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Hamburger Soli-Merch: Anziehungs-Kraft

Die Hamburger Kultur- und Gastroszene ist gebeutelt: Viele Läden und Clubs haben Jutetaschen, Soli-Shirts oder anderen Merch produziert, mit deren Kauf sie in Corona-Zeiten unterstützt werden können

Konzept: Isabel Rauhut
Fotos: Johanna Zobel

 

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Cap: STANDARD, 25 Euro, standard.hamburg
Schal: Playground Coffee, 35 Euro, playground-coffee.de
Pullover: Uebel & Gefährlich, 45 Euro, uebelundgefaehrlich.com
Jutebeutel: Kandie Shop, 15 Euro, startnext.com/support-your-local-kandieshop

 

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T-Shirt schwarz: Knust, 25 Euro, knust-wizard.gmbh
Socken rot: Dulf’s Burger, 7 Euro, dulfsburger.de/shop
Wollmütze: Freundlich+ Kompetent, 25 Euro, freundlichundkompetent.de
T-Shirt weiß: XO Seafoodbar, 30 Euro, thisisxo.de
Socken weiß: Molotow, 16 Euro, shop.molotowclub.com

 

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Hoodie: Gruenspan, 54,95 Euro, shop-merchroadie.de/collections/gruenspan
Pullover: Playground Coffee, 45 Euro, playground-coffee.de
Jutebeutel: Kandie Shop, 15 Euro, startnext.com/support-your-local-kandieshop

 

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Wollmütze: Freundlich+Kompetent, 25 Euro, freundlich-und-kompetent.de
T-Shirt: Komet, 15 Euro, komet-st-pauli.de
Cap: STANDARD, 25 Euro, standard.hamburg
Schal: Playground Coffee, 35 Euro, playground-coffee.de

 

hamburg-soli-merch6-c-johanna-zobel

Cap: STANDARD, 25 Euro, standard.hamburg
Pullover schwarz: Uebel & Gefährlich, 45 Euro, uebelundgefaehrlich.com
Socken gelb: Dulf’s Burger, 7 Euro, dulfsburger.de/shop
Pullover grau: Kandie Shop, 55 Euro, startnext.com/support-your-local-kandieshop
Jutebeutel: Abaton Kino, 3 Euro, abaton.de

 

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Hoodie: Black Delight, 35,90 Euro, blackdelight.de
Socken weiß: Molotow, 16 Euro, shop.molotowclub.com
Socken rot: Dulf’s Burger, 7 Euro, dulfsburger.de

 

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T-Shirt: Knust, 25 Euro, knust. wizard.gmbh

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Corona-Rückblick: Was bisher geschah

Zwölf Monate Corona liegen hinter uns – und damit allerhand pandemisches Stadtgeschehen. Wir fassen einmal per Fotostrecke zusammen

Texte: Marco Arellano Gomes, Ulrich Thiele, Erik Brandt-Höge
Fotos: SZENE HAMBURG

 

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April
Ab 27. April 2020 gilt: Wer in den Öffis und im Einzelhandel unterwegs ist, muss eine Maske tragen. Genauer: eine Mund-Nasenbedeckung. Seitdem hängen die Stofffetzen, die das Infektionsgeschehen eindämmen sollen, in selbst genähten Varianten in jedem Kiosk. So weit, so gut. Allerdings führte der Erlass der Gesundheitsbehörde bei einigen Bürgern zu, nun ja, eigenwilligen Interpretationen. Während sich manche auf grobgestrickte Wollschals mit münzgroßen Luftlöchern verließen, vergaßen andere einfach mal die „Nasen“ in Mund-Nasenbedeckung. Erst seit 22. Januar dieses Jahres wurde dem ein Ende bereitet, als das Tragen von medizinischen Masken Pflicht wurde.

 

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Mai
Im Mai 2020 war – wie in fast allen Monaten des Jahres – nicht nur sprichwörtlich alles neu. Trotz des Topwetters gab es keine großen Open-Air- Sausen, keine Grillerei in XXL-Runde, ja schlichtweg nichts, was mit großen Menschenansammlungen zu tun haben könnte. Immerhin: In kleinen Grüppchen und mit Abstand ließ sich die Sonne noch genießen, so wie hier an der Alster nahe des Winterhuder Fährhauses.

 

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August
Im August war eine gewisse Gelassenheit zu spüren. Erstmals war es wieder möglich, Veranstaltungen zu besuchen. Die obligatorischen Masken durften am Platz sogar abgenommen werden, wie hier bei einer Filmvorführung historischer Hamburg-Werbefilme aus den 1920er Jahren mit dem Titel „Roaring Twenties“ im überdachten, aber luftdurchlässigen Hof des Museums für Hamburgische Geschichte. Im Rückblick zeigten Abende wie dieser, wie sehr es den Menschen fehlt zusammenzukommen, um gemeinsam etwas zu erleben.

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September
„Was wir fürs Reeperbahn Festival vorbereitet haben, ist sehr vernünftig“, so RBF-Geschäftsführer Alexander Schulze im Vorfeld des Club- Festivals, das vom 16. bis 19. September stattfand – dank eines tatsächlich ziemlich ausgeklügelten Sicherheits- und Hygienekonzepts. In kurz: Weniger Besucher, die sich überall ein und auscheckten, sich die Hände desinfizierten und Abstand hielten.

