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Rindchen schlemmt – Bacchanatisch tafeln im Vineyard

Weinlokal – Das Vineyard in Eimsbüttel hat einen neuen Ableger, der norddeutsche Küche bietet.

Text: Gerd Rindchen

Zu den bekanntesten Hamburger Wein-Institutionen zählt das Vineyard Weinlokal in der Osterstraße. Dort gibt es zu den teils sehr guten und fair kalkulierten Weinen allerdings nur eine auf Kleinigkeiten beschränkte Speisenauswahl. Ganz anders stellt sich das im jüngsten Ableger dar: Im vielleicht schönsten Haus in der historischen Deichstraße findet der geneigte Genießer in rustikalem Ambiente ausgezeichnetes Essen, gepaart mit unschlagbar günstigen Spitzenweinen. Am aller moderatesten ist es mittags: Da kommen wöchentlich wechselnde Spezereien wie ein exzellent butterzart geschmortes Schaufelstück vom Rind mit hervorragendem Selleriepüree für um die zehn Euronen auf die Teller.

Abends wird kreative norddeutsche Küche der feineren Art zelebriert: Spitzkohlroulade mit Rahmpfifferlingen und Trüffel (14,90 Euro) Königsberger Klopse mit Kabeljau, Flusskrebs und Kapern (21,90 Euro) oder Sauerbraten von der Rehkeule mit Rosenkohl und Spätzle (24,90 Euro). Aber auch Flammkuchen (10,90 Euro) oder eine üppige, rustikale Abendbrotplatte (15,90 Euro p. P.) stehen zur Wahl. Grandios ist das dazu angebotene Weinkonzept: Alle Weine aus der gut bestückten Karte können inklusive einem Liter Wasser mit einem moderaten Korkgeld von 9,90 Euro auf den Verkaufspreis im Restaurant verzehrt werden – das gibt man woanders allein für das Wasser aus! So kann man deutsche Spitzenweine um die 20 Euro genießen, beispielsweise von Reichsgraf von Kesselstatt, sich an einer Flasche Crémant de Limoux delektieren (19,80 Euro) oder eine Flasche vom guten Drappier Champagner hinter die Binde gießen (37,80 Euro).

Richtig spannend wird das natürlich bei Weinen, die anderswo ein Vermögen kosten, wie etwa der komplexe Cims de Porrera aus dem Priorat, hier für 33,80 Euro zu haben. Einen anständigen Barbaresco für 31,80 Euro findet man im Lokal auch nicht alle Tage – ganz zu schweigen von Philipp Kuhns grandiosem 2014 Spätburgunder Großes Gewächs „Steinbuckel“ für unter 50 Euro. Für ein unkompliziertes Zechgelage eignet sich ein solider Rioja Crianza für schlappe 19,40 Euro pro Pulle.

Kurzum: ein echt gutes Konzept, und da die Herrschaften vor Ort nicht nur gut kochen, sondern auch ausnehmend freundlich und kompetent bedienen und beraten, kann man diese Stätte der Einkehr vinophilen Mitbürgern nur wärmstens an Herz und Gaumen schmiegen.

Deichstraße 37 (Altstadt), www.vineyard-deichstrasse.de


Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.


 Diese Topliste stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Appetit auf mehr?

Rindchen schlemmt – Unaufdringliche Perfektion

Im Restaurant Brook stimmen Preis und Leistung.

Text: Gerd Rindchen

In Hamburg gibt es erfreulicherweise eine ganze Reihe von Köchen, die ohne viel Aufhebens um ihre Person seit Jahren exzellent vor sich hin kochen. Zu dieser erfreulichen Kategorie gehört auch Lars Schablinski, der seit Jahren gemeinsam mit seiner Angetrauten Berit, die – der Klassiker – den Service leitet, das Restaurant Brook vis-à-vis der Speicherstadt betreibt. Was immer hier auf der Karte landet, ist handwerklich absolut perfekt, aufwendig aus guten Zutaten bereitet, mit einem ­gerüttelt Maß an Kreativität und für Innenstadtverhältnisse sehr fair ausgepreist.

