der Passagierbeförderung beschäftigt oder dann mit den Fragen zum Thema Frachtlogistik.

Was hat dich denn motiviert, deine Ausbildung hier bei der HADAG zu machen? 

Thore: Das kommt letztlich auch über mein Hobby. Ein Modelbau­ Freund meines Vaters arbeitet auch hier bei der HADAG und der hat immer wieder davon erzählt, was er hier macht und wie viel Spaß es ihm macht. Das fand ich immer spannend und bekam dann die Chance für ein Bewerbungsge­spräch. Im Rahmen dessen konnte ich mich auch oben auf einem der Schiffe umschauen und ich war einfach Feuer und Flamme.

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Thore Tanger vor einem seiner künftigen Arbeitsplätze

Wie fühlt es sich an, wenn man da oben auf dem Schiffsführerstand steht?

Thore: Erst einmal ist man total neugierig und will wissen, wie das alles funktioniert und träumt schon ein wenig davon, wie es wäre jetzt das Schiff zu bewegen und die Wellen unter einem zu spüren. Und während der ersten Fahrten war es auch total aufregend zu erleben wie die ganze Technik funktioniert und wie man damit so ein großes Schiff bewegen kann.

Was macht dir denn am meisten Freude an deiner Ausbildung beziehungsweise womit würdest du andere junge Menschen überzeugen, auch diesen Beruf zu erlernen? 

Thore: Man muss vor allem auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, denn später bewegt man eben auch sehr viele Passa­giere über das Wasser. Aber wenn man da auch wirklich Lust darauf hat, dann es ist es auch ein tolles Gefühl oben auf der Brücke zu stehen und das Schiff, mit all den Menschen an Bord, über die Elbe und durch den Hafen zu manöv­rieren. Es ist einfach noch einmal etwas ganz anderes, als einen Bus oder Auto zu bewegen. Schon allein die Größe hat etwas Erhabe­nes. Es ist einfach auch schwieri­ger, das Gefühl für ein Schiff in Bewegung zu bekommen, als ein Auto auf der Straße zu kontrollie­ren. Gerade auch hier im Hambur­ger Hafen mit den Tiden und den daraus resultierenden Strömungen braucht man ein sehr feines Fin­gerspitzengefühl, das Schiff exakt zu führen und jedes Schiff reagiert da auch noch einmal sehr eigen.

Man muss ganz sicherlich wind- und wasserfest in deinem Beruf sein. Welche Eigenschaften sollte man zusätzlich noch mitbringen, um in diesem Beruf eine erfolgreiche Ausbildung zu absolvieren?

Thore: Man muss sich sehr gut und lange konzentrieren können. Man darf nicht müde werden, weil das Schiff durch die Strömung immer unterschiedlich in Bewe­gung gebracht wird, dass ist anders als auf einer festen Straße. Darüber hinaus ist im Hafen sehr viel Ver­kehr, und ein Schiff ist nicht ab­rupt zu stoppen oder zu lenken. Es braucht sehr viel Voraussicht, um das Schiff sicher zu führen. Diese Konzentration musste ich auch selber erst einmal trainieren.

Tanja Cohrt: Es braucht eine Zeit, um das richtige Gefühl zu ent­wickeln, wie ein Schiff sich bei bestimmten Strömungs­ und Wind­verhältnissen bewegt. Gerade auch für die Anlegemanöver ist es sehr wichtig, dieses zu beherrschen, denn die Gegebenheiten sind ei­gentlich immer etwas anders. Gerne möchte ich an der Stelle aber noch einwerfen, dass man wirklich eine Bereitschaft für Schichtdienst und Frühaufstehen mitbringen muss. Wir fahren für den öffent­lichen Personennahverkehr des Hamburger Verkehrsverbundes, da muss man absolut pünktlich und ausgeschlafen sein. Es wäre letzt­lich unverzeihlich, wenn wegen uns andere Menschen zu spät zur Arbeit kämen. Ohne Disziplin wird das bei uns dann auch leider nichts.

 

“Ich will einfach raus aufs Wasser”

 

Lag dir das Disziplinierte schon immer, zum Beispiel sehr früh aufzustehen. 

Thore: Anfangs war das schon fordernd. Vor allem meine erste Woche war schon sehr speziell. Erst musste ich um 8 Uhr anfan­gen, am nächsten Tag um sieben, dann um sechs und noch einmal um fünf. Fünf Uhr ist übrigens für uns Azubis der normale Dienst­ beginn. Erstaunlicherweise habe ich mich aber sehr schnell daran gewöhnt, mir liegt das frühe Auf­stehen.

Dich treibt vermutlich deine Freude an deinem Beruf so früh aus den Federn. Hast du denn auch sehr viel mit der Wartung der Schiffe zu tun?

Thore: In der Ausbildung laufen wir häufig im technischen Betrieb mit und durchlaufen dabei auch den ganzen Wartungsvorgang eines Schiffes, das sind dann im­ mer gut zwei Tage, in denen wir sehr viel von den Schiffsmechani­kern lernen. In der Abschluss­prüfung werden wir auch dazu entsprechend geprüft. Später, wenn wir dann im Einsatz sind ist es essenziell, dass wir wissen, wie alles funktioniert, um im Falle eines technischen Defektes auf dem Wasser auch direkt zu erken­nen, was los ist und wie wir uns entsprechend verhalten. Darüber hinaus gehört es zu unserem Beruf täglich unser Schiff visuell zu prü­fen. Im Prinzip ähnlich wie bei den Piloten, die auch ihre Checklisten abarbeiten bevor sie starten.

Hast du denn auch schon eine Vorstellung wie deine berufliche Reise nach der Ausbildung weitergeht?

Thore: Erst einmal will ich dann richtig in meinem Beruf hier bei der HADAG arbeiten und die Schiffe fahren. Andere planen dann vielleicht direkt noch ein Studium zu machen, aber mein Traum war es einfach, ein Schiff zu führen. Ich hatte auch vorher mal mit dem Gedanken gespielt Schiff­fahrtskaufmann zu werden, aber das ist auch eher ein Beruf mit viel Büroarbeit. Ich will einfach raus aufs Wasser.

www.hadag.de

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Ausbildung, 2021. Das Magazin ist seit dem 19. September 2020 im Handel. Bestellt euch das Heft oder Blättert hier durch das Magazin! 

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Ausbildung in der Kreislauf- und Abfallwirtschaft: Über den Tellerrand schauen

Isabell Schack, Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft, und Anna-Lena Franke, Kauffrau für Büromanagement, sind Auszubildende im zweiten Lehrjahr bei der Buhck Gruppe. Beide fühlen sich pudelwohl, auch weil sie aktiv in den regulären Arbeitsalltag eingebunden werden

Die Buhck Gruppe ist seit mehr als 115 Jahren ein familiengeführtes Unter­nehmen mit mehreren Standorten in der Metropolregion Hamburg. Das Unternehmen ist einer der größten Umweltdienstleister in Norddeutschland und in den Ge­schäftsfeldern Abfallverwertung, Rohr­ & Kanalservice und Bera­tungsdienstleistungen aktiv. Ihre 32 Unternehmen verteilen sich auf sechzehn Standorte in Hamburg, Schleswig­-Holstein und Nieder­sachsen. Die Brüder Dr. Henner Buhck und Thomas Buhck leiten das 1899 in Hamburg­Bergedorf gegründete Familienunternehmen bereits in der vierten Generation. Die Buhck Gruppe bildet über alle Standorte verteilt aktuell rund 60 Auszubildende in insgesamt zehn Ausbildungsberufen aus.

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Anna-Lena Franke wird zur Kauffrau für Büromanagement ausgebildet

Guten Morgen ihr beiden, erzählt doch erst einmal, was euch zur Wahl eures Ausbildungsberufes motiviert hat?

Isabell: Mir hat ein guter Freund von seinem Ausbildungsberuf hier erzählt. Er hat mir erzählt, was für tolle Aufgaben er hier hat und dass es sehr viel Spaß macht, mit den Menschen bei Buhck zusammen­zuarbeiten. Das hat mich direkt motiviert, hier erst einmal ein Praktikum zu machen und nach zwei Tagen war mir dann auch klar, dass ich hier sehr gerne eine Ausbildung machen möchte.

Anna-Lena: Nach meinem Schul­abschluss war mir nicht direkt klar, was ich ganz genau machen möchte. Entsprechend habe ich mich mit meinen Freunden aus­getauscht und mir angehört, was die planen oder schon machen. Am Ende hat mich meine beste Freundin, die selbst hier schon in der Buhck Gruppe arbeitet, über­zeugt, weil sie so begeistert von ihrer Arbeit hier erzählt hat. Ich bin selbst ein sehr ordnungslieben­der Mensch und damit kam mir eine Ausbildung im Büromanage­ment sehr entgegen und ich bin sehr glücklich über meine Ent­scheidung.

Und was im Detail ist das Besondere an diesem Unternehmen für euch? 

Isabell: Ich bin hier in der Nähe groß geworden und kenne daher viele, die hier arbeiten oder als Kunden hier entsorgen. Hier herrscht so eine schöne familiäre Atmosphäre, das hat mich sehr überzeugt, neben dem Beruf, den ich einfach spannend finde.

Anna-Lena: Bei mir war es tat­ sächlich dann das Bewerbungs­gespräch. Bei vorherigen Bewer­bungsgesprächen bin ich häufiger mit einem unguten Gefühl raus­gegangen und hier bei Buhck fühlte sich alles richtig an. Schon beim Reinkommen hatte ich das Gefühl, dass es passt und im Ge­spräch wurde immer deutlicher, dass ich das machen möchte. Ich wusste, dass ich hier etwas für meine Zukunft lernen werde und gut betreut bin.

Lasst uns doch bitte einmal in euren Ausbildungsalltag reinschnuppern. Wie sieht ein Arbeitsalltag bei euch aus? 

Isabell: Wir durchlaufen natürlich sehr unterschiedliche Abteilungen, zurzeit arbeite ich gerade an der Waage. Hier fahren die Lkws der verschiedenen Unternehmen vor, die etwas zu entsorgen haben. Ich wiege die dann und händige ihnen die sogenannte Wiegenote aus, mit der sie zur nächsten Entsorgungs­station fahren oder an der Deponie entladen. Bei der Ausfahrt wiege ich dann das leere Fahrzeug erneut zur Preisermittlung. Wenn ich direkt an der Annahme arbeite, kontrolliere ich den Abfall, den die Leute vorbeibringen, um sicher zu stellen, dass die Wertstoffe rich­tig entsorgt werden. Mir macht das viel Spaß, weil es sehr abwechs­lungsreich ist.

Anna-Lena: Bei mir ist das natür­lich auch abteilungsabhängig. Zur­ zeit bin ich in der Abteilung für Sondermüll, da geht es um gefähr­liche Abfallstoffe wie etwa Asbest oder Dämmmaterial. Da gehört vor allem die Beratung der Kun­den zu meinem Job. Ich erkläre ihnen, welche Stoffe als gefährlich eingestuft sind und wie sie damit im Rahmen der Entsorgung umge­hen müssen, kalkuliere die Preise für die jeweilige Entsorgung und erstelle die Angebote und Auftragsbestätigungen. Ebenso erstelle ich behördliche Dokumente wie zum Beispiel Entsorgungsnach­weise und Begleitscheine.

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Isabell Schack wird zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft ausgebildet

Was ist denn das Interessante an eurem Beruf beziehungsweise was macht euch so richtig Freude? 

Isabell: Es ist vor allem der Um­gang mit den Kunden, mit denen man auch mal einen Schnack hal­ten kann. Vor allem lernt man ja auch eine Menge für sich. Es ist extrem spannend zu erfahren, was mit unserem Müll passiert und was aus den Abfallstoffen wieder werden kann. Das ist auch für sein eigenes Zuhause super, man geht mit vielem bewusster um und ist natürlich auch auf einmal ein gern gefragter Ratgeber in der Familie und dem Freundeskreis. Ist doch auch cool, wenn man anderen wei­terhelfen kann mit seinem Wissen.

Anna-Lena: Für mich ist es eigent­lich genauso. Es macht einfach Spaß, zu merken, wenn man Kun­den am Telefon weiterhelfen konn­te, indem man ihnen erklärt, wie etwas abläuft und was zu beachten ist. Und wenn man dann am Ende des Telefonats ein „Danke, Sie haben mir sehr geholfen“ hört, dann macht einen das selber zu­ frieden, dass der Kunde zufrieden ist. Dann freut man sich doch schon wieder direkt auf den nächs­ten Kunden.

Gibt es auch Dinge, die ihr anders erwartet habt? Und jetzt vielleicht noch positiver überrascht seid? 

Isabell: Es ist zum Beispiel klasse, dass wir eine Unterstützung be­ kommen durch eine Kooperation mit Hansefit sportlich aktiv zu sein. Es wird grundsätzlich viel für die Mitarbeiter getan. Beruflich ist es toll, dass ich viel an der frischen Luft arbeiten kann, denn das war immer mein Wunsch. Toll ist ebenfalls, dass wir sehr viel über die wichtigsten Computerpro­gramme lernen und damit inzwi­schen sehr gut umgehen können.