 

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November
2. November: Der zweite Teil-Lockdown mit Schließungen in Gastronomie und Kultur beginnt. Clubs, die mit mühevoll erarbeiteten Sicherheits- und Hygienekonzepten im August wieder eröffnet hatten, müssen nun wieder alles runterfahren. Acht Wochen lang hatte etwa der Nochtspeicher Konzerte vor einem sitzenden Publikum von 60 Personen veranstaltet – jede Show war ausverkauft. Rentiert hat sich das nicht, doch Nochtspeicher-Chef Constantin von Twickel ging es vor allem darum, endlich wieder Kultur stattfinden zu lassen. „Das zeigt das große Interesse an Kunst und Kultur, das Vertrauen in uns und den Bedarf daran! Kultur ist lebenswichtig und Balsam für die Seele“, resümierte der Club auf seiner Facebook-Seite einen Tag vor dem erneuten Lockdown.
Andere Clubs haben gar nicht erst wiedereröffnet. Für Logo-Geschäftsführer Eberhard Gugel zum Beispiel kam es überhaupt nicht in die Tüte, Konzerte unter Pandemie-Bedingungen wieder stattfinden zu lassen. „Rock ’n’ Roll und Sitzplätze – das passt für mich nicht zusammen“, sagte er damals SZENE HAMBURG im Interview. Dank Spenden, Überbrückungshilfen und Rücklagen können Clubs wie das Logo überleben, aber wie lange noch gespendet wird und der Staat einspringt, steht in den Sternen. „Ich glaube, wenn im Laufe des nächsten Jahres kein Impfstoff gefunden wird, dass man sich von Clubkonzerten ernsthaft verabschieden muss“, sagte Gugel im November. Also, 2021: Let there be Impfstoff!

 

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Februar 2021
Plötzlich Sonne, über 15 Grad, bestes Shoppingwetter – aber es gibt keine Shoppingmöglichkeiten. Die City ist dicht. Menschenleer. Während an Nicht-Corona-Samstagen die Läden gestürmt werden, bleiben sie an diesem, Ende Februar, komplett leer. Eine Geisterstadt, möchte einer meinen, der aus einer fernen Galaxie eingeflogen kommt. Leider normal derzeit, wissen Hamburger. Der Einzelhandel muss weiterhin auf Kundschaft warten.


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburger Nachwuchs: Sängerin Sukie

Gerade mal ein Jahr ist es her, dass Sukie ihren ersten eigenen Song veröffentlichte. Doch spätestens, als im Oktober ihre Debüt-EP „Love And Impatience“ erschien und die Kunde von einer neuen, talentierten Sängerin aus Hamburg die Runde machte, war klar: Mit Sukie wird zukünftig zu rechnen sein. Im Interview spricht die 22-Jährige über Schwermut als Treibstoff, das derzeitige Darben der Kreativszene und Lichter am Ende des Tunnels

Interview: Daniel Schieferdecker

 

SZENE HAMBURG: Sukie, wie bist du zur Musik gekommen?

Sukie: Musik war immer ein großer Teil meines Lebens. Ich war ein sehr ruhiges Kind, habe viel Zeit mit mir selbst verbracht – und dabei fast immer Musik gehört und gesungen. Ich habe es dann aber eine Weile schleifen lassen – bis vor drei Jahren mein bester Freund bei einem Autounfall gestorben ist.

Und dann?

Das war jemand, der sehr krass gelebt hat; der immer seinen Weg gegangen ist und das gemacht hat, was er machen wollte. Da ist mir bewusst geworden, dass ich viel zu lange meine Zeit mit Dingen vergeudet habe, die mich nicht erfüllen – das ist für viele Leute ja deren Realität. Aber das wollte ich nicht.

Ich habe dann einen Coversong bei Instagram hochgeladen, coole Reaktionen darauf bekommen und weitergemacht. Im Oktober kam dann meine erste EP „Love And Impatience“.

Bist du tatsächlich so ungeduldig, wie es der EP-Titel verheißt?

Ja, ganz schlimm! Wenn ich Dinge nicht auf Anhieb kann, höre ich sofort wieder damit auf. Ich werde sonst wahnsinnig. (lacht)

Deine Pressesgentur hat dich angepriesen als „junge Frau mit Charakter“. Was meinen die damit?

(lacht schrill) Wenn ich das nur wüsste! Hat nicht jeder einen Charakter? Aber sagen wir so: Ich bin in gewissen Dingen sehr speziell – aber auf eine gute Art und Weise.

Das musst du erklären.

Ich bin sehr feinfühlig, eine sehr empathische Person. Das schadet mir manchmal zwar auch, weil ich oft mehr bei anderen bin als bei mir. Aber das ist etwas, das mich ausmacht.

 

 

Deine Lyrics schreibst du auf Englisch. Warum?

Ich habe einen besseren Zugang zu der Sprache. Deutsch als Muttersprache ist einfach zu nah an mir dran. Das Englische ermöglicht mir eine etwas objektivere Sicht auf die Dinge. Aber: Ich bin bilingual aufgewachsen, weil meine Mutter lange in London gelebt hat.

In deinen Songs liegt viel Schwere, in den meisten geht es um düstere Themen. Ist das deine Art der Verarbeitung?

Ja, absolut. Ich kann aber keine Songs schreiben, wenn es mir richtig schlecht geht. Das passiert erst danach, wenn ich die Situation für mich selbst schon ein bisschen verarbeitet habe.

Du machst nicht nur Musik, sondern studierst auch Ethnologie und klassische Archäologie. Inwiefern hat dein Studium Einfluss auf deine Songs?

In vielerlei Hinsicht: Durch das Ethnologie-Studium bekommt man einen sehr weiten Blick darauf, wie die Menschen auf der Welt in der Gesellschaft funktionieren.

