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Top 4: Rindchen’s Lieblingsrestaurants mit To-Go-Angebot

Rindchen schlemmt weiter – von zu Hause: Diese Lieblingsadressen unseres Kolumnisten bringen das Restauranterlebnis an den heimischen Küchentisch

Text: Gerd Rindchen

 

Noch vor Kurzem hätte fürwahr niemand gedacht, was für erhebliche Einschränkungen unseres Lebens wir aktuell hinnehmen müssen. Insbesondere die kreative Vielfalt unserer wunderbaren Gastronomen aus aller Herren Länder, ansonsten integraler Bestandteil der besonderen Lebensqualität in Hamburg, geht uns gerade echt ab. Aber, zu Nutz und Frommen der geplagten Gastronomen wie auch des darbenden Gastes gibt es ja zumindest einen Ausweg: Viele unserer Lieblingsläden offerieren das Füllhorn ihrer Spezialitäten, oder zumindest Teile davon, für den genussvollen Verzehr an der heimischen Tafel. Vier meiner Favoriten möchte ich Ihnen hier vorstellen:

 

GRIECHISCH

 

Der wackere Michalis Papadopoulos, Herr über die famose Taverna zum Olymp, hat von Anfang an einen Außer-Haus- Verkauf etabliert. Wer sehr gutes griechisches Essen zu moderaten Preisen schätzt, ist hier bestens bedient. So kosten seine großartigen Bifteki, würzige Lammhacksteaks, mit Salat, Tzatziki und nach Wahl Backkartoffeln oder Reis acht Euro. Fürs gleiche Geld gibt es unter anderem auch ein ausgezeichnetes Gyros. Bestellen kann man ganz traditionell übers Telefon. Abholen kann man die Speisen dann täglich zwischen 16 und 20.30 Uhr.

Bismarckstraße 40 (Eimsbüttel), Telefon 40 44 81

 

PIZZESISCH

 

Nachdem wir etliche Pizzerien ausprobiert hatten, kristallisierte sich eine als eindeutiger Favorit heraus: Das Al Volo im Eppendorfer Weg mit authentisch italienischen Pizzen in herausragender Qualität zu moderaten Preisen. Die mutmaßlich beste Margherita der Stadt schlägt mit 7,90 Euro zu Buche, unser Liebling, die grandiose „Calabrese“ mit Pepperoni und der köstlichen kalabresischen Salami „Spianata“, in verschwenderischer Fülle auf dem Teigfladen verteilt, haut einen mit 10,50 Euro auch nicht gerade aus den Pantinen. Zwei Pizzen reichen meist für drei Leute. Man kann telefonisch bestellen und abholen oder sich über lieferando.de beliefern lassen.

Eppendorfer Weg 211 (Eimsbüttel) Mo bis So: 12 – 22 Uhr, Telefon 43 27 59 24; alvolo.de

 

NEPALESISCH/SUSHISCH

 

Auch so ein netter kleiner Geheimtipp ist das Fishtail in der Grindelallee, wo man von einer engagierten nepalesischen Familie gar köstlich bekocht wird. Die Mega-Spezialität sind hier Momos, jeweils zehn hausgemachte gedämpfte oder gebratene original nepalesische Teigtaschen gefüllt mit Gemüse (9,50 Euro), Huhn (10,30 Euro) oder Schweinefleisch (10,30 Euro), reichlich Koriander und umwerfend guter hausgemachter Tomatensauce. Aktuell ist das Fishtail aber auch meine erste Wahl, wenn mir der Sinn nach gutem Sushi steht.

Grindelallee 89 (Rotherbaum) Telefon 41 30 88 86; fishtail- hamburg@eatbu.com

 

GOURMESISCH

 

Wer, zumindest qualitativ, auch daheim nach den Sternen greifen will, ist gut beraten, sich dem Außer-Haus-Angebot der bezaubernden Spitzenköchin Cornelia Poletto zuzuwenden. Spaghetti all arrabbiata mit gebratenen Jakobsmuscheln und San Marzano-Tomate (21 Euro), gebratene Black Tiger-Garnelen mit hausgemachtem Limetten-Aioli (17 Euro) oder die tagesaktuelle Piatta del Giorno (24 Euro) verwandeln den piefigen heimischen Esstisch spornstreichs in einen Gourmettempel. Bestellung und Abholung telefonisch täglich von 12–20 Uhr.

Eppendorfer Landstraße 80 (Eppendorf), Telefon 480 21 59; cornelia-poletto.de

 

BACCHANTISCH

 

Der Gesetzgeber hat’s erkannt: Weinläden sind systemrelevant und bleiben geöffnet! Das Gleiche gilt für gute Getränkehändler mit lecker Craftbier heimischer Braukünstler. Es besteht also kein Anlass, bei der genussvollen Getränkeauswahl daheim irgendwelche Kompromisse zu machen! Und billiger als im Restaurant ist es auch.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Gastro Guide: Is(s)t Hamburg nachhaltig?

Als soziale Distanz noch nicht notwendig war, haben wir das Leitthema der neuen SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN 2020 (erscheint am 7. April) bei einem Dinner mit Gästen aus Kultur, Wirtschaft und Gastronomie diskutiert: „Is(s)t Hamburg nachhaltig?“

Text: Ilona Lütje & Hedda Bültmann
Fotos: Roeler

 

Nicht erst seit Greta ist das Thema Nachhaltigkeit in aller Munde. Doch spielt sie sich auch auf den Tellern der Restaurants ab? Was setzen Hamburger Gastronomen bereits um und spielen alle Beteiligten – von der Lebensmittelproduktion bis zum Lieferanten – mit? Wie sieht überhaupt nachhaltige Gastronomie aus? Und an welche Grenzen stößt sie? Das diskutierten wir mit unseren Gästen aus Wirtschaft, Kultur und Gastronomie bei einem gemeinsamen Dinner.

Auf den Dinner-Tafeln regionale und saisonale Küche, auf der Bühne echte Schwergewichte in Sachen Nachhaltigkeit, auch wenn es auf den ersten Blick nicht ganz auf der Hand liegt. Denn mit Iglo-Chefin Antje Schubert sitzt eine Expertin aus dem Tiefkühlkost-Bereich auf dem Podium. Warum aber TK-Ware und Massenproduktion sehr wohl mit Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können, erläutert sie an diesem Abend sehr anschaulich. Schließlich setze das Unternehmen auf naturnahen Gemüseanbau sowie nachhaltigen Fischfang, dank Tiefkühlung werde die Lebensmittelverschwendung eingegrenzt und durch die Einführung eines Ampelsystems und die Entwicklung von Fleischersatz-Produkten auf Erbsenproteinbasis gehe man auch auf neue Ernährungstrends ein.