Die Karte wechselt häufig und bietet sowohl Klassiker für mürbe Hanseaten als auch Experimentierfreudiges für juvenile Entdeckerseelen. Aktuell spannende Vorspeisen sind beispielsweise der Kaninchenrücken mit Süßkartoffel-Rösti und Mango-­Senfcreme (13,50 Euro) oder die gebratene Blutwurst mit zweierlei Blumenkohl, Granny Smith und Honig-Jus (12,50 Euro). Unter den Hauptgerichten ragt ein fulminanter, perfekt à point bereiteter Hirschrücken mit Steckrüben-Zimtpürée, Rosenkohlblättern, ­Maronen und Herbstpilzen ­he­raus, bei dem auch deutlich wird, dass Schablinski zu den liebevollsten Bereitern toller Saucen zählt. Echt knorke ist auch das kurzgebratene Thunfischfilet auf Mittelmeer-Artischockengemüse mit Pesto (24 Euro) und die halbe Vierländer Ente in Honig-Jus mit Pommes Macaire, Rotkraut und Romanesco (23,50 Euro) würde man auch nur ungern von der Tischkante stoßen.

Dazu gibt es noch eine kleine, aber sehr gut zusammengestellte Weinauswahl, die beispielsweise den vorzüglichen Südtiroler Sauvignon der Kellerei Erste + Neue für 7,50 Euro pro 0,2 Liter offen anbietet. Bei den Flaschenweinen ziert einer meiner absoluten Lieblings-Chianti die Karte: der tolle 2015er „Felsina“ für faire 39 Euro. Den haben die Fleischgerichte verdient!

Mittags gibt es im Brook eine Zusatzkarte mit preiswerten Tagesmenüs. Man sollte aber rechtzeitig kommen, denn spätestens um 15.10 Uhr weist der äußerst resolute Service unmissverständlich darauf hin, dass ja eigentlich schon seit zehn Minuten geschlossen sei.

Bei den Mühren 91 (Altstadt); www.restaurant-brook.de


Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Appetit auf mehr?

Sharing is caring #2 – Rustikale Brettljause

Wir verzichten gerne auf aufwendige Gerichte, fancy Haute Cuisine und edles Porzellan, wenn es so entspannt und einfach sein kann. Denn zusammen is(s)t man weniger allein… Hier kommt Teil 2 unserer Serie “Sharing is caring”.

Text: Mira Eggerstedt
Illustration: Katja Paradiek

„An Guadn!“ Alle Bergsteiger und Almhütten-Fans wissen, wovon wir sprechen: Jausen sind einfach genial! Die mit regionalen Käse- und Wurst-Köstlichkeiten üppig belegten Brotzeitbrettl, darunter Bergkäse, Schweinsbraten oder Kaminwurzen, schmecken nicht nur in den Sommer- oder Skiferien. Sie eignen sich auch bestens als Zwischenmahlzeit mit guten Freunden oder nach Feierabend mit den Kollegen. Dazu ein Gläschen Wein – und schon sind wir glücklich!

Hier gibt’s Köstliches aus Österreich

1) Marend

Die Abendbrotplatten im Marend können sich wirklich sehen lassen. Das Beste: Es gibt sie in drei verschiedenen Größen. So geht man sicher, dass wirklich alle am Tisch satt werden.

Feldstraße 29 (St. Pauli), www.marend.net

2) Gassenhaur

Die Brettljause vom Gassenhaur ist wohl eine der besten in der Hansestadt. Hier kommen hausgebeiztes Rindfleisch, Südtiroler Schinkenspeck, Wacholderschinken, Landjäger, Knoblauchwurst, Bergkäse, Radi und Essiggemüse auf den Tisch. Dazu gibt’s ofenfrisches Brot und Butter. Na, hungrig geworden?