Kennst du den Begriff der kulturellen Universalien? Das sind Dinge, die nicht kulturabhängig variieren, die es in jeder Gesellschaft gab und gibt – und eine davon ist Musik. Das finde ich spannend: dass Musik, unabhängig vom Text, eine Sprache ist, die von jedem überall auf der Welt verstanden werden kann.

 

„Ich sehe gerade ganz viele Existenzen sterben“

 

Vor Corona hast du in einer Bar gearbeitet. Seit einem Jahr nun nicht mehr. Hatte das einen Einfluss auf deine Musik?

Total! Ich habe immer gerne Gastro gemacht, aber das schlaucht auch – zumal das ein Job ist, der dir menschlich nicht viel zurückgibt und deinen Schlafrhythmus total zerschießt.

Durch den Wegfall dieses Jobs hatte ich nun mehr Zeit, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Mich zu fragen: Wer will ich sein? Wie will ich klingen? Das hat mir geholfen. So perfide es klingen mag: Ein Stück weit bin ich tatsächlich dankbar für die Situation. Aber jetzt ist auch gut. (lacht)

Welche negativen Einflüsse hatte die Pandemie auf dich?

Ich hatte dadurch viel Zeit zu zweifeln. Zwischendurch bin ich in tiefe Löcher gefallen und hab mich gefragt, wofür ich das eigentlich mache, wenn es ja doch niemand  zu hören bekommt – vor allem nicht live.

Ich kriege ja auch mit, was in meinem Umfeld los ist, wo viele Leute professionell Musik machen. Ich sehe gerade ganz viele Existenzen sterben, Clubs schließen, eine ganze Branche untergehen.

Wie motivierst du dich, trotzdem weiterzumachen?

Indem ich versuche, mich darauf zu besinnen, Kunst nicht für andere, sondern in erster Linie für mich selbst zu machen. Trotzdem macht die Situation mir Angst. Ich saß durchaus schon mit Heulkrämpfen im Studio. Aber eigentlich bleibt einem gar nichts anderes übrig, als positiv zu bleiben und nicht den Glauben zu verlieren.

 

 

Hast du eigentlich eine Lieblingszeile von dir?

Ja, aus „Hit Me“. Da singe ich: „And the night might be yours, but the morning is mine.” Die finde ich sehr schön. Es gibt auch noch eine andere, aber die ist noch nicht veröffentlicht. Kann ich daher nicht verraten, sonst klaut die noch einer. (lacht)

Wenn es unveröffentlichte Textzeilen von dir gibt: Kommt dann dieses Jahr noch was Neues von dir?

Auf jeden Fall! Wahrscheinlich noch eine EP. Und dann mal schauen, wie es insgesamt mit der Musik und Kultur hier weitergeht. Ich habe auf jeden Fall noch einige sehr, sehr gute Songs, die nur darauf warten, veröffentlicht zu werden.

thisissukie.com


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Gastronomen verfassen erneut Brandbrief

Erneut haben Vertreter aus der Gastronomie einen Brandbrief an die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder verfasst. Die Branchenvertreter kritisieren die aktuellen Corona-Maßnahmen und die Verspätung der finanziellen Hilfen.

 

Die finanziellen Einbußen des aktuellen Lockdowns sollen durch die Bundesregierung mit Novemberhilfen ausgeglichen werden. Dieses Geld ist laut Brandbrief bis jetzt nicht bei den Gastronomen angekommen. Warum das Geld nicht geflossen ist, ist für die Gastronomen nicht nachvollziehbar, denn der Finanzminister habe klargestellt, dass das Geld vorhanden sei und der Bund es sich leisten könne.

Die Verfasser des Brandbriefs erkennen in der verlangsamten Umsetzung der Politik „eine systematische Verzögerungsstrategie“ und werfen der Regierung vor, hierdurch Geld sparen zu wollen. Hilfen würden zwar versprochen, aber so spät ausgeliefert, dass für einige Betriebe die Hilfen zu spät kämen. „Die Politik lässt die Gastronomen am lagen Arm verhungern“, heißt es in dem Brief. Dieses Vorgehen vernichte bis zu zwei Millionen Arbeitsplätze.

 

Die Gastronomie fordert schnelle finanzielle Hilfe

 

Zudem seien die zugesagten Hilfen zu gering. Sie würden nur einen kleinen Teil der aufgelaufenen Verluste decken und viele Betriebe nicht mehr retten können, die in den vergangenen Monaten viel Geld in Hygienemaßnahmen investiert hätten.

Des Weiteren gehen die Gastronomen davon aus, dass der Lockdown über den November hinaus verlängert wird und fordern auch für diese Zeit eine finanzielle Entschädigung. „Wenn der Lockdown verlängert werden muss, müssen auch die Entschädigungen fortgesetzt werden“, steht in dem Brief. Ohne Unterstützung würden viele Betriebe nach dem Lockdown nie wieder öffnen können.

Unterzeichnet haben den Brief unter anderem Tim Mälzer (Bullerei), Mirco Silz (L’Osteria), Stephan von Bülow (Eugen Block Holding), Jan Kamp (Le Crobag), Yvonne Tschebull (Tschebull Restaurant) und viele weitere. /NF

Hier könnt ihr den Brandbrief lesen.

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Restaurants im Lockdown: Gastronomie to go

Der Lockdown light in Hamburg – alle Restaurants, Bars und Cafés der Hansestadt haben ihre Türen bis Ende November geschlossen. Doch die Gastro-Szene steckt den Kopf nicht in den Sand, sondern tüftelt stattdessen an tollen neuen Food-Konzepten.