 

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Senatorin Melanie Leonhardt, Tom Till (Thalia Theater) und Mathias Elwardt (Zeise Kinos)

 

Trotz vieler Vorteile setzt die Hobenköök auf frische, saisonale Produkte statt auf Tiefkühlprodukte. Diese kämen dabei zu 80 Prozent aus der Region in einem Umkreis von maximal 200 Kilometern, betont Inhaber Thomas Sampl. Warum nicht zu 100 Prozent? „Unser Stammgast Miriam will jeden Tag ein neues Gericht. Ab einem bestimmten Monat wird’s schwierig in Norddeutschland“, erklärt Sampl. „Nach dem 25. Kohleintopf ist auch mal gut.“

Die Region wolle er unterstützen, ohne den Kunden dabei zu bevormunden. „Ich habe mir abgewöhnt, Kunden und Gäste erziehen zu wollen“, sagt er, „ich bekomme sie über den Geschmack, sie merken, dass es gute Produkte sind.“ Als Gastronom nachhaltig zu arbeiten, sei allerdings extrem schwierig, betont Sampl. Das Problem ist ein logistisches. „Der Koch kann nicht immer zum Wochenmarkt. Dass das Mehl von der Mühle kommt und nicht vom Großhändler und das Öl nicht aus dem nächsten Supermarkt, wäre eine logistische Meisterleistung.“

 

„Wir müssen das Bio-Klischee ausräumen“

 

Unterstützung finden Gastronomen hier zum Beispiel bei Greentable, einer Initiative für Nachhaltigkeit in der Gastronomie. „Wir beraten Gastronomen und versuchen, sie für das Thema zu sensibilisieren“, erklärt Gründer Matthias Tritsch, der sicher ist: Ein grüner Anstrich tut der Gastronomie gut.„Nachhaltigkeit ist nicht nur die Verwendung von nachhaltigen Produkten, sondern auch faire Bezahlung und Chancengleichheit für alle Mitarbeiter, Abfallvermeidung, Ressourcenschonung durch Energie- und Wassersparen, soziales Engagement.“ Von insgesamt zwölf Kriterien müsse ein Gastronom sechs erfüllen. „Über unser Qualitätssiegel können die Gastronomen zeigen: Hier achtet man ein bisschen mehr auf Nachhaltigkeit als der Kollege nebenan“, so Tritsch.

Das Thema Nachhaltigkeit hat sich auch Tjaden’s Bio Frischemarkt auf die Fahnen geschrieben. In den neun Hamburger Filialen werden hauptsächlich Produkte von Lieferanten aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg verkauft. Doch viele Lieferanten bedeuten auch viele Lieferwege. Ist das nachhaltig? „Wir müssen das Bio-Klischee ausräumen. Kein Bauer kommt mit zwei Kisten Salat, vieles geschieht über Großhändler“, betont Tjaden.

Wichtig sei vor allem: Bio ist nicht zwangsläufig nachhaltig und nachhaltig nicht immer bio. „Der konventionelle Apfel aus dem Alten Land kann nachhaltiger sein als der Apfel mit Bio-Siegel, der einen langen Lieferweg hat“, so Tjaden und mahnt: „Wir müssen Produkte wieder mehr wertschätzen. Das Bewusstsein muss wachsen, dass nicht immer alles verfügbar sein muss.“ Das ginge nur, wenn der Kunde auch gut informiert sei. Seine Kunden seien das in der Regel und lieferten dem Bio-Markt auch viele Denkanstöße: „Wir schauen dann, was sich davon umsetzen lässt“, sagt Tjaden. In dem Hamburger Familienunternehmen werden die Bons heute zum Beispiel auf Altpapier gedruckt, der Strom ist umweltfreundlich, es gibt wiederverwendbare Brotbeutel und Obstnetze.

 

Umwelt und Geschmack verbessern

 

Zeigen, dass es besser geht, will auch Dr. Stephan Böhm. Er, der eigentlich Intensivmediziner ist, hat seine Berufung nicht in der Klinik, sondern auf dem Acker gefunden: Auf einem Hof für regenerative Landwirtschaft, direkt am Klövensteener Forst. Sein Ziel: die Umwelt verbessern, die Biodiversität erhöhen, den Geschmack der Produkte verbessern.

Seit Anfang 2019 ist er Projektkoordinator auf dem Gut Haidehof, auf dem die Landwirtschaft wieder per Hand betrieben wird und die Wiesen nachhaltig beweidet werden. Wenn es um Nachhaltigkeit geht, hat Böhm eine wichtige Botschaft: „Wir müssen das Land regenerieren, natürliche Kreisläufe wiederherstellen, den Verbrauch reduzieren.“ Auf Fleisch verzichten? „Weder als Mediziner, noch als Landwirt kann ich das unterschreiben.“ Veganismus sei keine Antwort, ein gesundes Ökosystem ohne Tiere nicht möglich. Sein Rat: „Wir sollten Tiere mit Respekt großziehen, schlachten und verspeisen – aber in Maßen, nicht in Massen.“

 

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Kultur, Gastronomie und Wirtschaft an einer Tafel

 

Is(s)t Hamburg denn nun nachhaltig? „Nein“, sagt Böhm. „Aber wir gehen in die richtige Richtung: Zurück zum Geschmack und zur Wertschätzung, weg vom Preiskampf.“ Das sieht auch Iglo-Chefin Antje Schubert so: „Solange Blumenkohl teurer ist als Schnitzel, haben wir ein Problem.“

Mehr über das große Thema Nachhaltigkeit und die komplette Diskussion an diesem Abend gibt’s in „SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN“ – erhältlich ab 7. April 2020


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2020. Das Magazin ist seit dem 28. März 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Sebastian Junge: Hamburgs erster BIOSpitzenkoch

Sebastian Junge ist mit seinem Restaurant Wolfs Junge Vorreiter in Sachen nachhaltiger Genusskultur und darf sich nun Hamburgs erster BIOSpitzenkoch nennen

