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Hamburg-Flucht: Die besten Ausflugsziele ins Umland

Lockdown, Hygieneregeln, Zuhause bleiben. Das Jahr 2020 fordert jedem einzelnen Menschen viel ab. Sogar Urlaube und Ausflüge fallen in den meisten Fällen flach. Wer Hamburg  – trotz aller Schönheit – mittlerweile ein wenig satt hat, der sollte den Blick auf das schöne Umland der Hansestadt werfen. Hier sind fünf Tipps für Ausflüge und Aktivitäten, die eine dringend benötigte Stadtflucht versüßen und eure leeren Akkus wieder aufladen.

*Anmerkung der Redaktion: Öffnungszeiten und Verfügbarkeit können aufgrund der Corona-Krise eingeschränkt sein

Text: Felix Kirsch

 

Pilates und Maislabyrinth auf dem Erlebnisbauernhof Almthof

Vor den Toren Hamburgs befindet sich in Ahrensburg ein Bauernhof der ganz besonderen Art. Auf dem Erlebnisbauernhof Almthof kann man den Stadtblues so richtig loslassen und sich den verschiedensten Aktivitäten hingeben und ein wenig Landluft schnuppern. Wer für einen Tag das Landleben genießen will, kann das mit der einen oder anderen Attraktion nochmal aufwerten. Mit Golf und Pilates könnt ihr euch körperlich ertüchtigen, während euch Hühner und Kühe über die Schulter gucken. Für das leibliche Wohl ist auch gesorgt: Nach dem Sport könnt ihr euch am sogenannten Regiomat verschiedenste regionale Köstlichkeiten wie Eier, Käse und Nudeln ziehen. An der Milchtankstelle könnt ihr frische Milch in Flaschen abfüllen und euch für die nächsten Wochen in der Stadt eindecken.

Besonders zu empfehlen ist das Almthofer Maislabyrinth, das zwischen Juni und September für Besucher geöffnet ist. Zu der Zeit schießt der Mais in die Höhe und man muss sich einen Weg durch das Corn Maze suchen. Als Belohnung für geduldige Besucher warten an bestimmten Checkpoints Gutscheine und Stempelkarten, die zum Beispiel im Hofcafé eingelöst werden können.

 

Kayak-Tour über die Dove-Elbe

 

Als Großstädter will man es oft nicht zugeben, aber auch wir brauchen doch manchmal eine ordentliche Portion Wildnis. Wer es satt hat, sogar auf dem Wasser das wunderschöne, aber ewig gleiche Panorama zu sehen, der sollte den Blick gen Osten richten. Die Dove-Elbe ist ein stillgelegter Seitenarm der Elbe, der vor Jahren renaturiert wurde. Hier gibt es Natur pur und man begegnet höchstens einer Hand voll Menschen. Also einfach das eigene Kayak (oder sonst irgendeine Art von Boot) schnappen und flussabwärts paddeln.

Versprochen: Nach dem Ausflug seht ihr Hamburg mit ganz anderen Augen, denn der Kontrast zur hektischen City ist echt krass. Alle Outdoor-Fans mit gültigem Angelschein dürfen übrigens sowohl vom Ufer als auch vom Boot aus den Fischen nachstellen. Auf der Plattform “HejFish”  kann man sich die entsprechende Angelkarte besorgen. Petri Heil!

Die Dove-Elbe hat für Naturfreunde einiges zu bieten. Foto: Felix Kirsch

Picknick an der Oberalsterniederung

 

Ein paar Kilometer nordöstlich von Norderstedt befindet sich das Naturschutzgebiet Oberalsterniederung. Wie der Name bereits verrät, ist diese Moorregion ein optimaler Rückzugsort für gestresste Großstädter, die einfach mal wieder in die Natur wollen. Feuchtgebiete durch kleine Alsterärme, saftig grüne Wiesen und Wald wechseln sich ab und bilden einen perfekten Lebensraum für Reptilien, Vögel und Fische. Die volle Dröhnung Natur.