Seit dem 2. November sind für voraussichtlich vier Wochen alle gastronomischen Einrichtungen geschlossen. Nur noch Angebote zum Mitnehmen sind erlaubt. Und das nicht nur in Hamburg. Die Branche mit mehr als 2 Mio. leidenschaftlichen Menschen und über 80 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr steht vor einer erneuten großen Herausforderung. Doch anstatt zu verzweifeln oder gar aufzugeben, entwickeln die Gastronomen – wie schon im Frühjahr – neue, kreative Ideen:

Ready to eat

 

Eis und Salzig macht jetzt auch “richtiges Essen”

Das Eis und Salzig bietet wie auch schon im ersten Lockdown von Dienstag bis Sonntag hausgemachtes Eis, Kaffee und Kuchen zum Mitnehmen. Diesmal geht hier in Langenhorn aber noch mehr! Denn das Café und Bistro versorgt euch auch mit „richtigem Essen“. Zur Wahl stehen Köstlichkeiten wie Lammragout, Rotes Tandoori-Curry oder Gemüse-Couscous – alles jeweils verzehrfertig, ausgelegt für zwei Personen und vakuumiert, sodass die Gerichte nur noch erwärmt und eventuell durch ein paar Extras ergänzt werden müssen. Eis und Kuchen geht dazu natürlich trotzdem noch. 

Mehr Infos und Bestellungen unter eisundsalzig.de

 

Marta-Menü per App

 Hofly ist eigentlich eine App, über die frische Lebensmittel direkt vom Bauernhof nach Hause in die eigenen vier Wände bestellt werden können. Aufgrund der Einschränkungen für die Gastronomie durch den Lockdown light stellen die Macher ihre Plattform nun aber auch Restaurants zur Verfügung. Eines der Ersten ist das Marta in Ottensen. Hier bereiten Bobby und Freddy in ihrer Küche ein leckeres Menü vor, das dann per App den Weg zu euch findet. Fehlt nur noch der letzte Schliff und die kreative Küche landet direkt und coronasicher bei euch auf dem Teller.  

Mehr Infos und Bestellungen unter restaurant-marta.de und hofly.de

Köstliche Burger und mehr in Otto’s Lädchen

Auch Otto’s Burger schließt ab dem 2. November alle Filialen. Doch Fans der saftigen Burger müssen die nächsten vier Wochen nicht hungrig bleiben. Bis zum 30. November können im Otto’s Lädchen im Grindelhof 33 nämlich jeden Tag Burger und Burgerkits mit in die eigenen vier Wände genommen werden. Auch Saucen, Steaks, Würste, Wein und Bier warten auf ein neues Zuhause. Bestellen geht nicht nur vor Ort, sondern ebenso über den Onlineshop der Burger-Experten. Dann einfach nur noch abholen zwischen 16.30 und 22.30 Uhr. Toll!

Mehr Infos und Bestellungen unter ottosburger.com

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Restaurant Lockdown: Jetzt gibt’s Burger to go

 

Kuchen-Glück in the Box

Auch ohne Lockdown ist für viele ein gemütliches, ausgiebiges Schlemmer-Frühstück noch im Schlafanzug der perfekte Start ins Wochenende. Wie praktisch, dass die mit Herz und Zucker Cafés ihre Kuchen- und Frühstückskunst auch für zu Hause anbieten! Die Frühstücksboxen gibt es in zwei Versionen: Beide enthalten unter anderem großzügig belegte Stullen, hausgemachtes Granola und Müsli mit süßen Früchten. Die Special-Version hat außerdem köstlichen Kuchen aus der eigenen Konditorei und frisch gepressten Orangensaft im Gepäck. Auch Lunch-Gerichte und Kaffee gehören zum Take Away Menü des Frühstückscafés. Bleibt also gespannt und hungrig auf die hübschen Köstlichkeiten.

Mehr Infos und Bestellungen unter cafe-mitherzundzucker.de

 

Wein aus der Vinothèque Virtuelle

Schon vor einigen Wochen hat das Bistro Carmagnole seinen eigenen virtuellen Weinkeller ins Leben gerufen. In der Vinothéque Virtuelle wartet eine kleine, aber erlesene Auswahl an Bio- und Naturweinen, von denen ihr die meisten bereits von der Bistro-Karte kennen könntet, auf die bequeme Bestellung in die eigenen vier Wände. Dazu gehören Orange-Weine, prickelnde Pet-Nats oder auch Champagner. Die perfekten Begleiter für jede Indoor-Party – mit ausschließlich zwei Haushalten und höchstens zehn Personen natürlich! Das bedeutet nämlich auch wunderbar mehr Wein für jeden.

Mehr Infos und Bestellungen unter carmagnole.kr

Ready to cook

 

Tacos basteln mit dem Tortilla Guy

 Der Tortilla Guy bringt mexikanischen Flavor nach Hamburg und Deutschland. Über den Online-Shop können drei verschiedene Taco Kits – Carnivore, Classic und Veggie – in die eigenen vier Wände bestellt werden. Dazu gehören jeweils verschiedene Toppings, Sen und eine Anleitung für die Zubereitung der verschiedenen Bestandteile. Wer die Füllung der köstlichen Teigfladen selber auswählen möchte, kann auch einfach einen Stapel Tortillas ordern, die gibt es ebenfalls in drei Variationen. Die Taco Kits gab es schon vor dem Lockdown, wir finden sie immer noch super. 