Kastanienallee 32 (St. Pauli), www.gassenhaur.de

3) Alpenkantine

Die Alpenkantine ist die kulinarische Anlaufstelle für alle Eimsbüttler Bergfreunde. Neben leckeren Knödeln und Salaten gibt es hier auch tolle Stullen und ein deftiges Alpengedeck mit Sauerteigbrot, Fenchelsalami und Heumilchkäse. Mahlzeit mitanand!

Osterstraße 98 (Eimsbüttel), www.alpenkantine.de

4) Privatbrauerei Gröninger

Das Althamburger Bürgerhaus ist eines der letzten Barockgebäude in der Hamburger Altstadt. Den deftigen Brotzeitteller mit Tiroler Speck, Pfefferwurst und Käsewürfel lässt man sich am besten bei einem Glas Landwein oder kühlen Pils schmecken.

Willy-Brandt-Straße 47 (Hamburg-Altstadt), www.groeninger-hamburg.de



Dazu der Getränketipp vom Profi

Gerd Rindchen empfiehlt Grünen Veltliner zur Jause. Foto: Bertold FabriciusDer Weingroßhändler Gerd Rindchen empfiehlt: „Zur Jause würde ich einen Grünen Veltiner reichen. Am besten den ‚Urkristall‘ meines österreichischen Freundes Alfred Maurer – ein reines Produkt mit klarer, etwas karger Frucht und mineralischem Nachhall. Alfreds Weine habe ich schon seit 1997 im Programm.“


Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG Essen+Trinken 2018/2019. Das Magazin ist zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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Appetit auf mehr?

Rindchen schlemmt: Das N°4 in Buxtehude

Seine heimliche Liebe und den famosen Herrn Rittmeyer findet Gerd Rindchen im N°4 in Buxtehude.

Text: Gerd Rindchen

Na, schon eine Weihnachts-Geschenkidee für die Erbtante, den Liebsten oder die Liebste? Wie wäre es mit einem Ausflug ins pulsierende Buxtehude? Dort, im Restaurant N°4 im Hotel Navigare, treibt der famose Jens Rittmeyer sein Wesen – ein gleichermaßen begnadeter wie sympathischer Meisterkoch, der uns unlängst eines der spannendsten Menüs unseres Lebens bescherte.

Rittmeyers „heimliche Leidenschaft“ ist die vegetarische Küche – ein ebenso benanntes, vegetarisches 8-Gänge-Menü ziert neben dem klassischen Menü, der „Nordischen Reise“, die Abendkarte. Beide kosten jeweils 112 Euro und sind jeden Cent wert. Bei beiden wird zunächst unter dem schlichten Titel „Der Anfang“ ein Potpourri aus faszinierenden, aromensatten und genialen vegetarischen Kleinigkeiten serviert. Dann teilen sich die Pfade: Während sich der Normalo beispielsweise an einer Islandscholle mit Butternut-Kürbis und Eisenkrautsauce, Roscoff-Zwiebel mit gebackenem Kalbskopf oder Rehrücken mit Schwarzkohl, Roter Bete und Cassis-Wacholderjus erfreut, laben sich vegetarische Mitbürger an Pastinaken-Velouté mit Quitte und Erdartischocken, an Gelber Bete in Holzkohleglut gebacken mit Grünkern-Wildpflaumensalat oder knusprigem Wirsingwickel mit Maronen, Pilz-Confit und Blaubeeressig-Sauce. Alles großartig. Bei Äpfeln aus Mittelnkirchen mit Erdmandelstreuseln, Anis-Agastache, Karamell und Preiselbeere und dem dann folgenden „Süßen Ende“ kommen alle wieder zusammen.

Highlight bei beiden Varianten ist Gang Nummer fünf: „Brot mit Sauce“. Wer immer schon der Ansicht war, dass geniale Saucen das Beste am Essen sind, bekommt sie hier pur in jeweils drei Variationen serviert. Rittmeyer versteht Saucen besser zuzubereiten, als fast jeder andere auf Gottes weitem Erdenrund! Mit seinen Saucen, die es auch zu kaufen gibt, baut sich der Spitzenkoch gerade ein zweites Standbein auf. Das ist einer der Gründe, warum er vom Restaurant KAI3 im Nobelhotel Budersand auf Sylt, wo er zwei Sterne erkocht hatte, ins beschauliche Buxtehude zog. Gut für uns Hamburger – so ist einer der besten deutschen Köche mit der S-Bahn erreichbar.

