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Serie: Hamburger Hafen. Das Elbjazz – Festival

Das Ohr zur Welt. Hammer-Kulisse, Hammer-Event. Mit rund fünfzig Konzerten auf acht Bühnen präsentiert das Elbjazz Festival Anfang Juni internationale Stars in bester Hafen-Lage

Elbjazz

Bühne mit bester Aussicht. Foto: www.spahrbier.de

Vom 2. bis 3. Juni weht ein anderer Wind im Hafengebiet. In der HafenCity und auf dem Werftgelände von Blohm + Voss regiert dann der Jazz das Geschehen.

In der Elbphilharmonie (Großer Saal), auf der Open Air-Bühne „HfMT Young Talents“ auf dem Vorplatz der Elbphilharmonie, in der Hauptkirche St. Katharinen, im Thalia Zelt am Baakenhöft sowie auf vier Bühnen bei Blohm + Voss werden nationale und internationale Stars der Jazz-Szene auftreten und zeigen, wie breit gefächert dieses Genre ist.

Vorgeschmack gefällig? Gregory Porter & Band feat. Kaiser Quartett werden dabei sein, Snarky Puppy, Agnes Obel oder Nils Wülker sind ebenfalls mit von der Partie.

Elbjazz

Gregory Porter genießt den Blick von der Bühne. Foto: Shawn Peters

Das Elbjazz lädt zum Entdecken ein. Und das nicht nur während der Konzerte. In der Schiffbauhalle 3 bei Blohm + Voss  gibt es eine Grammophon-Lounge mit Sitzgelegenheiten und dazu werden Jazzperlen von Schellackplatten und passende Drinks serviert. Für die Nachteulen und Partygänger findet an beiden Festivaltagen im Anschluss an die letzten Konzerte eine DJNight im Mojo Club statt: Mousse T., Detroit Swindle, Supergid & Friends, Mirko Machine sowie Perry Louis & Jazz- Cotech Dancers machen dort die Nacht zum Tag.

Auch an die Kids haben die Veranstalter bei ihren Planungen gedacht. Im Kaistudio der Elbphilharmonie findet für  Kinder ein Instrumentenworkshop statt. Erwachsene Jazzliebhaber können einen Trompetenworkshop mit Ingolf Burkhardt besuchen. Und eine musikalische Ehrung wird es geben: Seit 2007 wird alle zwei Jahre der  mit 10.000 Euro dotierte Hamburger Jazzpreis vergeben.

Dieser wird an Hamburger Musiker verliehen, die einen besonders qualifizierten künstlerischen Beitrag zur Jazzmusik leisten. In diesem Jahr findet die Verleihung inklusive Konzert am 3. Juni statt. Das Programm steht, der Ticketvorverkauf läuft – nur das Wetter bleibt ungewiss. Aber echte Musikliebhaber wissen: Ein gutes Konzert wiegt auch den übelsten Regenschauer auf. / REM / Beitragsbild:  www.schwalfenberg.eu

Tagesticket, Fr, 2.6., 55 Euro und Sa, 3.6., 69 Euro; Zweitagesticket: 89 Euro inklusive Gebühren. Erhältlich über Telefon 413 22 60 (Mo-Fr 9–18.30 Uhr), online unter www.elbjazz.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen

Serie: Hamburger Hafen. Das Oberhafenquartier Teil II

Hoffnungsträger oder Sorgenkind: Das Oberhafen-Quartier. In unserer Serie über den Hamburger Hafen stellen wir hier die Akteure vor, die das Oberhafenquartier zum Künstlerviertel machen könnten. Teil II: Hanseatische Materialverwaltung und Parkour Creation e.V.

Oberhafen Hamburg

Mussten viele Hürden überspringen: Im Sommer wollen Felix Bornemann (links) und Sebastian Ploog ihre Parcour-Halle endlich eröffnen. Foto: Philipp Jung

Parkour Creation e. V.

Darum geht’s:

Das Team um Sebastian Ploog und Felix Bornemann baut und tüftelt seit 2013 an einer großen Parkour-Halle. Es hat die lange Wartezeit genutzt, um private Sponsoren und Förderer zu überzeugen, Sportgeräte und andere Materialien zu beschaffen und sich im Oberhafen zu akklimatisieren. Rund um das Parkour- Angebot sollen Kurse, Workshops und Kindergeburtstage stattfinden sowie gemeinnützige und kulturelle Projekte umgesetzt werden.

Zwei Pre-Openings 2015 und 2016 haben gezeigt, dass die Nachfrage groß ist. Im Sommer 2017 soll es dann endlich so weit sein – diesmal wirklich.