Mehr Infos und Bestellungen unter thetortillaguy.com

 

Pekingente at Home

Das Dim Sum Haus in St. Georg kann noch viel mehr als die gleichnamigen, köstlich gedämpften Teigtaschen. In dem Traditionsladen von 1964 gibt’s auch herrlich knusprige und ganze (!) Pekingenten. Aktuell können wir diese aus bekannten Gründen leider nicht direkt vor Ort genießen, umso mehr freuen wir uns über den PekingentenShop! Denn über diesen könnt ihr und können wir die traditionell zubereitete Ente ganz bequem und sicher von zu Hause aus bestellen. Alles, was dann noch zu tun ist, ist die Finalisierung im eigenen Backofen und das Dämpfen der mitgelieferten Pfannküchlein im Wasserbad.  

Mehr Infos und Bestellungen unter pekingente.shop

 

Handcrafted Beer und Überquell-Pizza für’s Sofa

Kein Lockdown ohne das Überquell! Die Bier- und Pizzamacher von St. Pauli bleiben bunt und optimistisch – bald schon geht ein Onlineshop für die eigenen Produkte an den Start und die ÜberQuell Back-Box ist ebenfalls nicht mehr lange Zukunftsmusik. Dann heißt es zuhause: Ofen an, Pizza rein und Bierchen auf. Nur die schöne Location am Hafen könnt ihr euch leider nicht bestellen, höchstens bloß kurz beim Abholen genießen. Übrigens will das Überquell noch bis einschließlich Sonntag, den 1. November, so viel Bier aus den Zapfhähnen bekommen wie möglich. Also schaut in den Brauwerkstätten vorbei und helft beim feuchtfröhlichen Fässer leeren.

Mehr Infos und Bestellungen unter ueberquell.com

 

Der Ramen-Panda kommt

Von Hamburg in die ganze Welt. Na gut, das nun (noch) nicht – aber immerhin ganz Deutschland beliefern die Ramen-Experten aus dem Karolinenviertel mit ihren japanischen Nudelsuppen. Einfach die gewünschte Suppe auswählen – zur Wahl stehen auf der Panda-Webseite aktuell Shio Shoyu Ramen, Hatcho-Miso Ramen oder vegane Ramen – und alle Zutaten kommen gut verpackt bei euch zu Hause an. Dann heißt es: Kochlöffel schwingen und nach der ausführlichen Anleitung in der eigenen Küche köstliche Ramen zusammenbrauen. Schmeckt fast so gut wie im Restaurant! Also auf auf in den Online-Shop zum Bestellen.

Mehr Infos und Bestellungen unter lesser-panda-ramen.de

Ready to rumble

 

Kochen wie im 100/200

Die Grundkiste des Sterne-Restaurants in Rothenburgsort ist zurück! Die Zutaten stammen von genau den Erzeugern und Partnern, die die Küche auch außerhalb der Pandemie beliefern. Das 100/200 besteht darauf: Für die Grundkisten wird keine Ware bestellt, sondern – ganz im Sinne der Idee von Gemeinschaft und Verantwortung – abgenommen, was sowieso schon da ist. Für 90 Euro kann die Kiste in Hamburg abgeholt oder innerhalb Deutschlands geliefert werden. Enthalten sind bereits vorbereitete Mahlzeiten für zu Hause, zum Beispiel Fisch aus der Fischereiwirtschaft Reese, ein warmes Herbstgericht oder auch das 100/200 Sauerteigbrot sowie selbst gemachte Wurst. 

Mehr Infos und Bestellungen unter 100200.kitchen/die-grundkiste

 

Ihr kennt oder plant weitere tolle to go Konzepte? Dann schreibt uns eine E-mail an essen-trinken@szene-hamburg.com. Wir unterstützen die Hamburger Gastronomie – und wir lassen uns nicht unterkriegen!

/ BD

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Genuss darf man nicht wegschließen

Sie haben sich angepasst, umgebaut und geschuftet – und was haben sie davon?

Kommentar: Jessica Bolewski

 

Der Lockdown light zwingt Gastronomen in die Knie. Restaurants, Bars und Cafés müssen im November vollständig schließen, dürfen lediglich ein to-go-Angebot anbieten. Finanzielle Einbußen, Existenzängste und Entsetzen machen sich in der Branche breit.

Beim Betreten der Gastro waren Checklisten an vielen Türen sichtbar: Hier gilt Maskenpflicht! Nach dem Desinfizieren der Hände und dem Registrieren per Zettel oder QR-Code konnte der Abend für die Gäste dann auch losgehen – natürlich mit genügend Abstand zum Nachbartisch. Ein Procedere, das zwar etwas umständlich, aber inzwischen gelernt und notwendig war, um sich und seine Mitmenschen zu schützen. Wenn das Servicepersonal das Essen servierte, trug es auch eine Alltagsmaske. Ein Lächeln darunter ist dennoch erkennbar und so bemerkenswert bei einer geringen Auslastung aufgrund der Maßnahmen.

 

Lockdown light: Die Gastro ist wütend

 

Im November bleiben die Tische leer. Trotz ausgeklügelter Hygienekonzepte wie Belüftungsanlagen, Trennwände und hochmoderne Virenfilter. Die Gastro ist wütend. Wütend auf die “schwarzen Schafe” ihrer Branche, die ihre großen Bemühungen zunichte machen. Wütend auf falsche Namen auf den Registrierungskarten. Wütend darauf, dass der Lockdown light sie als voller Lockdown trifft. Und das, obwohl das Robert-Koch-Institut Restaurants und Gaststätten nur einen “minimalen Anteil” am Ausbruchsgeschehen zuweist.

Mit einem offenen Brief an Kanzlerin Merkel fordern führende Gastronomen wie Cornelia Poletto, Tim Mälzer und Tim Raue ein hartes behördliches Vorgehen gegen alle “schwarzen Schafe”, die Unterstützung durch die Behörden bei der Durchsetzung der Regeln und die konsequente Förderung beim Ausbau der Außenbereiche sowie des Infektionsschutzes im Innenraum. Hören wollte man diese Forderungen nicht.