Tipp: Wenn man zum Essen die exzellente Weinbegleitung wählt, empfiehlt sich eine Übernachtung im angegliederten sehr ansehnlichen Hotel Navigare. Dann ist die Weihnachtsüberraschung perfekt.

Harburger Straße 4 (Buxtehude) Telefon 04161 749 00, www.hotel-navigare.com
Für die Saucen: www.jens-rittmeyer.de


Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.

 


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2018. Das Magazin ist seit dem 29. November 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Noch mehr „Rindchen schlemmt“?

Rindchen schlemmt – Bianc

Sterne am Horizont! Das Bianc Restaurant: Rindchens neue Pilgerstätte in der HafenCity.

Im aktuellen und wie ich finde sehr gelungenen SZENE-Sonderheft Essen+Trinken wird das Bianc als „Testsieger Italien“ geführt. Das einzig klassisch Italienische am Bianc ist jedoch die Herkunft des begnadeten Küchenchefs Matteo Ferrantino. Ansonsten findet man hier nicht weniger als die perfekte Transformation kreativer mediterraner Hochküche in der HafenCity. Das Ganze überdies in einem traumhaft schönen, sehr großzügigen und lichten Ambiente. Kurzum: Diese Pilgerstätte für entdeckungsfreudige Genießer hat Hamburg gerade noch gefehlt!

Schon wer sich für die „Einstiegsdroge“ entscheidet, das viergängige saisonale Marktmenü (90 Euro, für Vegetarier 75 Euro), wird durch den Reigen der Amuse-Bouches vollständig geflasht: Neun kunstvoll arrangierte, kulinarische kleine Wunderwerke, wie beispielsweise eine Austernperle mit Imperial-Kaviar, Entenleber mit Mango oder eine Mini-Tortilla mit Gambas, nehmen den Gaumen mit auf eine glückvolle Aromenreise. Im „eigentlichen“ Menü, das häufig saisonal wechselt, begeistern dann Gänge wie Thunfisch mit Tomate und Anchovis, Loup de Mer mit Artischocke und Rucola oder Ibérico- Schwein mit Tintenfisch, Paprika und Chorizo. Und auch Rindchen schlemmt wer kein Dessert bestellt, wird von der Küche mit einem kleinen süßen Abschluss verwöhnt. Dabei ist alles mit leichter Hand hingetupft und von großer Genialität und perfekter Präzision getragen.

In jedem Fall empfiehlt es sich, zu den Menüs die offerierte Weinbegleitung zu wählen (bei vier Gängen 45 Euro), denn die Weinkarte ist kundig zusammengestellt und enthält viel Ungewöhnliches und Überraschendes. Wasser ist gratis. In seiner vorherigen Wirkungsstätte in Portugal hatte Matteo Ferrantino zwei Michelin-Sterne erkocht. Wenn er so weitermacht wie bisher, könnte ihn dieses Schicksal auch in Hamburg ereilen.

Und wenn das nächste SZENE-Sonderheft Essen+Trinken einen „Testsieger Edel“ küren sollte, den es aktuell nicht gibt: Ich hätte da einen Kandidaten …

Text: Gerd Rindchen

Bianc, Am Sandtorkai 50, Telefon 18 11 97 97, Mi-Sa 18–0, So 12.30–18 Uhr; www.bianc.de

Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.

 

 

 

 

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2018. Das Magazin ist seit dem 29. Juni 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


Noch mehr „Rindchen schlemmt“?


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Rindchen schlemmt – Hygge im Landhaus Flottbek

Der perfekte Sommergarten! Nicht nur das wunderschöne Ambiente lockt unseren Kolumnisten Gerd Rindchen ins Hygge nach Nienstedten.