Anna-Lena: Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich bei meiner Aus­bildung primär am Schreibtisch sitze. Das ist aber nicht so, denn auch in meiner Ausbildung bin ich zeitweise in den Abteilungen wie der Annahme, um wirklich alles kennenzulernen. Dadurch lernt man viel besser, die Zusammen­ hänge zu verstehen und kann seine Kunden entsprechend gut beraten.

Mit welchen Argumenten würdet ihr denn einen künftigen Schulabgänger überzeugen, euren Beruf zu erlernen? 

Isabell: Man kann hier über den Tellerrand hinausschauen und dadurch lernen wir deutlich mehr als vielleicht nur wirklich notwen­dig wäre. Man zeigt uns so vieles, damit wir auch die großen Zusammenhänge verstehen.

Anna-Lena: Wir werden hier sehr gut betreut und bei Problemen ist immer jemand für uns ansprech­bar, damit uns direkt geholfen wird. Eigentlich fühlt sich diese ganze Buhck Gruppe wirklich wie eine große Familie an. Man arbei­tet einfach zusammen.

Ihr arbeitet ja im Bereich der Abfallentsorgung und damit auch direkt in der Rohstoffrückgewinnung. Könnt ihr ein paar kurze Tipps geben, worauf man im Alltag wirklich achten sollte? 

Isabell: Es wäre schon viel gehol­fen, wenn wir alle die Mülltren­nung gewissenhaft beachten wür­den. Ein kleines Beispiel sind viele Joghurt­Becher, bei denen das Plastik inzwischen mit Pappe zum Trennen ummantelt ist, wenn jeder das auch täte, könnten wir noch viel besser den Abfall wiederverwerten.

Anna-Lena: Das kann ich nur bestätigen, man merkt halt auch hier bei der Abfallannahme, dass nicht alle Kunden sich vorher Ge­ danken oder die Mühe machen, sauber zu trennen. Mit ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit, kann man viel erreichen. Vielleicht sollte man Abfall auch nicht als Müll sehen, sondern als wichtigen Rohstoff. Und man kann wirklich mehr darauf achten, weniger Ein­wegplastik und dafür eher zum Beispiel eine Mehrwegflasche zu nutzen.

www.buhck-gruppe.de 

 


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Ausbildung bei Bäderland: Wenn aus Leidenschaft ein Beruf wird

Illya Ponomarov, Auszubildender zum Fachangestellten für Bäderbetriebe im Bäderland, meint, dass alles ein Zufall war. Aber wenn man genau hinhört, war es schon immer in ihm

Das Bäderland betreibt an knapp 30 Standorten Schwimmbäder, Saunen, eine Eishalle und weitere ergän­zende Freizeiteinrichtungen mit einem großen Angebot und bietet für jeden etwas, egal ob Freizeit­-Planscher, entspannter Schwim­mer oder (Hobby­-)Athlet. Neben vielen Schwimmkursen und Aqua­ Fitness­-Angeboten gibt es Bäder mit entspannenden Sauna­-Welten, schöne Thermen und in der Kaifu­-Sole, Hamburgs ältestes noch akti­ves Hallenbad, das inzwischen mit Hamburgs größtem Floating­ Becken ausgestattet ist.

Bäderland sorgt aber auch bei seinen Mitar­beiterinnen und Mitarbeitern für ein angenehmes Arbeitsumfeld, mit umfassenden Sozialleistungen und Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung und Ar­beitssicherheit. Ebenfalls ist dem Unternehmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehr wich­tig und bietet seinen Mitarbeite­rinnen und Mitarbeitern – wo möglich – flexible Arbeitszeiten. Das Ergebnis ist eine durchschnitt­liche Unternehmenszugehörigkeit von 15 Jahren. Illya Ponomarov macht seine Ausbildung zum Fach­ angestellten für Bäderbetriebe, ist jetzt am Anfang des zweiten Lehr­jahrs und bestätigt ebenfalls, dass das Arbeitsklima sehr kollegial ist und es nicht nur den Gästen scheinbar viel Spaß im Bäderland bereitet.

 

Hallo Illya, du machst gerade eine Ausbildung zu Fachangestellten für Bäderbetriebe, umgangssprachlich zum Bademeister. Woher kommt dein Interesse an diesem Beruf? 

Illya: Mein Interesse stammt aus dem Schwimmsport. Ich war auf dem Sportgymnasium in Schwerin und habe Schwimmen als Leis­tungssport betrieben. Als ich dann beim DLRG meinen Rettungs­schwimmerschein Silber gemacht habe, habe ich einen angehenden Bäderland­-Azubi kennengelernt, der mir erzählte, dass dieser Schein eine gute Voraussetzung für den Beruf wäre. Man muss ja in der Lage sein, Menschen unverzüglich in Notsituationen zu helfen. Durch den Azubi habe ich das erste Mal von dem Berufsbild erfahren und mich direkt auch bei Bäderland beworben. Inzwischen sind wir hier Kollegen.

Zu eurem Beruf gehört ja deutlich mehr als auf die Badegäste aufzupassen. Kannst du erzählen, wofür ein Bademeister alles verantwortlich ist und was seine Tätigkeiten sind.

Der Beruf ist sehr vielseitig. Ange­fangen bei der Sicherstellung der Betriebsbereitschaft über die Bera­tung und den Einlass an der Kasse, sind wir täglich dafür zuständig, unseren Gästen einen großartigen Tag zu bereiten. Dazu gehört auch die Betreuung in den einzelnen Bereichen und der Schwimm­unterricht – das wichtigste ist aber: immer vorausschauend arbeiten, Gefahren erkennen, bevor sie zum Problem werden und wenn doch mal was passiert, die Situation sofort erkennen und richtig han­deln – Notruf drücken, reinsprin­gen, Leben retten!

Bei Bäderland ist ganz besonders, dass wir in unserer Ausbildung auch den Bereich Sauna erlernen, das heißt Betreuung unserer Gäste und Durchführung von Aufgüssen. Richtig spannend und ebenso wichtig ist die Schwimmbad­-Technik. Unter den Schwimmbecken sind riesige Räume mit den not­ wendigen technischen Anlagen, die auch entsprechend gewartet werden müssen. Das sind zum Beispiel Filteranlagen bis hin zu den Wasserspeichern. Wenn das alles nicht funktioniert, könnten die Gäste nicht den unbeschwerten Spaß haben, den wir ihnen hier Tag für Tag bieten wollen.

Welche Grundvoraussetzungen beziehungsweise Fähigkeiten sollte man für deinen Beruf mitbringen? Außer, dass man sicherlich schwimmen können sollte.

Offenheit, Freundlichkeit, Spaß an der Arbeit mit Menschen, Begeis­terung fürs Schwimmen natürlich und technisches Verständnis ist auch wichtig. Man sollte außerdem in der Lage sein, mit ungewohnten Situationen klarzukommen. Not­fälle erkennen, dann reagieren können, nackte Menschen in der Sauna treffen ist für viele auch erst mal ungewohnt … Aber wir lernen das alles hier ja auch. Ich wusste aber am Anfang auch nicht so genau, was im Einzelnen auf mich zukommt.

 

Auch Rettungsmaßnahmen sind Teil der Ausbildung im Bäderland

 

Was waren denn bisher deine spannendsten oder vielleicht lustigsten Erlebnisse beziehungsweise Erfahrungen, die du bisher gemacht hast?

Eigentlich ist alles spannend, was ich hier täglich erlebe. Das eine besonders herausragende Ereignis gab es bis jetzt noch nicht. Es ist viel mehr so, dass es hier jeden Tag einfach sehr viel Freude macht zu arbeiten. Die Stimmung unter­ einander ist sehr gut, das merken auch die Gäste und können einen entspannten oder eben sportlich­ aktiven Tag genießen.

In eurer Ausbildung geht ihr auch in die Berufsschule, welche Kernfächer habt ihr da? 

Es fängt mit der Betriebstechnik an, da geht es sehr stark um die ganzen technischen Anlagen über­ all im Bad. Wir erhalten ein wich­tiges Basiswissen über die Funk­tionsweisen und wie diese Anlagen aufgebaut sind, um im Falle eines Falles selber sofort zu wissen, was zu tun ist und eventuell gegen­ zusteuern. Ansonsten ist das aber primär der Job unserer ausge­bildeten Anlagentechniker oder entsprechender Fremdfirmen.

Ein weiterer Fachbereich sind die Grundlagen des Schwimmens und das Wissen über die wichtigsten Körperfunktionen und menschli­chen Organe. Das ist relevant, um im Fall einer Wasserrettung auch schnell und richtig reagieren zu können. Des Weiteren haben wir das Thema Kommunikation und den richtigen Umgang mit Gästen, gerade auch in etwas schwierigeren Situationen. Betriebsorganisation und Wirtschaftspolitik stehen auch auf dem Stundenplan. Wir sind am Ende unserer Ausbildung grund­sätzlich in der Lage, ein kleines Bad eigenständig zu betreiben.

Wie ist das denn, ihr müsst doch sicherlich auch gezielt Rettungsmaßnahmen lernen?

Hier im Bäderland haben wir wö­chentlich einen Azubitag an dem wir Azubis ganz spezielles Training bekommen. Dabei vertiefen und festigen wir immer wieder die Rettungsmaßnahmen. Wir lernen also, wie eine in Not geratene Per­son aus dem Wasser geholt wird, wir lernen Tief­ und Strecken­ tauchen und auch in Kleidung gut und sicher zu schwimmen. Ganz wichtig sind dann natürlich auch die regelmäßigen Trainings für lebenserhaltende beziehungsweise wiederbelebende Maßnahmen an einer Reanimationspuppe, die haben wir als Erwachsenen­ und Kinderversion.

Zur Ersthilfe ge­hört auch die Einleitung der Ret­tungskette, das heißt Alarm aus­ lösen und Notarzt alarmieren, so dass im Ablauf der Rettung keine wertvolle Zeit verloren geht. Hier ein kleiner Tipp für den Fall der Fälle: Wir starten mit fünf Initial­beatmungen, dann 30­mal Herz­kompression und danach zweimal beatmen, so lange bis der Notarzt kommt oder der Mensch wieder selbstständig atmet.

 

Illya möchte nach der Ausbildung bei Bäderland bleiben

 

Hast du eigentlich auch über alternative Berufe nachgedacht oder hat sich deine Berufslaufbahn einfach so ergeben, wie du geschildert hast?

Es hat sich wirklich sehr spontan so ergeben. Ich bin nach der 11. Klasse von der Schule abgegangen, statt das Abitur zu machen, und bin wie geschildert an diese Aus­bildung gekommen. Da ich bis dahin schon einige Lehrgänge im Schwimmsport absolviert hatte und als Schwimmlehrer Erfahrun­gen gesammelt habe, hat das wirk­lich auch zu mir gepasst. Der Be­werbungsprozess ging sehr schnell, ich hatte bis dahin noch keine Alternativen, sonst hätte ich viel­ leicht erst einmal ein Jahr als Lieferfahrer arbeiten müssen. Alles hat einfach sehr gut zusammen­ gepasst, ich konnte meine Leiden­schaft fürs Wasser und Schwim­men zum Beruf machen.

Du machst den Eindruck, dass dir alles an deiner Ausbildung gefällt. Was aber gefällt dir besonders gut?

Mir macht es tatsächlich viel Spaß, im Saunabereich zu arbeiten. Ich habe gute Ausbilder, die mir schon viel beigebracht haben und mir noch ganz viel zeigen werden, um unseren Gästen ein tolles Sauna­erlebnis zu bieten. Man kann da so viel auch gesundheitlich gutes Bewirken, mit ätherischen Ölen, natürlichen Aufguss-­Suden aus Kräutern, oder auch mit ausge­feilter Wedeltechnik die Gäste begeistern. Alles natürlich in erster Linie zur Erholung und Entspan­nung. Gesundheit ist das A und O in der Sauna.

Hast du schon eine Idee wie es nach der Ausbildung weitergeht?

Auf jeden Fall möchte ich in dem Beruf weiterarbeiten und vielleicht neben dem Beruf noch ein BWL­ Studium anschließen. Langfristig wäre es klasse, wenn ich bei Bäder­land bleiben könnte denn als zweitgrößtes öffentliches Bäder­unternehmen in Deutschland gibt es hier einfach sehr viele Möglich­keiten. Und dann kann man ja sehen in welcher Position das eines Tages ist.

www.baederland.de


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Ausbildung bei REWE: Zukunft selbst gestalten

Die Menschen machen sich ein zu einfaches Bild von unserem Beruf, findet Alicia Güllnitz, Auszubildende zur Kauffrau im Einzelhandel bei REWE. Ein Gespräch über die Vielfältigkeit ihres Berufalltags

REWE hat über 3.600 Märkte und 19 Logistikstandorte deutschlandweit und bietet vielfältige Ausbildungs­- und Be­rufseinstiegsmöglichkeiten. Das Unternehmensprinzip vom REWE lautet: Kunden zu Fans zu machen und daher steckt das Unterneh­men auch entsprechend viel En­gagement in die Ausbildung ihrer künftigen Mitarbeiter. Alicia Güll­nitz erzählt uns nicht nur über ihre Ausbildung zur Kauffrau im Ein­zelhandel, sondern beweist auch, dass man mit viel Eigeninitiative auch viel Förderung erfährt und einem dadurch viele gute Berufsaussichten und Karrierechancen bei REWE offenstehen.