Text: Laura Lück

 

Die Blutwurst pflegt nicht gerade ein Fine-Dining-Image. Das liegt zum einen wohl an ihrem sehr bildlichen Namen. Ihr darin enthaltener Hauptbestandteil entfacht makaberes Kopfkino, dem der moderne Beeftatar- Esser lieber mit Scheuklappen begegnet. Er greift doch lieber zum Carpaccio, das seinen Namen einem venezianischen Maler verdankt, der berühmt für leuchtende Rottöne war. Aber Blutwurst, das klingt nach bäuerlichem Lönneberga und längst vergangenen Zeiten, in denen Blut und Schlachtfett keine Abfallprodukte waren und die vollständige Verwertung eines Tieres nicht Trend sondern pure Notwendigkeit bedeutete. Nun besteht so ein Hoftier aber nicht nur aus Filetstücken. Die ständige Verfügbarkeit seiner vermeintlich besten Einzelteile verdrängt Hühnerherz und Ochsenschwanz aus Menükarten und Supermarktregalen.

 

„Land- und handgemacht“

 

Wenn Sebastian Junge für sein Restaurant in Hamburg-Uhlenhorst einkauft, muss so mancher Bauer erstmal nachschlagen oder groß-väterlichen Rat einholen, um ihm das gewünschte gerührte Blut zu liefern. In den meisten Schlachtbetrieben hat seit Jahrzehnten keiner mehr danach gefragt. Dass Wissen um traditionelles Handwerk und Zubereitung nicht verloren gehen, ist Sebastian Junge ein persönliches Anliegen.

„Land- und handgemacht“ lautet der Slogan seines Restaurants. Er backt sein eigenes Sauerteigbrot, macht seine Wurst selbst, pökelt, beizt und säuert. Frische Kräuter wachsen rund ums Restaurant, sein Gemüse kommt aus dem eigenen biodynamischen Garten in Ochsenweder. Vieles davon wird eingeweckt und das Jahr über verwendet. Kunterbunte Gläser mit Fermenten stehen überall im Gastraum verteilt – da braucht es keine Kunst mehr an den Wänden.

 

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Zum Schweine­ nacken gibt’s Fermente vom eigenen Acker (Foto: BLE)

 

In seinen schönen Räumen empfängt der Küchenchef Anfang Februar Elmar Seck vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN). Die Initiative wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft finanziert. Vor Presse und weiteren geladenen Gästen wird Junge heute als erster Hamburger vom BÖLN in den Kreis der Vereinigung BIOSpitzenköche aufgenommen. Die zählt bundesweit zwanzig Mitgliedsköche, die eine Gourmetküche aus nahezu ausschließlich ökologisch erzeugten Lebensmitteln anbieten, ihre Lieferanten oft persönlich kennen und dabei einen Fokus auf saisonale und regionale Produkte setzen. Es geht aber auch darum, eine Vorbildfunktion in der Branche einzunehmen und Wissen zu teilen.

 

Ernährungs- und Agrarwende mitgestalten

 

Die BIOSpitzenköche beraten gastronomische Betriebe, öffnen ihre Küchen für Hospitationen oder schreiben eigene Kochbücher. Zum Konzept im Wolfs Junge gehören neben regional und fair gehandelten Biolebensmitteln außerdem die Verwendung von Ökostrom, Besorgungsfahrten mit dem Lastenrad, ein eigener Wurmkompostierer für die gastronomischen Grünabfälle und diverse Re- und Upcycling-Produkte.

Food-Trends interessieren Junge nicht. Nose-to-Tail-Prinzip und Fermentation sind für ihn nicht Mode, sondern Tradition. Manchmal sieht man eben den eingemachten Kohl vor lauter Kimchi nicht. Sebastian Junges Blutwurst hätte aber trotzdem Instagram-Potenzial: Er serviert sie mit Apfelchutney und armen Rittern vom Weizensauer, den er vor sechs Jahren selber angesetzt hat. „Der Geruch einer Sauerteigkultur ist für mich einer der schönsten überhaupt“, erklärt er und lässt seine Gäste an diesem Abend kleine Gläser zum Mitnehmen abfüllen.

In der Backstube des Demeter zertifizierten Hofs Klostersee in Grömitz, von dem Junge auch Fleisch und Käse bezieht, hat er ein Praktikum gemacht und alles über das Mahlen mit der Steinmühle und Brotteigproduktion gelernt. Mit den Hofbetreibern ist er bis heute nicht nur beruflich, sondern auch freundschaflich verbunden. Geschäfsführer Knut Ellenberg ist zur feierlichen Aufnahme Junges in die BIOSpitzenköche-Vereinigung auch in sein Restaurant auf die Uhlenhorst gekommen. Zwischen den servierten Gängen erklärt er, was Sebastian Junge und ihn verbindet. Es ist Leidenschaft und der Wille, die Ernährungs- und Agrarwende, die Tiere, Natur und Klima schützt, aktiv mitzugestalten.

 

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Im Dessert stecken eingeweckte Erdbeeren aus dem letzten Sommer (Foto: BLE)

 

Handel und Gastronomie müssen wieder enger zusammenarbeiten und direkter kommunizieren. Wer im Austausch mit seinem Abnehmer stehe, werfe am Ende weniger weg und könne besser planen. Außerdem sei Wertschätzung ein wichtiger Punkt, der bis zum Restaurantgast reiche. „Ich muss dem Produkt einen Wert beipflegen, damit der Koch etwas daraus machen kann und der Wert am Ende wieder auf dem Teller erkennbar ist.“

Den Tellern im Wolfs Junge kann man nur mit Wertschätzung begegnen. Die Leberpastete mit üppigem Fettrand löst zwar bei manchem Testesser am Tisch ähnliche Gefühle aus wie die Blutwurst – letztlich ist man sich allerdings einig: Bestellt hätte das Gericht niemand aus freien Stücken. Angesichts des verpassten Geschmackserlebnisses wäre das jedoch eine Schande gewesen. Gleiches gilt für den Schweinenacken, assoziieren wir ihn doch mit der proletarischen Zubereitung als Grillgut mit Soße im Brötchen. Mit fermentiertem Gemüse vom Wolfs Junge-Acker und Kartoffelschaum schmeckt er nach Fine-Dining-Delikatesse.