In einem wunderschönen, verwunschenen Sommergarten am Reetdachhaus sitzen, exzellente Küche ohne ChiChi genießen und dazu außergewöhnliche und überdies bezahlbare Weine entdecken: Das recht neue „Hygge“ im ehrwürdigen Landhaus Flottbek macht’s möglich. Die Crew von Küchenchef Thomas Nerlich beherrscht die ganze Klaviatur von der unkomplizierteren „Bar Food“-Karte mit würzigem Pulled Pork Burger mit Röstzwiebeln (12 Euro) oder hervorragend angemachtem Tatar vom Weiderind (Vorspeise 16, Hauptgang 26 Euro) bis hin zu kreativen Vorspeisen wie Allerlei vom Blumenkohl mit jungen Salatherzen und wilden Rotgarnelen (15 Euro) und Klassikern der hanseatischen Hochküche wie Tranche vom Steinbutt mit Erbsenpüree, Kopfsalat und Queller (34 Euro) oder Hamburger Stubenküken mit Rahmkohlrabi und Karottenpüree (22 Euro). Erlebnishungrigen MitbürgerInnen lege ich dringlichst das Nerlich’sche Dreigang-Überraschungsmenü für faire 36 Euronen ans Herz. Eine Klasse für sich ist die Weinberatung und die Weinkarte, vom ausnehmend freundlichen Ex-Sternesommelier Lennart Wenk enorm kundig und, eher hamburg-unüblich, sehr interessant und abwechslungsreich zusammengestellt. Dabei wurde sogar ziemlich fair kalkuliert. So gibt es die legendäre fränkisch-trockene Scheurebe von Max Müller I für 29 € pro Flasche, ein veritables Großes Gewächs (2011 Niersteiner Orbel von St. Antony) ist für 48 Euro zu haben. Wer keine Lust auf Wein hat bekommt leckere hausgemachte Limonaden oder erstklassig gemixte Drinks von Barchef Alexander Wagner. Und wenn es draußen wieder (nicht auszudenken aber unabwendbar) kalt und ungemütlich wird? Dann schart sich alles im gemütlichen Gastraum um den warmen Kamin.

Text: Gerd Rindchen

Hygge im Hotel Landhaus Flottbek: Baron-Voght-Straße 179 (Nienstedten), Telefon 040.82 27 41 60; www.hygge-hamburg.de

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Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.

 

 

 


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 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Rindchen schlemmt – Chinesische Spitzenküche im Ni Hao

Ganz gegen das Klischee! Das Ni Hao lockt mit chinesischer Spitzenküche unseren Food-Kolumnisten Gerd Rindchen aus Eimsbüttel bis ins ferne Wandsbek.

Vor rund 24 Jahren wanderten die drei damals blutjungen Gebrüder Chen, gebürtig in China, aber vorher in Holland ansässig, nach Hamburg ein. Das Ziel: Der Hansestadt ein hochwertiges Res­taurant mit kompromissloser chinesischer Spitzenküche zu bescheren. Ungefähr seit dieser Zeit zählt das Ni Hao, wenngleich aus Eimsbütteler Sicht im fernen Wandsbek gelegen, zu unseren absoluten Lieblings­restaurants. Besonders gerne essen wir hier die authentischen, abwechslungsreichen und überaus preiswerten Menüs, die jeweils ab zwei Personen zum Teilen für alle angeboten werden. Am meisten Spaß machen diese aber am runden Drehtisch ab vier Personen, wenn die zahlreichen Schälchen und Schüsselchen munter hin- und hergeschoben werden. Immer wieder spannend ist das Überraschungsmenü: Hier gibt es erst kalte und dann warme chinesische Vorspeisen, danach ein paar Hauptgerichte nach Tageswahl von Küchenchef Julian Chen und ein Überraschungsdessert. Hier haben wir schon viele spannende neue Entdeckungen gemacht und der Preis (27,50 Euro pro Nase), ist eingedenk des gemeinhin Gereichten eher ein Sozialtarif.