 

Liebe Alicia, du machst gerade deine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel. Erzähle uns doch bitte einmal, was alles für Aufgaben zu deiner Ausbildung gehören.

Alicia: Erst einmal geht es grund­sätzlich darum, den Markt und die einzelnen Abteilungen kennenzu­lernen und dann immer weiter in die Materie eingeführt zu werden. Aktuell bin ich verantwortlich für die Abteilung Molkereipro­dukte und damit unter anderem zuständig für die Verräumung der Ware und die kontinuierliche Überprüfung des Mindesthaltbar­keitsdatums der einzelnen Pro­dukte und die Ware dann entspre­chend aussortieren. Zusätzlich sind wir auch für das Warenwirtschaftssystem und Vorbestellungen zuständig.

Warum hast du dich entschieden, diese Ausbildung zu machen?

Ich habe ursprünglich als Aushilfe gearbeitet und wurde dann als Vollzeitkraft eingestellt. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe für mich entschieden, dass ich noch weiterkommen möchte und habe dann die Ausbildung begon­nen, um später auch den Handels­fachwirt machen zu können.

Was macht dir am meisten Freude hier bei deiner Arbeit bei REWE?

Richtig toll ist es hier bei der REWE, dass egal in welcher Abtei­lung oder auch in welchem Markt man gerade ist, man sehr gut mit den Kollegen klarkommt. Die Menschen sind hier alle wirklich superfreundlich und man hat auch gemeinsam Spaß bei der Arbeit. Die Führungskräfte behandeln einen auf Augenhöhe und sind auch für uns immer ansprechbar.

Du hast ja schon erwähnt, dass du auch vor deiner Ausbildung bei der REWE gearbeitet hast. Mit welchen Argumenten würdest du einen Schulabgänger überzeugen, bei REWE ebenfalls eine Ausbildung zu machen?

Wenn man gerne mit Menschen zusammenarbeitet und hilfsbereit ist, dann ist der Einzelhandel schon einmal sehr spannend. Der Beruf ist wesentlich vielfältiger als viele eben denken, wir sitzen nicht nur an der Kasse oder räu­men die Regale ein, sondern die Aufgaben, wie schon eingangs beschrieben, sind deutlich viel­ fältiger. Die Menschen machen sich häufig ein zu einfaches Bild von unserem Beruf, der am Ende viel mehr Chancen auch für ein Weiterkommen bietet.

 

Die Ausbildung bei REWE ist vielseitig

 

Was sind denn deine wichtigsten Fächer in der Berufsschule?

Ganz wichtig ist das Fach Waren­wirtschaft und das Beherrschen von Kalkulationen, dass wird häufig unterschätzt. Im Geschäft müssen wir exakt verstehen, wie Einkaufspreise und Verkaufspreise zueinander stehen und wie sie zustandekommen. Warenpräsen­tation ist ebenfalls ein wichtiges Fach, wenn man das nicht be­herrscht wird es auch für den Ab­verkauf schwierig. Es geht eben nicht nur darum, ein Regal einzu­räumen, sondern darum die rich­tige Höhe und Positionierung im Regal so zu berücksichtigen, dass das Produkt den Kunden bestmög­lich präsentiert wird.

Hattest du denn zu deiner Schulzeit auch noch andere Berufspläne? 

Ursprünglich wollte ich gerne Friseurin werden, auch wenn man da nicht so viel verdienen kann, aber der Beruf ist auch schön. Die Ausbildung hatte ich auch begon­nen, musste aber nach einem Jahr abbrechen, da ich leider eine Neu­rodermitis habe, die sich mit die­sem Beruf nicht verträgt. Darauf­ hin bin ich dann auch direkt im Einzelhandel gestartet.

Mal aus deiner Sicht, welche persönlichen Charaktereigenschaften sollte man für diesen Beruf mitbringen?

Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind enorm wichtig, die Kunden müssen sich auf uns verlassen können. Genauso müssen wir immer hilfsbereit und freundlich sein und das auch mal in schwieri­gen Situationen.

Das ist vermutlich gerade nicht immer ganz einfach, oder?

Teilweise hat es sich tatsächlich ein wenig geändert, manche Kunden sind schon merklich gereizter in der aktuellen Corona-­Zeit. Bedeu­tet in unserem Beruf, dass man auch sehr konfliktfähig sein muss. Es war schon ein interessantes Phänomen, das Verhalten einiger Menschen zu beobachten. Anfangs waren wir ja auch quasi Helden, inzwischen ist das aber auch wie­ der abgeflaut, aber entscheidend ist, dass man mit solchen Situatio­nen eben souverän umgehen kann.

 

Karriereförderung in der Ausbildung

 

Du hast es schon anklingen lassen, dass du nach deiner Ausbildung den Handelsfachwirt machen möchtest. Was kann man sich darunter genau vorstellen?

Die Weiterbildung zum Handels­fachwirt kann man als „Meister des Handels“ bezeichnen, da der Abschluss auf Meisterebene ist. Durch den Handelsfachwirt hat man die Möglichkeit in den ver­schiedenen Führungsebenen ein­zusteigen.

Und dein Ziel ist es dann auch einmal Filial-Leitung zu machen?

Das war mal mein ursprüngliches Ziel, aber ich wurde durch REWE schon in den letzten Jahren sehr gefördert und nicht nur innerbe­trieblich, sondern auch darüber hinaus und habe für mich festge­stellt, dass ich gerne in den Außen­dienst möchte und dort Richtung Vertriebsleitung.

Wie bist du gefördert worden?

In einem Azubi-­Seminar habe ich ein Konzept ausgearbeitet und das wurde im Unternehmen weiterge­tragen und ich wurde daraufhin zu einem Gespräch gebeten und da­raus resultierend Aufgaben be­kommen habe, die man als Azubi nicht unbedingt bekommt. Darü­ber habe ich mich riesig gefreut und es ist ein schönes Gefühl, dass REWE einem dann auch das Ver­trauen schenkt und einen fördert, wenn sie sehen, dass man Poten­zial hat und Lust auf seinen Beruf.

Wie sah so ein Sonderprojekt aus?

In einem Konzept ging es um Ab­satz-­Optimierung und wir sollten überprüfen, warum in bestimmten Warengruppen, der Absatz in ei­nem Markt gut war und in einem anderen nicht so lief. Darauf basie­rend durften wir dann Verbesserungsvorschläge ausarbeiten.

www.rewe.de/ausbildung

 


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Täglich neue Erfahrungen: Ausbildung bei HAMBURG WASSER

Melina Heintz, Auszubildende zur Fachkraft für Abwassertechnik und Niklas Felber, Auszubildender zum Elektroniker für Betriebstechnik bei HAMBURG WASSER berichten über ihre Ausbildungen, in der sie beinahe täglich neue Erfahrungen sammeln dürfen.

HAMBURG WASSER ist für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in unserer Stadt tätig und sorgt Tag für Tag, rund um die Uhr, dafür, dass wir in Hamburg eine hervor­ragende Wasserqualität haben. Zum Konzern gehört auch HAM­BURG ENERGIE, der größte Ökostrom­-Anbieter in unserer Stadt. Die Wurzeln von HAM­BURG WASSER reichen bis ins Jahr 1842 als der britische Inge­nieur William Lindley das erste Kanalnetz auf dem europäischen Festland entwarf. Heute ist das Unternehmen ein attraktiver Ar­beitgeber, der inzwischen zum vierten Mal für die Nachwuchsförderung ausgezeichnet wurde. Für den Berufsstart 2021 bietet HAM­BURG WASSER fünf spannende Ausbildungsberufe und ein duales Studium im technischen und im IT­-Bereich an, die aktuellen Aus­schreibungen laufen noch bis Ende Oktober. Für Absolvierende von Ingenieurs­ und kaufmännischen Studiengängen gibt es außerdem ein vielseitiges Traineeprogramm. Die Auszubildenden Melina Heintz, Niklas Felber und Presse­referentin Janne Rumpelt geben uns Einblick in die abwechslungs­reiche Ausbildung bei HAMBURG WASSER.

 

Melina Heintz

Melina ist Auszubildende zur Fachkraft für Abwassertechnik

Hallo Melina und Niklas, erzählt doch bitte erst einmal welche Ausbildung ihr bei HAMBURG WASSER macht und warum ihr euch dafür entschieden habt?

Niklas: Dann fange ich einmal an, ich mache eine Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik. Aktuell bin ich im vierten Ausbil­dungsjahr und mache im Januar meinen Abschluss. Vorher habe ich ein Jahr eine Berufsfachschule für Elektrotechnik besucht und war dort schon von dem Bereich der Elektrotechnik begeistert. Danach habe ich mich bei HAM­BURG WASSER beworben und dort ein wirklich tolles Bewer­bungsgespräch erlebt, nette Men­schen kennengelernt und mich deshalb direkt dafür entschieden.

Melina: Ich mache die Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik und bin inzwischen im dritten Lehrjahr. Da ich die Ausbildung verkürzen kann, bin ich ebenfalls im Januar fertig. Mich hat der Bereich Umwelttechnik schon lange interessiert, deshalb habe ich mich für diese Ausbildung entschieden. In der Schule habe ich schon das Biologieprofil mit Biologie, Physik und Chemie als Ergänzung belegt. Fächer, die jetzt auch sehr wichtig in der Berufs­schule sind. Darüber hinaus wollte ich auch immer etwas machen, wo ich viel draußen bin und nicht nur im Büro sitze.

Warum habt ihr euch für HAMBURG WASSER entschieden?

Melina: Das Unternehmen fand ich einfach toll und die Themen Wasserver­- und Abwasserentsor­gung spannend. Vor allem hat mich auch sehr stark überzeugt, dass man im Bewerbungsgespräch so nett aufgenommen wurde und das ist hier überall der Fall. Man wurde in der Ausbildung nicht wie häufig bei anderen Unternehmen erst einmal geparkt, sondern direkt in den Arbeitsalltag aktiv integrie­ret. Man fühlt sich von Anfang an als Teil des Ganzen hier.

Niklas: Bei mir war es auch so und HAMBURG WASSER ist in gewis­ser Art auch etwas Einzigartiges hier in Hamburg, wo man gerne arbeiten wollte und das ist auch so geblieben. Diese tolle Kollegia­lität, die ich auch schon im Bewerbungsgespräch erlebt habe, erlebe ich bis heute in allen Abteilungen hier im Unternehmen.

 

HAMBURG WASSER ist der größte Ökostrom-Anbieter in Hamburg

 

Niklas Felber

Niklas Felber ist Auszubildender zum Elektroniker für Betriebstechnik

Erklärt ihr kurz einmal die Kernaufgaben von HAMBURG WASSER?

Niklas: Es ist so, dass wir durch die Wasserwerke den gesamten Trinkwasserbedarf in Hamburg decken und in unseren Klär­werken das Abwasser, also das benutzte Wasser und das Regen­wasser reinigen.

Janne Rumpelt: Mit unserem Tochterunternehmen HAMBURG ENERGIE sind wir hier auch der größte Ökostrom-Anbieter in Hamburg. Dadurch sind wir in unserem Konzernverbund sehr breit aufgestellt. Wir leisten die gesamte Trinkwasserversorgung, Abwasserreinigung in Hamburg und bieten zusätzlich eine saubere Energieversorgung an. Das ist natürlich spannend für unsere Auszubildenden, die so Entwick­lungsmöglichkeiten in den ver­schiedensten Bereichen wahrneh­men können.

Versucht doch bitte einmal kurz zu beschreiben, was in etwa die Kernaufgaben eures künftigen Berufes sind.

Niklas: Bei mir geht es im Kern darum, die ganzen Schaltanlagen und messtechnischen Einrich­tungen hier instand zu halten. Bei eventuellen Störungen in den einzelnen Werken geht es dann primär darum, in den Schalt­schränken die Fehlerquellen, wel­che elektronisch oder mechanisch auftreten können, zu ermitteln und zu beheben. Dazu ist es unter anderem wichtig, die einzelnen Schaltpläne auch richtig lesen zu können. Das entsprechende Vor­gehen lernen wir dann eben detail­liert in unserer Ausbildung und wir müssen später ein sehr breites Spektrum beherrschen. Da wir sehr unterschiedliche Werke ha­ben, werden wir von den Teams vor Ort sehr an die Hand genom­men und entsprechend der unter­schiedlichen Situationen exakt geschult und vorbereitet, um spä­ter bestens gewappnet zu sein. In meinem zweiten Lehrjahr war ich gerade vor Ort als ein Schalt­schrank komplett neu eingerichtet werden musste. Ich durfte dann direkt nach dem Schaltplan und nach der Funktion passenden Reihenklemmen und die daran angeschlossenen Betriebsmittel miteinander verdrahten, entspre­chende fachliche Messungen durchführen. Im Anschluss konnte man in der Leitwarte auf den Monitoren zur Überwachung feststellen, ob die entsprechenden und erwarteten Signale ankom­men und alles funktionstüchtig ist. Das war sehr spannend und es selbst auszuführen, statt nur über die Schulter zu schauen, war vor allem sehr lehrreich.