Größte Herausforderung:

Die zeitlichen Verzögerungen des Projekts. Und die täglichen Nachfragen per Mail, wann denn endlich eröffnet würde. Nachdem das Parkour- Team die Community damit heiß gemacht hatte, Ende 2014 zu eröffnen, musste es sein Vorhaben immer wieder verschieben. Sebastian und Felix haben das Projekt während der Studienzeit gestartet.

Seit zwei Jahren arbeiten sie dafür in Vollzeit und finanzieren es nebenher mit Trainings und Kursen.

Vernetzung mit anderen Akteuren im Quartier:

Ganz, ganz viel. Sowohl privat als auch beruflich – was daran liegt, dass die beiden Parkour-Sportler momentan mehr in ihrem Büro im Oberhafen als zu Hause sind. Leihen sich zum Beispiel bei der Hanseatischen Materialverwaltung Objekte für Events oder bitten die Ateliers und Werkstätten um Hilfe beim Bauen.

Machen gerne bei „Das Dinger“ Mittagspause, weil da immer gute Stimmung sei und man lauter Leute mit interessanten Projekten kennenlerne. Finden es gut, wenn im Sommer die Anzugträger von Jürgen Carstensens Feierabendkonzerten auf die „Verrückten“ von der Hanseatischen Materialverwaltung treffen – und dazwischen die halbnackten, schwitzenden Parkour-Läufer herumturnen. Haben sich bezüglich der baurechtlichen Genehmigungen von der HKG beraten und vernetzen lassen.

Oberhafen Hamburg

Warten auf Trubel im Quartier: Petra Sommer und Jens Gottschau von der Hanseatischen Materialverwaltung. Foto: Philipp Jung

Hanseatische Materialverwaltung

Darum geht’s:

Ein bisschen mehr Berlin als Hamburg, so fühlt sich das Oberhafenquartier für die Filmausstatterin Petra Sommer an. Gäbe es den Oberhafen nicht, wäre sie da auch längst. Doch dann lockte die erste Ausschreibung der HKG und HafenCity GmbH und ihr wurde der Künstler Jens Gottschau vorgestellt, der interessanterweise die gleiche Idee hatte. Sie taten sich zusammen und zogen in Halle 3.

Seitdem entwickelt sich die Hanseatische Materialverwaltung prächtig, nur verdienen tun sie und ihre Kollegen immer noch „peinlich wenig“. Der gemeinnützige Fundus rettet ausrangiertes Material, Requisiten und Bühnenbilder von Theater und Filmsets. Petra Sommer freut sich darüber, der Stadt ein bisschen mehr Buntheit und Freiheit zu geben. Das sei in Hamburg dringend nötig.

Größte Herausforderung:

Immer noch darauf zu warten, dass die neuen Nutzer ihre Hallensegmente beziehen können und der Publikumsverkehr rasant anschwillt. Das Oberhafenquartier sei zwar zentral gelegen, aber immer noch kaum bekannt. Dass die Materialverwaltung aufgrund der Hallengröße langfristig unbeheizt bleibt, daran musste sich dieFilmausstatterin auch gewöhnen. Und daran, zwar einen unbefristeten Mietvertrag  aber keine Planungssicherheit bezüglich der Räumlichkeiten zu haben. Nicht, dass sich die HafenCity GmbH querstelle – die sei wahnsinnig nett –, aber die kleinteilige Struktur des Quartiers, die vielen Künstler und ihre verschiedenen Bedürfnisse, das sei eine echte Herausforderung für den städtischen Entwicklungsmanager.

Vernetzung mit anderen Akteuren im Quartier:

Hat Petra in den ersten Jahren als nicht besonders ausgeprägt erlebt, bis letztes Jahr die Initiative Oberhafen in Erscheinung trat und sich eine Gemeinschaft bilden musste: Was macht den Oberhafen aus? Haben wir die gleichen Ziele? Pfeffersäcke trafen auf Raver, das gegenseitige Misstrauen war groß. Doch Kohle, Zeit und Know-how der Initiative habe letzten Endes dazu geführt, dass das Gleisdach – und Gesicht des Quartiers – gerettet werden konnte. Endlich passiert etwas.

Texte/ Jasmin Shamsi

Serie: Hamburger Hafen. Das Oberhafenquartier Teil I

Hoffnungsträger oder Sorgenkind: Das Oberhafen-Quartier. In unserer Serie über den Hamburger Hafen stellen wir hier die Akteure vor, die das Oberhafenquartier zum Künstlerviertel machen könnten. Teil I: bauer + planer, Living Art & Halle und die Initiativen des Gängeviertels

Oberhafen Hamburg

Marcel P. Hahn und Till Richter (rechts) setzen mit bauer + planer auf eine offene, unkomplizierte Nutzergemeinschaft. Foto: Philipp Jung

bauer + planer

Darum geht’s:

bauer + planer ist ein Kollektiv von Handwerkern und Tischlern, das in Halle 4 sowohl eine umfangreich ausgestattete Werkstatt als auch einen Coworking Space zu günstigen Konditionen bereitstellt.