Wer gerne vorher wissen möchte, was er auf dem Teller hat, und einen Hauch pikanter Schärfe nicht scheut, dem empfehle ich wärmstens das Sichuan-Menü (32,50 Euro): Hier folgt auf in Teeblättern ge­rösteter Ente, die in Pfannkuchen eingerollt wird, eine der Signature Dishes des Hauses, eine klassische sauer-scharfe Suppe. Im Hauptgang gibt es dann Rinderfiletstreifen auf Szechuan-Art und die wahrlich königlichen Hühnerwürfel ­Palast-Art mit Chili und Cashewkernen, bevor das Ganze recht konventionell mit Früchten und Eis ausklingt (mit Desserts haben es die Chinesen eh nicht so).

Zu den herausragenden Hauptgerichten, falls man kein ganzes Menü möchte, zählen gedünsteter Schweinebauch mit fermentiertem Senfkohl auf Shanghai-Paksoi (16,90 Euro) oder das in Öl gekochte Rinderfilet mit Sichuan-Gewürzen auf Shanghai Paksoi. Schön ist auch, dass das Ni Hao ein Restaurant von zeitloser Eleganz bar jeglicher Asia-Folklore ist und so auch in den Trendvierteln von London oder New York stehen könnte. Alles in allem ist die Küche so abwechslungsreich und voller geschmacklicher Intensität und Tiefe, dass ich hier locker drei bis vier Mal die Woche essen könnte – wenn es nicht gerade in Wandsbek wäre … 

Text: Gerd Rindchen

Ni Hao: Wandsbeker Zollstraße 25-29 (Wandsbek), Mo-So 12–23 Uhr, facebook.com/NIHAO.wine.and.food/


Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.

 

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Rindchen schlemmt – Se7en Oceans

Glückliche Auszeit! Lust auf Sterneküche mit Alsterblick im Se7en Oceans? Mit dem Business Lunch wird sie auch bezahlbar.

Gemeinhin ist es ja nur eine Minorität der Bundesbürger, die je in ihrem Leben ein Sternerestaurant angesteuert hat: Zu groß ist die Befürchtung vor steifer Atmosphäre und horrenden Rechnungen am Ende des Besuches. Abgesehen davon, dass diese Skepsis in vielen Gourmetlokalen längst nicht mehr angebracht ist, gibt es in Hamburg eine ausgesprochen attraktive Möglichkeit, vielleicht zum ers- ten Mal im Leben Sterneluft zu schnuppern: Den Business Lunch im Seven Oceans. Das ist schon mal eine äußerst angenehme, schicke kleine und helle Location, gelegen in der Europapassage, mit majestätischem Panoramablick über Jungfernstieg und Binnenalster. Mittags gibt es eine kleine Lunchkarte mit einer Vorspeise, je einem Fisch- und Fleischgericht und einem Dessert. Das kann man dann als Zwei-, Drei- und Viergangvariante bestellen, wobei mittags zwei Gänge völlig ausreichen. Denn, wie in Sterneläden so üblich, gibt es da schon das volle Programm mit kleinem Amuse- Gueule vorweg, breiter Auswahl leckerster hausgebackener Brote, und einem winzig kleinen Kennenlern-Desserthäppchen hinterher. Bei unserem Besuch kam als Vorspeise eine tadellos bereitete Fjordforelle mit Rote Bete und Preiselbeeren – eine aparte Kombination mit feiner Säure und eleganten, erdigen Aromen. Der Spannendere der beiden Hauptgänge stammte vom edlen Iberico-Schwein: ein ungemein zartes, nussiges Filet und ein aromensattes, von vorzüglicher Sauce begleitetes Schmorstück, flankiert von knackigen Grünkohlblättern und Senfkörnern.