Dabei leistet die Gastronomie in Zeiten der Pandemie nicht nur einen so wichtigen Beitrag – damit Deutschland, damit die Menschen durchhalten. Essen ist lebensnotwendig. Und so ist der Besuch im Restaurant, in der Bar oder im Café viel mehr als eine Auszeit vom stressigen Alltag, sondern ein Lebensgefühl, eine Oase, in der man seine Probleme für einen Moment vergessen kann. Ein Ort, an dem man zusammenkommt, miteinander spricht, lacht – ein Ort, zum Genießen.

Die Gastronomie ist für uns Menschen essentiell. Wir brauchen sie und sie braucht uns!

 

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Paukenschlag der Gastro-Szene

30 führende Gastronomen Deutschlands schließen sich zusammen und kämpfen Seite an Seite gegen eine erneute Schließung von Restaurants und Bars.

In einem Brandbrief an die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder stellen sie fest:

Der Lockdown light

  • ist unverhältnismäßig
  • verdrängt Menschen aus einem sicheren Umfeld
  • verstärkt die gefährliche Pandemie-Müdigkeit
  • führt zu einem Flickenteppich der Regelungen in Deutschland
  • unterscheidet nicht zwischen verschiedenartigen Angeboten

Die unterzeichnenden Gastronomen stehen für eine Initiative großer Unternehmen sowie eine Branche mit mehr als 2 Mio. leidenschaftlichen Menschen und über 80 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr. Einen zweiten Lockdown könne laut Brandbief für viele Betriebe der Branche das Aus bedeuten. Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung seien grundsätzlich richtig, heißt es dort weiter – genauso wie die Unterstützung der Bevölkerung.

Unterzeichnet haben den Brief unter anderem Tim Mälzer, Stephan von Bülow (Eugen Block Holding GmbH), Mirko Silz (L’Osteria), Stefan Tewes (Coffee Fellows) und viele weitere.

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Neue Gastro-Liebe: Herzstück eröffnet in Eimsbüttel

Zwei kreative Köpfe, eine richtig gute Location und jede Menge positive Energie: Die Gastronomen Hannes Schröder (u. a. Küchenfreunde) und Vesper-Gründer Christian Buchleiter machen ab 4. August gemeinsame Sache

 

Nach dem Heimatdeli „was wir wirklich LIEBEN“ in der Hegestraße und dem Kraftwerk in Bahrenfeld folgt nun der nächster Standort in Eimsbüttel. An der Ecke Osterstraße/Eppendorfer Weg, an der das Vesper schon seit 24 Jahren zu Hause ist, eröffnen beide am Dienstag, 4. August, ihr „Herzstück“.

In der neuen Location mit Sonnenterrasse werden ab nächster Woche dienstags bis samstags von 9 bis 24 Uhr hochwertige Speisen, Kaffee und Kuchen sowie leckere Drinks – from farm to table, in gehabter „was wir wirklich LIEBEN“-Qualität.

 

Drei-Tageszeiten-Modell

 

In der neuen Küche, die auf Effizienz und Nachhaltigkeit ausgelegt ist, werden aus regionalen und saisonalen Zutaten köstliche Gerichte gezaubert. Das Drei-Tageszeiten-Modell, welches von morgens bis abends glücklich und satt macht, wird hier kreativ umgesetzt: Zum Frühstück gibt es eine Auswahl an Müsli, Stullen, Franzbrötchen, Rüherei oder auch vegane Alternativen. Die Lunchkarte, die jede Woche wechselt macht Veganer und Vegetarier genauso glücklich wie Fleischliebhaber.

Von geröstetem Blumenkohl mit eingelegten Kirschen und Ziegenkäse über hausgebeizten Fjordlachs bis zu Hannes‘ Lieblingsgericht, Wiener Schnitzel mit Heidekartoffel-Salat, findet man abends auf der Speisekarte ebenfalls für jeden Geschmack etwas.

Den 4. August rot im Kalender markieren und ab nach Eimsbüttel ins Herzstück!

Herzstück: Osterstraße 10-12 (Eimsbüttel)


Der Gastro-Guide SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN ist seit April 2020 für 10,80 Euro im Handel und im Online-Shop erhältlich!


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Appetit auf mehr?

Peter Tschentscher: „Die ersten zehn Sekunden sind vorbei“

Kurz nach der Bestätigung als Hamburgs Erster Bürgermeister muss Peter Tschentscher die Stadt durch eine Zeit schiffen, in der viele unterschiedliche – psychologische und existenzielle – Bedürfnisse gehört werden wollen. Ein Gespräch über die zwei Seiten der Krise und seine Hoffnung, wie die Stadt nach der Pandemie aussieht

Interview: Hedda Bültmann & Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Peter Tschentscher, bezogen auf die wirtschaftliche Lage Hamburgs haben Sie die Corona-Krise kürzlich mit einem Luftanhalten verglichen: Die ersten zehn Sekunden würden noch recht leichtfallen, die nächsten zwanzig wären schon schwieriger. Welche Sekunde zählen Sie denn aktuell?

Peter Tschentscher: Die ersten zehn Sekunden sind vorbei. Es wird jetzt immer schwieriger, das alles durchzuhalten, auch im Hinblick auf die wirt­schaftlichen Folgen. Ein Unternehmen kann vielleicht einige Wochen ohne Umsatz überstehen. Aber je länger die Krise andauert, desto stärker steigt das Risiko, dass es zu Insolvenzen kommt und Arbeitsplätze verloren gehen.