Melina: Nach der Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik sind wir ebenfalls sehr breit auf­ gestellt, weil wir sehr viele Abtei­lungen durchlaufen. Der Großteil ist bei uns aber der Netzbetrieb an den unterschiedlichen Standorten hier in Hamburg. Primär bin ich im Netzbetrieb Nord in Volksdorf. Dort arbeiten wir viel mit dem Kanalfernauge, einer kleinen Kamera, die zum Einsatz kommt, wenn die Rohre sehr eng sind. Da­ bei werden dann die Siele, so wer­ den bei uns in Hamburg die Ab­wasserkanäle genannt, auf Schäden untersucht beziehungsweise Abla­gerungen an den Rohren aufgespürt. Die Untersuchungen werden zur routinemäßigen Inspektion oder etwa bei einem Sieleinbruch oder auch Rattenbefall durchge­führt. In unserem Netzbetrieb in Hamburg Billbrook durfte ich eine komplette Begehung mitmachen und das bedeutet direkt 27 Meter runter in so ein großes Siel. Das sind dann auch Dimensionen da unten, die man sich kaum vorstel­len kann, die Rohre haben da bis zu drei Meter Durchmesser. Dort macht man dann die Kontrolle des Zustandes mit den Augen und ohne Kamera. Ebenso gehört es zu unseren Aufgaben mit entsprechen­ den Großgeräten etwa Schlamm in den einzelnen Sielen zu entfernen, mit einem anderen Spezialgerät reinigen wir dann auch die Stra­ßenabflüsse für das Regenwasser.

 

„Wir werden umfassend ausgebildet“

 

Klingt sehr umfangreich und interessant.

Melina: Das ist es auch. Am ELB­CAMPUS von der Handwerks­kammer haben wir einen vier­ wöchigen Laborkurs, in dem wir entsprechende Grundlagen ver­mittelt bekommen, die man vor allem benötigt, wenn man später in einem Klärwerk arbeitet. Dort ist es nämlich sehr wichtig, die ganzen Abwasserwerte und Rück­stände im Schlamm richtig zu messen und zu analysieren. Wie gesagt, wir werden wirklich um­ fassend ausgebildet.

Genauso ge­hört auch bei uns ein Elektrotechnik-­Kurs dazu. Wir können bei Wunsch auch in anderen Ab­teilungen hospitieren, wie etwa in unserem Kundencenter. So kön­nen wir auch andere Seiten einmal kennenlernen und Kontakte im ganzen Unternehmen knüpfen. Die Ausbildung kann man hier tatsächlich auch entsprechend der eigenen Interessen und in Ab­stimmung mit dem Ausbildungs­team anpassen.

Könnt ihr beide bitte noch einmal zusammenfassen, was euch besonders gut an eurer Ausbildung gefällt?

Melina: Ich finde es super, dass ich viel draußen bin und von der Um­welt viel mitbekomme. Eigentlich ist kein Tag wie der andere, man hat viel Abwechslung und lernt immer wieder neue Tätigkeits­felder kennen und die Arbeit mit den unterschiedlichen Kollegen macht einfach viel Spaß.

Niklas: Die ganze Ausbildung läuft sehr strukturiert ab. Im Hambur­ger Ausbildungszentrum besucht man viele Fachkurse und merkt immer wieder, dass man das Er­lernte sehr gut in der Praxis an­ wenden kann. Das ist einfach top.

Wolltet ihr eigentlich immer schon in diese berufliche Richtung gehen oder hattet ihr noch andere Pläne im Kopf?

Niklas: Bei mir war es immer schon diese Richtung, deswegen habe ich ja auch die Berufsfach­ schule für Elektrotechnik besucht. Bei der Suche nach einem Ausbil­dungsplatz bin ich dann auf HAM­BURG WASSER gestoßen und so hat sich mein Weg dann verfestigt und ich bin sehr zufrieden damit.

Melina: Anfangs war das gar nicht unbedingt mein Traumberuf und wahrscheinlich kommt man als Jugendliche auch nicht unbedingt gleich auf die Idee, Fachkraft für Abwassertechnik zu werden. Aber ich wollte unbedingt im Bereich Umwelt eine Ausbildung machen und diese Ausbildung war eigent­lich das Einzige, was ich hier im Umkreis machen konnte.

Und ich wollte einfach auch gerne in Ham­burg bleiben. Jetzt bin ich begeistert und glücklich mit meiner Entscheidung. Diese Ausbildung eröff­net mir auch noch viele Möglich­keiten, mich mit einem Studium im Bereich der Umweltwissenschaften weiterzubilden und aufgrund der Größe unseres Unternehmens bieten sich hier auch noch viele Möglichkeiten sich intern beruflich weiter zu qualifizieren.

www.hamburgwasser.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Ausbildung, 2021. Das Magazin ist seit dem 19. September 2020 im Handel. Bestellt euch das Heft oder Blättert hier durch das Magazin! 

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Hotelfachausbildung: Abwechslungsreich und vielseitig

Im Interview erzählen Marie von See, ausgelernte Hotelfachfrau im HENRI Hotel Hamburg, und Felix Börger, Auszubildender zum Hotelfachmann im Hotel Louis C. Jacob, über eine Ausbildung, die sie auch persönlich sehr prägte

Neben dem 5­-Sterne­-Hotel Louis C. Jacob direkt an der Elbe sowie den HENRI Hotels gehören auch die A-­ROSA Resorts, die aja Resorts, das Hotel Neptun und das CARLS an der Elbphilharmonie zur DSR Hotel Holding. Zwölf verschiedene Aus­bildungsberufe und die Möglich­keit, in den unterschiedlichen Un­ternehmen der Gruppe Erfahrun­gen zu sammeln, geben eine her­vorragende Grundlage für viele Karriereoptionen in der Zukunft. Die klassische Hotelfachausbildung bietet nicht nur ein breites Spekt­rum im Rahmen der Ausbildung, sondern auch eine sehr gute Platt­form zur Persönlichkeitsentwick­lung. Man reift im Umgang mit anderen Menschen und wird sich selbst immer ein wenig bewusster.

Felix Börger und Marie von See sind von ihren Ausbildungen begeistert

Schön, dass ihr Zeit für uns habt. Erzählt doch bitte zum Beginn erst einmal welche Ausbildung ihr macht und warum ihr euch dafür entschieden habt?

Felix: Ich lerne Hotelfachmann im Louis C. Jacob und habe mich dafür entschieden, weil ich immer schon sehr weltoffen war und auch gerne auf fremde Menschen zu­gehe. Während meiner Schulzeit habe ich auch schon hin und wie­ der im Event­-Catering gearbeitet und das hat mir immer viel Spaß gemacht. Darüber hinaus bin ich ein sehr bewegungsfreudiger Mensch und brauche daher einen Beruf, in dem ich nicht nur ganz­tägig am Schreibtisch festsitze.

Marie: Seit Juli bin ich frisch aus­ gelernte Hotelfachfrau und für mich war die Ausbildung auch erst einmal als Sprungbrett geplant, weil man in diesem Beruf so viele unterschiedliche Dinge lernen und in sehr verschiedene Bereiche hineinschauen kann. Mit unserer Ausbildung findet man auch sehr gut überall auf der Welt einen Job. Bei mir war es letztlich ein wenig Zufall, dass ich in diesem Beruf gelandet bin, aber es hat mich sehr glücklich gemacht.

Ihr arbeitet ja in unterschiedlichen Betrieben, einmal im HENRI Hotel und im Louis C. Jacob. Was waren für euch die Gründe, dort eure Ausbildung zu machen?

Marie: Wie gesagt, es war ein schöner Zufall. Ich habe mich im Internet umgeschaut, weil ich ur­sprünglich gar nicht aus Hamburg komme und bin dabei auf das HENRI Hotel gestoßen. Das Hotel machte so einen schönen heime­ligen und gemütlichen Eindruck und ich habe mich einfach bewor­ben, und im Gespräch war mir schon direkt klar, dass ich hier arbeiten will. Mich selber würde ich als sehr individuell und eigen­ ständig bezeichnen und das HENRI ist da genauso. Hier kann man mehr man selbst sein und muss nicht so sehr mit Standard­ floskeln hantieren.

Felix: Bei mir war auch klar, dass ich nach Hamburg will und ich wollte unbedingt in einem 5­-Ster­ne-­Haus alles von der Pike auf lernen, um eine sehr gute Grund­lage zu haben, auf der man seine berufliche Zukunft gut aufbauen kann. Für das Louis C. Jacob habe ich mich dann auch direkt ent­schieden. Im Vergleich zu anderen Gesprächen, die ich geführt habe, wurde man hier sehr, sehr herzlich empfangen. Diese familiäre Atmo­sphäre war auch beim Einfüh­rungstag immer zu spüren und diese Kollegialität erlebe ich seit­ dem täglich.

 

Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl

 

Was waren denn bisher eure schönsten Erlebnisse beziehungsweise Erfahrungen, die ihr bisher machen durftet? 

Felix: Zwei Tage vor Silvester gibt es bei uns immer die Küchenparty, für mich war es ein echtes High­light. In der Küche wird eine Bühne aufgebaut, auf der eine Band spielt und es wurde reichlich Flying Food geschickt. Für uns ist das auch etwas Besonderes als in unseren Bankett­ oder Restaurant­ räumen unsere Gäste zu bedienen. Und die Gäste feiern diesen sehr außergewöhnlichen Moment, bei uns direkt in der Küche sein zu dürfen, natürlich auch sehr. Wer hat schon die Gelegenheit in unsere Back-­Bereiche reinzu­schauen. Die Stimmung war auf jeden Fall sehr cool.

Marie: So diesen einen ganz beson­deren Moment kann ich gar nicht so benennen. Für mich ist das wirklich Schöne, dass wir hier im HENRI sehr viele Stammgäste haben und es ist toll, wenn ich zum Beispiel direkt am Telefon einen Gast wiedererkenne. Mit Stammgästen hat man eine andere Bezugsebene und fängt auch mal an, privat zu schnacken. Es gibt ein Pärchen, das hier häufig Gast ist und das fragt direkt nach mir. Ich freue mich total, dass ich wohl in guter Erinnerung geblieben bin. Das ist doch ein tolles Kompliment.

Eine Ausbildung ist der erste richtige Schritt ins sogenannte Erwachsenenleben. Habt ihr für euch ganz persönlich schon Veränderungen wahrgenommen? Seht ihr bestimmte Dinge im Leben heute vielleicht etwas anders als zur Schulzeit? 

Marie: Das kann ich unterschrei­ben. Im Hotel ist man ganz gut im Einsatz und manchmal auch mit mehreren Dingen beschäftigt. Inzwischen habe ich gelernt, dass ich mich nicht stressen lasse, wenn ein Gast gerade dann direkt etwas haben möchte. Denn mit der rich­tigen und höflichen Ansprache kommt eigentlich bei jedem Gast das Verständnis, wenn es noch einen kleinen Moment dauert. Mein Selbstbewusstsein ist durch diese Erfahrung deutlich gewach­sen und ich übernehme inzwi­schen viel selbstverständlicher Verantwortung.

Felix: An meinem 18. Geburtstag bin ich zu Hause raus, aus meiner Heimat weggezogen und habe am nächsten Tag meine Ausbildung begonnen. Das war schon eine ganz schöne Umstellung, den Berufs­alltag und dann die private Selbst­versorgung ohne Mama und Papa unter einen Hut zu bringen. Inzwi­schen finde ich es sehr toll auf eigenen Beinen zu stehen und von meinem Gehalt auch unabhängig leben zu können. Das hat auch mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben.

 

Blick über den Tellerrand

 

Welche persönlichen respektive charakterlichen Eigenschaften haltet ihr für essenziell, um in eurem Beruf zufrieden und erfolgreich zu sein? 

Felix: Wichtig ist auf jeden Fall, das, was Marie gerade angespro­chen hat. Man muss auf jeden Fall stressresistent sein und auch in fordernden Situationen ruhig bleiben und den Überblick be­halten. Wenn man das nicht beherrscht, ist die Gefahr groß hektisch zu werden und unnötige Fehler zu machen. Ebenso wichtig ist es, dass man sich viele Dinge nicht persönlich zu Her­zen nehmen darf. Es gibt immer wieder Situationen, in denen ein Gast unzufrieden ist und das vielleicht an einem auslässt, auch wenn man nichts für die Situation kann. So ist eben das Leben und da muss man mit einem Lächeln darüber hinweg­ sehen können.

Marie: Wahrscheinlich braucht man Teamfähigkeit in vielen Berufen, bei uns im Hotel ist es aber enorm wichtig. Alle Be­reiche sind sehr aufeinander angewiesen und man muss über seinen eigenen Tellerrand auch hinausschauen. Bei Bedarf muss auch schon mal in einem ande­ren Bereich ausgeholfen werden, wenn es eng wird. Denn am Ende muss die gesamte Performance so stehen, dass die Gäste voll und ganz zufrieden sind. Dabei kann es vielleicht auch mal patzig zu­ gehen. Aber am Ende sind wir eben doch eine Familie und kann damit dann auch umgehen. Ist doch super, wenn man sich hin­terher anschaut und sagen kann: „Das haben wir cool gerockt.“

Könnt ihr kurz beschreiben, welche die wesentlichen Abteilungen sind, die ihr in eurer Ausbildung durchlauft?