Das war schon eine tolle Art, den samstäglichen Citybummel abzurunden. Und was kostet der ganze Spaß? Für das Zweigang-Menü mit dem gesamten Sterne-Drumherum 33 Euro pro Person, bei drei Gängen 43 Euro. Und da auch die Weinkarte einige wirklich gute, fair kalkulierte Tropfen bereithält, zum Beispiel einen Grünen Veltliner von Bernhard Ott und den sensationellen biodynamischen Sylvaner von Marc Kreydenweiss aus dem Elsass für jeweils um die 30 Europro Buddel, ist man zu zweit mit einer Flasche Wein, einer Flasche Wasser und einem angemessenen Trinkgeld für den überaus freundlichen und aufmerksamen Service mit 120 Euro dabei – viel günstiger wird’s beim guten Italiener um die Ecke auch nicht.

Text: Gerd Rindchen

Business Lunch im Se7en Oceans: Ballindamm 40, Di-Sa 12–15 Uhr; www.se7en-oceans.de


Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.

 

 

 

 



Februar-Ausgabe SZENE Hamburg

 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, März 2018. Das Magazin ist seit dem 24. Februar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Rindchen schlemmt – Fischereihafen Hamburg

Der diskrete Charme der Perfektion! Im Fischereihafen Restaurant ist der Besuch immer eine sichere Bank. Und manchmal fühlt man sich sogar wie eine königliche Hoheit.

Wenn internationale Promis der A-Kategorie à la US- Außenminister etc. in Hamburg weilen, kann man sehr erfolgreich darauf wetten, dass sie zumindest einmal zur Aufnahme warmer Nahrung im Fischereihafen-Restaurant einkehren. Der Familie Kowalke ist es in den letzten Jahrzehnten gelungen, den unscheinbaren Rotklinkerbau an der Großen Elbstraße zu einer wahren Kultstätte des Genusses zu entwickeln. Die traditionell gestalteten, auch die reifere Jugend ansprechenden Räumlichkeiten sind mittags wie abends stets gut gefüllt.

Das Geheimnis des Erfolges ist jedoch mitnichten die brillante Öffentlichkeitsarbeit der Inhaber: Vielmehr ist es die bedingungslose Perfektion, was die Auswahl der Zutaten, die Zubereitung und den ausnehmend aufmerksamen Service angeht, die eine Einkehr hier immer zu einer sicheren Bank machen. Dabei kommen sowohl die traditionellen Fischgerichte als auch die euroasiatischen Abschweifungen von Küchenchef Michael Scherer gleichermaßen lecker unter den schweren Silberhauben daher – und das zu, weiterer Erfolgsfaktor, überraschend moderaten Preisen.

So zahlt man für eine klassische, taufrische Scholle Finkenwerder Art mit Speck, Kartoffel- und Gurkensalat auf der Abendkarte gerade 19,50 Euro. Der üppige Reinfelder Karpfen mit frisch geriebenem Meerrettich, Kartoffeln und zerlassener Butter schlägt mit 29,50 Euro zu Buche, ebenso wie das tadellose Pfeffersteak vom Thunfisch mit Wokgemüse und pikantem Glasnudelsalat. Und auch die Sushi- und Sashimi-Qualitäten sind von einer Güte, wie sie sonst allenfalls die besten Japaner der Stadt hinbekommen.

Ein perfektes „Schnupper-Erlebnis“ für Fischereihafen-Novizen ist der ausnehmend attraktive und preisgünstige Mittagstisch: Hier gibt es beispielsweise aktuell ein saftiges Rotbarschfilet mit Rosenkohl-Kartoffelstampf und Senfsauce für 13,50 Euro. Und wenn man dann noch einen der attraktiven Tische mit Panoramablick über die Elbe erwischt hat und wohlgefällig den Blick über die Reeder am Nachbartisch schweifen lässt, fühlt man sich endgültig wie eine königliche Hoheit zum Sozialtarif.

Text: Gerd Rindchen

Fischereihafen Restaurant: Große Elbstraße 143 (Altona-Altstadt), Telefon 38 18 16, So-Mi 11.30–22, Do-Sa 11.30–23 Uhr


Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte von SZENE HAMBURG, Februar 2018. In unserem Magazin finden Sie noch mehr interessante Beiträge über den Stadtteil. Es ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!