Unser Tipp: Packt euch einen Picknickkorb zusammen, sucht euch einen ruhigen Platz und picknickt mitten im Grünen während ihr die Umgebung auf euch wirken lasst. Aber passt auf jeden Fall auf die geschützten Arten in diesem besonderen Gebiet auf. Auf der Website des NABU könnt ihr nachschlagen, auf welche Tiere ihr besonders Acht geben solltet. Mit einem Fernglas könnt ihr dennoch alle Eindrücke der Oberalsterniederung hautnah aufsaugen, ohne das empfindliche Ökosystem zu stören.

 

Radtour durch das alte Land

 

Als Radfahrer lebt man in Hamburg einen stressigen Alltag. Etwas entspannter geht es südöstlich der Elbe im alten Land zu. Auch wenn die Region für ihren Obstanbau bekannt ist, gibt es im alten Land mehr zu sehen als Apfelbäume. Mit dem Drahtesel geht es vorbei an alten Fachwerkhäusern, urigen Cafés und mitten durch die berühmten Obstplantagen hindurch. Auf der Tourismusseite des alten Landes könnt ihr euch je nach Präferenz eine Route aussuchen. Besonders beliebt bei Radfahrern ist die sogenannte Altländer Route.

Die Tour führt euch mitten durch das schönste Grün direkt zu kleineren oder größeren Sehenswürdigkeiten der Region. Unter anderem das Museum “Altes Land” oder die St. Matthias Kirche. Alle Wasserraten können beruhigt sein: Mit dem Rad seid ihr nie weit von der Elbe entfernt und überquert sie sogar hin und wieder mit Hilfe von Brücke oder Fähre. Auch das nächste Fischbrötchen ist nicht weit – die Fahrradwege führen euch ohne Umwege zum Matjesbrötchen, das ihr mit direktem Blick auf die Elbe verzehren könnt.

 

Im alten Land gibt es mehr als nur Apfelbäume zu sehen. Ein Besuch lohnt sich. Foto: Marek Studzinski via Unsplah

 

Corona-konform: Einfach mal losfahren!

 

In Zeiten von Social Distancing und Lockdowns kann der Alltag in den eigenen vier Wänden ganz schön aufs Gemüt schlagen. Spontanität gibt es so gut wie gar nicht mehr momentan. Deswegen hier ein Spezial-Tipp um die Sehnsucht nach Abenteuer zumindest ein wenig zu stillen. Schnappt euch euer Fahrrad oder das Auto und fahrt einfach los.

Macht euch keine Pläne, setzt keine Ziele, zwingt euch keine Aktivitäten auf. Fahrt einfach drauf los und haltet dort an, wo ihr gerade sein möchtet. Ob einsamer Waldsee, eine Schotterstraße, die parallel zum Weizenfeld verläuft oder direkt zum Strand. Bleibt spontan und erkundet trotzdem eure Umgebung. Vielleicht wartet dort das eine oder andere Mikroabenteur, das den Großstadtblues zumindest temporär heilen kann.


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Hamburger Singles: Online-Dating und Gruppen-Events

Das Unternehmen Studio3w betreut Online-Dating-Portale für verschiedene Städte, auch für Hamburg. Auf Hamburger-singles.de zetteln User Dates und Gruppen-Events an

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto (o.): Anastasiia Vedmedenko via Unsplash

 

Veronika Link gehört zum Team, das für die Seite verantwortlich ist, und erklärt, wie Hamburger online Kontakte knüpfen – und wie viel Zukunft Online-Dating hat.

SZENE HAMBURG: Veronika, auf der Unternehmenswebsite von Studio3w heißt es: „Wir verbinden Menschen.“ Wen verbindet ihr konkret in Hamburg?

Veronika Link: Haupt­sächlich Singles, aber auch Menschen, die Events orga­nisieren wollen oder auf der Suche nach welchen sind und sie gemeinsam mit anderen erleben wollen.

