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FoodSZENE: Wie sich junge Gastronomen Gehör verschaffen

Als die drei jungen Inhaber die Türen ihres Restaurants Klinker im vergangenen Mai endlich öffnen konnten, lag eine achtmonatige Odyssey hinter ihnen. Die Gründe? Zu viel Bürokratie und fehlende fachliche Unterstützung, wie sie sagen

Text und Fotos: Jasmin Shamsi

 

Sich mit einer eigenen Gastronomie selbstständig zu machen, ist für viele der große Traum. Knapp 60 Neueröffnungen in Hamburg seit Frühjahr 2018 – das ist Rekord. Was auffällt: Vor allem junge Menschen, die sogenannte „Generation Y“, scheinen die Branche für sich entdeckt zu haben. Man sagt den Millennials einen gewissen Weltverbesserungsethos nach. Das spiegelt sich in vielerlei Hinsicht auch in den gastronomischen Konzepten wider: Auf den Teller kommen wenig überladene Gerichte, die dafür mit Top-Produkten – idealerweise aus der Region – zubereitet wurden.

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema, ebenso bewusster Genuss sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen und, ja, auch (Fach-)Personal. Wichtigste Devise: Die Arbeit soll Sinn machen und gleichzeitig Sinn stiften.

Die charismatischen Fernsehköche der 1990er Jahre haben der Gastronomie zu neuem Ansehen verholfen – jetzt ist es Zeit, wieder mehr zu fokus­sieren. Gutes Handwerk abzuliefern und „die Klappe zu halten“, wie Marianus von Hörsten fordert. Zumindest, was das ­Kochen betrifft. Zusammen mit seinen beiden Kollegen Aaron Hasenpusch und Claudia Steinbauer hat er Ende Mai das Res­taurant Klinker in der Schlankreye eröffnet.

 

Restaurant-Klinker-c-Jasmin-Shamsi

Alles fertig, nur die Konzession lässt auf sich warten: das Restaurant Klinker kurz vor der Eröffnung

 

Der 27-Jährige ist auf dem Demeter-Hof Wörme am Rand der Lüneburger Heide aufgewachsen und weiß, wie viel Arbeit hinter einem landwirtschaftlichen Betrieb steckt. Seine Kochausbildung absolvierte er in Jesteburg im Restaurant Hof & Gut und trat anschließend eine Stelle im Sra Bua by Tim Raue in Berlin an. Durch Zufall lernte er dort seinen Kollegen Aaron kennen, der ebenfalls in einem von Raues Restaurants kochte, dem 2-Sterne-Flaggschiff am Checkpoint Charlie.

Sie beschlossen, gemeinsame Sache zu machen: Ein dreitägiges Pop-up-Restaurant in Berlin-Kreuzberg ­brachte sie über Umwege nach Hamburg, wo sie drei Wochen unter dem Arbeitstitel „Tabula Rasa“ im Cook Up kochten. „Der Laden war jeden Abend ausgebucht“, erinnert sich Aaron. Kurz darauf erfuhren sie von einer frei werdenden Immobilie direkt neben dem Holi-Kino und schlugen zu – angesichts der aktuellen Marktlage ein unverschämtes Glück. 

 

Ausgebremst durch immer neue Auflagen

 

Die Sache hat natürlich einen Haken. Mehr als acht Monate hat das Dreiergespann darauf gewartet, endlich eröffnen zu können. „Wir haben uns in der Zeit mit mehreren Jobs über Wasser gehalten“, sagt Gastgeberin Claudia Steinbauer, die unter anderem jahrelang im Berliner Grill Royal tätig war. Sie hat das Gefühl, dass es Gründern in Hamburg schwer gemacht würde. Während Personal, ausgewählte Produzenten und Konzept schon früh standen, gab es bis zum Schluss Probleme mit der Konzession.

Da ist zum Beispiel die Sache mit den Fluchtwegen, die aufgrund der denkmalgeschützten Fassade durch den Keller verlaufen müssen. Ein hüfthohes Mäuerchen am Kellereingang fiel durch die Statikprüfung. Ständig haben sich neue Auflagen ergeben, nicht nur von Seiten des Denkmalschutzamts. Zuletzt waren 480 Euro für die Generalinspektion des Fettabscheiders fällig.

„Die Verzögerung ist zum Teil auch unsere Schuld“, gibt Claudia zu. Sie seien an die ganze Sache recht blauäugig rangegangen. Könnten sie die Zeit zurückdrehen, würden sie von Anfang an die Behörden mit ins Boot holen. Wer hilft jungen Gründern, an die entsprechenden Infos zu kommen? Reicht es, dass die Handelskammer Hamburg auf ihrer Website Checklisten für Selbstständige und Infos zu Rechtsvorschriften bereitstellt? Werden die Beratungsangebo­te der Handelskammer oder auch Verbraucherschutzämter genutzt? Welche Rolle kommt dem DEHOGA als Lobby für die Branche zu und wird der Interessenverband seinen Zielen gerecht?