Das Hilfspaket von Bund und Ländern soll dabei unterstützen, die­se Zeit zu überbrücken. Dazu gehören das Kurzarbeitergeld, das Unternehmen mit hohen Lohnkosten sofort entlastet, und zinslose Steuerstundungen. Über die Hamburger Corona-Soforthilfe können Selbstständige, kleine und mittlere Unternehmen Zuschüsse bis zu 30.000 Euro erhalten, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Wir wollen vermeiden, dass es in der Wirtschaft zu strukturellen Schäden kommt.

Eine Angst der Hamburger ist, ob wir ausreichend medizinisch versorgt werden können. Aktuell (Stand 20.4.) werden 220 Hamburger mit COVID-19 stationär behandelt, davon 75 intensivmedizinisch. Inwieweit sind die Hamburger Krankenhäuser ausgelastet?

Derzeit gibt es ausreichend Behandlungskapazitäten. Die genannten Zahlen beziehen sich auf ganz Hamburg. Wir haben 1,8 Millionen Einwohner, rund 12.500 Krankenhaus­ betten und über 700 Intensivplätze. Das Coronavirus führt bei den meisten Infizierten zu keiner oder nur zu einer leichten Erkrankung.

Aber es gibt eben auch Personen, bei denen das Risiko einer schweren Erkrankung höher ist, vor allem ältere Menschen oder Patienten mit Vorerkrankungen. Die Maßnahmen, die wir treffen, sollen die Ausbreitung des Virus so ver­langsamen, dass nicht zu viele Men­schen gleichzeitig schwer erkranken und unser Gesundheitssystem mit ihrer Behandlung dann überfordert ist. Deswegen erhöhen wir die Zahl der Intensivbetten unserer Krankenhäuser. Wir wollen eine Lage wie in Italien verhindern, wo selbst schwerkranke Patienten nicht mehr behandelt wer­ den konnten.

Konkret heißt das, es gibt in Hamburg noch ausreichend Krankenhausbetten?

Ja. Die Krankenhäuser verschieben derzeit planbare Eingriffe, wenn es aus ärztlicher Sicht möglich ist. Also solche Eingriffe und Behandlungen, die nicht dringlich sind und auch in den nächsten Monaten nicht zu einem Notfall werden. Damit schonen wir das Gesundheitssystem, Personal und Schutzausrüstung wie Gesichtsmasken, die wir bei einem stärkeren Anstieg von COVID-­19­-Patienten noch benötigen.

 

„Jeder erlebt diese Zeit anders und ist auf seine eigene Art betroffen“

Peter Tschentscher

 

Existenzsorgen bleiben, und sind bei einigen bereits auf die emotionale Ebene gerutscht. Es gibt Ohnmacht, Wut, Trauer, Hoffnungslosigkeit, aber natürlich auch viel Mitgefühl. Welche Gefühle herrschen denn bei Ihnen aktuell vor?

Ich bin konzentriert. Es gibt mehr zu tun und zu entscheiden als sonst. Jeder erlebt diese Zeit anders und ist auf seine eigene Art betroffen. Wir haben zum Beispiel viele Beschäftigte im Gesundheitswesen und im Lebensmitteleinzelhandel, die jetzt sehr viel mehr arbeiten. Auf der anderen Seite haben wir Leute, die gerne arbeiten würden und es nicht dürfen, zum Beispiel Restaurant-­ und Clubinhaber. Einige sitzen zu Hause und wissen noch nicht, wie es weitergehen soll.

Jede Lage ist schwierig und hat seine psycholo­gischen Besonderheiten. Ich verstehe, dass einige ungeduldig sind und fra­gen, ob diese harten Einschränkungen wirklich nötig sind. Wir müssen aber vorsichtig bleiben und dürfen die Ein­schränkungen nur sehr vorsichtig lo­ckern, um den Erfolg unserer Strategie nicht zu riskieren. Letztlich kommen wir am besten durch diese schweren Wochen und Monate, indem wir auf guten Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis setzen.

Was genau bedeutet denn „durchkommen“? Wie sieht die Stadt danach aus?

Ich hoffe, dass wir in der gleichen Art und Weise in Hamburg weiterleben können wie vorher. Die Krise überstehen bedeutet, dass wir die sozialen und wirtschaftlichen Folgen begrenzen und strukturelle Schäden verhindern. Wir versuchen, diese Phase kurz zu halten und die Maßnahmen so zu gestalten, dass man sie durchhalten kann. Deswe­gen haben wir keine absolute Ausgangssperre wie in anderen Ländern. Alle sollen die Möglichkeit haben, sich an der frischen Luft zu bewegen – mit dem nötigen Abstand zu anderen. Wir bie­ten wirtschaftliche Unterstützung und Hilfen über telefonische Hotlines und psychologische Beratung.

Um Verständnis zu erwirken, ist es unerlässlich, die Menschen zu informieren. Es gab in den letzten Wochen aber auch vereinzelt Schelte für eine gewisse Form der Berichterstattung. Wie empfinden Sie diese von den Hamburger Medien?

Ich sehe nicht, was an der Hamburger Berichterstattung zu kritisieren ist. Es wird angemessen über die Ereignisse und Entscheidungen berichtet, die uns in Hamburg und ganz Deutschland betreffen. Information und Transparenz sind wichtig, damit die Einschränkungen akzeptiert und eingehalten werden. Wir können die Ausbreitung des Virus nur in den Griff bekommen, wenn sich alle an die Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum halten.