Hamburger-SIngles

„Wir kontrollieren jedes Profil“: Veronika Link betreut hamburger-singles.de

Angefangen habt ihr mit den Münchner Singles 1999, die Hamburger Singles gibt es seit 2010. Ließ sich das Münchner Model einfach auf Hamburg anwenden, oder musstet ihr auf der einen oder anderen Ebene etwas für Hamburg umstellen?

Im Prinzip sind alle un­sere Singles­-Seiten gleich auf­ gebaut und haben die gleichen Funktionen wie Events, Onlineliste, Smiles etc. – die Funktionen werden in den Städten nur unterschiedlich angenommen.

Inwiefern?

Ein Beispiel: In Hamburg haben User anfänglich nur sehr zögerlich das Angebot wahrgenommen, Events zu organisieren oder daran teil­zunehmen. Sie haben unsere Plattform hauptsächlich fürs Dating genutzt. Events wur­den erst nach und nach von den Mitgliedern organisiert. Die User haben sich schritt­weise vernetzt.

Ihr sprecht auch von einer Community bei den Hamburger Singles. Wie funktioniert die?

Jeder kann sich kostenlos anmelden, das Profil mit Infos ergänzen, Fotos hochladen und Texte schreiben. So können die Mitglieder beispielsweise angeben, wofür sie sich begeistern oder wo sie in Hamburg öfter mal anzutref­fen sind, z. B. beim Stand­-Up­-Paddling auf der Alster.

Sie können andere Singles suchen, Gruppen beitreten, den Event-­Kalender einsehen und selbst Events organisieren. Andere User sehen das dann und denken sich vielleicht: „Aha, der oder die geht am Samstag in eine bestimmte Bar oder ein bestimmtes Kino, dort könnte ich ihn oder sie ja mal kennenlernen.“

Welche Hamburger Events sind am beliebtesten?

Am häufigsten verabreden sich unsere Mitglieder zum Essen und Trinken, die Events nennen sie dann etwa „Was­serlichtspiele mit Picknick“. Aber auch Partys und Tanz­-Events im Landhaus Walter sind sehr beliebt. Wer es lie­ber etwas ruhiger mag, trifft sich zum Feierabend­-Bowling oder Minigolfen.

Am Wochenende werden dann gemeinsam Wanderungen und Ausflüge unternommen, z. B. Stadtführungen, Stand­-Up­-Paddling oder Radtouren.

 

„Sie kommen für Dates und bleiben für Freundschaften“

 

Die Event-Option habt ihr anderen Dating-Portalen voraus. Deshalb überrascht es, dass die Hamburger Singles eben diese Funktion zunächst gar nicht wahrnehmen wollten.

Ja, das hat mich auch ver­wundert. Was wir aber bemerkt haben, ist dass sich Leute fürs Dating anmelden, sich erst mal nicht trauen, alleine auf ein Event zu gehen, und dann, mit der Zeit, ergibt es sich doch noch etwas. Und die Events sind am Ende einer der Gründe, warum User bei uns bleiben. Sie kommen also für Dates und bleiben für Freundschaften.

Gibt es eigentlich einen typischen Hamburger-Singles-User, was Alter und Eigenschaften betrifft?

Nein. Bei uns sind alle Altersklassen vertreten. Allerdings werden die Events eher von den älteren Usern genutzt, also den Über­-40-­Jährigen, und von den jüngeren bisher fast gar nicht. Wir fänden es sehr schön, wenn sich das noch ändert.

Was ihr den Usern versprecht, sind „spannende Augenblicke und knisternde Momente“. Eine kürzlich von euch durchgeführte Umfrage unter 200 Usern hat ergeben, dass sich 76 Prozent durch hamburgersingles.de die große Liebe erhoffen. Von welchen Erfolgen wisst ihr?