 

 

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Insgesamt bleibt der Eindruck, dass eine Neugründung in Hamburg viel Bürokratie mit sich bringt. „Wir fühlen uns gegängelt und bei wichtigen Themen wiederum alleingelassen“, beschwert sich das Team vom Restaurant Klinker. „Für die Hotellerie ist der DEHOGA ein wichtiger Ansprechpartner. Belange der Gastronomie bleiben dagegen häufig unter dem Radar.“

Der anfänglichen Euphorie ist mittlerweile ein bitterer Nachgeschmack gewi­chen. Darüber möchten die drei Gründer gerne reden, ihr Lokal soll zukünftig auch als Plattform für Diskussionsrunden zur Verfügung stehen. Fachkräftemangel, Bezahlung nach Tarif, Besteuerung von Lebensmitteln, Nachhaltigkeit – das sind auch Themen der Stadtpolitik. 

Die Hamburger Gastro­szene befindet sich im Umbruch, das sollte die Stadt als Chance sehen. Nicht nur, dass die Branche ein wachsender Wirtschaftsfaktor ist, immer mehr wird sie auch von Menschen gestaltet, die mitdenken und Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen. Schade, wenn dieser Auftrieb durch Bürokratismus ausgebremst wird.

Restaurant Klinker: Schlankreye 73 (Harvestehude)


Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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Appetit auf mehr?

FoodSZENE – Atlantic Grill & Health

Küchenchef Christian Michel setzt im neuen Restaurant des Hotel Atlantic ganz selbstverständlich auf Nachhaltigkeit und bewussten Genuss.

Text: Jasmin Shamsi

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Ziegenkäse von Kober auf Sellerie. Foto: Jasmin Shamsi

Das Hotel Atlantic hat gastronomischen Zuwachs bekommen. Mit dem frisch eröffneten Atlantic Grill & Health weht ein neuer Wind durch das Traditionshaus an der Alster. Küchenchef Christian Michel, der letztes Jahr vom Münchener Restaurant Schwarzreiter nach Hamburg wechselte, möchte ein jüngeres Publikum ansprechen – mit einer Küche, die auf hochwertige Produkte aus der Region und lokale Superfoods wie Berberitzen, Buchweizen und Leinsamen setzt. Dogmatisch soll es aber nicht werden: Bei Gerichten „für die Seele“ kommen auch mal schön Butter und Zucker zum Einsatz. Auf Nachfrage werden übrigens alle vegetarischen Speisen auch als vegane Variante angeboten. Auf Extrawünsche flexibel zu reagieren, stellt für den 35-jährigen Küchenchef kein Problem dar. Im Gegenteil – das sei heutzutage eine Selbstverständlichkeit, bekräftigt der gebürtige Hesse.

Der ökologische Gedanke setzt sich auch in der Getränkekarte fort: Viele der Säfte und Weine sind aus biologischem Anbau und die hausgemachten Limos werden mit Strohhalmen aus Glas serviert. Einziger Wermutstropfen: Für’s gute Gewissen muss man tief in die Tasche greifen. Für eine gegrillte Hühnerbrust von Odefey & Töchter zahlt man 31 Euro. Kennt man die Aufzuchtbedingungen und den Einkaufspreis, ist das allerdings mehr als fair: Für ein Weidehuhn, das viel Platz, Tageslicht, Ruhe und Futtermittel von Bio-Qualität genossen hat, werden Küchenchef Christian Michel rund 24 Euro in Rechnung gestellt. Belohnt wird der bewusste Genuss mit einem tollen Blick auf die Alster. Kann man sich ja mal gönnen!

An der Alster 79 (St. Georg); www.atlantic-grillhealth.com


Foto: Philipp Jung

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Wissen, was gut ist #5 – Gärtnerei Sannmann

Wir haben regionale Lebensmittel-Erzeuger besucht, die uns Rede und Antwort stehen. Hier kommt Teil 5 unser Serie “Wissen, was gut ist”.

Gärtnermeister Thomas Sannmann engagiert sich mit Herzblut für hochwertige und regionale Lebensmittel. Seit über 200 Jahren betreibt die Gärtnerei Sannmann ihren landwirtschaftlichen Betrieb im Landschaftsschutzgebiet der Vier- und Marschlande. Seit 1986 wird hier auch nach Demeter-Richtlinien angebaut. Ob Kräuter, Fruchtgemüse oder Wildsalate: Gemeinsam mit seinem Team baut Sannmann mehr als 40 Produkte in bester Bioqualität an.

Das ganzjährig angebotene Sortiment findet man auf der Homepage der Gärtnerei. Dazu gehören auch alte, fast vergessene Tomatensorten wie die Vierländer Platte. Die Produkte können sowohl vor Ort als auch in ausgewählten Naturkost-Fachgeschäften, auf Hamburger Bio-Wochenmärkten oder über den Onlineshop bezogen werden.

