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Bestes Restaurant in der Kategorie Gourmet: Wolfs Junge

Durchdacht, nicht verkopft: Das Wolfs Junge ist Testsieger in der Kategorie Gourmet

 

Text: Stevan Paul

Auf einem Kasten-Tray aus weichem Holz ist buntes Essiggemüse in einer rauen Tonschale angerichtet, begleitet von gehobeltem Entenschinken und Scheiben einer filigranen Roulade vom Hahn auf Porzellan – getoppt mit gebackenen Hahnenkämmen. Der Gruß aus der Küche mutet an wie ein winterliches Bento aus der Tradition der japanischen Kaiseki-Küche, in der die Speisen selbst, wie auch das ausgesuchte Geschirr und die Präsentation, von den Jahreszeiten erzählen.

Wir sitzen in einem jener jungen Restaurants, die Hamburg mittlerweile in Vielzahl kulinarisch prägen: dankenswerter Weise denken immer mehr Köche neuer Generation bewusst regional und saisonal, ohne sich dabei in ihrer Kreativität ausgebremst zu sehen. Das beweist an diesem Abend im gradlinig designten Wolfs Junge auch der nächste Gang: auf dem Grund einer Schale findet sich hausgemachter Seitan auf cremigem Kartoffelpüree, genial begleitet von knackig kühlen Forellen-Kaviar-Perlen und einem bei Niedrigtemperatur gegarten Onsen Ei, mit typisch cremiger Struktur.

Kürbis, Zucchini, Fenchel und vieles mehr: Spitzenkoch Sebastian Junge baut das Gemüse für Wolfs Junge selbst an (Bild: Mareike Suhn)

Die Küche im Wolfs Junge scheint grenzenlos, wie die folgenden Gänge zeigen. Etwa beim durchscheinend pointiert gegarte Stück vom Kabeljau, in süffiger Beurre Blanc Sauce mit Salz-Zitrone, fermentierten und frisch gehobelten Pilzen. Oder dieser unglaubliche Nose-to-tail-„Zwischengang“: hausgemachte Blutwurst mit Apfel und Senfsaat, die Blutwurst fein gewürzt, mit fleischigen Stücken von Zunge und Herz. Es geht, auch bei diesen beiden Tellern des von uns gewählten 5-Gang-Menüs (65 Euro), um eine Grundhaltung: alles wird verwertet, alles ist von Wert. Es ist eine Küche, in der man verstanden hat, dass Kochen auf dem Feld beginnt, im Stall. Der Bauer, der Fischer, der Jäger sind wichtig.

Dabei ist man im Wolfs Junge leiser als in vergleichbaren Restaurants in Hamburg und Berlin. Angenehm unaufdringlich und beiläufig wie der aufmerksame Service selbst werden hier die Werte des Teams um Sebastian Junge erst mal über Handwerk und Können vermittelt. Wer hinhört und nachfragt, kann aber viel lernen – über Erzeuger, Lieferanten und Wertschätzung. Dann erfährt man auch, wo das Teriyaki-Style geschmorte Huhn zum Gua Bao-Dampfbrötchen herkommt. Der Taiwanesische Klassiker wird hier mit koreanisch inspiriertem, wunderbar mildem Kimichi aus heimischen Gemüsen serviert.

Wie das gepickelte und fermentierte Gemüse zum Auftakt kommen auch diese von Biobetrieben aus dem nahen Hamburger Umland – und einer eigenen Gartenparzelle in Ochsenwerder. Dort baut Junge selbst Gemüsesorten nach biologisch-dynamischem Prinzip an. Zum Highlight des Abends gerät das butterzart gegarte Schwein vom Demeter Hof Klostersee in Grömlitz: ein saftiges Referenz-Schwein, an dem sich künftige Zubereitungen werden messen müssen.

Die formidable Weinbegleitung (44 Euro) macht den Abend rund wie der Streifen Dessertkuchen zum Abschluss, eine feine Schnitte aus Biskuit mit eingemachten Beeren und Holundercreme, dazu herb-säuerliches Rote-Bete-Sorbet. Still und leise hat sich Wolfs Junge seit der Eröffnung im Sommer 2018 zur Top-Adresse in Sachen hyperregionaler und nachhaltiger Genusskultur entwickelt, lässig und kreativ!