Bei uns gibt es die Rubrik Liebesgeschichten. Wenn sich ein Paar, das sich bei uns gefunden hat, gemeinsam abmeldet, hat es die Möglichkeit, dort seine Geschichte zu erzählen, auch Fotos zu posten – und davon gibt es sehr viele.

Auch Hochzeitsfotos?

Auf der Seite noch nicht, aber wir wissen von einigen Hochzeiten. Einmal stand auch schon ein Pärchen bei uns vor der Bürotür – mit einem Präsentkorb und einem Baby im Arm. Die beiden wollten uns einfach mal sagen, wie happy sie sind. Erlebt man auch nicht alle Tage.

Auffällig bei den Umfragewerten: Den eigenen Marktwert testen wollen weniger als zehn Prozent der Befragten, Sex beim ersten Date wünschen sich nicht mal fünf Prozent. Welche Schlüsse zieht ihr daraus?

Ich erkläre mir die Werte dadurch, dass sich User auf das Wesentliche konzentrieren wie Liebe, Gesundheit, Familie. Alles andere er­scheint ihnen einfach weniger wichtig.

Steigt eigentlich die Anzahl der User?

Sie steigt leicht. Natürlich erfahren immer mehr Hamburger von uns, aber es verlassen uns ja auch immer wieder welche, wenn sie einen Partner gefunden haben. Im Moment sind bei den Hamburger Singles ca. 20.000 User regelmäßig aktiv. Zum Vergleich: In München sind es rund 60.000, in Berlin 40.000.

 

„Alexa, finde einen Mann für mich“

 

Jetzt läuft es also gut für hamburgersingls.de, aber: Denkst du, dass in zehn Jahren Portale wie dieses noch relevant sein werden?

Ich denke schon, dass Online-­Dating dann noch wichtig sein wird. Allerdings weiß ich nicht, welche Endgeräte in Zukunft dafür genutzt werden. Vielleicht braucht man dann nur noch sagen: „Alexa, finde einen Mann für mich!“ Oder man ist schon so weit, dass man einfach fragen muss: „Was mache ich heute Abend?“ Auf jeden Fall wird sich Online­-Dating verändern.

Plant ihr auch schon Umbrüche?

Bei uns bleibt nichts, wie es ist, zu keinem Zeitpunkt. Wir sind zwar ein kleines Team, entwickeln die Seite aber ständig weiter. Wir bekommen ja auch oft Feedback von den Usern, was sie mögen und was nicht.

Was waren bisherige Kritikpunkte, nach denen ihr auch gehandelt habt?

Lange hatten wir keine Smiles­ oder Matches-­Funktion, also eine, die den Usern anzeigt, dass andere sie mögen. Der Wunsch danach kam vermehrt, deshalb haben wir das eingeführt, ebenso wie eine Blockieren­-Funktion. Kann ja mal sein, dass jemand nicht möchte, dass der Chef ihn oder sie über eine solche Plattform kontaktiert.

Und was ist mit Fake-Profilen? Wie intensiv kontrolliert ihr eure User? 

Wir kontrollieren jedes Profil, das neu angelegt wird. Alle User werden von Hand geprüft.

Was genau wird geprüft?

Ob Fotos und Texte okay sind. Auch schauen wir genau hin, wenn etwas Neues hochgeladen oder etwas textlich geändert wird. Es gibt schließlich viele Betrüger, die sperren wir sofort. Manchmal trifft es auch einen oder eine zu viel – aber das ist immer noch besser, als zu wenig. Wir wollen nicht, dass irgendjemand abgezockt wird. User sollen sicher bei uns sein.

Wie oft sperrt ihr denn User? Täglich?

Ja, schon. Wir sind da sehr streng – auch wenn jemand anfänglich nicht so viel von sich erzählen möchte. Wir weisen ihn oder sie dann freundlich darauf hin.