Marie: Bei mir waren es das Housekeeping und hier im Haus der Buffetservice. Den klassischen Tischservice habe ich im Carls an der Elbphilharmonie gelernt, das auch zu unserer Gruppe gehört. Eine tolle Erfahrung. Dann war ich natürlich auch in der Küche, pri­mär mit vorbereitenden Tätigkei­ten beschäftigt, aber ich habe auch das eine oder andere zu kochen gelernt. Dann war ich in der Re­servierung und abschließend war ich in der Technik, am Empfang und auch auf Stippviste im Marke­ting unserer Holding.

Felix: Im Carls war ich auch. Da lernt man wirklich sehr viel, gera­de auch eigenständiges und selbst organisiertes Arbeiten. Im Hotel war ich Page, habe Koffer aufs Zimmer und Autos in die Garage gebracht. In so einem Bentley zu sitzen, das hat schon was, auch wenn es nur ein paar Meter sind. Das Housekeeping erwartet mich noch, am Empfang war ich schon. An unserer Bar habe ich gearbeitet sowie in unserem Sterne­-Restau­rant unter Thomas Martin und in Teilbereichen unserer Administra­tion habe ich auch schon reinge­schaut. Und fast vergessen, auch im Bankett­-Bereich war ich auch.

Fasst doch mal kurz zusammen, warum man eure Häuser einmal besuchen sollten?

Felix: Es gibt keinen besseren Ort als auf unserer Lindenterrasse einen Drink zu nehmen und dabei den Sonnenuntergang mit einem großartigen Blick auf die Elbe zu genießen. Vielleicht sieht man ein Containerschiff vorbeifahren, was soll noch schöner sein? Und wer dann noch in unsere exquisite Karte schaut, will gar nicht mehr weg.

Marie: Wenn man in Hamburg Urlaub machen möchte und hier nach einem zweiten Zuhause sucht, ist man bei uns im HENRI bestens aufgehoben. Wir bieten ein tolles, heimeliges Ambiente und man kann sich hier doch sehr leger bewegen, an den Kühlschrank in der Lobby gehen und es sich auf den Sofas gemütlich machen – eben wie daheim, Kopf ausschalten und einfach entspannen.

www.dsr-hotelholding.de


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Beruf mit Tradition: Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin

Marielle Müller, Auszubildende zur Brauerin und Mälzerin bei der Ratsherrn Brauerei GmbH, wollte ursprünglich nur auf Führungen andere für Ratsherrn begeistern, doch dann entbrannte ihre Leidenschaft endgültig für diesen Beruf

Die Ratsherrn Brauerei hat zwar eine lange Tradition, die nutzt man hier aber nicht, um sich darauf auszuruhen. Schon wenn man in das Unter­nehmen hineinkommt spürt man überall eine fröhliche und leben­dige Umtriebigkeit. Ratsherrn nutzt sein langes Brauwissen, um immer wieder mit neuen Innovationen neue Geschmackserlebnisse zu erzeugen. Das Einzige, was man hier als bierernst bezeichnen könnte, ist die Gewissenhaftigkeit, mit der hier alles kreiert wird: von den erstklassigen Brau­Produkten bis zur detailverspielten Ausstat­tung. Und dafür bekommt dann auch nicht ohne Grund drei Mal Gold beim Meininger Internatio­nal Craft Beer Award.

Moin Marielle, erklärst du einmal direkt zu Beginn wie du auf diesen Berufswunsch gekommen bist? 

Marielle: Okay, die Berufswahl ist vielleicht nicht so ganz typisch, aber ich habe auch schon vorher einen Beruf erlernt, der nicht so ganz gewöhnlich ist. Ich bin Milchtechnologin und mich hat immer schon sehr interessiert, wie ein Produkt entsteht, das ist sicher­lich der Grund. Nach meiner ers­ten Ausbildung bin ich dann nach Hamburg gezogen und habe Rats­herrn kennengelernt. Ich fand die Brauerei und ihre Produkte sehr nice und wollte mehr über das spannende Unternehmen erfahren.

Was hat dich denn dann dazu gebracht, unbedingt noch eine zweite Ausbildung hier bei Ratsherrn absolvieren zu wollen? 

Es begann mit einer Brauereifüh­rung, die ich mitgemacht habe. Als Besucher war ich schon total be­ geistert, wie das hier läuft. Es war so ganz anders, als ich es bisher bei anderen Brauereiführungen ken­nengelernt habe. Bei den anderen wird man nur mal so durchgeführt und zum Abschluss gibt es halt das Bier. Hier bei Ratsherrn wird man auch als Besucher erst einmal durch ein junges Team sehr herz­lich aufgenommen. Auf der Füh­rung wird dann viel ausführlicher über die gesamte Bierhistorie erzählt und dann speziell über die Hamburger Biertradition, die vielen wahrscheinlich gar nicht so bewusst ist. Bei Ratsherrn ver­kostet man dann sehr unterschied­liche Biere und bekommt einen tollen Eindruck über die Vielfalt, die möglich ist und bei Ratsherrn eben auch gebraut wird. Zu jedem Produkt gibt es eine schöne Ge­ schichte, die erzählt wird. Das wollte ich dann auch machen.

Was passierte dann?

Dann habe ich mich erst einmal beworben, auch diese Führungen und Verkostungen machen zu dürfen. Seit November 2019 habe ich das dann auch mit viel Freude gemacht. Abends bin ich dann immer noch einmal rüber zu den Brauern, um mit denen gequatscht und einfach gespürt wie mein Herz für diesen Beruf schlägt. Es ist einfach ein sehr junges, entspann­tes und vor allem innovatives Team hier, dass macht Ratsherrn auch so besonders. Man folgt hier keiner Norm. Das sieht man schon, wenn durch den Store geht und die Vielfalt der hier gebrauten Biere sieht. In unserer Mikro­Brauerei werden ständig neue Biere kreiert, hier gibt es keinen Stillstand.

 

Geschmacksvielfalt und Brauqualität

 

Den Punkt nehme ich mal gerne auf. Ihr braut ja auch sehr viele Spezialitäten – Stichwort Craft Beer. Erklärst du einmal, was bei euch der Unterschied zu den sogenannten Konzern-Bieren ist.

Das Spannende ist, dass hier eben nicht primär auf Masse produziert wird, sondern Geschmacksvielfalt und Brauqualität im Vordergrund steht. Gerade beim Geschmacks­erlebnis versuchen wir uns ständig weiterzuentwickeln, um die Men­schen dazu zu bringen, nicht im­ mer das Gleiche zu trinken. Ich selber war ja auch so eine typische Pilstrinkerin und war total über­rascht als ich die New Ära Biere hier probiert habe. Großartig, was alles möglich ist und damit wollte ich mich einfach intensiver be­schäftigen. Die Vorstellung, die Hamburger für ihre Hamburger Bier zu begeistern, finde ich groß­artig. Und Ian, einer unserer Braumeister, steckt mich geradezu an mit seiner Akribie, immer wieder etwas Neues zu entwickeln.

Gib uns doch einmal einen kleinen Einblick in deinen Ausbildungsalltag.

Durch meine vorherige Ausbildung habe ich schon einige Erfahrungen und Kenntnisse im Lebensmittel­bereich gesammelt und konnte daher auch direkt im zweiten Aus­bildungsjahr beginnen. Insofern weiß ich über einige wesentliche Dinge für die Lebensmittel­ und Genussbranche, wie etwa Hygiene, sehr gut Bescheid. Insofern geht es für mich natürlich auch ganz konkret darum, die Geheimnisse des Bierhandwerks zu erlernen. Genauso wichtig ist das Erlernen eines guten Gespürs für die Qua­litätskontrolle der Zwischenpro­dukte, zum Beispiel die Würze, aus denen dann das Bier entsteht. Wir lernen sehr viel über die Abfülltechnik, spannend war da mein erster Monat in der neuen Abfül­lung, die hier gebaut wurde, und ich bei der Inbetriebnahme dabei sein konnte.

Du wirst ja auch Mälzerin. Was passiert in einer Mälzerei?

Da wird das Malz vorher geröstet bzw. gedart, das bedeutet getrocknet, bevor es dann später verarbei­tet wird.

Welche Schwerpunkte habt ihr in der Berufsschule?

Das sind sehr verschiedene Be­reiche. Im Kern sind es Fächer zur Lebensmittelkunde und ganz wich­tig sind auch die Technologien, um zum Beispiel zu verstehen, wie Pumpen und vieles mehr funktio­niert. Wir lernen viel über Wasser­aufbereitung und Energiegewin­nung. Themen, die man vielleicht nicht so präsent hat, aber für einen reibungslosen Brauvorgang sehr wichtig sind. Sonst gibt es eben auch kein Bier. Dann kommen noch die Klassiker wie Mathe und Politik beispielsweise dazu.

 

„Es ist großartig, nach Feierabend mit einem selbst ge­brauten Bier dazusitzen“

 

Was bereitet dir am meisten Freude an deiner Ausbildung?

Es ist einfach großartig, nach Feierabend mit einem selbst ge­brauten Bier dazusitzen und genau zu wissen, wie es geht und was dahintersteckt. Es ist toll zu wissen wie die unterschiedlichen Ge­schmacksrichtungen entstehen und auch andere Menschen dafür zu begeistern. Ich liebe es einfach über meinen Beruf zu erzählen, und die meisten möchten darüber auch viel lieber etwas hören, viel mehr als über Milch. Wer hätte das gedacht. Das ganze Paket ist einfach schön hier. Es ist ein tolles Team und mir wird viel erklärt und ich wurde hier sehr gut aufgenommen. Darüber hinaus darf man hier sehr selbstständig arbeiten und genießt ein schönes Vertrauen innerhalb des Kollegen­kreises.

Gibt es eigentlich Eigenschaften, die man braucht, um eine gute Brauerin und Mälzerin zu werden?

Man muss auf jeden Fall Bier mögen, das ist ja klar. Wirklich wichtig ist aber, dass man hand­werklich begabt ist und man muss mit anpacken können. Was auch nicht schadet, ist ein gutes Impro­visationstalent, damit man sich selbst zu helfen weiß, wenn mal etwas nicht gleich richtig funktio­niert, etwa wenn eine Verschrau­bung sich nicht problemlos löst. Einfach mal um die Ecke denken hilft. Man sollte sich einfach für sein Fach interessieren, nicht nur für das Endprodukt, sondern für die Geschichte, die Rohstoffe. Im Prinzip für alles, was hinter und in so einem Produkt drinsteckt.

Also einfach über den Bierglasrand hinausschauen. Hast du heute schon konkrete Vorstellungen, was du nach deiner Ausbildung machen möchtest? 

Klar denke ich darüber nach, aber ich bin mir noch nicht so ganz sicher. Wenn ich darf, möchte ich sehr gerne hier in der Brauerei bleiben. Cool wäre lang­fristig geplant, wenn ich Bier­Sommelier werden könnte und die ganzen Aromenunterschiede beherr­schen würde, um gegebenenfalls auch Fehlaromen genau herauszuschmecken. Genauso kann ich mich auch für Marketing und Design begeistern und auf der Ebene kreativ sein. Wenn man sich bei Ratsherrn umschaut und sich nur alleine einmal die unter­ schiedlichen Etiketten anschaut, dann sieht man wie viel Herzblut in die Ausgestaltung gesteckt wird. Hier im Unternehmen ist alles irgendwie kreativer und kein Standard. Aber zuallererst mache ich erst einmal meine Ausbildung fertig, um dann richtig in den Beruf als Brauerin zu starten.

Wenn du also eventuell Richtung Sommelier gehst, dann passt meine letzte Frage ja ganz gut. Was ist für dich das Besondere an einem guten Bier?

Sicherlich hat das auch mit ganz viel persönlichem Geschmack zu tun, ein eingefleischter Pilstrinker wird einem sicherlich sagen, dass ein Bier nur so schmecken darf, wie er es gewohnt ist. Hier bei Ratsherrn habe ich ja auch erst wirklich die Vielfalt kennengelernt und inzwischen kommt es bei mir sehr auf die Stimmung oder Situation an. Das kann schon die Jahreszeit sein, unser Moby Wit ist für mich zum Beispiel ein tolles Sommerbier, weil es sehr erfrischend ist. Für mich ist ein gutes Bier ein Bier aus einer Brauerei, die auch Abwechslung bietet.

Im Prinzip entwickelt sich doch der Biergenuss ein wenig so, wie wir es vom Wein kennen. Unterschiedliche Geschmacksangebote für unterschiedliche Anlässe oder auch Gerichte.

