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Das sind die Gewinner des Food Innovation Camps

Der essbare Eislöffel „Spoonie“ und das Bratpulver „Paudar“: Diese preisverdächtigen Produkte wurden beim Food Innovation Camp 2019 ausgezeichnet.

Text: Laura Lück

Während der gemeine Coffee-to-go-Trinker heute mit verachtenden Blicken von Bambusfaser-Becherträgern rechnen muss, wird der Plastik-Eislöffel von Gastronomie und Konsument wenig hinterfragt. Bis jetzt. Die Stuttgarter Master-Studentinnen Amelie Vermeer, Julia Piechotta und Anja Wildermuth haben innerhalb eines Jahres Großes bewirkt und das Start-up „Spoontainable“ gegründet. Die Idee: ein essbarer Eislöffel. Die Mission: das Plastikmodell vom Markt zu verdrängen, dadurch Plastikmüll zu reduzieren und so gegen die Umweltverschmutzung anzukämpfen.

Der Nachhaltigkeitsgedanke ist ja erst mal lobenswert, aber schmeckt der „Spoonie“ auch? Der Löffel besteht aus verschiedenen Mehlsorten und natürlichen Nahrungsfasern. Hauptkomponente sind die Fasern der Kakaoschale. So schmeckt der er ohne Zugabe von Zucker und Geschmacksverstärkern auf natürliche Weise dezent nach Schokolade. Angst vorm Schmelzen bei sommerlichen Temperaturen ist unbegründet, da er die Haptik eines Kekses aufweist.

Für Schoki-Verschmäher gibt es aber auch gute Nachrichten: Der Spoonie ist nicht nur vollständig verzehr- sondern auch kompostierbar. Der Abbauprozess ist laut eigenen Tests nach weniger als zwei Monaten abgeschlossen (schneller als bei einer Bananenschale!).

 

 

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Was als kleines soziales Uni-Projekt und mit ersten Backversuchen in der WG-Küche anfing, darf sich heute Food-Award-Preisträger nennen. In der Kategorie bester Newcomer haben die drei Gründerinnen am 20. Mai beim Food Innovation Camp von Hamburg Startups gewonnen. Mehr als 360 Millionen Eislöffel aus Plastik landen jährlich in der Tonne. Dank Spoontainable gehört das hoffentlich bald der Vergangenheit an.

 

Kleine Revolution: Bratfett in Pulverform

 

Auch Johannes Schmidt und Deniz Schöne dürfen sich Gewinner nennen. Sie haben eine kleine schwarze Streudose ins Rennen geschickt, die auf den ersten Blick nach einer hippen Gewürzmischung aussieht. Drin steckt aber weder Oregano, noch Pommessalz, sondern eine kleine Revolution: ein Bratfett in Pulverform. Braucht man so was? Ja! Da ist die Jury des Food-Awards sich einig. „Paudar“ ist nämlich nicht nur praktisch und spritzt nicht, sondern macht vor allem gesünderen Bratgutgenuss möglich.

Das vegane Produkt besteht nämlich zu 100 Prozent aus pflanzlichen Rohstoffen, in denen keine gehärteten Fette oder Transfette enthalten sind. Dem kritischen Konsumenten sei vor dem Lesen der Inhaltsstoffe gesagt: Das enthaltene Palmfett ist besser als sein Ruf! Es ist nicht nur hoch erhitzbar und bietet eine ausgewogene Zusammensetzung an Fettsäuren, sondern stammt aus zertifizierten nachhaltig bewirtschafteten Anbaugebieten, die natürliche Urwälder schützen und faire Lebensbedingungen ermöglichen.

So können Fleisch, Fisch und Gemüse guten Gewissens mit Paudar bestreut und in die heiße Pfanne gegeben werden. Es lässt sich übrigens auch hervorragend mit Gewürzen mischen. Die vielen Vorteile und seine natürlichen Inhaltsstoffe haben die Jury überzeugt, Johannes, Deniz und ihrem Bratpulver den Food Award für das beste Produkt zu verleihen. Herzlichen Glückwunsch!

 

 

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Algensalate aus heimischen Gefilden

 

Weil die Auswahl der Teilnehmer des diesjährigen Food Innovation Camps so groß und spannend war, schlug Fernsehkoch und Kochbuchautor Christian Rach spontan einen Sonderpreis vor. Mit Jochen Vogel von REWE Nord hatte er auch gleich einen Partner gefunden. „Nordic Oceanfruit“ produziert Salate mit heimischen Algen und erhält nun ein Coaching für die weitere Produktentwicklung.

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Food Innovation Camp – So schmeckt die Zukunft

Fleisch ohne Tier und Verpackungen ohne Müll? Nach dem Motto „Geht nicht gibt’s nicht“ zeigen Start-ups beim Hamburger Food Event ihre Ideen und Produkte rund um innovativen, nachhaltigen Genuss.

Text: Laura Lück
Foto: Stefan Groenveld

Algen Jerky, Bohnennudeln und ökologische Grillkohle: Am 20. Mai präsentiert das Food Innovation Camp Produktneuheiten und kreative junge Unternehmen aus dem deutschen Kulinarik-Kosmos. Zum dritten Mal veranstaltet Hamburg Startups das Event in Kooperation mit Startup-Spot in der Handelskammer Hamburg. Neben Panels mit den Schwerpunkten „Zukunft der Logistik“ und „Zukunft der Gastronomie“ und Workshops mit Tipps und Tricks für Gründer, wird auch wieder der Food Award in den Kategorien „Newcomer“ und „Bestes Produkt“ verliehen. Zur Jury gehört unter anderem Fernseh- und Sternekoch Christian Rach.