Hamburgersingles.de


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Open-Air-Küche: Festivalfood kann mehr als Dosenravioli

Kochbuchautor Stevan Paul beweist, dass Essen auf Festivals mehr sein kann als Dosenravioli und ruft zur Rettung der Camping-Kochkultur auf. Eine Ode an die Draußen-Küche

Text: Stevan Paul
Fotos: Daniela Haug

Dieser Moment: die Nacht noch kühl in Königsblau, am Ende der Straße kündet ein Streifen in Rot und Orange vom kommenden Sommertag, die letzten Taschen, Kisten und Boxen sind im Bus verstaut, alle da und Türen zu, die Musik geht an und los! Rauf auf die Straße, raus aus dem Alltag und rein ins Abenteuer. Unterwegs sein, auf Reisen.

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Stevan Paul kocht gegen die kulinarische Verwahrlosung unter freiem Himmel

Der Weg ist das Ziel und das Ziel ist die Freiheit für ein paar Tage ein anderes Leben zu leben, ein Leben unter freiem Himmel, draußen feiern, kochen, entspannen, mit Zelt und Rucksack, mit dem Bulli, dem Camper. Die Ruhe am See genießen, in den Bergen, am Strand – oder die Musik, den Lärm und die Lebensfreude auf einem Musikfestival. Egal wo und wie, einfach mal: rauskommen.

Ich bin süchtig danach. Ich liebe Kochen und am liebsten koche ich draußen. Schon als Kind war ich mit den Eltern und Geschwistern auf großer Fahrt mit unserem Campingbus, ein orangefarbener Dehler Profi, T3 Baujahr 1979. Es ist der Geschmack meiner Kindheit, auf französischen Campingplätzen: sonnenwarme Tomaten mit Olivenöl, ein knusprig splitterndes Baguette, dick bestrichen mit La vache qui rit-Frischkäse, „die Kuh die lacht“, wir Kinder haben es geliebt.

Und Abends, sonnenwarm-saftige Pfirsiche, fettschwitzende korsische Wildschweinwürste vom Grill (hat uns keiner gesagt, dass das Wildschwein war!), Mama und Papa in Rotweinseligkeit knutschend (schlimmer als Wildschwein-Bratwurst!). Und schon damals die Erkenntnis: Wie einfach Draußen-Küche ist, es braucht nicht viel.

 

Ins Gespräch kommen, teilen und probieren

 

Irgendwann hab ich das alles mal kurz vergessen, ich bin nach Berlin gezogen, weil man das damals so gemacht hat, weil das früher mal zum gelungenen Lebenslauf gehörte, in Berlin gewohnt zu haben. Zumindest wenn man, wie ich, aus einer kleinen Kreisstadt kam. Alles war wichtiger in Berlin, der Job, der Look, die Nacht … Ich habe es in vier Jahren kein einziges Mal an den Wannsee geschafft, die brandenburgische Seenplatte und den Spreewald erst entdeckt, als ich endlich in Hamburg lebte.

Wissen Sie eigentlich wie schön der Sommer im Norden ist? Campen am Stocksee, Ausflug an den Hohwachter Strand, Picknick im Jenisch-Park, sandige Sandwiches vor der Strandperle mümmeln, Grillparty am Falkensteiner Ufer.

Und gern auch mit Musik: Früh entdeckte ich Open-Air-Festivals als ideale Auszeit zwischen Arbeitsalltag und Urlaub, kleine Fluchten, mit Lieblingsmenschen, Zelt und Campingkocher. Nur ein Umstand trübte anfangs die gute Stimmung: das schlechte Essen.

Ich habs nicht verstanden: Wir arbeiten alle so viel und verbringen dann aber die knappe Freizeit mit Freunden bei zumindest diskutabler Grundversorgung: Dosenfutter, Tütensuppen, verbrannte Würstchen vom Einweggrill.

Aus Notwehr, ich bin schließlich gelernter Koch, entwickelte ich im Laufe der Jahre eine Festival- und Campingküche, die bewies, dass es gerade auch unterwegs, nicht zur kulinarischen Komplettverwahrlosung kommen muss. Bis heute glaube ich, dass ich der Erfinder der trinkbaren Kühlelemente bin, ich entwickelte ein Drei-Tage-Festival-Grill-Programm, schrieb detailreiche Pack- und Einkaufslisten.