Genau richtig. Deswegen machen wir hier bei Rats­herrn auch Führungen, bei denen zu den untesrchied­lichen Bieren unterschiedliche Speisen verkostet werden können. Ich habe mal ein sehr starkes Bier, das Imperial, ein Pilsener mit 7,5 Prozent, mit einem Cheddar­Käse zusammen probiert und das hat total gut geschmeckt. Entsprechend kann man zu Hause wirklich mal ausprobieren, welches Ratsherrn zu welchem Gericht am besten schmeckt. Wir kreieren hier immer wieder etwas Neues, zum Beispiel kommt demnächst unser Hamburg Hell auf den Markt. Es macht einfach Freude, immer wieder dabei zu sein und mitzumachen, wenn etwas Neues entsteht.

www.ratsherrn.de


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Mitten rein: Studienstart im Lockdown

Eigentlich sollte im März die beste Zeit ihres Lebens beginnen. Doch diese wurde zur unsichersten: Svea Fischer und David Abel starteten mitten in der Corona-Hochzeit in ihr Studium: David Medien- und Kommunikationsmanagement an der Macromedia. Svea Bekleidung, Technik und Management an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW)

Interview: Markus Gölzer

 

Svea Fischer und David Abel (Foto: Leon Bültmann)

Uni-Extra: Wie habt ihr im Studium den Übergang in die Corona-Zeit erlebt? 

David: Ich war zwei Tage an der Uni, dann ging der Shutdown los. Das war für das erste Semester nicht das Schönste. Uns wurde gesagt, ok, das Studium findet eine Woche später statt. In dieser Woche wurden wir informiert, dass alles komplett online stattfindet. Wir wurden darauf vorbereitet, dann gingen die Online-Vorlesungen los.

Svea: Ich war in der Orientierungswoche. Am Freitag wäre eine Begrüßungsparty gewesen, die aber schon nicht stattfinden konnte. Am Montag darauf hätte es eigentlich angefangen, aber dann war Lockdown, und es hat ein bisschen gedauert, bis wir auf Online umspringen konnten. Es war anders als bei David, weil unsere Uni nicht so richtig vorbereitet war. Deshalb hat sich alles nach hinten verschoben.

Wie liefen die Online-Vorlesung ab? 

David: Ich habe jeden Tag Vorlesungen gehabt, live alles miterlebt, konnte mit den Professoren reden. Wir waren 25 bis 30 Leute, manchmal auch 40, das lief ganz gut. Heißt, der Professor war durchgehend zu sehen, man konnte mit ihm sprechen, man konnte auch die anderen sehen. Es war sozusagen die beste Lösung.

Svea: Ähnlich wie bei David. Der Professor hatte dauerhaft seine Kamera an, damit man weiß, wer zu einem spricht. Das war eigentlich ganz nett. Die Kommilitonen hatten die Kamera nicht an. Wenn man eine Frage hatte, hat man sein Mikrofon angemacht, was gesagt und sein Mikrofon wieder ausgemacht. Hauptsächlich hat der Professor gesprochen. Es war ein Zuhören, es ist nie ein Gespräch oder eine Diskussion entstanden.

Wie kamen die Professoren zurecht? Gab es unterschiedliche Herangehensweisen?

Svea: Manchmal wussten die Dozenten nicht, wie man mit den Programmen umgeht, weil es kaum Vorbereitungszeit gab. In Mathe und Chemie hat unser Professor Videos hochgeladen mit Aufgaben, die wir erledigen mussten. Das war nicht live. Dann gab es leider auch Kurse, wo wir gar nichts hatten. In BWL bekamen wir eine E-Mail mit einem Artikel, den wir durchlesen sollten. Andere haben häufig Folien von der Vorlesung hochgeladen, die man sich selbst angeguckt hat. Richtig gut geklappt hat das nicht, weil es von Kurs zu Kurs unterschiedlich war. Jeder Professor hat das so gemacht, wie das für ihn am besten war.

David: Die wurden in der ersten Woche geschult, damit sie mit dem Programm „Teams“ arbeiten konnten. Mit der Zeit hat jeder dazugelernt. Wir haben uns gegenseitig geholfen, haben gezeigt, wie die Dinge funktionieren. Zwischenzeitlich war es etwas hektisch, aber insgesamt hat es gut funktioniert.

Haben die technischen Voraussetzungen gestimmt? Konnten eure Unis die Datenmengen stemmen? 

David: Die Uni war gut vorbereitet. Auch als Schüler musste man bereitstehen. Ich hatte das Glück, dass ich das ganze technische Material zu Hause hatte. Es gab auch viele, die sich ein iPad kaufen mussten, weil sie nur einen schwachen Windows-Rechner vom Vater hatten und deshalb die ersten beiden Wochen nicht dabei waren.

Svea: Wir hatten den E-Mail-Verteiler von der Uni, und da kamen schon öfter mal Mails rein, dass der Server wieder abgestürzt wäre. In den Vorlesungen war zwischenzeitlich mal die Dozentin zehn Minuten vom Bildschirm verschwunden. Von der Studentenseite her war es so, dass man zu Hause die Voraussetzungen wie gutes WLAN brauchtest.

Gab es Kommilitonen, die wegen Geldmangels ins Hintertreffen gerieten?

Svea: Das weiß ich nicht, weil ich nur mit wenigen Leuten zu tun hatte. Aber es kann natürlich sein. Wir sind ungefähr 45 Leute und die Teilnehmerzahl hat immer so zwischen 25 und 35 geschwankt. Es war nie vollständig. Und das könnte natürlich daran liegen, dass die keine Möglichkeit hatten, auf einen Computer zuzugreifen.

David: Ja. Viele. Das Image einer Privatschule ist immer: Das Studium wird von reichen Eltern finanziert. Richtig ist: Die Hälfte der Leute studieren zum zweiten, dritten Mal, sind allein nach Hamburg gezogen, müssen eine Wohnung bezahlen, studieren hier, weil es das Studium nicht an einer staatlichen Uni gibt. Da gab es auf alle Fälle Leute, die sagten, das wäre jetzt schwer zu stemmen.

Habt ihr die soziale Dynamik des Hörsaals vermisst?

David: Ich habe das ganze Unileben vermisst. Das ist auch das, was viele suchen, wenn sie zur Uni gehen. Ich kann sehr gut verbal lernen. Wenn jemand vor mir steht und mir das erklärt, dann lerne ich besser, als wenn ich von einem Blatt Papier ablese. Nach sechs Stunden vor dem Bildschirm ist es schwer, sich zu konzentrieren.

Svea: Auf jeden Fall. Eigentlich habe ich mir vorgestellt, ein richtiges Studentenleben zu haben. Mittlerweile studieren wir ein Semester lang, und ich hätte alle Leute, mit denen ich studiere, schon längst kennenge- lernt. Das fehlt mir, und ich fühl mich auch nicht wirklich als Studentin, weil ich nur online vor meinem PC gesessen habe.

Gab es noch irgendwelche Fragmente vom Studentenleben?

Svea: Gar nicht. Es war wirklich so, als würde ich mich privat fortbilden und mir Videos angucken.

David: Fast gar nicht, würde ich sagen. Man kommuniziert über verschiedene Plattformen, aber man lernt sich nicht kennen. Ich habe die ersten zwei Tage eine kleine Gruppe kennengelernt. Am Ende des Semesters haben wir uns einmal als Gruppe von 40 Leuten im Park getroffen, nicht ganz legal, um uns kennenzulernen. Mehr gab es auch nicht. Wir hatten keine Feiern, keine Gegebenheiten, uns zu sehen. Das fehlt natürlich. Die Unitür schließt sich nie hinter einem. Es entsteht kein Feierabendgefühl.

Hat sich die Wahrnehmung eures Zuhauses verändert, seit es gleichzeitig Hörsaal ist?

David: Auf jeden Fall. Das hat mir auch nicht wirklich gefallen. Man steht auf und hat direkt die Uni neben sich. Ich würde lieber in die Uni gehen. Ich will einen Ort haben zum Studieren.

Svea: Ich habe anfangs in meinem Zimmer gesessen während der Vorlesungen. Dann im Wohnzimmer am Esstisch. Einfach, um mal eine andere Location zu kriegen. Als es warm war, habe ich mir das in der Sonne angehört. Meine Wahrnehmung hat sich nicht geändert.

Habt ihr euch bewusst für die jeweilige Studienform entschieden?

David: Ich habe den Studiengang danach ausgewählt, was ich machen möchte. Ich bin ein praktischer Mensch und habe deshalb einen praktischen Studiengang gesucht. Ich wollte statt einer Ausbildung studieren, damit ich meinen Bachelor habe. Richtung Medien gibt es wenig Studiengänge, die nicht privat sind und mir gefallen haben. An der Uni Hamburg gibt es Medien- und Kommunikationswissenschaften. Das ist sehr, sehr wissenschaftlich und halt nicht praktisch. In meinem Studium habe ich einen BWL-Anteil, einen wissenschaftlichen Anteil und vor allem viel praktische Übungen – Fotografie, Design – und das hat mir gefallen.

Svea: Ich stand zwischen der öffentlichen HAW und der privaten AMD (Akademie Mode und Design). Ich habe superlange überlegt, ob ich staatlich oder privat studieren möchte. Man muss an einer privaten Uni mit Studiengebühren von 600 bis 700 Euro im Monat rechnen. Trotzdem wollte ich schließlich privat studieren. Mein Studiengang „Bekleidung, Technik und Management“ heißt an der AMD „Modemanagement“. Das hat für mich kreativer geklungen, besser für meine Interessen. Dann habe ich an beiden Unis Dozentengespräche gehabt. Die HAW war tausend Mal sympathischer. Eine Freundin studiert an der AMD meinen Studiengang und kennt Leute von der HAW. Die sah keinen großen Unterschied. Da war mir klar, dass ich an die HAW gehe. Das Studium an der AMD hätte einfach zu viele Kosten und zu viel Aufwand bedeutet, um an das Geld zu kommen. Ich bereue die Entscheidung bis jetzt auf gar keinen Fall.

Findet ihr die Corona-Maßnahmen insgesamt angemessen oder übertrieben?

David: Wenn man sieht, wie die Zahlen sind und was alles passiert ist, haben wir das in Deutschland alles gut gehändelt. Natürlich habe ich auch keine Lust mehr auf Corona, aber das kann man nicht ändern.

Svea: Ich finde es schon angemessen. Aber es hat mich dann schon gewundert, dass die Schulen ihren normalen Betrieb wieder aufgenommen haben, und bei uns wird es auch im kommenden Semester so sein, dass die Präsenzlehre nicht zu 100% stattfinden kann.


Cover_SZ1020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2020. Das Magazin ist seit dem 27. September 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Berufsberatung: Wie findest du deinen Traumberuf?

Ein Gespräch mit Ragnhild Struss, Gründerin der privaten Studien- und Berufsberatungsfirma Struss & Claussen in Hamburg, über die optimale Ausbildungsplatzsuche

Im Leben muss gefühlt alles immer sofort passieren, häufig lohnt es sich aber, einmal innezuhalten und sich genau zu überlegen, was man will. Gerade, wenn man nach der Schule seine berufliche Zukunft plant. Bei der Berufswahl orientiert man sich häufig an dem, was man kennt, aber gar nicht so sehr daran, was der eigenen Persönlichkeit entspricht. Bei über 9.000 Bachelor-Studiengängen und um die 320 Ausbildungsberufe kann man kaum ohne Hilfe erkennen, was wirklich zu einem passt.

Struss & Claussen unterstützt seit über 15 Jahren erfolgreich junge Berufseinsteiger, zu erkennen, wo ihre Talente und damit Potenziale liegen. Das Credo ist, die Kandidaten in ihrer Entscheidung unabhängiger von äußeren Einflussfaktoren zu machen und sich die Persönlichkeit anzuschauen, um darauf aufbauend gemeinsam mit den Eltern einen Zukunftsplan zu besprechen und abzustimmen. Wichtig ist eben, aus sich heraus fühlen und vor allem benennen zu können, was zu einem passt.

Um genau das jedem Abiturienten zu ermöglichen, hat Ragnhild Struss gemeinsam mit Christine Mahrenholz eine spannende und einzigartige Online-Plattform auf die Beine gestellt. „Toni Knows“ hilft Gymnasiasten, ihre individuellen Stärken und Potenziale zu entdecken und sicher einzusetzen. Die Basis sind psychologische und psychometrische Tests und diese Ergebnisse werden in einem Matchingprozess in Beziehung zu passenden Studiengängen oder Ausbildungen gesetzt. In einem Interview lässt uns die Inhaberin Ragnhild Struss erleben, was sie mit ihrem Geschäftspartner Johann Claussen und hoch motivierten Mitarbeitern auf die Beine stellt: Jeden Tag Zukunft kreieren.

 

Interview mit Berufscoach Ragnhild Struss

 

Ragnhild Struss (Foto: Florian Janssen)

SZENE HAMBURG: Einen schönen guten Morgen, Frau Struss, kommen wir am Anfang doch direkt einmal zum Ursprung. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Studien- und Berufsberatung zu gründen?