Am 14.7.2020 wird das Wolfs Junge nach längerer Pause wieder eröffnet!

Wolfs Junge 
Zimmerstraße 30, (Uhlenhorst),Telefon 040 20 96 51 57,
Di–Fr 12–14.30, Di–Sa 18–23 Uhr, (Küchenannahme bis 21 Uhr)

 


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Bestes Restaurant in Hamburgs Süden: Zum Dorfkrug

Gourmetgenuss in stilvollem Ambiente: Das Zum Dorfkrug ist Testsieger in der Kategorie Hamburgs Süden

 

Text: Melanie-Gitte Lansmann 

Vor den südlichen Toren Hamburgs liegt das Restaurant Zum Dorfkrug, das Zuhause der Sylter Salatfrische. Versteckt in einer Nebenstraße auf dem Weg zwischen Harburg und Buxtehude, besticht der traditionelle Dorfkrug schon von außen mit einem stilvollen Ambiente, das sich beim Eintritt in die Gasträume vollendet. Alles ist äußerst geschmackvoll eingerichtet. Wir dürfen direkt am Kamin an einem festlich gedeckten Tisch Platz nehmen. Die Karte lässt auf frische und hausgemachte kulinarische Köstlichkeiten hoffen.

Der überaus freundliche und kompetente Service reicht vorweg als Brotaufstrich Schmalz und natürlich das berühmte köstliche Sylter Salatdressing. Als Getränk zu den Speisen wählen wir samtweichen Merlot aus Chile und fruchtigen Grauburgunder aus ökologischem Anbau. Die Tagesempfehlung, der in Tempura gebackene Camembert auf lauwarmem Schwarzwurzelsalat mit Honig-Senfdressing und Rote-Bete-Stroh (10,90 Euro), trifft geschmacklich voll ins Schwarze. Als zweite Vorspeise darf der Sylter Salat mit Rinderfiletstreifen in Trüffeljus (13,90 Euro) nicht fehlen. Verschiedene Blattsalate mit Avodaco, Mango, Heidelbeeren, Grantapfelkernen und Quinoa werden durch das Sylter Salatdressing getoppt.

Zarte, geschmackvolle Doradenfilets auf mediterranem Schmorgemüse mit Rosmarinkartoffeln und Rucola (25,90 Euro) werden genauso wie der zartrosa gebratene Lammrücken im Kräutermantel mit knackigen Böhnchen im Speckmantel und Gratinküchlein (26,90 Euro) zum Hauptgang ein Hochgenuss. Die Dessertkarte wird uns vom mit Headsets ausgestatteten Servicepersonal noch mal ans Herz gelegt und obwohl unsere Mägen sehr gut gefüllt sind, müssen wir unbedingt noch die von Chef Thomas Hausschild selbst kreierten Pralinen (2,80 Euro) und das hausgemachte Eis (2,80 Euro) probieren.

Zum Dorfkrug
Grenzweg 1 (Neu Wulmstorf), Telefon 040 300 69 90,
Mo – Do 17.30 – 21, Fr – So 12 – 14 und 17.30 – 21 Uhr 

 

 


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Bestes Restaurant in der Kategorie Griechenland: Das Parea

Bekanntes neu interpretiert: Das Parea ist Testsieger in der Kategorie Griechenland

 

Text: Julia Kleinwächter

Die Karte im Parea ist zwar übersichtlich, trotzdem gibt es mehr Vorspeisen, als man essen kann – auch wenn man in Gesellschaft, mit Freunden kommt, „me parea“, wie der Grieche sagt. Um alles zu probieren, muss man wiederkommen. Kleine Hürde: Auch der erfahrene Griechengast kann nicht erraten, ob es sich auf dem Menü um bekannte Klassiker handelt, weil das Parea fast durchgängig auf griechische Bezeichnungen verzichtet. Das geschmorte Rindfleisch in Tomatensoße heißt nicht Kokkinistó, sondern, nun ja, geschmortes Rindfleisch in Tomatensoße.