 

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Mit dem Campingkocher gekocht: Quesadillas und Salsiccia Bohneneintopf

 

Ich ließ mich auslachen, wenn ich zum frisch gebrühten Kaffee, Milchschaum aufschlug – am nächsten Tag standen auch die Zeltnachbarn Schlange. Auch darum geht es beim Draußen-Kochen: Mit anderen ins Gespräch kommen, teilen und probieren, sich überraschen lassen! Essen verbindet und bringt die Leute zusammen, gerade auch unterwegs. Unvergessen: der „Rolling Stone“-Redakteur, dem ich auf dem Melt-Festival ein Steak mitgrillte, worauf der in sein Zelt griff und für uns eine mitgebrachte Flasche Châteauneuf-du-Pape entkorkte. Haben wir dann aus den offiziellen Festivalpfandbechern getrunken – schmeckte himmlisch!

Dabei ist es nicht entscheidend, was man einpackt, auspackt, kocht oder grillt, keep it simple, zumindest am Anfang: ein Stück guter Käse, reife Tomaten, Salz und Olivenöl sind ein wunderbares Essen und die Welt ist schön.

Es ist wie so oft im Leben, es macht Spaß mit seinen Aufgaben zu wachsen. Und mit etwas Vorbereitung, einfachen Rezepten, Tricks und Kniffen, ist Open-Air-Küche ein müheloses Vergnügen. Feiern wir doch diesen Sommer miteinander und mit ein paar köstlichen Kleinigkeiten! Einfach loslegen und dann: alle mal raus jetzt!

 

Festival-Food zum Nachkochen

 

In seinem Kochbuch „Open Air“ präsentiert Stevan Paul über 100 Outdoor-Rezepte jenseits von Dosenravioli und Tütensuppe und gibt Tipps zu Ausstattung, Transport und dem richtigen Umgang mit Gaskocher und Grill.

 

Tomaten-Avocado-Quesadilla

 

Stevan-Paul-Open-Air-Küche-c-Daniela-Haug

  • Für 4 bis 6 Quesadillas:
  • 1 bis 2 Tomaten
  • Salz, 1 Prise Zucker
  • 1 Avocado
  • etwas Zitronensaft
  • 8 bis 12 Tortilla-Fladen (16 cm ø)
  • 150 bis 200 g geriebener Cheddar
  • (wahlweise Bergkäse oder Gouda)
  • Pfeffer und Olivenöl

 

Zubereitung

Tomaten in Scheiben schneiden und mit Salz und Zucker würzen. Avocado halbieren, Stein entfernen, Fruchtfleisch aus der Schale lösen und in Streifen schneiden. Mit Salz würzen, mit Zitronensaft beträufeln.

Die Hälfte der Tortilla-Fladen mit der Hälfte des Käses bestreuen. Tomaten und Avocado drauf verteilen, pfeffern. Mit dem übrigen Käse bestreuen, mit den übrigen Tortilla-Fladen deckeln, leicht andrücken.

Die Quesadillas nacheinander in einer dünn mit Olivenöl ausgestrichenen Pfanne auf dem Gaskocher bei milder Hitze von jeder Seite 4 bis 6 Minuten „braten“. Dabei ab und zu leicht rütteln, damit nichts ansetzt. Zum Wenden Quesadilla auf einen Teller stürzen und auf der ungebräunten Seite wieder in die Pfanne gleiten lassen. Vierteln und sofort servieren.


OpenAir-kochbuchStevan Paul ist Kochbuchautor und freier Foodjournalist. „Open Air – das Festival- & Camping-Kochbuch“ ist im Brandstätter Verlag erschienen. Sein Online-Magazin NutriCulinary gehört zu den meistgelesenen im Netz.


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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