“Wir wollen der Erde mehr zurückgeben, als wir nehmen.”

Mit der Verwendung natürlicher Dünge- und Pflanzenschutzmittel und dem Anbau einer vielfältigen Fruchtfolge garantiert Sanmann einen gesunden, nährstoffreichen Boden. Er ist überzeigt, dass das die wichtigste Grundlage einer jeden Gärtnerei ist. “Unser Gärtner-Motto ist Lebenskraft für Mensch und Erde. Mit dem Demeter-Anbau wollen wir gesunde Lebensmittel erzeugen und der Erde mehr zurückgeben, als wir nehmen.”

Thomas Sannmann freut sich über jeden neugierigen und interessierten Kunden, dem er seine Philosophie näherbringen kann. Zeit für Austausch gibt es bei den regelmäßig stattfindenden Festen, Führungen und Veranstaltungen in seiner Gärtnerei. Der Hofladen, in dem man frisches, saisonales Gemüse, Saatgut und Jungpflanzen findet, hat jeden Samstag von 10 bis 15 Uhr geöffnet.

Text: Mira Eggerstedt
Foto: Philipp Schmidt

Ochsenwerder Norderdeich 50, 21037 Hamburg; www.sannmann.com


Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG Essen+Trinken 2018/2019. Das Magazin ist zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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Wissen, was gut ist #4 – Das Gut Wulksfelde in Tangstedt

Wer sich mit guten und ehrlichen Lebensmitteln beschäftigt, will wissen, wo sie ihren Ursprung haben. Deswegen haben wir fünf regionale Erzeuger besucht. Hier kommt Teil 4 unser Serie „Wissen, was gut ist“, in der wir euch das Gut Wulksfelde vorstellen.

Geschäftsführer Rolf Winter und Leiterin der Tierhaltung Ulrike Schreiber stehen stellvertretend für das gesamte Team von 160 festen Mitarbeitern und ca. 40 Saisonarbeitern des Guts Wulksfelde in Tangstedt. Es liegt direkt vor den Toren Hamburgs und wird seit 1989 konsequent ökologisch bewirtschaftet. Auf den Äckern des Guts wachsen Gemüse und Getreide, Kartoffeln und Erdbeeren (auch zum Selberpflücken).

Rund um den Hof leben außerdem 250 Rinder der robusten Rasse Limousin und Deutsch Angus. Auch die Schweine haben jede Menge Platz zum Ausleben ihres Wühltriebs und die rund 2.350 Legehennen und ihre 40 Hähne leben in zwei Mobilställen, die regelmäßig auf frische Grasnarben verschoben werden.

Als Vorzeigebetrieb ist das Gut Wulksfelde auch ein beliebtes Ausflugsziel: „Mit unseren Veranstaltungen bieten wir den Hamburgern eine tolle Möglichkeit, mit der ökologischen Landwirtschaft, der Natur und mit uns in Kontakt zu kommen“, sagt Winter.

Das hofeigene Restaurant, der Hofladen und das Café sind besonders an den Wochenenden sehr gut besucht. Gut so, denn schließlich steht der Betrieb für eine transparente Landwirtschaft zum Anfassen. Hofführungen, Märkte und Feriencamps für Kinder gehören ebenso zum Programm wie die Möglichkeit, einen der vorbepflanzten, biozertifizierten Gemüseäcker für eine Saison selbst zu bewirtschaften – eine Kooperation mit dem Anbieter Ackerhelden.

Ein Acker mit einer Fläche von 40 Quadratmetern kostet für eine Saison (Mai bis November) 199 Euro und versorgt bis zu drei Erwachsene mit Biogemüse.

Text: Mira Eggerstedt
Foto: Philipp Schmidt

Wulksfelder Damm 15-17, 22889 Tangstedt/Hamburg; www.gut-wulksfelde.de


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Wissen, was gut ist #3 – Der Milchhof Reitbrook

Wer hat die Milch für meinen Flat White gemolken? Für unsere Serie “Wissen, was gut ist”, haben wir fünf Lebensmittel-Produzenten im Hamburger Umland besucht. Hier kommt Teil 3 über den Milchhof Reitbrook.

Bei ihm hat jede Kuh einen eigenen Namen. Viele Hamburger kennen und schätzen die Arbeit von Landwirt Jan-Hendrik Langeloh. Gemeinsam mit Rainer Kohls betreibt er den Milchhof Reitbrook in den schönen Vier- und Marschlanden im Südosten Hamburgs. Ihr Anspruch: Milch in Spitzenqualität! Deshalb setzen die beiden konsequent auf artgerechte Weidenhaltung. „Wir sind davon überzeugt, dass das alles nur gelingt, wenn es unseren Kühen gut geht. Sie sollen das beste Futter und die besten Lebensbedingungen genießen. Dazu gehört, dass sie im Sommer auf der Weide laufen. Und wenn wir dann noch einen ehrlichen und offenen Umgang mit den Kunden pflegen, wird daraus eine runde Sache.“