Dort, wo Maßnahmen nicht sinnvoll sind, ist Kritik auch berechtigt – wenn zum Beispiel Fußgänger oder Radfahrer von Polizeikontrollen an den Landes­grenzen zurückgeschickt werden. Das sind Maßnahmen, die nicht abgespro­chen waren und die jetzt auch nicht fortgeführt werden.

 

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Für zukünftige Notfälle dieser Art werde man sich „in bestimmten Punkten besser vorbereiten“ (Foto: Senatskanzlei Hamburg)

 

Wie ist denn gerade die Stimmung zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein?

Ich habe mit Ministerpräsident Da­niel Günther vereinbart, dass Schles­wig-­Holstein auf unnötige und unverhältnismäßige Maßnahmen dieser Art verzichtet. Wir sind uns einig, dass es für Beschränkungen unserer Freiheit immer wichtige Gründe geben muss.

Überregionale touristische Reisen sol­len nicht stattfinden, weil es dadurch zu neuen Infektionsketten und einer ver­ stärkten Ausbreitung des Virus kommen kann. Naherholung, Spaziergänge oder Radtouren in der Nähe des Wohnortes sind aber weiterhin gestattet. Mein Wunsch ist, dass nach dieser Krise keine Verstimmungen zwischen den Bun­desländern zurückbleiben und wir unser partnerschaftliches Miteinander in der Metropolregion fortführen.

Was gerade guttut, ist die große Hilfsbereitschaft, die überall in der Stadt zu spüren ist, von „Danke“-Plakaten auf Balkonen über Briefe von Kindern an Seniorenresidenzen bis zu Gastro-Unternehmen, die Obdachlose mit Essen versorgen. Wann hätten Sie zuletzt gerne einen oder mehrere Hamburger in den Arm genommen, um selbst einmal danke zu sagen, durften es aber natürlich nicht?

Ich erlebe an vielen Stellen großen Einsatz und Hilfsbereitschaft. Neulich war ich in einem Hamburger Gesundheitsamt, um zu sehen, wie dort in der Corona­-Krise gearbeitet wird. Da wa­ren Beschäftigte, die eigentlich jetzt in Rente gegangen wären, das aber ver­schoben haben, um ihre Erfahrung und Arbeitskraft noch einzubringen. Viele Mitarbeiter haben sich aus anderen Dienststellen in das Gesundheitsamt versetzen lassen, weil dort jetzt viel zu tun ist.

Zugleich haben sich Medizin­studenten gemeldet, die mit ihren fort­geschrittenen medizinischen Kenntnis­sen gut unterstützen können. Das sind alles Leute, die nicht nur sagen, man müsste helfen, sondern die dann auch wirklich dabei sind. Das zeigt den großen Zusammenhalt in der Stadt.

Führt dieser Effekt dazu, dass die Stadt nach der Krise stärker sein wird als vorher?

Ich denke schon. Krisen sind auch immer eine Chance, man kann aus ihnen lernen. Wir werden uns in bestimmten Punkten auf jeden Fall besser vorbereiten auf Epidemien und Notfälle dieser Art. Wenn sich Menschen in einer Krise gegenseitig helfen, stärkt das den Zusammenhalt. Bürgerliches Engagement und Solidarität gab es in Hamburg schon immer, sie werden aber durch die Krise noch einmal gestärkt. Jetzt geht es erst mal darum, die Krise zu überstehen. Danach werden wir zu­ rückschauen auf das, was gut lief und was wir noch verbessern müssen.

 

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„Es gibt mehr zu tun und mehr zu entscheiden als sonst“: Tschentscher im Rathaus (Foto: Senatskanzlei Hamburg)

 

Und wie könnte man in Zukunft stärker mit einer Krise wie dieser umgehen?

Wir hatten Pandemie­- und Notfallpläne, aber die wurden ohne praktische Erfahrung gemacht. Man konnte nicht alles vorhersehen, was uns jetzt Pro­bleme macht, denn eine so umfassende Krise gab es bisher noch nicht. Selbst die Sturmflut 1962 ist nicht vergleichbar. Das war ein räumlich und zeitlich sehr begrenztes Ereignis. Im Vergleich dazu haben wir heute mehrere Krisen gleich­zeitig: in der Wirtschaft, in der Kultur, im Bildungssystem.

Das gesamte öffentliche und private Leben ist betroffen. Dazu kommt, dass es sich um eine in­ternationale Krise handelt. Der Bedarf an Medizinprodukten und Schutzklei­dung ist weltweit sprunghaft angestiegen und die gewohnten Lieferketten sind unterbrochen. Das ist derzeit eines unserer größten praktischen Probleme. In Zukunft müssen wir dafür sorgen, dass wir kritische Produkte auf Vorrat haben und eine Produktion im eigenen Land möglich ist.

Was fehlt denn akut am meisten?

Derzeit sind es vor allem medizini­sche Schutzmasken, die in den Kran­kenhäusern und Pflegeeinrichtungen gebraucht werden. Wir versuchen auf verschiedenen Wegen, größere Bestände zu beschaffen, bei Herstellern in Deutschland sowie international. Auch der Bund hat zugesagt, die Länder dabei zu unterstützen.

Wenn es denn soweit ist, dass diese Krise als überstanden gilt: Worauf freuen Sie sich für diese Zeit am meisten?

Darauf, dass wir uns wieder frei be­wegen und begegnen können. Die Le­bensqualität in Hamburg besteht gerade in der Vielfalt der Begegnungen, in den Restaurants, Cafés und Clubs, in Thea­tern und Kinos, auf den vielen Veranstaltungen, die bei uns normalerweise jeden Tag stattfinden.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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