Wolfs Junge: Zimmerstraße 30 (Uhlenhorst); biospitzenkoeche­-blog.de


Szene-Cover-März-2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Februar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Zimt & Koriander: Ein Mezzedes-Mekka

Zucchini-Bällchen statt Metaxa-Fleischplatte: Das Bistro Zimt & Koriander im Eppendorfer Weg serviert echte griechische Küche in kleinen Happen

Text: Laura Lück

 

Dass Zimt bittersüß sei wie die Frauen ist nur eine der vielen Lebensweisheiten, die Fanis im Film „Zimt und Koriander“ von seinem griechischstämmigen Großvater Vassilis lernt, der ein Gewürzgeschäft im Istanbul der 50er Jahre führt. Er glaubt fest an die übernatürliche Macht der genusssteigernden Mittel und spinnt um jedes eine kleine Geschichte.

Kleine Gerichte mit griechischer Würze gibt’s im Zimt & Koriander im Eppendorfer Weg, dessen Name an Tassos Boulmetis Filmdrama angelehnt ist. Koch Alberto stammt selbst aus Nordgriechenland und serviert mit seinem Geschäftspartner Birol traditionelle Mezzedes abseits von Gyros und Souvlaki.

Morgens wird frisch eingekauft, mittags und abends brummt der Laden. Auf Barhockern an hohen Bistrotischen kommt hier dann die Eimsbüttler Nachbarschaft zusammen und teilt Tapas-Schälchen zu süffigem Hauswein. Eine handgeschriebene Tafel präsentiert das tägliche Angebot von Tzaziki bis Kalbsleber. Die Auswahl fällt schwer – zum Glück schafft man zu zweit locker sechs Gerichte.

 

Große Auswahl an griechische Tapas

 

Erste Runde: würzig-krosse Zucchini-Bällchen mit Estragonsenf (3,50 Euro), superzart gegrillte Lammspieße mit Tomatencreme (5,50 Euro) und gegrillter Oktopus (6,20 Euro), der ganz schlicht mit Olivenöl und Zitrone angemacht ist. Stimmt die Qualität der Zutaten, braucht es davon eben wenige. Der Service empfiehlt außerdem die Scampi in Tomatensauce mit Feta (6,20 Euro), dessen herrlich würzig-salziges Aroma nichts mit Hirtenkäse aus dem Supermarkt-Kühlregal zu tun hat. Auch das Tzaziki mit original griechischem Joghurt (2,80 Euro) schmeckt wie auf Kreta. Dazu gibt’s Lachsspieße auf Fenchelsalat mit Anisnote (5,50 Euro) und Baby Calamaretti vom Grill (5,50 Euro).

Im Film erzählt Vassilis von der Magie der Gewürze und ist überzeugt, dass das perfekt abgeschmeckte Gericht etwa die Liebe entflammen kann. Wenn das stimmt, hat sich vielleicht auch heute Abend in Eimsbüttel jemand verliebt. In jedem Fall aber kann man das Restaurant mit noch so schlechter Laune betreten; die frischen Mezzedes und die Herzlichkeit der Gastgeber bringen Genuss- und Lebensfreude in dem kleinen Gastraum – und die ist ansteckend.

Zimt & Koriander: Eppendorfer Weg 79 (Eimsbüttel)


Szene_Hamburg_Februar_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Januar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Til Schweigers Neueröffnung: Henry Likes Pizza

In der Papenhuder Straße auf der Uhlenhorst hat Til Schweiger nun seine erste Pizzeria Henry Likes Pizza eröffnet

Text: Laura Lück

 

Henry ist ein mallorquinischer Esel, der weiß was gut ist. Er stattete Til Schweiger einmal einen Besuch auf seiner Finca ab – und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt: Es gab gerade Pizza. Der Esel blieb spontan zum Abendessen und ließ sich den neapolitanischen Klassiker schmecken.

Nach Henry dürfen nun auch Hamburger probieren kommen: In der Papenhuder Straße auf der Uhlenhorst hat Til nämlich nun seine erste Pizzeria eröffnet. Drinnen sorgen warme Holzfarben und viel Weiß für ein offenes, freundliches Flair im geräumigen Restaurant. Geschlemmt werden kann an langen Gemeinschaftstischen – entweder mit mehreren Parteien oder großen Gruppen. Dazu passt auch das Kapitel „Foodsharing“ auf der Karte, das beispielsweise den Vorspeisenteller „Mixed Barefood Starters“ für eine variierende Personenzahl anrichtet und „in die Mitte serviert“.

 

Das Familienkonzept

 

Wer keine Lust auf Pizza hat, sollte die leckere Bolognese wählen. Til teilt nämlich das Geheimrezept seiner Tante mit den Gästen. Und das ist richtig gut! Eine weitere Empfehlung stammt von Tils Assistent Volker: Der favorisiert die Puten-Currywurst. Vornamen von Schweigers Töchtern tauchen auf der Getränkekarte auf. So kann man aus Emma Primitivo, Lilli Rosato oder einem Grauburgunder namens Luna wählen – und auch Henry hat natürlich seine eigenen Pizzafavoriten.

Henry Likes Pizza: Papenhuder Str. 49 (Uhlenhorst)


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 20. Dezember 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Ohne Ernährungsregeln: Stevan Pauls neues Kochbuch

Wie kocht man eigentlich ein gutes klassisches Kartoffelgratin? Und was dazu? Mit „Kochen“ hat Foodjournalist und Kochbuchautor Stevan Paul ein 400 Seiten schweres Standardwerk geschaffen, mit dem intuitives Kochen wieder gelingt – ganz ohne starre Ernährungs- und Trendregeln, sondern: so wie es passt. SZENE HAMBURG verlost ein Kochbuch!

Interview: Laura Lück
Foto: Andrea Thode / Brandstätter Verlag

 

SZENE HAMBURG: Stevan, wieso ein Standardwerk? Haben wir das Kochen verlernt?

Stevan Paul: Definitiv! Das Versorgungkochen, wie es meine Mutter noch gemacht hat, ist verschwunden. Die Küchen werden immer kleiner und viele lernen das Kochen auch nicht mehr von zu Hause. Ich dachte dann, es wäre mal an der Zeit ein Standardwerk zu machen, damit dieses Wissen nicht verloren geht. Es geht nicht um die Anbetung des Feuers, sondern ums Weitertragen in diesem Buch.