„Wir sind davon überzeugt, dass das alles nur gelingt, wenn es unseren Kühen gut geht.“

Zum Sortiment gehören pasteurisierte und unbehandelte Vorzugsmilch, Käse und mehrere Joghurtsorten aus der hofeigenen Molkerei. Die Reitbrooker Milchbauern verkaufen ihre Produkte nicht nur an Cafés und Restaurants, sondern liefern ihre Produkte über ein „Frische-Abo“ auch an private Haushalte im südöstlichen Stadtrand von Hamburg. Das ist bisher einzigartig in Hamburg und funktioniert sehr gut. Die Landwirte möchten keine anonyme Agrarfabrik sein. Der unmittelbare Austausch mit ihren Kunden ist ihnen daher besonders wichtig: Der Hofladen hat montags, donnerstags und samstags von 10 bis 12 Uhr sowie mittwochs und freitags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Die 140 Milchkühe und ihre Kälber dürfen aber auch gerne außerhalb dieser Öffnungszeiten besucht werden.

Text: Mira Eggerstedt
Foto: Philipp Schmidt

Vorderdeich 275, 21035 Hamburg; www.milchhof-reitbrook.de


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Wissen, was gut ist #1 – Bio-Obst Augustin in Jork

Wer sich mit guten und ehrlichen Lebensmitteln beschäftigt, will wissen, wo sie ihren Ursprung haben. Hier kommt Teil 1 unserer Serie „Wissen, was gut ist“.

Zwischen Stade und Altem Land liegen die Demeter-Höfe, die Bio-Obst Augustin beliefern. Der Obstanbau hat hier aufgrund der Bodenfruchtbarkeit und des Klimas eine lange Tradition. Seit Jahrhunderten sind die Höfe in Familienhand und werden bis heute von Generation zu Generation weitergegeben. 1990 stellten Katrin und Dierk Augustin ihren Apfelhof auf ökologischen Landbau um. Seit 2001 richten sie sich außerdem nach den strengen Vorgaben von Demeter, dem ältesten Bio-Verband Deutschlands. Dabei geht es um den respektvollen Umgang mit Böden, Pflanzen und natürlich auch mit den Menschen. Schließlich tragen auch die Mitarbeiter mit ihrem Engagement zu einer guten Ernte bei. Das soziale Engagement und die Mitarbeiterbindung wird daher bei Familie Augustin großgeschrieben.

„Wir möchten ein Bewusstsein schaffen, das sich am Wohle des Ganzen orientiert.“

Demeter-Anbau bedeutet im Vergleich zu den Vorgaben anderer Öko-Verbände vor allem eins: mehr Aufwand. Er bietet laut Familie Augustin aber auch die Chance, den ökologischen Landbau und den eigenen Betrieb weiterzuentwickeln: „Wir möchten ein Bewusstsein schaffen, das sich am Wohl des Ganzen orientiert. Ein Teil dessen ist für uns die Demeter-Landwirtschaft: Sie versteht den Hof als geschlossenen Kreislauf, der das lebendige Zusammenspiel zwischen Boden, Pflanze, Tier und Mensch fördert“, erklärt Catharina Augustin. Das Ergebnis: besonders geschmackvolle Früchte mit hoher Vitalkraft, die gut für Körper, Geist und Seele sind. Am Ende profitieren nicht nur die Umwelt und der Betrieb vom nachhaltigen Bioanbau, sondern auch die Kundschaft.

Text: Mira Eggerstedt
Beitragsfoto: Philipp Schmidt

Klein Hove 21, 21635 Jork, www.bioaugustin.de


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Wissen, was gut ist #2 – Hof Eggers in Kirchwerder

Wir haben fünf regionale Erzeuger besucht, die Rede und Antwort stehen. Hier kommt Teil 2 unserer Serie “Wissen, was gut ist”.

Auf den denkmalgeschützten Hof Eggers, der seit 1628 in Familienbesitz ist, wird seit 1992 ökologischer Landbau betrieben. Aktuell betreiben Henning und Norma Beeken gemeinsam mit ihren Team den zertifizierten Bioland-Hof. „Hof Eggers soll ein Ort bleiben, an dem hochwertige, regionale Biolebensmittel hergestellt werden. Der Naturschutz spielt hier eine wichtige Rolle“, erzählt Henning Beeken. Zum Sortiment von Hof Eggers gehören auch Rind- und Schweinefleisch, Weihnachtsgänse und Wurstprodukte: bestes Biofleisch aus der Region Hamburg, ohne lange Lieferwege.

„Für uns spielt der Naturschutz eine wichtige Rolle“

Als Erzeuger und Vertrieb von qualifizierten Bioprodukten ist Familie Beeken artgerechte Tierhaltung und ein respektvoller Umgang mit der Natur ein besonderes Anliegen. Sie verkaufen nur Fleisch von Tieren, die auf dem Hof aufgewachsen und mit Futter von den hofeigenen Feldern gefüttert worden sind. Um lange Transportwege zu vermeiden, werden die Tiere von Hof Eggers bei der Schlachterei Stöck in Billwerder geschlachtet. Die Lösung mit dem regionalen Partner bedeutet für die Tiere weniger Stress.