Besucher dürfen probieren und sich mit aktuellen Trends vertraut machen. In den letzten Jahren hat sich zum Beispiel Insekten-Mehl als Proteinlieferant auf dem Markt etabliert. Nachdem das Unternehmen „Swarm“ 2018 den Food Award für das beste Produkt, einen Insekten-Riegel, mit nach Hause nahm, setzt „Snack Insects“ 2019 noch einen drauf. Der Grille geht es nicht mehr mit dem Mörser an den Kragen. Das Tier bleibt ganz und wird zum Beispiel mit Schokolade überzogen oder gefriergetrocknet für die heimische Küche vertrieben.

 

80 Food-Innovatoren – und jede Menge Messe-Highlights

 

Konzepte wie dieses bekommen bei den 5-Minuten-Pitches eine Bühne. In den Kategorien „Beverages“, „Fitness & Nahrungsergänzung“, „Fresh-Food“, „Trockenprodukte & Snacks“ und „Digital“ netzwerken Startups und Fachpublikum um die Wette. Über 80 Aussteller nehmen teil. Damit die Food-Innovatoren mit den passenden potenziellen Partnern ins Gespräch kommen, gibt es außerdem Speeddatings mit Medienvertretern, Investoren und Kooperationspartnern aus Handel und Gastronomie. Einer der Hauptpartner der Veranstaltung ist auch in diesem Jahr wieder Rewe, dessen Einkäufer sich im Camp auf die Suche nach interessanten Produkten fürs Supermarktregal machen.

Messe-Highlight für Vegetarier und Veganer, die gummiartige Tofu-Burger-Pattys satthaben, ist ein rein pflanzliches Ersatzprodukt der Firma Beyond Meat. Bei Blindverkostungen soll es nicht von Fleisch zu unterscheiden sein. Die Täuschung aus Erbseneiweis, Bambuszellulose und Kartoffelstärke fliege nicht mal auf, wenn das Auge mit isst – die Pflanzenfrikadelle soll dank Rote-Bete-Saft sogar genauso bluten wie echtes Beef.

 

 

Neu ist in diesem Jahr die Non-Food-Area. Von Frischhaltetüchern aus Bienenwachs über essbare Eislöffel der Firma Spoontainable bis zum kompostierbaren Verpackungsmaterial gibt’s auch hier jede Menge kreativen Input.

Food Innovation Camp: 20. Mai, Handelskammer Hamburg (Adolphsplatz 1)


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2019. Das Magazin ist seit dem 27. April 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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FoodSZENE – Was bringt die Zukunft der Gastronomie?

Zum zweiten Mal fand das Das Food Innovation Camp in der Handelskammer Hamburg statt. Das Netzwerktreffen brachte Startups, Investoren und Gastronomen zusammen

Glutenfreies Brot, Insektenriegel, Algenpräparate, Smoothies und Eis – das waren die meist präsentierten Produkte auf dem Food Innovation Camp 2018 in der Handelskammer Hamburg. Organisiert wurde die Netzwerkveranstaltung von Hamburg Startups mit Unterstützung von DS Produkte, QVC und REWE Nord. Neben einem Marktplatz für Food-Startups und der Möglichkeit, die Idee hinter den Produkten kurz und knapp auf einer Bühne vorzustellen, fanden den ganzen Tag Podiumsgespräche zu verschiedenen Themen statt. Im Fokus standen vor allem folgende Punkte: gesunde Ernährung (die schmeckt), bewusste Ernährung in Bezug auf die Qualität der Produkte und versteckte Zucker, Superfoods und Nachhaltigkeit.

Will man eine Idee an die Öffentlichkeit bringen, braucht man Investoren bzw. Multiplikatoren. Der Verzicht auf Plastik – ob in Tüten, Verpackungen oder Strohhalmen – war eines der wichtigsten Anliegen vieler Startups. Dass REWE seit 2016 auf Plastiktüten verzichtet, wurde von vielen Gästen positiv zur Kenntnis genommen. Schließlich muss der Bewusstseinswandel auch bei der Masse ankommen. Podiumsteilnehmer Hans-Jürgen Moog von REWE berichtete von anfänglichen Bedenken, auf den Restbeständen von Plastiktüten sitzenzubleiben. Glücklicherweise erwies sich die Testphase als erfolgreich.

Überall in der Stadt poppen neue Lokale mit spannenden Konzepten auf – aber der Hamburger Gastronomie fehlt das entsprechende Personal. Die Branche habe einen schlechten Ruf, meint Patrick Rüther, der unter anderem die Bullerei, das Alte Mädchen und ÜberQuell mitbegründet hat. Hartes Lehrgeld, rauer Umgangston in der Küche, endlose Nachtschichten, Arbeit am Wochenende, Rückenschmerzen – das seien die gängigsten Vorstellungen von einer Tätigkeit als Koch oder Servicekraft. Dabei könne man es heutzutage allein mit Pünktlichkeit und der Bereitwilligkeit, auch am Wochenende zu arbeiten, schon zum Restaurantleiter machen, so Rüther. Heißt: Aktuell wird so händeringend gesucht, dass von Seiten der Gastronomen ordentlich Eingeständnisse gemacht werden. Als Vorstandsvorsitzender vom Leaders Club, einem Zusammenschluss von weltweit führenden Gastronomen und Entscheidungsträgern der Industrie, weiß Rüther allerdings: Für einen Job in der Gastro muss man brennen. Da helfen auch keine Versprechungen.

Text: Jasmin Shamsi


Who the fuck is…

Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. “Sie hängen eng miteinander zusammen und befinden sich im ständigen Austausch”, sagt sie. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online, in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG und auf Instagram unter @szenehamburg.essentrinken 


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