Entgegen der Trends um Bowl-Gerichte und Superfoods soll „Kochen“ also zurück zum traditionellen Handwerk führen?

Das war die erste Idee des Buches. Wir leben in wilden Zeiten und alle wissen was eine Acai-Bowl ist, aber keiner kann mehr ein anständiges Kartoffelpüree machen. Das haben wir auch unserer schnelllebigen Zeit zu verdanken.

Wir arbeiten alle viel mehr und haben uns daran gewöhnt, auf industrielle Convenience-Produkte zurückzugreifen. Sie kommen jetzt gesünder daher, sind besser gemacht, aber dennoch von der Industrie zusammengeschweißt.

Statt Mikrowellenkost also nun französische Lehrbuchküche? Ist das überhaupt noch zeitgemäß? 

Französische Küche ist die DNA der nordeuropäischen Küche. Viele Klassiker und Standards basieren darauf, aber jedes Land kocht anders. Ich komme durch meinen Lehrberuf auch aus der französischen Ecke.

Es wäre aber nicht richtig zu sagen, dass „Kochen“ ein französisches Kochbuch ist. Es basiert darauf und vieles richtet sich danach. Tatsächlich steckt aber ganz Europa drin. Genau wie Anleihen an die asiatische Küche. Zweimal arbeite ich mit Dashi und einmal mit Kimchi, weil ich glaube, dass diese Dinge mittlerweile in den modernen Kanon einer Standardküche hineingehören. Deshalb gibt’s auch ein Kapitel über Umami.

Ich bin also weltoffen, aber französisch zentriert mit dieser nordischen Gradlinigkeit, die ich da auch noch reingeschmuggelt habe.

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Stevan Paul in seinem Element: tausend Töpfe auf dem Herd

Hast du auch Persönliches reingeschmuggelt? In deinen bisherigen Kochbüchern begleiten wir dich auf kulinarischen Reisen und folgen deinen Empfehlungen. Wie viel Stevan Paul steckt in „Kochen“?

Ganz viel! Ich habe Grenzen und Schubladen lustvoll hier und da verlassen, weil es trotz Standardwerk Stevan Paul sein soll. Ich bete nicht vor, ich biete ganz viel an. Ich habe zum Beispiel ein Käsekapitel eingebaut, das aus der Gliederung nach der französischen Restaurantküche herausfällt. Einen Käseposten gibt es so nicht.

Den macht normalerweise der Dessertverantwortliche oder die Gardemanger, die kalte Küche. Es gibt außerdem ein kleines Kapitel über Sherry, weil ich den über alles liebe und er vor allem so irre gut ist zum Kochen. Er bringt Aromen und Wumms in die Gerichte. Das sind die kleinen persönlichen Späßchen, die ich mir hier und da erlaube.

Im Vordergrund stehen dieses Mal aber die Vorlieben des Lesers. Deshalb sind deine Rezepte auch nach Baukastensystem strukturiert.

Ja, ich habe gemerkt, dass die Menschen sich das wünschen. Haben Sie ein tolles Rezept für Rotkraut
mit karamellisierten Maronen und sonstigem Schnickschnack gefunden, blättern sie jedes Mal bei Appetit auf Rotkraut los und kochen danach. Ohne Maronen und Chichi. Die wollen sie nämlich unter Umständen überhaupt nicht. Und so kam ich auf die Idee zu sagen: Kocht doch was ihr wollt und kombiniert selbst wie ihr mögt.

Ich wollte individuelles Kochen darstellen und zeigen, dass ein Gericht auch zerfallen und sich wieder anders zusammensetzen kann. Es geht um Variation.

 

„Ausprobieren, experimentieren, Lust haben, das ist mir wichtig“

 

So lernen wir auch wieder nachzuspüren, was uns eigentlich schmeckt?

Genau, ich möchte mit dem Buch dazu ermutigen, dir deine eigene Küche und deinen eigenen Geschmack wieder zu erarbeiten. Was schmeckt dir? Was magst du? Ausprobieren, experimentieren, Lust haben, das ist mir wichtig. Kochen ist so spannend. Gerade wenn man es nicht kann. Da helfe ich gern, es auch als Handwerk zu verstehen, aber auf dieser Basis kann man ganz toll kreativ werden.

Aber wie kann man sich nach einem langen Tag dazu motivieren?

Kochen ist Einstellungssache. Wenn man mit dem Gedanken rangeht: „Oh Gott, ich muss jetzt einen Berg Paprika schneiden“, dann ist das natürlich nicht der richtige Angang. Macht man sich dazu aber schöne Musik an und wird dann eine halbe Stunde später auch noch mit einem tollen selbst gekochten Gericht belohnt, dann ist das die schönste Wellness, die man sich vorstellen kann.

Oft scheitert der Versuch ja aber schon beim Einkauf und langen Zutatenlisten, für die man erst mal vier Feinkostläden durchforsten muss …

Ich habe Buchhändlerinnen nach der am meisten gestellten Frage vorm Kochbuchregal gefragt. Die Beschaffung der Zutaten ist tatsächlich die größte Sorge. Deshalb habe ich versucht, den Einkauf so weit wie möglich runter zu brechen. Wenn ich mir Gewürzregale in Privathaushalten ansehe, frage ich mich immer: Was macht ihr damit? In „Kochen“ habe ich die Top Five Spices aufgelistet. Damit kommt man ganz weit.

Auch mit den restlichen Zutaten bin ich sehr minimalistisch vorgegangen. Es gibt auch ein Kapitel über Nachhaltigkeit. Dort kann man lesen, wie man besser haushaltet und wirtschaftet. Außerdem koche ich im Buch nur mit Dingen, die du in jedem Supermarkt bekommst. Ich wollte unbedingt einen barrierefreien Zugang.

Gemüse-Bulgur

Geht auch vegetarisch: Spiegelei zum Gemüse-Bulgur

Es muss also nicht immer der Bio-Hofladen sein?

Ich habe versucht ohne Bauernhofromantik und Bio-Belehrung auszukommen. Ich habe selbst die Saisons rausgeschmissen, weil ich wollte, dass die Leser sich einfach mal locker machen und kochen. Ohne Vorgaben und ohne Wochenmarkt-Vorbild. Ich glaube aber auch, dass man irgendwann von ganz allein Lust auf gute Produkte bekommt, wenn man sich länger mit Kochen und Geschmack beschäftigt.