Das Fleisch vom Hof Eggers kann bequem online bestellt und zu ausgewiesenen Terminen vor Ort auf den Bauernhof abgeholt werden. So können sich die Kunden auch selbst ein Bild davon machen, wie die Tiere auf Hof Eggers gehalten werden. Ein Versand im Großraum Hamburg erfolgt ebenfalls zu vereinbarten Lieferterminen. Zum Hof Eggers gehört übrigens auch ein hübsches Hofcafé.

Text: Mira Eggerstedt
Foto: Philipp Schmidt

Kirchwerder Mühlendamm 5, 21037 Hamburg Kirchwerder; www.hof-eggers.de


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Tim Mälzer – Ein Plädoyer für Zero Waste

Zero Waste ist mehr als nur Müllvermeidung. Es geht um nachhaltiges Konsumieren, ohne auf Genuss verzichten zu müssen. Tim Mälzer über bewusste Einkaufsplanung und die Kunst der Einfachheit.

Interview: Jasmin Shamsi
Beitragsbild: Frank Meyer

Das Überangebot an Lebensmitteln im Supermarkt kann überfordern. Einkaufsentscheidungen werden oft von Rabattaktionen abhängig gemacht. Warum uns dadurch ein Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln abhanden gekommen ist und was man dagegen tun kann, erklärt TV-Koch Tim Mälzer in seiner ARD-Sendung „Lebensmittel-Check“. Seine Devise: Selbst ist der Verbraucher!

SZENE HAMBURG: Was bedeutet bewusste Einkaufsplanung?

Tim Mälzer: Verbraucher wollen wissen, woher ihr Essen kommt – aber leider nur oberflächlich. Interesse allein reicht nicht, man muss sich gezielt informieren. Damit mag ein gewisser Aufwand verbunden sein, aber der zahlt sich definitiv aus. In unseren „Lebensmittel-Checks“ bereiten wir das Thema soweit vor, dass der Zuschauer alle wichtigen Informationen auf einen Schlag bekommt.

Auf deiner ARD-Sendungsseite findet man eine Menge nützlicher Tipps und entsprechende Links. Wie sieht dein Einkaufsverhalten aus?

Ich bewege mich täglich in einem relativ kleinen Radius. Aus Zeitgründen schaffe ich es oft nur zu einer Handvoll Läden in nächster Nähe. Dabei haben wir tolle Erzeuger in der Umgebung, etwa das Gut Wulksfelde in Tangstedt.

Gerade in Großstädten ist das ein bekanntes Problem: Nach der Arbeit schnell in den Supermarkt und ab nach Hause. Es scheint zu wenig Zeit für einen bewussten Einkauf zu sein.

Ich sitze hier seit zwei Stunden am Computer auf der Suche nach einem Urlaubsziel. Dieselbe Zeit hätte ich genauso gut für meine Einkaufsplanung verwenden können. Sicher ist: Die meisten Leute kaufen regelmäßig dieselben Produkte. Wir sprechen also von rund 25 Artikeln, die es wert sind, recherchiert zu werden. Es geht nicht darum, sofort alles richtig zu machen, sondern Schritt für Schritt ein Bewusstsein zu entwickeln.

 

„Preisnachlässe gehen immer auf Kosten der Erzeuger“

 

Warum bestimmen Großhandelsketten, wie viel wir für unsere Lebensmittel zahlen? Zahlen wir zu wenig?

Das hat etwas mit Kundenbindung zu tun. Gerade beliebte Produkte wie Milch und Fleisch werden oft rabattiert, um Kunden zunächst mal in den Supermarkt zu locken – in der Hoffnung, dass sie dort dann auch andere Produkte kaufen. Für Werbeaktionen sind wir sehr empfänglich. Absurd wird es, wenn man 20 Kilometer Fahrt in Kauf nimmt, weil das Bier gerade im Angebot ist. Wir dürfen uns nichts vormachen: Preisnachlässe gehen immer auf Kosten der Erzeuger.

Besteht die Lösung darin, Erzeuger und Verbraucher wieder näher zusammenzubringen?

Ja sicher. Die Schweiz geht da mit gutem Beispiel voran (Anm. Red.: Im Mai 2017 ist ein neues Lebensmittelrecht in Kraft getreten, das die Deklarationsvorschriften verschärft hat). Die Lebensmitteltransparenz macht die Konsequenzen unserer Kaufentscheidungen deutlicher. Wenn wir wissen, woher die Lebensmittel kommen, kaufen wir anders ein.

Wie kann man Zwischenhändler und damit lange Transportwege vermeiden?