Ragnhild Struss: Ich habe jemanden zu einer Berufsberatung begleitet, während ich noch selber im Studium war. Ich fand das Ganze zwar interessant, hatte aber innerlich irgendwie das Gefühl, dass man das besser machen könnte. Während des Studiums habe ich langsam angefangen, mir zu überlegen, wie man so etwas aufziehen könnte, und habe mich nach meinem Studium tatsächlich sehr schnell selbstständig gemacht. Wenn man sich mit einer Gründungsidee beschäftigt, macht man sich natürlich fortlaufend Gedanken, wie man die Umsetzung immer besser machen kann.

Deshalb haben wir uns zum Beispiel schon vor Jahren darauf konzentriert, unser Angebot zu digitalisieren. Unsere eintägige Karriereberatung kann man beispielsweise komplett per Videotelefonie abhalten, während man die entsprechenden Testverfahren online absolviert. Die Ergebnispräsentationen erfolgen dann auch über Skype oder Ähnliches, weil es wichtig ist, den Kandidaten persönlich zu erleben. Und die Online-Optionen sind natürlich klasse, da wir damit auch für unsere Kandidaten im Ausland top zur Verfügung stehen können.

Gibt es noch weitere Vorteile durch die Online-Angebote?

Ich finde, dass Karriereplanung nicht vom Geldbeutel abhängen sollte, und so sind wir natürlich auch in der Lage, sie preissensibler anzubieten. Deshalb haben wir zum Beispiel Step up! e. V. gegründet, einen Verein, der Stipendien für eine Karriereberatung vergibt. Zudem haben wir ein Online-Tool aufgesetzt, das sich an der individuellen Karriereplanung orientiert. Es heißt Toni Knows und damit können Kandidaten auf Basis einer Persönlichkeitsanalyse ein zu ihnen passendes Studium und darauffolgend Beruf finden.

Erläutern Sie doch kurz den Prozess, den Kandidaten bei Ihnen erfahren dürfen …

Im Rahmen der Beratung bei Struss & Claussen bekommt der Schüler oder die Schülerin im Voraus Online-Testverfahren zur Verfügung gestellt, um die Fragebögen in Ruhe zu Hause zu beantworten. Das dauert etwa zwei bis drei Stunden. Dann kommen die Kandidaten für einen ganzen Tag zu uns, und in Form von persönlichen Interviews und kreativen Übungen werden weitere diagnostische Persönlichkeitsverfahren und auch kognitive Tests durchgeführt. Am Nachmittag präsentieren wir im Beisein der Eltern die Ergebnisse. Es wird erläutert, was wir herausgefunden haben, und die entsprechenden Empfehlungen vorgestellt.

Sei es für die Ausbildung, für Studienrichtungen oder für bestimmte berufsorientierte Praktika, bis hin zur Beantwortung der Frage, ob nicht auch erst einmal ein Gap Year Sinn ergeben könnte. Dieser Tag ist natürlich sehr intensiv, deshalb gibt es zum Abschluss einen umfangreichen Ordner mit allen Ergebnissen, Empfehlungen und wichtigen Erläuterungen, um sich damit zu Hause noch einmal in Ruhe zu beschäftigen. In unserem Angebot ist auch enthalten, dass wir ein Jahr lang für die Kandidaten jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Man kann das Ergebnis auch zu einem späteren Zeitpunkt erneut nutzen, zum Beispiel sich im Rahmen eines Bewerbungsschreibens noch einmal anschauen, welche hervorstechenden Persönlichkeitsmerkmale man hat, und sich entsprechend auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten.

 

Für jeden gibt es den richtigen Platz

 

Worauf legen Sie in Ihrer Beratung großen Wert?

Im Kern unserer Beratung ist es vor allem unser Ziel, die Persönlichkeit zu erfassen. Häufig sind Berufsberatungen ausschließlich an den Interessen der Kandidaten orientiert, das machen wir gar nicht. Denn ein Interesse kann ich nur an etwas haben, wenn ich es schon einmal kennengelernt habe, aber es gibt so viele Dinge, mit denen gerade junge Menschen noch nie in Kontakt gekommen sind. Orientiere ich mich nur an dem mir Bekannten, verschließe ich mich vor so vielen spannenden Möglichkeiten im Leben. Deswegen ist es für uns so wichtig, den Menschen in seinem gesamten Potenzial zu erkennen, indem wir eine tiefgehende Persönlichkeitsanalyse durchführen.

Für jeden gibt es den richtigen Platz, die meisten machen aber den Fehler, sich von außen beeinflussen zu lassen, den Wünschen der Eltern, den Ideen von Freunden, gehypten Jobs in den Medien etc. entsprechen zu wollen. Diese Beeinflussung arbeiten wir heraus und versuchen sie abzubauen, um festzustellen, was man eigentlich wirklich aus sich heraus möchte. Vielen Jugendlichen fehlt das Selbstbewusstsein, um ihre ureigenen Potenziale und Fähigkeiten zu erkennen und daran auch zu glauben. Wir legen sie in der Beratung frei.

Sie versuchen erst einmal, das innere Bewusstsein zu öffnen und die Einflüsse von außen zu unterbinden?

Richtig. Ein Beispiel: Viele schließen ein Medizinstudium per se aus, weil der Numerus Clausus zu hoch sei. So ein Außenkriterium führt viel zu radikal dazu, beispielsweise etwas Medizinisches nicht in Betracht zu ziehen, statt auf Basis der Persönlichkeit auszuloten, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt.

Sehr spannend, machen Sie eigentlich auch eine Art Erfolgskontrolle?

Wie erwähnt begleiten wir unsere Kandidaten ja ein Jahr lang und führen sehr genau Buch über deren Entwicklung. Und wir machen auch Zufriedenheitserhebungen, und da kommt zum Beispiel raus, dass über 90 Prozent zufrieden mit dem vor- und eingeschlagenen Berufsweg sind – ein sensationelles Ergebnis. Und bei rund 87 Prozent ist eine deutliche Motivation zur Leistungssteigerung zu erkennen, worüber wir uns sehr freuen. Wenn man sich selbst viel besser wertschätzt, hat man auch gleich eine ganz andere, positive Ausstrahlung.

 

Potenziale entdecken, die in jedem schlummern

 

Warum sind Sie Unternehmerin geworden und was treibt Sie Tag für Tag an? 

Ich hatte immer schon Lust, Unternehmerin zu werden, und diese Form der Beratung ist entstanden aus der Neugier am Menschen. Ich liebe es, Menschen ein Stück in ihrem Leben zu begleiten und sie dabei zu unterstützen, sich selbst sehr gut kennen und schätzen zu lernen und den bestmöglichen Berufsweg für ihr Leben einzuschlagen. Und wie schon gesagt, hat mich der Ansatz vieler Wettbewerber irritiert, da sie meiner Meinung nach die Potenziale, die in jedem schlummern, mit den herkömmlichen Methoden unentdeckt lassen. Zusätzlich habe ich jeden Tag das Glück, mit tollen Menschen zusammenzuarbeiten, die Freude an ihrem Beruf haben, weil sie das machen, was sie wirklich mögen.

Oft steht nach dem Abitur die Frage im Raum, ob zunächst ein Auslandsjahr das Richtige ist. Wie sehen Sie das?

Das werden wir natürlich immer wieder gefragt. Unser Prinzip ist ja, dass nicht jeder gleich ist und es vor allem wichtig ist, was man denn so grundsätzlich will. Nur weil man ein Abi hat, muss ja auch nicht jeder zwingend studieren. So ein Jahr im Ausland sollte schon darauf ausgerichtet sein, was man später beruflich machen will. Wenn Sprachkenntnisse wichtig für das weitere Leben sind, dann ist ein Auslandsaufenthalt super, aber dann am besten nicht mit dem besten Buddy, um doch nur Deutsch zu sprechen.

Es bietet sich auch an, wenn man sich sozial engagieren will oder seine Persönlichkeit weiterentwickeln will und zum Beispiel mit Work and Travel sein erstes eigenes Geld zu verdienen, um unabhängig zu sein. Die Alternative wäre eine fachliche Vorbereitung, zum Beispiel lernen, wie man eine Mappe fürs Design-Studium erstellt, oder naturwissenschaftliche Kenntnisse erweitert, um sich für ein entsprechendes Studium zu bewerben.

Am Ende gibt es aber auch Menschen, für die ist es besser, direkt ein Studium in ihrem Heimatort zu beginnen, weil sie mehr Sicherheit als Abenteuer brauchen. Es geht also unterm Strich um eine bewusste Entscheidung, die eigenen inneren Beweggründe und Ziele bei diesen einzelnen Schritten. Wichtig ist auch mal darauf zu achten, ob man eine Entscheidung trifft, weil man gegen die Eltern rebellieren will. Das ist vielleicht manchmal nachvollziehbar, wäre aber eine Entscheidung durch einen äußeren Einfluss und kommt nicht wirklich aus dem Inneren.

Kommen wir zu einem aktuellen Thema. Corona bestimmt gerade alle Lebensbereiche. Spüren Sie dadurch eine Veränderung im Verhalten Ihrer Kandidaten und beeinflusst dies gegebenenfalls die Entscheidung, Stichwort Sicherheit?

Corona ist erst einmal auch ein äußerer Umstand und so gilt auch hier, sich davon nicht leiten zu lassen, sondern gemeinsam zu schauen, welche nächsten Schritte zunächst einmal wirklich zur Persönlichkeit des Kandidaten passen. Auch hier ist entscheidend, sich nicht verunsichern zu lassen. Natürlich macht der Virus Angst. Wir Menschen lassen uns durch Bedrohungen zu Pessimismus verführen und können dadurch keine klaren Entscheidungen mehr treffen. Zu viel Vorsicht ist nicht immer die richtige Grundlage für langfristige Planung, und wir stellen tatsächlich fest, dass einige inzwischen stark durch Sicherheitsgedanken gesteuert sind.

Deshalb empfehlen wir auch weiterhin, erst einmal den Potenzialanalyseprozess komplett zu durchlaufen, um zu schauen, was einen wirklich glücklich macht. Und auf der Grundlage kann man dann entscheiden, wie man mit dem Umstand Corona methodisch, institutionell oder auf der Eben des Ortes umgeht. Und man sollte nicht unterschätzen, dass durch die Corona-Zeit auch wahnsinnig viele neue Möglichkeiten entstehen.

Auf einmal muss man lernen, mit digitalen Lernsituationen umzugehen, man entdeckt neue digitale Arbeitstechniken und -prozesse. Für manche ist das Lernen zu Hause teilweise förderlicher als das Sitzen in überfüllten Hörsälen. Letztlich zeigt aber auch Corona, wie wichtig es ist, seinen Typus zu kennen, um für sich den optimalen Weg zu finden und den Umgang mit fordernden Situationen richtig einzuschätzen.

 

Erfolg durch Erfüllung

 

Wie bewerten Sie denn das Verhalten vieler Eltern, die primär wollen, dass es ihren Kindern immer gut geht und deshalb sehr auf Sicherheitsaspekte achten?

Logisch, dass Eltern ein natürliches Schutzbedürfnis haben und daraus resultierend versuchen, auch die Zukunftsentscheidung der Kinder unter Sicherheitsaspekten zu bewerten. Das macht aber häufig nicht wirklich Sinn, denn Erfolg hat vorrangig etwas mit Erfüllung zu tun. Und die höhere Wahrscheinlichkeit auf Erfolg liegt in dem, was man wirklich kann und liebt und seiner Persönlichkeit entspricht. Dieser Sicherheitsaspekt bleibt für mich trotzdem sehr spannend, weil man letztendlich in dem am sichersten auftritt und arbeitet, in dem man einen hohen Selbstwert verspürt, und Selbstwert hat immer etwas damit zu tun, dass das, was ich tue, mit mir übereinstimmt.

Was waren Ihre Berufswünsche als Kind? Und wussten Sie beim Schulabschluss schon genau, was dann folgen soll?

Als Kind wollte ich eigentlich immer Ärztin werden, und jetzt muss ich manchmal lachen, denn im Grunde genommen habe ich heute in einem metaphorischen Sinne eine ganz ähnliche Tätigkeit. Menschen kommen zu mir, haben ein Problem und ich analysiere sie, um hinterher quasi eine Empfehlung auf einen Rezeptblock zu schreiben. Von daher musste ich auch lernen, beruflich zu abstrahieren; man darf nicht immer in konkreten Berufsbildern denken.

Jemand, der zum Beispiel etwas Soziales machen möchte, muss nicht unbedingt Lehrer werden. Ein solcher Mensch kann beispielsweise eine Führungskraft und Talent-Manager werden oder im psychologischen Bereich arbeiten oder als Pastor glücklich werden. Deshalb ist es wichtig, nicht in konkreten Interessen oder Bildern zu denken, sondern aufzudecken, was die tatsächlichen Talente, Fähigkeiten und Eigenschaften eines Einzelnen sind und daraus abzuleiten, was wirklich passen könnte.

Man merkt wirklich, mit wie viel Leidenschaft Sie Ihren Beruf ausüben, können Sie mir auch noch einmal genau erklären, was Sie in Ihrem Beruf so richtig glücklich macht?