Wo in Hamburg kaufst du diese guten Produkte am liebsten ein?

Wochenmärkte sind natürlich toll, aber sie finden oft unter der Woche statt. In Eppendorf gibt’s samstags einen Bio-Wochenmarkt. Da kriegt man alles, was man für ein tolles Essen braucht. Selbiges gilt auch für die Hobenköök. Da bekommst du das gesamte regionale Angebot von Fleisch über Fisch bis Käse und Gemüse. Sogar Odefey Geflügel; das bekommt man sonst nur als Gastronom.

Frisch einzukaufen ist aber immer auch eine Kostenfrage.

Gesunde Ernährung basiert immer auf einer Mischkalkulation. Wenn du wenig Fleisch kaufst, hast du mehr Geld für Gemüse und auch das kostet nicht mehr die Welt, wenn du saisonal kaufst. Die Erdbeeren sind dann am günstigsten, wenn sie richtig gut sind. Deshalb weiß ich, dass eine gute Ernährung nicht am Geld hapert.

Die Leute haben verlernt auch mal nur mit Gemüse zu kochen und denken immer, es muss Fleisch dabei sein. Und dann sparen sie genau daran und bekommen Quälfleisch aus der Tierfabrik.

 

„Genuss heißt vor allem, sich Zeit zu nehmen“

 

Wir müssen also generell unsere Genusskultur überdenken. Was bedeutet Genuss für dich?

Das Wort Genuss ist bei uns oft falsch platziert. Darum haben wir auch eine Politik, die sich nicht für Genuss interessiert, weil sie denkt, dass er Überfluss bedeutet. Genuss heißt aber vor allem, auch sich Zeit zu nehmen, sich hinzusetzen zur Mahlzeit, selbst zu wissen, was drin ist und sich vor allen Dingen möglichst unabhängig von industriell hergestellten Lebensmitteln zu machen – und das, ohne in eine religionsartige Gesundheits-Esoterik umzuschlagen. Deswegen ist einfach draufloszukochen eigentlich die schönste Art zu genießen.

Zum Genuss gehört auch die entsprechende Optik eines Gerichts. Die Teller sind im Buch wahnsinnig schön fotografiert. Wie klappt die kunstvolle Drapierung auch zu Hause?

Dafür habe ich extra ein Kapitel übers Anrichten drin. Wenn man ein paar Dinge beherzt, dann klappt das auch. Am allerwichtigsten sind aber warme Teller. Denn stehst du stundenlang in der Küche und richtest auf kalten Tellern an, dann ist das Sößchen auf dem Weg zum Tisch schon erfroren. Ich bin der Botschafter für warme Teller. Das ist ganz, ganz wichtig!

Bevor wir nun alle loslegen: Wie sieht eine sinnvolle Grundausrüstung für die eigene Küche aus? Was braucht man wirklich in Zeiten von Thermomix und Avocadoschäler?

Mit einem scharfen Messer und einem Brett kommst du echt schon weit. Dazu einen großen und einen kleinen Topf und ein bis zwei Pfannen, die nicht sofort verbiegen. Pürierstab find ich super, eine Küchenwaage kann nicht schaden und vielleicht ein Sparschäler. Und dann haben wir es eigentlich schon. Es braucht viel weniger, als man denkt.

stevanpaul.de


 Wir verlosen ein Kochbuch „Kochen“ von Stevan Paul!kochen-stevan-paul

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

Bitte gebt für die Teilnahme Euren vollständigen Namen an. Viel Glück!


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 29. November 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Frühstücks-Dschungel: Der EM Breakfast Club

Lieber Lachs statt Camembert und den Obstsalat ohne Ananas? Kein Problem – die Extrawurst gehört hier zum Konzept

Text: Laura Lück
Foto (o.): EM Breakfast Club

 

Ob man mit dieser Kaffeemaschine auch zum Mond fliegen kann? Die Vision Iberital ist die neuste Hightech-Spielerei auf dem Kaffeemarkt und brüht im Em Breakfast Club das erste Mal auf deutschem Boden.

Wo 19 Jahre lang im ehemaligen Café Colmeia Galão floss, sorgt sie jetzt für energieeffizienten, perfekt temperierten Kaffee- und Teegenuss. Die Schläuche und Leitungen in dem futuristischen Ungetüm schimmern blau-schwarz hinter dem semitransparenten Korpus und arbeiten auf Hochtouren, denn: Der Laden am Neuen Pferdemarkt ist voll.

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Frühstück mit Urban- Jungle- Feeling (Foto: EM Breakfast Club)

Um das Herzstück des frisch eröffneten Cafés versammeln sich Verliebte, Freunde und zeitungslesende Singles zum Frühstück. Denn hier dreht sich alles um die wichtigste Mahlzeit des Tages – individualisierbar und ohne Kompromisse.

Das „Em“ im Namen ist vietnamesisch und heißt übersetzt so viel wie „Du“. Was willst DU frühstücken, das ist hier die zentrale Frage. Sonderbehandlungs-Scham braucht niemand zu haben. Die Speisekarte ist quasi ein einziger Extrawunsch. Darauf sind Frühstückbowls gelistet, die je eine Basis aus Porridge, Açai-Joghurt oder Ahornquark bieten. Dazu gibt’s Flüssiges wie selbst gemachtes Mangomus und jede Menge Toppings von Chiapudding bis Kokosflocken.

Bei den Breakfast-Plates bietet eine lange Liste an Extras von Gemüsesticks bis zur glutenfreien Brotalternative unzählige Kombinationsmöglichkeiten. Gleiches gilt für die frisch gebackenen Waffeln, die auf Wunsch nicht nur vegan, sondern neben der klassisch-süßen Variante auch mit herzhaften Toppings (Empfehlung: Ziegenkäse mit Feigensenf!) zubereitet werden.

 

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Bestell doch, was du willst: Wunsch- Menü im EBC (Foto: Laura Lück)

 

Chi und Jannis haben jede Menge Herzblut ins Konzept und die fünfmonatige Kernsanierung gesteckt. Der zweistöckige Laden ist nicht wiederzuerkennen: Tapeten mit Dschungelprint, ein Tresen im Rotklinker-Look und überall frisches Grün. Hier möchte man den Tag gern starten. Sind die dunklen Holztische vollgeladen mit köstlichem Kaffee und den liebevoll angerichteten Wunsch-Menüs, macht das schnell neugierig auf die Zusammenstellungen der Begleitung.