Der Gang zum Wochenmarkt ist schon mal ein guter Anfang. Unter einer anonymen Marke lässt sich nämlich viel leichter Mist verkaufen, als von Angesicht zu Angesicht. Wirklich gute Produkte mögen ein, zwei Euro mehr kosten, aber es lohnt sich, weil der Geschmack einfach besser ist.

Wie wäre es mit einer einheitlichen und übersichtlichen Plattform, auf der man all dieses Wissen bündelt?

Die Idee finde ich super. Es gibt ja für alles Plattformen: für Unterkünfte, Restaurantbewertungen etc. Da sollte es doch nicht so kompliziert sein, ein digitales Nachschlagewerk bzw. einen Einkaufsratgeber für Verbraucher ins Leben zu rufen. Wo findet man gute Hofläden, wo einen guten Bäcker? Es muss ja nicht immer Bio sein – ich kenne viele Landwirte mit toller, konventioneller Ware, die einen großartigen Job machen.

 

„Erst, wenn mein Kühlschrank leer ist, wird wieder eingekauft.“

 

Stichwort Lebensmittelverschwendung: Wir werfen jährlich Tonnen Lebensmittel in den Müll. Was uns nicht mehr appetitlich erscheint, kommt weg. Sind wir übersättigt?

Wir leben in einer Überflussgesellschaft, das muss man sich klarmachen. Vor Kurzem habe ich zu Hause das Experiment gestartet, meinen Kühlschrank leer zu essen. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich eine Menge Lebensmittel wegschmeiße. Einfach, weil ich mich von meiner Lust auf bestimmte Produkte leiten lasse. Diesen Teufelskreis wollte ich unterbrechen. Erst wenn mein Kühlschrank vollständig leer ist, wird wieder eingekauft. Das Beste: Ich spare damit auch noch wahnsinnig viel Geld!

Welche Tipps hast du?

Nicht mit Appetit einkaufen zu gehen! Außerdem sollte man sich einen Speiseplan machen. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass ich heute Nudeln esse, koche ich gleich ein paar mehr für ein Gratin am nächsten Tag. Dasselbe mache ich mit Kartoffeln. Die kann man am nächsten Tag für Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat verwenden. Oder mal versuchen, den Kühlschrank leer zu essen, der Kreativität freien Lauf lassen. Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen? Einfach mal aufmachen, gucken, probieren, riechen!

Wie stehst du zu radikaler Resteverwertung?

Von radikalen Bewegungen halte ich nichts. Genauso, wie ich dem Gastrotrend „brutal lokal“ nichts abgewinnen kann. Gut, solche Trends schaffen die nötige Aufmerksamkeit – aber sie müssen auch im Alltag umzusetzen sein, sonst werden sie sich bei der Masse nicht durchsetzen.

Aber sowas wie Stiele von Kräutern und Schalen von Gemüse, die man in Suppen oder Ähnlichem weiterverarbeitet: Ist das zu radikal?

Ja gut, das ist für mich als Koch natürlich eine Selbstverständlichkeit. Die Stängel von Petersilie sind für mich noch richtig Gemüse und kein Rest. Wichtig ist, dass wir unseren Horizont erweitern und ein bisschen mehr Bereitschaft zeigen, unsere Gewohnheiten zu ändern.

 

„Das Überangebot an Lebensmitteln ist omnipräsent.“

 

In Frankreich und Italien ist es Supermärkten untersagt, noch genießbare Lebensmittel weg­zu­schmeißen. Durch Steuererleichterungen werden Geschäfte dazu animiert, an wohltätige Organisationen oder Tafeln zu spenden. Sollte man so etwas auch in Deutschland einführen?

Ich bin auf jeden Fall dafür, behutsamer mit Ressourcen umzugehen. Wir haben mal in der Guten Botschaft den Versuch gestartet, kleinere Portionen anzubieten. Unsere Gäste waren anfangs richtig sauer, weil sie nach dem Essen nicht pappsatt waren. Dabei muss man nur zehn Minuten warten, bis das Sättigungsgefühl eintritt. Dann ist man richtig geil satt und nicht vollgestopft wie ein Masthuhn (lacht). Aber zurück zu deiner Frage: Man muss an die großen Handelsketten ran, weil die die Möglichkeiten und Macht haben. Was soll das denn eigentlich mit den verlängerten Einkaufszeiten? Als sei das Überangebot an Lebensmitteln nicht schon omnipräsent genug. Vor Feiertagen sieht es im Supermarkt immer aus, als sei der Krieg ausgebrochen. Als ob man wochenlang um eine Nachlieferung bangen müsste (lacht). Jeden Ansatz, diese „Zustände“ zu ändern, finde ich gut.

Wenn man auswärts isst, bleiben häufig Reste übrig. Doggybags sind da eine super Erfindung. Nehmen deine Gäste diese Möglichkeit wahr?

Vielen Gästen ist es unangenehm, danach zu fragen. Wir bieten es proaktiv an, weil es schade um das Essen ist und wir es sonst wegschmeißen müssten. Zu Hause würde man sich das Essen vom Vortag ja auch noch mal warm machen! Obwohl wir darauf eingestellt sind, ist die Nachfrage nicht besonders groß.