Die ganzen Vorzüge einer WG in einer Werkstatt vereinen, so die Devise von Marcel P. Hahn und Till Richter von bauer + planer. Interessant vor allem für Kreative und Start-ups, die sich keine eigene Werkstatt leisten können beziehungsweise aufgrund der hohen laufenden Kosten nicht ständig dazu gezwungen sein möchten, Aufträge anzunehmen. Die Idee der offenen Werkstatt entstand vor ca. fünfJahren und wurde auf die zweite Ausschreibung hin konkretisiert.

Haben während dieser Zeit eine weitere Werkstatt in Wilhelmsburg als Produktions-Hub und mein Büro im Gängeviertel mit kleiner Modellbauwerkstatt genutzt – beides soll im Sommer 2017 in den neuen Räumlichkeiten final zusammengeführt werden. Durften seit letztem Sommer übergangsweise ein großes Hallensegment gegenüber der Hanseatischen Materialverwaltung nutzen, müssen aber in Zukunft wieder kleiner denken – räumlich gesehen.

Größte Herausforderung:

Warten und sich in Geduld üben. Im Winterschlaf-Modus darauf hoffen, dass es endlich weitergeht. Zusehen, wie Kollektive mit ähnlichen Konzepten in Deutschland weiterkommen, während man selbst auf der Stelle tritt. Irgendwann einsehen, dass man das anfangs mobilisierte Netzwerk nicht mehr bei Laune halten kann.

Vernetzung mit anderen Akteuren im Quartier:

Klappt super. Leute, die gemeinsame Interessen haben, arbeiten längst zusammen – oder behalten sich zumindest gegenseitig im Kopf. Till hatte damals von den Plänen des Oberhafenquartiers durch Petra Sommer von der Hanseatischen Materialverwaltung erfahren und anfangs noch überlegt, sich dort mit einer Werkstatt einzurichten. Doch dann kam alles anders und jetzt ist er froh darüber, noch mehr Austauschmöglichkeiten zu haben. Geplant sind beispielsweise gemeinsame Workshop-Angebote.

Oberhafen Hamburg

Der Fotograf Jürgen Carstensen ist ein alter Hase im Quartier: Mit Living Art ist er seit 17 Jahren Mieter. Foto: Heide Benser

Living Art & Halle 424

Darum geht’s:

Der Fotograf Jürgen Carstensen hatte vor 17 Jahren von einem Ort wie diesem geträumt – und ihn im Oberhafen gefunden. Das Schauspielhaus, Videofilmer, Fotografen, Kulissenbauer, sie alle haben ihn und sein Film- und Fotostudio LivingArt über die Jahre begleitet und an der gemeinsamen Erarbeitung eines kreativwirtschaftlichen Konzepts im Oberhafen mitgewirkt.

Die neueren Entwicklungen im Areal, die Suche nach Förderern und Vernetzung, die Einwerbung von Drittmitteln und die Präsentation nach außen, das alles haben er und andere langjährige Mieter – Buchverleger, Pin-up-Fotograf, Schuhhersteller, Videofilmer, Malerin – bereits hinter sich.

Gleichzeitig sieht er sich als Auslöser der Wandlung im Oberhafen. Dass hier außerPaletten einzulagern auch anderes möglich ist, beweist er nicht zuletzt seit 2014 mit seiner Halle 424, einem Veranstaltungsort für Klassik- und Jazzkonzerte. Gemeinsam mit Ulrich Bildstein vom Hamburger Kammerkunstverein veranstaltet Jürgen Carstensen einmal im Monat die Feierabendkonzerte.

Größte Herausforderung:

Keine nennenswerten. Hat den Oberhafen immer als kreativen und freizügigen Ort erlebt.

Nimmt allerdings wahr, dass sich der Ort allmählich verändert. Die grenzenlose Freiheit hat ein Ende – etwa durch Vorschriften oder Vorgaben von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen sowie der HafenCity GmbH.

Von wirklichen Problemen könne da aber nicht die Rede sein, man müsse allenfalls an der Kommunikation arbeiten.

Vernetzung mit anderen Akteuren im Quartier:

Er kennt sie alle. Freut sich für die Alteingesessenen wie Designer Christoph Schmidt oder Kulissen- und Setbauer Stefan Münich, dass sie die bald fertig sanierten Flächen im vorderen Bereich der Halle 4 beziehen dürfen. Hat die Entwicklung von Parkour Creation e. V. mitverfolgt und hofft, dass der Bedarf nach einem solchen Ort weiter anhält.