Teilen und Probieren macht mindestens genauso Spaß wie das Frühstückbasteln – und erfinderisch beim Menü-Pläne schmieden für den nächsten Besuch.

EM Breakfast Club: Neuer Pferdemarkt 14 (St. Pauli)


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Rindchen schlemmt – im Bistro Carmagnole

Das Bistro Carmagnole serviert French Umami in der Schanze und ist eine aromensatte Bistroküche mit französisch pittoreskem Terrassenplatz

Text: Gerd Rindchen
Foto: Lars Heitmann

 

Für die Dokumentarreihe „Auf den Spuren seltener Sieger“ hat sich unser tapferes Rechercheteam wieder auf die Spuren einer sagenumwobenen Publikation begeben: Des „SZENE Gastro Guide Essen & Trinken 2019/2020“, in dem verdiente Schreibschaffende den Hamburger Gastrodschungel durchleuchten. Der Tabellenerste der Rubrik „Frankreich“, nett gelegen im pseudoschrabbelig gentrifizierten Schanzenviertel, bescherte dabei einen rundum beglückenden Abend, wie man ihn nicht alle Tage erlebt.

Lauschig unterm Laubbaum auf patinasattem, original französischen Bistrogestühl hockend wurde dem Chronisten schon mit der ersten Vorspeise eines jener grandiosen Geschmackserlebnisse zuteil, die man sein Lebtag nicht vergisst: Unter dem schlichten Namen „Tatar von Waldpilzen“ (10,50 Euro) nahten fein gehackte, toll gewürzte, perfekt einreduzierte geschmorte Pilze auf einer noch viel intensiveren, schlicht perfekten Pilzmousse. Umami pur! Dagegen verblasste naturgemäß das traditionelle Signature Dish des Hauses, die brave Artischocke (12 Euro).

 

Artischocke: Der Klassiker im Carmagnole

 

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In die gleiche Kerbe wie das Pilztatar haute der tolle, perfekt saftig gegarte Seeteufel mit ungemein geschmackvoll geschmortem Ragout aus heimischen alten Tomatensorten (24 Euro) – in all der gepflegten Langeweile, die in der gehobenen Hamburger Bistroküche zuweilen zu finden ist, fetzte auch dieser beherzte und großartige Gang wie ein Laserstrahl über den Gaumen.

Der zweite Hauptgang, ein klassisches Kalbsbries (27,50 Euro), setzte dagegen eher etwas introvertiertere geschmackliche Akzente. Von der kleinen, aber feinen Weinkarte mit vielen biodynamischen Tropfen tat sich der brave Sancerre (Flasche für 38 Euro) etwas schwer mit den Aromenwundern, dafür war aber der Chardonnay von den Bret Brothers aus dem südlichen Burgund (Flasche 45 Euro) jeden Cent wert und ein kongenialer Gegenspieler zum Essen. Insgesamt war der Carmagnole-Besuch eines der mit Abstand erfreulichsten kulinarischen Überraschungen des vergangenen Jahres – so macht Essen einfach Spaß!

Bistro Carmagnole: Juliusstraße 18 (Sternschanze)


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Botanical Spirit: Allrounder-Schnaps aus Altona

Auch wenn es so aussieht, in den Flaschen aus der NordCraft Destillerie steckt weder Gin noch Wodka. Botanical Spirit steht für sich – und ist so zwar kategorie-, aber keinesfalls charakterlos

Text: Laura Lück

 

Mit Präzision schenkt Mario Gallone ein klares Kräuterdestillat ins Glas, das er mit sprudelndem Tonic aufgießt. Außerdem unumgänglich: Eiswürfel. Ein guter Drink ist eben eine ernste Sache. Dass auch das Schnapsbrennen in der Manufaktur im Altonaer Hinterhof kein Hobby, sondern echtes Handwerk ist, wird schon beim Betreten der Nordcraft Destillerie klar.

Hier hat jemand investiert. In eine Idee, an die er glaubt. Rainer Hosie ist Geschäftsführer des Hamburger Spirituosen-Traditionshauses Charles Hosie und hat mit Destillateur Mario ein kreatives Labor geschaffen – mit geradlinigem Interieur aus warmen Holztönen, kupfernen Deko-Elementen und glänzenden Brennblasen.

 

Hanseatische DNA

 

„Botanical Spirit ist weder Wodka, noch Aquavit oder Gin. Er ist etwas komplett Neues“, betont Mario und verleiht dem Botanical Tonic mit einem frischen Dillzweig den letzten Schliff. Dill ist neben Gurke und Petersilie geschmacklicher Hauptakteur des Destillats und entscheidender Teil seiner hanseatischen DNA. In der Antike galt die Heilpflanze als Symbol für Lebensfreude – heute setzt ihr herb-süßes Aroma vor allem bei typisch nordischen Gerichten Akzente.

Handwerk_Gallone-nordcraft

Eine Frage des Details: Mario bei der Zubereitung

Regionalität zeigt sich auch bei den Zutaten in Bioqualität. Sie stammen aus Hamburg und Umgebung und werden in der knapp 200 Quadratmeter großen Destille frisch angesetzt. Zu der komplexen Rezeptur gehören neben den oben genannten Kräutern auch 22 weitere Botanicals von Kümmel über Kurkuma bis Rosenwasser, die dem Endprodukt seine ganz eigene feinwürzige Note verleihen.

Die vielen Rezeptideen aus dem Hause Nordcraft zeigen, dass Botanical Spirit ein echtes Allroundtalent ist – einsetzbar als Cocktailklassiker-Variation von Sour über Martini bis Bloody Mary oder auch pur als gekühlte Sipping-Spirituose.

Wer mehr über den Zaubertrank erfahren möchte, sollte sich seine Flasche in der Destille besorgen, denn mit Glück kann man Mario bei der Arbeit über die Schulter gucken und sich Tipps und Tricks abholen. Wer über den Webshop bestellt, sollte bei der Zubereitung zwei Dinge beachten: Sparen Sie beim Mixen bitte nicht an der Qualität der Zitronenlimonade. Und Eis nicht vergessen! Sonst bricht es Mario das Herz.