Es gibt kein Chtipití, keine Paputsákia, keinen Melitsánosalata. Stattdessen gibt es Fetacreme mit Chiliflocken und Auberginensalat (4,80 Euro). Oder Karottenpommes (4,50 Euro). Oder gratinierten Fenchel (5,50 Euro). Die ganz großen Überraschungen gibt es allerdings nicht. Das Essen ist, wie das Restaurant selbst, angenehm unaufgeregt: gegrillte Dorade (riesig!) oder saftige Lammkoteletts (rosig!; beides 17,90 Euro), gewürzt mit Oregano, Thymian, Knoblauch, dazu zitronengeküsste Kartoffelschnitze aus dem Ofen.

Was das Ganze besonders macht, sind die kleinen Spaziergänge ins Umland der traditionellen Küche. Wer hat bei seinem Stammgriechen jemals Prosecco mit Grapefruit und Rosmarin getrunken? Wer hat dort überhaupt schon mal einen anderen Aperitif getrunken als Ouzo? Und wer hat beim Griechen – beim Griechen! – schon mal gesehen, dass Gerichte eigens als vegetarisch oder vegan ausgewiesen werden? Wassilios Xenos und Vater Christos präsentieren in Eimsbüttel eine kleine gastronomische Perle, in der sie Bekanntes und Neues ohne viel Attitüde verbinden – und neue Bekannte mit Leichtigkeit als Freunde zusammenbringen.

Parea 
Luruper Weg 38 (Eimsbüttel), Telefon 35 96 12 82,
Di-So 17-22.30 Uhr 

 

 


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Bestes Restaurant in der Kategorie Fisch: Das Jellyfish

Auferstanden aus Ruinen: Das Jellyfish ist Testsieger in der Kategorie Fisch

 

Text: Benjamin Cordes

War es ein Protest gegen Gentrifizierung, wie manche spekulierten, oder eine private Fehde? Nachdem das Jellyfish unter seinen alten Betreibern mehrmals von Einbrechern heimgesucht wurde, die auch in der Küche randalierten und kostbare Produkte zerstörten, war das Jellyfish Geschichte. Doch dann kehrte Stefan Fäth, zuvor hier schon Sous-Chef, nach Hamburg zurück und entschloss sich, das für Hamburg einzigartige Konzept fortzuführen: Fisch- und Meeresfrüchte aus nachhaltigem Fang, zubereitet auf Sterneniveau.

Und er gibt direkt Vollgas, auch preislich: Wir wählen das volle Programm, das Sieben-Gänge Menü für 179 Euro. Es wird ein eindrucksvoller Ritt durch tolle Produkte, technisch anspruchsvolle Zubereitungen und überwiegend spannende Aromenkombinationen. Die gebeizte Fjordforelle wird von Gurken und frischen Meeresaromen in unterschiedlichen Texturen (unter anderem Eis) begleitet. Die Kombination von Kaisergranat, Gänseleber und Auster ist überladen, die drei Luxus-Produkte zusammen auf einem Teller stehlen sich hier etwas gegenseitig die Show.

Ganz anders die Jakobsmuschel: Sie ist von absoluter Ausnahme-Qualität. Groß, fleischig, fest und leicht süßlich. Hinzu kommen eine kräftige Rotkohl-Sauce, Miso-Espuma, Kokos und Mango. Klingt erneut viel, ergänzt sich jedoch vortrefflich. Ebenso gelungen ist die Verbindung des rustikalen, gezupften Eisbeins mit einem gebratenen Pulpo-Arm. Das hohe Niveau setzt sich weiter fort, beim Skrei mit Grünkohl genauso wie beim Heilbutt mit Haselnusskruste, Pilzen und Spitzkohl. Der mit Mousse gefüllte und naturalistisch geformte „Karamell-Apfel“ ist als Abschluss etwas mächtig, das frischer Sauerampfer-Eis dazu ein guter Kontrast.

Stefan Fäth ist der Neustart des Jellyfish hervorragend gelungen, das Niveau überzeugt sowohl bei Produkten als auch ihrer Zubereitung. Und wenn die teils fast übermotiviert wirkende Kleinteiligkeit etwas reduziert wird, kann man sicher sein, dass der Michelin-Stern auch weiterhin das Jellyfish schmücken wird.

 

Jellyfish 
Weidenallee 12 (Eimsbüttel),Telefon 040 410 54 14,
Do-Mo 18-23 Uhr

 

 

 


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