Oberhafen Hamburg

Die Initiativen aus dem Gängeviertel mussten der Sanierung weichen. Und fanden im Oberhafen ein neues Zuhause. Foto: Philipp Jung

Initiativen des Gängeviertel e. V.

Darum geht’s:

Nora und Christian betreiben „Das Dinger“, den Pausenraum und Schmelztiegel des Quartiers. Christian hatte ursprünglich beim Aufbau des Molochs geholfen, woraus sich wiederum die Idee für die kleine Küche entwickelte. Zuvor hatte er bereits in der Gängeviertel  VoKü und auf dem Dockville-Festival gekocht.

Im Oberhafen bereiten Christian und Nora nun täglich ein Gericht für Freunde und Nachbarn. Da die Nachfrage immer größer wird, bemühen sie sich aktuell darum, die restlichen Auflagen zu erfüllen und eine offizielle Gastronomie zu werden. Im Zuge der Sanierungsarbeiten im Gängeviertel fand Johannes Schüller vom Moloch mit seinen Kollegen Ende Juli 2014 Zuflucht im Oberhafen.

Mittlerweile ist das Moloch über sich hinausgewachsen und lässt sich nicht mehr ins Gängeviertel „zurückquetschen“. Lukas Scheper, Mitbegründer des Coworking Space FilmFabrique, gehört ebenfalls zu denjenigen, die den Sanierungsarbeiten weichen mussten. Ist immer noch an zahlreichen Veranstaltungen im Gängeviertel beteiligt. Nico Krüger, Betreiber von Pfund & Dollar, einer Prototypen-Werkstatt mit Tischlerei und Schlosserei, kam in den Oberhafen, um beim Aufbau des Moloch mitzuhelfen.

Tat sich anschließend mit der Schlosserei Gunsenheimer und ApostrophZ zusammen. ApostrophZ, eine ursprünglich aus dem Dockville-Kontext entstandene Gemeinschaft, hat die Bar im Moloch mitgebaut und betreibt im Gängeviertel das Ladenlokal La Döns.

Größte Herausforderungen:

Das Geld reicht nicht, die Zukunft ist ungewiss, das Einholen von Genehmigungen nervenaufreibend. Für das Moloch steht eventuell sogar der Abriss ihres Biergartens bevor. Die dunkelste Stunde in der Geschichte des Clubs – entsprechend mies ist die Stimmung.

Vernetzung mit anderen Akteuren im Quartier:

Klappt vor allem innerhalb, der Gängeviertel-Strukturen hervorragend. Der Klüngel pflegt aber auch gute Kontakte zur Hanseatischen Materialverwaltung, zu bauer + planer und Parkour Creation e. V. – allein schon durch das gemeinsame Mittagessen im „Dinger“.

/Texte: Jasmin Shamsi

Serie: Hamburger Hafen. Nachtschicht bei den Hafenleuten

8,9 Millionen Container wurden 2016 in Deutschlands größtem Seehafen umgeschlagen. Mehr als 156.000 Arbeitskräfte in der Metropolregion sorgen dafür, dass alles reibungslos klappt

Bunte Bauklötze am Tag, Glitzerperlen in der Nacht, dazu ein ständiges Rumpeln und Pumpeln, wenn wieder etwas in die Schiffsbäuche kracht: Schon aus der Ferne bietet der Hafen eine faszinierende Bild und Klangästhetik.

Wie eine riesige, niemals stillstehende Maschine breitet sich das Gesamtkunstwerk aus Kränen, Brücken und Containern auf einer Fläche von 7.200 Hektar aus – das ist ein Zehntel von Hamburg. 10.000 Schiffe kommen jährlich hierher, fast alle denkbaren Güterarten werden an den 50 Umschlaganlagen abgefertigt, 145 Tonnen waren es 2014. Entsprechend viele Menschen sind in der Hafenregion beschäftigt, 156.000 nach offiziellen Zahlen.

Brückenfahrer, Ingenieure, Informatiker: Um den gigantischen Hafenkomplex am Laufen zu halten, werden die unterschiedlichsten Arbeitskräfte gebraucht. Viele von ihnen sind auf der ehemaligen Elbinsel Waltershof tätig, wo der HHLA-Containerterminal Burchardkai liegt.