NordcraftSummer_CupRezept: Nordcraft Summer Cup

 

  • 4 cl Dry Botanical Spirit
  • 8 cl Hausgemachte oder klare Zitronenlimonade
  • Auf Eis im Aperitifglas servieren und mit einem Dillzweig und einer Zitronenscheibe garnieren

 

 

 

NordCraft Destillerie: Holstenstraße 194c (Altona-Nord)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Top 10 – Leckere Pizza in Hamburg bekommt ihr hier

Knuspriger Teig, Käse und unendliche Möglichkeiten beim Belag: Dafür lieben wir den italienischen Klassiker Pizza. Wo ihr leckere Originale und Kreationen voller Temperament findet, erfahrt ihr hier

Foto (o.): Lukas Bato via Unsplash

Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung – zuletzt aktualisiert 7/2019

 

1) Die Pizzeria – Der perfekte Teig

Klein und fein ist es und isst es sich bei Die Pizzeria in Eppendorf. Nur wenige Plätze gibt es in dem Laden und die sind aus gutem Grund immer belegt. Statt langer Karte gilt hier nämlich Konzentration aufs Wesentliche: Pizza und Pasta. Das lohnt sich, denn der Teig ist ein Gedicht und die Zutaten harmonieren wunderbar miteinander.

Die Pizzeria: Eppendorfer Landstraße 165 (Eppendorf)


2) Farina meets Mehl – Die Zutaten machen’s

Kein Geld, um nach Italien zu fliegen, aber schlimmstes Fernweh? Da ist ein Besuch im Farina meets Mehl das beste Heilmittel. In dem entspann­ten Restaurant könnt ihr euch einfach zurücklehnen und in Antipasti und Pizza schwelgen. Besonders die original italienischen Zutaten wie echter Parma­schinken oder San­-Marzano­-Tomaten sind zum Dahinschmelzen.

Farina meets Mehl: Gaußstraße 190 (Ottensen)

 

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3) Jill – Knusprig und knackig-frisch

Slow Food kann auch Pizza sein. Bei Jill in den Schan­zenhöfen gibt es sogar eine Variante, die viele noch nicht kennen: Neapolitanische Pizza, bei der der Teig drei Tage geht und dann nur ganz kurz bei großer Hit­ze gebacken wird. Dadurch wird der Teig schön kross und die Zutaten obendrauf bleiben knackig­-frisch.

Jill: Bartelsstraße 12 (Sternschanze)

 

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4) La Terrazza – Eine Prise Italien

Allein für einen Abend im La Terrazza solltet ihr dem schönen Hamburg-Niendorf einen Besuch abstatten. Die herzliche Chefin Dahlia wuchs in Florenz auf und führt das Restaurant bereits in zweiter Generation, während Lebensgefährte Vassillios in der Küche auf hohem Niveau Pizza und andere italienische Köstlichkeiten zaubert.

La Terrazza: Adlerhorst 18 (Niendorf)


5) Pizza Bande – Spannende Eigenkreationen

Pizza können viele, aber die wohl außergewöhn­lichste St. Paulis gibt es bei der Pizza Bande. Neben klassischen und veganen Pizzakombis werden hier spannende Eigenkreationen wie Pizza mit Süßkar­toffelcurry, Joghurt und Studentenfutter zubereitet. Klingt komisch, schmeckt aber super.

Pizza Bande: Lincolnstraße 10 (St. Pauli)

 

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6) Pizza Social Club –Eine runde Sache

Wenn es mal etwas edler sein darf, ist der Pizza Social Club die richtige Adresse. Location und In­neneinrichtung sind ebenso stylish wie die Zutaten auf den Pizzen handverlesen. Bei einem Angebot zwischen Klassikern wie Pizza Salami und Eigen­kreationen beispielsweise mit Kürbissugo fällt die Wahl ziemlich schwer. Da lohnt sich ein Wieder­kommen auf jeden Fall.

Pizza Social Club: Mühlenkamp 29 (Winterhude)


7) Puro Pizza – Pizza-Puristen

Frei nach dem Motto „Weniger ist mehr“ reduziert das Team bei Puro Pizza das italienische National­gericht auf seine Grundbestandteile und verwendet diese in bester Qualität. So kommen vom Mehl bis zu den Tomaten die Zutaten entweder direkt aus Italien oder aus Hamburg und Umgebung. So muss Pizza schmecken …

Puro Pizza: Hoheluftchaussee 49 (Hoheluft-West)

 

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8) Tazzi Pizza – Außergewöhnliche Zutaten

Was haben Mexiko, Indien und Italien gemeinsam? Wissen wir auch nicht, aber im Fall des frisch eröff­neten Tazzi haben dessen Besitzer Erfahrung mit allen drei Landesküchen. Diese Gastro­-Erfahrung spürt man. Denn die neapolitanischen Pizzen sind unfassbar gut und zum Teil außergewöhnlich belegt. Und der Service? Absolut herzlich!

Tazzi Pizza: Rendsburger Str. 14 (St. Pauli)


9) Via Vai Pizza Al Taglio – Von allem etwas bitte

Hier ist nicht nur die Pizza besonders, sondern auch die Art, wie sie serviert wird. Denn am Tresen be­stellt ihr einfach alle Varianten, die ihr gerne probie­ren möchtet. Stück für Stück wird dann mit der Schere so viel ihr mögt von der jeweiligen Riesen­pizza abgeschnitten. Tschüss, Qual der Wahl!

Via Vai Pizza Al Taglio: Bahrenfelder Str. 223 (Ottensen)

 

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10) ZweiPunktNull – Pizza aus Leidenschaft

Reisen öffnet den Weg für Neues. Die Inhaberin des ZweiPunktNull brachte eine Weltreise auf die Idee, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Gedacht, getan: Mit Gastro-­Erfahrung, einem echten Itali­ener am Ofen und besten Biozutaten aus dem Hamburger Umland hat sie eine Traumkombi für echt gute Pizza zusammengestellt.

ZweiPunktNull: Friedensallee 20 (Ottensen)


Ab dem 3.4.2019 im Handel: Der neue SZENE Hamburg GastroguideDer Gastro-Guide SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN ist seit April 2019 für 9,90 Euro im Handel und zeitlos im Online-Shop erhältlich!


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