Vielleicht muss man an der Verpackung arbeiten? Sie irgendwie schicker und nachhaltiger gestalten?

Ich bin tatsächlich gerade dabei, ein wertiges Verpackungssystem zusammen mit dem Designer Peter Schmidt zu entwickeln. Die Sache ist allerdings extrem kostenintensiv. Niemand würde einsehen, so viel Geld für eine Verpackung zu zahlen. Pfandsysteme funktionieren ja momentan leider nur lokal.

Auch da könnte die Vernetzung mit anderen Partnern der Schlüssel sein …

Absolut – das tut gut, mal ein bisschen zu brainstormen! Toll wäre, wenn man weitere Gastronomien mit ins Boot holen würde. So ein kostspieliges Projekt ist nur durch Fördergelder realisierbar, eventuell durch staatliche Subventionen. Das hat mit dem Mehrweg-Pfandbecher-Poolsystem in Hamburg auch geklappt.

Gar nicht so abwegig. Die Bundesregierung hat ein großes – auch wirtschaftliches – Interesse daran, die Lebensmittel­verschwendung einzudämmen. Kampagnen wie „Zu gut für die Tonne“ beweisen das. Entsprechende Unternehmen könnten wiederum mit ihrem Know-how von Nutzen sein.

Das ist ein guter Ansatz. Wir können von kleinen Gastronomien einfach nicht verlangen, dass sie von der geringen Marge, die ihnen übrigbleibt, auch noch in bessere Verpackungen investieren. Ich würde ja gerne mal zum Runden Tisch von der Verbraucherschutzbehörde eingeladen werden. Da könnte man all diese Themen ausführlich besprechen und sich mit Partnern zusammentun. Ich finde, wir sollten alle an einem Strang ziehen!

 


Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Food-Redakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf, serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG und auf Instagram unter @szenehamburg.essentrinken 


Der Gastro Guide SZENE HAMBURG Essen+Trinken 2018/2019 ist zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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Thomas Sampl – Gesunde Ernährung fängt bei den Eltern an

Das Thema Ernährungsbildung steht bei Thomas Sampl ganz oben auf der Agenda. Der Spitzenkoch erklärt, was für ihn zeitgemäße Esskultur bedeutet.

Interview: Maike Schade und Jasmin Shamsi
Beitragsbild: Gerrit Meyer

 

SZENE HAMBURG: Thomas Sampl, bewusste Ernährung ist heutzutage ein Riesenthema. Trotzdem ist jedes fünfte Kind zu dick. Warum?

Thomas Sampl: Das liegt daran, was Eltern ihren Kindern zu essen geben und wie sie sich um sie kümmern. Wir haben kein Problem mit unseren Kindern, sondern wir haben ein großes Problem mit den Eltern.

 

„Gemeinsames Kochen ist essenziell“

 

Inwiefern?

Zum Beispiel kochen Eltern mit ihren Kindern nicht mehr zu Hause, sondern stellen ihnen stattdessen Fertigprodukte auf den Tisch. Dabei ist gemeinsames Kochen essenziell. Ich wollte mit Viertklässlern in der Elbinselschule einen Kuchen backen und die Kinder konnten nicht mal ein Ei aufschlagen! Zu Hause kriegen sie fertigen Pfannkuchenteig und Waffeln von irgendeinem Discounter vorgesetzt.

… in denen eine Menge Müll ist. Heißt also: Finger weg von Fertigprodukten und lieber selber machen?

Am besten, man bindet Kinder beim Kochen gleich mit ein: Lebensmittel in die Hand und sie einfach mal machen lassen.

Das ist bei manchen aber vielleicht ein Zeitproblem.

Ja genau, das ist immer die Ausrede. So ein Quatsch. Die Leute haben Zeit dafür, fünfmal in der Woche ins Fitnessstudio zu rennen oder stundenlang vor der Glotze zu sitzen, aber sie haben keine Zeit, sich etwas zu essen zu kochen. Das halte ich für Blödsinn.

Selbst wenn wir kochen: Viele Kinder mögen kein Gemüse, und …

Quatsch.

 

„Wer Billiggemüse kauft, braucht sich nicht zu wundern“

 

Wie, Quatsch? Ich kenne eine Menge Kinder, die das Gemüse auf dem Teller zur Seite schieben.

Da muss ich widersprechen. Es stimmt, Kinder essen einige Sachen nicht. Vieles gucken sie sich aber auch von den Eltern ab, etwa eine Abneigung gegen Rote Bete. An den Schulen koche ich deswegen mit Gelber und Weißer Bete oder auch Ringelbete – und die essen die Kinder einfach so weg, weil sie nicht merken, dass es eigentlich Rote Bete ist. Das Hauptproblem ist aber, dass unsere Kinder nicht mehr an vernünftige Lebensmittel rankommen. Wenn ich eine konventionell produzierte Karotte vom Discounter kaufe, dann schmeckt die einfach scheiße. Wer Billiggemüse kauft, braucht sich nicht zu wundern, dass Kinder das nicht essen.