1968 machte hier das erste Containerschiff fest, heute ist der Kai mit 1,4 Quadratkilometern die größte Containerabfertigungsanlage der Hansestadt – und das „Zuhause“ von Jessica, Bernd, Maik und Dirk, die wir genau dort besucht haben. Außerdem waren wir in Hamburgs quirligster Hafenkantine. Sie liegt gegenüber, auf dem Gelände des Terminalbetreibers Eurogate. Hier arbeiten mehr als 3.200 Menschen – und die wollen verpflegt werden.

Hamburger Hafen – Nachtschicht. Zu Besuch bei Jessica, Maik, Bernd und Dirk

Hamburger Hafen, Jessica

Kommt mit der Männerwelt im Hafen bestens klar:  Jessica, die Brückenfahrerin, arbeitet in 42 Meter Höhe. Foto: Philipp Jung

Jessica (25), Containerbrückenfahrerin

Nach meiner Schulzeit war ich mir nicht sicher, welcher Job der richtige für mich ist. Ich wusste nur: Ich gehöre nicht ins Büro. Also bin ich zur Lehrstellenbörse gegangen, wo unter anderem die HHLA vertreten war – bei dem Unternehmen habe ich mich schließlich beworben.

2009 habe ich meine Lehre zur Fachkraft für Hafenlogistik begonnen, wurde Brückenfahrerin, eine von nur wenigen weiblichen Arbeitskräften am Kai. Ich komme in dieser Männerwelt aber sehr gut zurecht, was sicher auch an meinem manchmal frechen Mundwerk liegt.

Meine Brücke ist 42 Meter hoch, von dort oben verlade ich die Container. Ich gehe auch an Deck der Schiffe, klettere auf Container und kontrolliere sie. Klar ist das viel und harte Arbeit, bei der ich mich durchgehend voll konzentrieren muss.

/ Protokoll: Erik Brandt-Höge

Hamburger Hafen Maik

Der Hafen? Machte ihn zu einem echten Hamburger Jung: Maik. Foto: Philipp Jung

Maik (46), Schiffsmeister

Aus Nordrhein-Westfalen bin ich 1991 nach Hamburg gezogen. Diese Stadt war immer mein Wunschziel. Ich hatte das Glück, als Quereinsteiger im Hafen anfangen zu dürfen – für mich das absolute Nonplusultra.

Seitdem fühle ich mich wie ein echter Hamburger. Zuerst habe ich als VC-Fahrer gearbeitet, war eine Zeitlang Schiffssteuerer, habe die Lkw-Beladungen koordiniert, bis ich Vorarbeiter und schließlich Schiffsmeister wurde.

Meine Aufgabe ist es, zu schauen, dass alle Vorschriften eingehalten werden und der Betrieb rund um die Schiffe immer läuft. Das bedeutet auch, dass ich schon eine Stunde vor jeder Schicht zusammen mit der Terminal-Planung die Punkte im Auge habe, wo es später Probleme geben könnte, also wo zum Beispiel Brücken aufeinandertreffen könnten und VC-Fahrer nicht unter, sondern hinter den Brücken arbeiten müssen.

Und da jeden Tag ein anderes Schiff reinkommt, beginnt meine Arbeit auch immer wieder von Neuem. Zwischendurch genieße ich auch mal die Bilder um mich herum, etwa wenn Kreuzfahrtschiffe auslaufen – das sieht immer fantastisch aus.

 / Protokoll: Erik Brandt-Höge

Hamburger Hafen Bernd

In den Hafen hineingeboren: Van-Carrier-Fahrer Bernd, sitzt 9 Meter hoch und transportiert die Container von A nach B. Foto: Philipp Jung

Bernd (32), VC-Fahrer

Ich wurde in den Hafen hineingeboren, nach meinem Opa und meiner Mutter kam ich in dritter Generation hierher.

2003 habe ich meine Lehre zum Seegüterkontrolleur begonnen – heute heißt das „Fachkraft für Hafenlogistik“. Nach den drei Ausbildungsjahren bin ich übernommen worden, und wie bei jedem fertigen Hafenfacharbeiter stellte sich die Frage: Brücken- oder VC-Fahrer? Es ist letztlich eine Typfrage, und ich bin einfach eher der VC-Typ.

Als solcher sitze ich in 9 Meter Höhe, nehme die Container vom Schiff auf und bringe sie ins Lager oder anders herum.

Ich arbeite besonders gern während der Nacht, was ich überhaupt nicht problematisch finde.

Im Gegenteil: Wenn im Hochsommer meine Schicht beginnt, geht hinter den Brücken gerade die Sonne unter – das ist schon sehr nett anzusehen. Und wenn ich morgens nach Hause komme, bringe ich die Kinder in den Kindergarten beziehungsweise in die Schule, weil meine Frau dann zur Arbeit muss. Danach gehe ich ins Bett.