Vor allem erst einmal, dass ich meine Persönlichkeit voll ausleben kann und mich immer weiterentwickle. Jeden Tag lerne ich Menschen neu kennen. Seit 17 Jahren analysiere ich jeden Tag Menschen und ich habe noch nicht zwei getroffen, die gleich sind. Die Sache entfacht sich also immer wieder neu, je mehr man dazulernt, und nichts ist spannender, als immer wieder zu versuchen, Menschen zu verstehen.

Herauszubekommen, was einen Menschen glücklicher, zufriedener und produktiver macht, das macht mich glücklich. Ich glaube, wenn jeder das tut, was ihm wirklich entspricht, und dadurch zufriedener ist, dann leisten wir durch bessere Beziehungen und effizient gesteuerte Produktivität einen entscheidenden positiven gesellschaftlichen Beitrag. In dem Sinne ist es quasi ein Mandat, sich eingehend mit seiner beruflichen Wahl auseinanderzusetzen.

www.strussundclaussen.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Ausbildung, 2021. Das Magazin ist seit dem 19. September 2020 im Handel. Bestellt euch das Heft oder Blättert hier durch das Magazin! 

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Interview mit Florian Krehl, Ausbildungsleiter bei der HanseMerkur

Welche Bedeutung die interne Ausbildung für die Zukunft des Unternehmens hat, erzählt Florian Krehl, Ausbildungsleiter bei der HanseMerkur Krankenversicherung

Die HanseMerkur ist ein modernes und gleichzeitig eines der traditionsreichsten Unternehmen hier in Hamburg. Das Versicherungsunternehmen wird immer wieder zu einem der besten Arbeitgeber gewählt, zum Beispiel von kununu, einer Arbeitgeber-Bewertungsplattform, und der Zeitschrift Freundin zum Top Arbeitgeber 2016, und legt sehr viel Wert auf eine starke Bindung zu seinen Mitarbeitern. Die Grundsteine dafür werden bereits in der Ausbildung gelegt – und die ist nicht nur vielfältig, hier hat man auch unterschiedliche Möglichkeiten auf einen Einstieg ins Berufsleben.

Guten Tag Herr Krehl, die HanseMerkur ist die einzige selbstständige und konzernunabhängige Versicherungsgruppe am Finanzplatz Hamburg. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an Ihrem Unternehmen im Vergleich zu anderen Anbietern? 

Florian Krehl: Ich glaube, dass wir durch diese Unabhängigkeit eine große Stärke haben. Wir sind in unserer Geschäftstätigkeit zum Beispiel nicht von Aktionären abhängig, sondern wir können unsere Erträge direkt wieder in innovative Produkte und professionelle Dienstleistungen für unsere Kunden stecken, unseren sehr guten Kundenservice immer weiter ausbauen und eben auch viel in eine gute Infrastruktur für unsere Mitarbeiter investieren.

Sie sind mehrfach als einer von Hamburgs besten Arbeitgebern ausgezeichnet worden. Was machen Sie besser als andere Arbeitgeber? 

Wahrscheinlich würden dies jetzt auch andere behaupten, aber bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt und das wird auch bewusst in unserer Unternehmens-Leitidee manifestiert: „Hand in Hand ist HanseMerkur“. Wir achten sehr stark auf die individuellen Stärken und Interessen unserer Kollegen und auch sehr genau auf die Entwicklungswünsche des Einzelnen.

Das zeigt sich zum Beispiel schon bei der Einstellung von unseren Berufseinsteigern, wir würden niemals jemandem eine Ausbildung anbieten, ohne nicht schon perspektivisch den späteren, festen Arbeitsplatz im Blick zu haben. Andere stellen gerne erst einmal 20 Azubis ein und schauen hinterher, wer die zehn besten waren und übernehmen nur die. Das gibt es bei uns so nicht. Wir planen von Anfang mit unseren neuen Kollegen.

Sie wissen also schon vorher in welche Richtung es gehen soll?

Beim dualen Studium haben wir schon immer sehr genau den bei uns sogenannten Heimatbereich im Blick, bei dem es auf ganz spezifische Skills ankommt und haben hier dann auch einen ganz konkreten Plan für die Entwicklung. Wenn wir jemanden einstellen, wollen wir auch hinterher idealerweise sehr lange mit ihm zusammenarbeiten.

 

IT-Berufe und viele duale Studiengänge

 

Wie viele Auszubildende beschäftigen Sie aktuell und welche Ausbildungsberufe bieten Sie eigentlich an? 

Das ist unterschiedlich, weil wir eben wie er- wähnt bedarfsorientiert einstellen. Es sind zwischen elf bis 18 Azubis und duale Studenten pro Lehrjahr ungefähr jeweils zur Hälfte. Insgesamt haben wir also ungefähr 50 Kollegen, die in der Ausbildung sind und dies verteilt über sieben Berufsbilder. Dazu gehört natürlich der Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, neu ist der E-Commerce-Kaufmann seit letztem Jahr. Wir bieten darüber hinaus sehr unterschiedliche IT-Berufe und ganz viele duale Studiengänge, die BWL mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten beinhalten, wie beispielsweise Wirtschaftsinformatik.

Sie haben angedeutet, dass Sie sehr zukunftsorientiert einstellen. Was können Auszubildende und duale Studenten neben einer fundierten Ausbildung noch erwarten? 

Wir bieten zum Beispiel viele Angebote zum Thema Persönlichkeitsentwicklung, also Dinge, die nicht vordergründig mit dem Arbeitsalltag etwas zu tun haben. Im ersten Lehrjahr bieten wir ein Seminar zu Lerntechniken, damit unsere Azubis es einfacher in der Berufsschule haben. Wir haben ein Seminar zum Thema souveräner Umgang mit Kollegen und insgesamt bieten wir acht unterschiedliche Seminare.

Darüber hinaus ist uns das Thema soziale und gesellschaftliche Verantwortung sehr wichtig. Wir haben zum Beispiel mit dem HanseMerkur Preis für Kinderschutz, den ältesten Sozialpreis Deutschlands, der uns sehr am Herzen liegt und deswegen haben wir auch Azubi-Projekte, die sich mit sozialen Themen befassen. Jedes Jahr machen wir eine Spendensammlung, bei denen die Auszubildenden für einen selbst gewählten Zweck Geld sammeln und dafür Aktionen erfinden und umsetzen müssen, zum Beispiel einen Alsterlauf oder Versteigerungen von selbst kreierten Kunstwerken.

Inzwischen gibt es auch den Social Day, an dem unsere Azubis einen Tag in einer sozialen Einrichtung arbeiten, einfach mal raus aus der Komfortzone und soziale Kompetenz beweisen müssen, weil es so enorm wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung ist.

Sie haben ja schon erzählt, dass Sie das duale Studium anbieten. Wie sehen dafür Ihre Einstellungsvoraussetzungen aus?

Erst einmal ist ein guter Fachhochschulabschluss mit guten Noten in Deutsch, Englisch und Mathematik wichtig. Man sollte auf jeden Fall eine hohe Affinität zu Mathematik haben, sonst wird es in Bereichen wie Wirtschaftsinformatik sehr schwierig. Genauso ist mir wichtig, dass die Kandidaten sich im Klaren sind, dass ein duales Studium einem sehr viel mehr abverlangt als ein reines Studium.

Die Zeit ist kürzer, das Lernvolumen ist aber identisch und statt der Semesterferien verbringt man die vorlesungsfreie Zeit im Betrieb. Kandidaten sollten schon von Anfang an vermitteln können, dass sie wissen, was da fachlich auf sie zukommt und spüren lassen, dass sie den entsprechenden Willen und Fleiß mitbringen.

 

Grundsätzlich bieten wir immer eine Übernahme an

 

Nach der Ausbildung beginnt ja dann erst richtig die Karriere. Wie sehen in Ihrem Haus die Entwicklungschancen grundsätzlich aus. Gibt es gezielte Führungskräfte-Förderprogramme? 

Grundsätzlich bieten wir immer eine Übernahme an und was heutzutage vielleicht nicht mehr ganz so gewöhnlich ist, in der Regel gibt es bei uns einen unbefristeten Vertrag. Danach kommt es auf die ganz individuellen Karrierepläne der einzelnen Mitarbeiter an, wir unterstützen verschiedene fachliche Spezialisierungen und bieten unterschiedliche Talentprogramme an, seit einigen Jahren zum Beispiel ein Projektmanagement-Talent-Camp. Darüber hinaus gibt es natürlich auch die klassischen Führungskräfteprogramme, in denen man individuelle Stärken ausbauen kann.

Auch ein nebenberufliches Studium kann gefördert werden, es muss natürlich zu unserem Geschäftsmodell passen. Wir entwickeln uns auch immer weiter und setzen entsprechend neue Programme auf, wie zum Beispiel im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung und qualifizieren selbstverständlich unsere Mitarbeiter kontinuierlich auf den Stand der aktuellen Technologie. Oder auch aktuell durch Corona bedingt haben wir schnell Programme und Infrastrukturen aufgesetzt, um uns alle fit für das reibungslose Home-Working zu machen.

Kommen wir doch einmal zu Ihnen. Wie sah eigentlich Ihre persönliche Karriereentwicklung aus? War Ihnen schon Immer klar, was Sie einmal werden wollten? 

Nicht wirklich, es fing vielleicht ein wenig holprig an. In meiner Heimat Bad Oldesloe habe ich mein Wirtschaftsabitur gemacht und habe gedacht, dass es damit Sinn machen könnte, BWL zu studieren und habe das dann in Kiel erst einmal begonnen. Im Laufe der ersten drei Semester hatte ich dann das leise Gefühl, dass das doch nicht so passt. Überall wurde gerechnet und Mathe war schon in der Schule nicht mein Steckenpferd und unter Marketing hatte ich mir auch etwas anderes vorgestellt als lauter Formeln zu lernen.

Ich spürte meine Unzufriedenheit und musste mir eingestehen, dass das nicht von Erfolg gekrönt sein würde. Ich habe immer schon begeistert Fußball gespielt und neben dem Studium eine F-Jugend- Mannschaft trainiert und da wurde mir klar, was mir wirklich liegt: anderen Menschen etwas zu vermitteln und Jugendliche für etwas zu begeistern. Daraus resultierte dann ein neues Studium im Bereich Pädagogik und Soziologie und damit war die Grundlage für das Personalwesen gelegt und nach einigen Stationen bin ich seit drei Jahren zufrieden hier bei der HanseMerkur tätig.

 

Entscheidend ist der Spaß an der Arbeit

 

Eine Karriere verläuft selten linear und häufig anders als geplant …

Die Arbeitswelt verändert sich teilweise so gravierend, vieles war vor wenigen Jahren undenkbar. Erzkonservative Unternehmen legen plötzlich Start-up-Mentalitäten an den Tag. Wir arbeiten daher mit einem Moving Target, das bedeutet, dass wir immer wieder nachjustieren auf dem Weg zu Ziel. Ähnlich einer Rakete, die auch nicht auf dem direkten Weg zum Mond unterwegs ist und sich den Windgebenheiten und vielen anderen Einflüssen anpasst und gegensteuert. Starre Konzepte können nicht funktionieren.

Sie sind ein Arbeitgeber, der sehr auf das Wohl seiner Mitarbeiter achtet?

Die Rahmenbedingungen in unserer Branche sind grundsätzlich erst einmal sehr gut, wie zum Beispiel die Vergütung mit über 1.000 Euro im ersten Lehrjahr bei 14 Gehältern. Man zahlt nur 30 Euro für das HVV-Ticket, die Arbeitszeiten liegen bei 38 Stunden pro Woche und einem Urlaubsanspruch von 30 Tagen – das ist schon eine sehr gute Basis.

Das wirklich Entscheidende ist aber letztlich der Spaß an und bei der Arbeit und da achten wir sehr drauf, dass die Chemie einfach zwischen uns allen stimmt. Und wir bieten unseren Auszubildenden eine exzellente Betreuung, in der sich unsere Ausbilder immer wieder sehr viel Zeit nehmen, um fachlich auszubilden und die Auszubildenden einfach in allen Belangen an die Hand nehmen. Die Tatsache, dass viele, die hier gelernt haben, immer noch da sind, bestätigt uns und zeigt wie stark hier die Gemeinschaft gelebt wird.

Was haben Sie als Unternehmen für sich aus der Corona-Zeit mitgenommen?

Total viel. Wir haben es geschafft, innerhalb kürzester Zeit 90 Prozent der Kollegen ins Home-Office zu versetzen und wir haben es tatsächlich geschafft, auch eine weiterhin gute Ausbildung in dieser Situation zu gewährleisten. Unsere Ausbilder haben viel ausprobiert und wir haben auch viel gelernt. Unsere Auszubildenden haben zum Beispiel gelernt, noch eigenverantwortlicher zu arbeiten, während wir neue technische Mittel etabliert haben, um auch aus der Ferne gut zu erklären und zu unterstützen. Wir haben Dinge auf die Beine gestellt, die wir vor Corona wahrscheinlich für unmöglich gehalten hätten. Aber Hand in Hand schafft man doch viel.

 www.hansemerkur.de/karriere


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Ausbildung, 2021. Das Magazin ist seit dem 19. September 2020 im Handel. Bestellt euch das Heft oder Blättert hier durch das Magazin! 

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