Und was sagst du den Leuten, die sich kein teures Biogemüse leisten können?

Die sollen auf den Wochenmarkt gehen, da geben sie weniger Geld aus als bei Discountern. Nicht bei Fleisch oder Käse, das ist klar. Aber bei Gemüse und Obst, und das sollte ja mindestens 50 bis 60 Prozent unserer Ernährung ausmachen. Auf dem Markt bekommst du Sachen, die schmecken, weil sie nicht nach Aussehen, sondern nach Reifegrad geerntet werden.

Wie stehst du zu Vegetarismus und Veganismus bei Kindern, ist das geeignet und gesund?

Kann man machen, allerdings sollte man dann auf eine ausgewogene Ernährung achten. Bei Veganismus droht Vitamin-B12-Mangel, da muss man konsequent gegensteuern. Wichtig ist vor allem, dass man um diese ganzen Fleischersatzprodukte einen Bogen macht. Oft sind da etliche Geschmacksverstärker und Klebestoffe drin.

 

„Nicht aufgeben, sondern immer wieder Neues ausprobieren“

 

Wie sieht es mit Süßigkeiten aus?

Kinder können täglich eine Süßigkeit essen, wenn sie ansonsten keinen Industriezucker zu sich nehmen. Der steckt aber leider in vielen Fertigprodukten, häufig in versteckter Form. In vielen Fruchtjoghurts zum Beispiel ist unglaublich viel Zucker drin. Mit richtigem Joghurt hat das überhaupt nichts mehr tun, auch geschmacklich nicht.

Wenn mein Kind zu dick oder zu dünn ist – sollte ich es darauf ansprechen? Oder beschwört man dann womöglich eine Essstörung herauf?

Nein, unbedingt die Ursachen herausfinden und mit dem Kind darüber sprechen. Wichtig ist vor allem, gesundes Essen so zuzubereiten, dass es den Kindern schmeckt.

Und wenn sie dann trotzdem nur Nudeln ohne alles essen wollen?

Nicht aufgeben, sondern es immer wieder mit anderen Gemüsesorten und anderen Zubereitungsarten versuchen. Und zwar von Anfang an. Kinder, die frisch gekochten Babybrei aus gutem Gemüse bekommen, werden ganz sicher auch später gerne Gemüse essen.

Kommen wir zu den Kindergerichten in Restaurants: Mehr als Nudeln mit Tomatensoße, Chicken Nuggets, Schnitzel oder Fischstäbchen ist da oft nicht drin.

Unsäglich. Viele Hamburger Restaurants sind überhaupt nicht auf Kinder eingestellt und haben keine vernünftige Kinderkarte. Chicken Nuggets oder Fischfilets kann man grundsätzlich auch frisch zubereiten und mit ein bisschen Gemüse servieren. Aber Tiefkühlprodukte in die Fritteuse zu schmeißen, das geht gar nicht. Leider ist das aber fast überall der Fall.

 

„Gutes Essen in Kitas und Schulen ist eine Frage der Priorität“

 

Und wie sieht es mit dem Essen in Hamburger Kitas und Schulen aus?

Da gibt es riesige Unterschiede. Es gibt ganz tolle Caterer wie „Wackelpeter“, die frisches Bioessen auf den Tisch bringen. Grundsätzlich können Schulen den Caterer völlig frei wählen. Man muss nur mit dem Budget haushalten, das die Stadt Hamburg vorgibt. Einige Schulen haben einen Koch eingestellt, andere entscheiden sich für billiges Essen, das 2,50 Euro pro Tag kostet. Das restliche Geld wird dann für andere Projekte wie zum Beispiel ein drittes Austauschprogramm ausgegeben. Eine Frage der Priorität, wie man sieht. Wer unzufrieden ist, sollte unbedingt das Gespräch mit der Schulleitung suchen bzw. eine Eltern-Allianz bilden und dagegen angehen.

Gutes Schul- oder Kita-Mittagessen kostet pro Tag locker 3,50 Euro oder mehr. Für viele Eltern ist das auf die Woche hochgerechnet eine Menge Geld.

Ja, stimmt. Das sollte es uns aber Wert sein – schließlich geht es um unsere Kinder! In anderen Ländern ist es absolut üblich, für gutes Essen ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen. Wir müssen Essen einfach mehr wertschätzen.


THOMAS SAMPL arbeitet seit Jahren eng mit der Stiftung Kinderjahre, Schlaufox e. V. und dem Jugenderholungswerk zusammen. Er war viele Jahre Küchendirektor im VLET in der Speicherstadt. Als Inhaber von Hobenköök Catering, Smutjes Landgang und Sampl Gastro Consulting bietet er heute auch Kinderkochkurse und Ausflüge auf Bauernhöfe an.


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