/ Protokoll: Erik Brandt-Höge

Hamburger Hafen

Arne ist Betriebsstättenleiter bei Apetito Catering. Der Caterer verpflegt deutschlandweit 500 Kunden wie Unternehmen, Krankenhäuser, oder Seniorenheime. Auf dem Eurogate-Terminal betreibt das Unternehmen insgesamt drei Kantinen rund um die Uhr an 360 Tagen im Jahr. Foto: Philipp Jung

Arne (50), Betriebsstättenleiter

Seit neun Jahren bin ich an Bord der Apetito-Hafenkantine auf dem Eurogate-Terminal. Hier arbeiten rund fünfzig Mitarbeiter in drei Schichten rund um die Uhr und verpflegen die Hafenarbeiter mit rund 1.000 Essen täglich. Als gelernter Koch kenne ich die Gastronomie von der Pike auf. Über die Jahre in Management und Vertrieb hatte ich mich allerdings immer weiter von den Töpfen entfernt, das war nichts für mich.

Ich würde darum auch nicht die Karriereleiter weiter hinaufklettern wollen, weil ich immer nah am Herd sein möchte. Darum koche ich auch immer mal mit – sehr zum Leidwesen der Kollegen (lacht). Die behaupten, sie müssten eine Woche lang aufräumen, wenn ich mal zwei Tage mit am Herd stehe … Sie sehen aber, dass sich der Chef nicht zu schade ist, mit anzupacken.

Letzte Woche habe ich zum Beispiel, 60 Kilo Fisch filetiert, das finden sie, natürlich auch cool. Das Essen im Hafen ist heute ganz anders, als vor 20 Jahren. Damals gab’s Currywurst und Buletten am Kiosk. Unsere Gäste legen aber auch immer mehr Wert auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Bestimmt 25 Prozent von ihnen ernähren sich gesundheitsbewusst oder vegetarisch. Da stehen dann plötzlich solche Kerle vor einem und freuen sich über gebackene Auberginen. Niemand will mehr, dass man ihnen die Teller mit einer großen Kelle vollklatscht.

Das Essen wird heute ansprechend präsentiert und zum Teil auch direkt vor den Augen der Gäste zubereitet – Sonderwünsche sind da gar kein Problem. Ein Muss auf der Speisekarte sind aber auch heute immer noch von Zeit zu Zeit Currywurst und Schnitzel. Mir ist es wichtig, dass wir ein total motiviertes Team mit glücklichen Mitarbeitern haben. Ich kann sonst noch so teure Lebensmittel kaufen – wenn der Koch sich nicht wohlfühlt, kann er auch nichts Gutes herstellen.

Unsere Mitarbeiter zeigen, dass sie sich hier zu Hause fühlen. Darum fühlen sich auch die Gäste wohl: Zoll und Wasserschutzpolizei zum Beispiel haben ja die freie Wahl im Hafen, kommen in ihren Pausen aber zu uns und sind uns treu. Das macht den Hafen auch aus.

Er ist ein Kosmos für sich. Der Hamburger an sich ist ja schon stur, im Hafen ist man, noch mal sturer.

Man muss überzeugen. Im ersten Jahr haben mich viele nicht gegrüßt. Die mussten erst mal schauen, wer der Neue ist. Jetzt ist das alles anders. Wir halten alle zusammen und arbeiten Hand in Hand. Der Ton ist schon mal derbe, aber auch das gehört dazu. Wenn du hier einen Freund hast, dann bleibt er das auch. Ich bin längst ein echtes Hafenkind geworden!

/ Protokoll: Ilona Lütje

Hamburger Hafen Dirk

Auch sein Sohn und seine Tochter arbeiten im Hafen: Dirk. Foto: Philipp Jung

Dirk (48), stellvertretender Gruppenleiter

Seit 26 Jahren bin ich am Burchardkai, war Brückenfahrer, Vorarbeiter und Lademeister. Heute arbeite ich als stellvertretender Gruppenleiter.

Mein Team besteht aus 55 Leuten, deren Aufgaben ich von der fünften Etage der Bürozentrale aus koordiniere, dem sogenannten Leitstand. Zusammen mit einem Kollegen plane ich, wer wo arbeitet und wer wen beaufsichtigt.

Wichtig ist, dass die Schiffe rechtzeitig fertig werden und die Kunden zufrieden sind. Darum kümmert sich zusätzlich ein Außendienstmitarbeiter, mit dem wir im ständigen Kontakt sind.

Überhaupt gibt es eine extrem gute Kommunikation zwischen allen Mitarbeitern. Für deren Bedürfnisse bin ich übrigens auch noch zuständig; jeder weiß, dass er mit Kummer und Sorgen immer zu mir kommen kann.

Für mich fühlt sich das alles an wie eine große Familie, nicht zuletzt auch deshalb, weil mein Sohn und auch meine Tochter im Hafen arbeiten – die erste Frau überhaupt, die eine Brücke gefahren ist.

Und mein Schwiegervater war ebenfalls 40 Jahre im Hafen. Für mich und meine Familie ist das einfach der beste Arbeitsplatz.

/ Protokoll: Erik Brandt-Höge

/ Beitragsbild: Philipp Jung

Ilona Lütje

Ilona Lütje

Redaktionsleiterin

Nerven wie Drahtseile. Immer eine gute Idee im Kasten, ähh, Hirn. Und auf (fast) jede Frage eine (fast) immer schlaue Antwort: Ilo hält den Laden am Laufen. Bäm & Wow

 

Erik Brandt-Höge

Erik Brandt-Höge

Autor Stadtleben & Ressort-Leitung Musik

Erik schreibt als Autor für unser Stadtleben-Ressort und ist unser Musik-Chef im Haus. Man erkennt es an seinem Schreibtisch, wo neben Magazinen jede Menge CDs lagern. Und ein selbstgebautes Werder Bremen Logo aus Legosteinen, denn der Mann ist Bremen-Fan. Brisant: Ihm gegenüber sitzt Ilona Lütje, ein treuer HSV-Fan. An anregenden Fach-Gesprächen, vor allem nach den Wochenenden, mangelt es bei uns also nicht.

Serie: Hamburger Hafen. Der alte Elbtunnel

Im Mai schauen wir auf und über die Elbe. Und darunter. Wir starten unsere Serie über den Hamburger Hafen mit einem Blick in den Alten Elbtunnel. Zu Besuch bei Tunnelaufseher Jan Waschull

8 Uhr früh. Die ersten Autos werden mit den eisernen Aufzugskörben in den Alten Elbtunnel hinuntergehievt, 24 Meter unter die Erde. Ein leichtes Ruckeln beim Aufprall, das große Holztor öffnet sich und die Auto- und Radfahrer sowie einige Passanten starten in den schummrig beleuchteten Tunnel. Um diese Uhrzeit steckt den meisten Hamburgern noch die Müdigkeit in den Knochen, und – angesichts des anstehenden Arbeitstages – der innere Schweinehund in den Köpfen.

Serie: Hamburger Hafen. Alter Elbtunnel

Morgens um 8 Uhr im Alten Elbtunnel. Foto: Philipp Jung.

Nicht so bei Jan Waschull

Ein langgezogenes „Mooooin Mooin!“, ein kurzer Schnack und ein Grinsen, das die Vorbeifahrenden unmittelbar ansteckt. Der 38-Jährige in der schnieken Uniform ist seit acht Jahren Aufseher im Alten Elbtunnel und er versichert: Ja, er ist wirklich immer mit dieser überschäumenden Begeisterungsfähigkeit bei der Arbeit. Als Tunnelaufseher zu arbeiten, bedeutet für ihn nicht nur Knöpfe zu drücken, Auto- und Radfahrer zu koordinieren und Stundenzettel zu schreiben. Mit der Arbeit in dem denkmalgeschützten Bauwerk ist für den gebürtigen Bergedorfer mit seiner Faszination für altehrwürdige Konstruktionen tatsächlich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. „Mein Vater hatte früher ein altes Horex-Motorrad von 1952, mit dem sind wir oft durch den Alten Elbtunnel gefahren. Ich saß schon als kleiner Junge im Seitenwagen und habe über dieses Bauwerk gestaunt“, erinnert sich Waschull. „Es beeindruckt mich immer noch. Das ist alles noch wie vor 100 Jahren und einzigartig auf der Welt. Ich bin stolz, dass ich hier arbeiten darf“, schwärmt er.

Alt aber nicht aus der Mode

106 Jahre sind es sogar, um genau zu sein. 1911 ging der Alte Elbtunnel nach vierjähriger Bauzeit in Betrieb. Aufgrund der Expansion im Hafen und der vielen Hafenarbeiter war es damals nötig, eine Möglichkeit zur Elbüberquerung zu finden. Man entschied sich nach Vorbild des Clyde-Tunnels in Glasgow für einen Unterwassertunnel, zu dieser Zeit der erste auf dem europäischen Kontinent. Das aufwendige Bauwerk mit den zwei 426,5 Meter langen Tunnelröhren, die St. Pauli mit der Werftinsel Steinwerder verbinden, galt bei der Eröffnung als technische und architektonische Sensation.

Heute hat der berühmte Unterwassertunnel seine infrastrukturelle Relevanz freilich weitgehend an den Neuen Elbtunnel verloren. Zählte der Alte Elbtunnel in seinen Anfangstagen noch 45.000 Menschen – größtenteils Hafenarbeiter –, die täglich die Flussunterführung passierten, sind es mittlerweile bloß noch 2.000 bis 2.500. Viele von ihnen sind Touristen, die das immer noch beeindruckende Bauwerk einmal erleben wollen – das Eingangsgebäude mit der Kuppel und den antik wirkenden Säulen, die über 130 Stufen hinunter ins Tunnelniveau, von wo aus sich der Blick in die Kuppel öffnet, und die gekachelten Wände in den schmalen Tunnelröhren, die mit maritimen Motiven wie Fischen, Seemuscheln und Aalen verziert sind.

Magnet für Touristen und Hamburger

„Die Touristenzahl ist in den letzten Jahren richtig in die Höhe gegangen“, sagt Jan Waschull. Für den Tunnelaufseher kein Problem, im Gegenteil: „Die Touristen sind immer neugierig, da freut man sich, wenn man mal ein paar Hintergrundinfos geben kann und die Leute dankbar sind. Man lernt viele verschiedene Menschen kennen, es wird eigentlich nie langweilig.“ Zudem ist der Alte Elbtunnel nicht bloß ein touristisches Stück Erinnerungskultur mit verquastem Nostalgiefaktor, sondern weiterhin von Nutzen. „Es ist immer noch die schnellste Möglichkeit, ins Hafengebiet zu kommen. Und wenn der Neue Elbtunnel voll ist, nutzen die Leute den Alten als Alternativroute“, so Waschull.

Alter Elbtunnel

Immer noch eine gern genutzte Alternative, um über die Elbe zu kommen. Foto: Philipp Jung

Waschulls Traum? Hier zu arbeiten!

Lange hat sich der gelernte Maler um den Posten als Tunnelaufseher beworben, auch während seiner Zeit als Lkw-Fahrer – immer ohne Erfolg. „Es war nicht einfach, weil es viele Bewerbungen gab. Irgendwann hatte ich aber Glück. Ich habe mich vorher ordentlich eingelesen und konnte im Bewerbungsgespräch mit Geschichtswissen punkten“, erklärt er. Dabei ist der Beruf alles andere als entspannt. Um 2 Uhr morgens steht Waschull auf, um 4 Uhr bespricht er mit seinen Kollegen beim gemeinsamen Frühstück den Tagesablauf. Um 5.30 Uhr müssen die Aufseher am Tunnel stehen, wenn dieser für die Radfahrer und die Fußgänger geöffnet wird. Bis 13 Uhr stehen sie abwechselnd in 30-Minuten-Schichten mal oben am Eingang bei den Landungsbrücken, mal unten im Tunnelbereich, kontrollieren Tickets, koordinieren die Passanten und evakuieren im Extremfall auch mal den gesamten Tunnel. „Letzte Woche hat jemand Reizgas versprüht. In so einem Fall muss man innerhalb von Minuten alles evakuieren, das ist schon eine Hausleistung“, berichtet der Tunnelaufseher, der seit sechs Jahren auch in leitender Funktion tätig ist.

Bitte bis zur Rente…

Nach 13 Uhr ist für Autofahrer Richtung Steinwerder Schluss. Eine der zwei Röhren ist infolge umfassender Sanierungsmaßnahmen langfristig gesperrt. Dabei wurden marode Stellen entdeckt, die die Bauarbeiten in die Länge und die Kosten in die Höhe treiben. Derzeit ist der Alte Elbtunnel eine Einbahnstraße. Montags bis freitags von 8 bis 13 Uhr dürfen die Fahrzeuge von St. Pauli in Richtung Steinwerder fahren, von 13 bis 18 Uhr geht es in die entgegengesetzte Richtung. Trotz mancher Strapazen steht für Jan Waschull fest: „Ich will bis zur Rente hier bleiben. Der Alte Elbtunnel hat Charme, Charakter und gehört zu Hamburg. Man kennt hier viele Passanten und die Atmosphäre ist freundschaftlich.“

Mehr über den Alten Elbtunnel unter www.hamburg.de/alter-elbtunnel

Text: Ulrich Thiele / Fotos: Philipp Jung

Ulrich Thiele

Ulrich Thiele

Autor

Ulrich, kurz Uli, ist freier Journalist und Autor. Der Mann macht zwar gerne die Nacht zum Tag, aber frühes Aufstehen ist nur bedingt seine Sache. In diesem Fall aber lohnte sich die Mühe. Den Alten Elbtunnel sieht er jetzt mit anderen Augen