BID Reeperbahn

BID Reeperbahn+: Die Kiez-Kümmerer ziehen Bilanz

Das BID Reeperbahn+ will, dass der Kiez sauberer wird. Unter anderem. Von der Pinkelkarte bis zum Pauli-Pfandbecher. Ein Halbzeitsbericht

Seit zweieinhalb Jahren ist das Team vom Business Improvement District Reeperbahn+, kurz BID, aktiv. Für Hamburg ein Pilotprojekt, denn es handelt sich nicht um ein BID, das von baulichen, sondern von Marketing- und Kommunikations-Maßnahmen geleitet wird. Hier geht’s um die Marke St. Pauli, um ihre Wahrnehmung und ihr Image, das durch ein Bündel aus On- sowie Offline-Strategien nachhaltig positiv besetzt werden soll. Denn St. Pauli droht zum Ballermann zu werden. Straßen wie die Große Freiheit sind für Hamburger kaum mehr relevant, und an den Wochenenden versinkt der Kiez im Müll. Respekt vor den Bewohnern des Viertels seitens der Besucherströme: Mangelware. Schade.

Das BID Reeperbahn+ und dessen Quartiersmanager Julia Staron (Mit-Inhaberin des kukuun) und Lars Schütze (Chef der Reeperbahn-Garagen) haben sich viel vorgenommen – und schon viel erreicht.

Zwei Schwerpunkte stehen auf der Agenda: Die Reeperbahn und Sankt Pauli stärker in den nationalen und internationalen Tourismus zu integrieren und das Stadtbild sowie dessen kulturelles Angebot zu verbessern. Und das von Innen nach Außen:  Den Bewohner des Viertels eine Idee überzustülpen, würde nicht funktionieren, Ideen im Viertel zu platzieren und damit das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, das wiederum scheint eine Idee zu sein, die funktioniert.

Wie immer findet Hamburgs wohl schrägstes Quartier seinen eigenen Weg, um sich zu positionieren. Legendär die „Wir pinkeln zurück“- Wandfarbe gegen Wild-Pinkler, die dem Kiez internationale Beachtung schenkte. Die Reeperbahn, echt ehrlich, war auf der Startseite der Singapur News zu finden.

Der jüngste Coup: das Video „Sankt Pauli Last“, das im Zuge der Böhmermann „Germany Second“-Kampagne entstand und mehr als 210.000 Views auf Youtube erhielt.

International präsentiert sich die Reeperbahn als Teil des „Hamburg On Tour“ Projekts. Und musikalisch zeigt das Viertel Kante mit der CD-Kompilation „The Sound of St Pauli“.

Mehr Respekt, bitte schön…

Hamburg ist eine offene Stadt. Aber rund um die Reeperbahn wird die Toleranz der Bewohner arg strapaziert.

Um die Gäste für das Thema „Respekt vor dem Viertel“ zu sensibilisieren, werden derzeit Willkommenstüten in Hotels und über die unterschiedlichen Touristen-Guides verteilt.

BID Reeperbahn+

Geile Tüte, die Willkommenstüte

Die Teile kommen gut an, immerhin hat die Auflage eine stattliche Zahl von 50.000 erreicht. Auf der Tüte stehen die 10 Regeln für St. Pauli-gerechtes Feiern (Kein Fotografieren von prostituierten, Trinken, wo man feiert, kein Wild-Pinkeln), in der Tüte sind neben dem Informationsflyer, dem obligatorischen Kondom für Seemänner auch unterschiedliche Rabatt- und die Pinkel-Stempelkarte zu finden. Wer sechs Mal angemessen das WC besucht, kriegt einen Schnaps umsonst.

Das Ganze ist im wunderschönsten Pink designed, in derselben Farbe, in der inzwischen auch die Müll-Container und die Toilettenhäuser strahlen. „Wir hoffen, dass diese in dieser Farbe einfach besser gesehen werden „, sagt Julia Staron.

BID Reeperbahn plus

Big Belly in Pink. Auffällig gefräßig

So weit der Halbzeitbericht. Sieht gut aus. Für die Zukunft hat sich das BID Reeperbahn+-Team einiges vorgenommen. Die Aufwertung der Großen Freiheit ist angestrebt. Den Anfang macht ein Informations-Flyer, der die Historie dieser Straße beleuchtet. Andere Hot Spots wie der Hans Albers-Platz sollen folgen.

Dieses Unterfangen dürfte langwierig werden. Aber da müsse man Geduld haben, so Staron.

Ein weiteres Projekt ist der St. Pauli Pfandbecher, der im Idealfall Kiez-flächendeckend gekauft und wieder abgegeben werden kann, um die Plastik-Müllberge zu minimieren, die aufgrund des Glasverbots nach einem Wochenende den Kiez verunreinigen.

Das Leben ist eine Baustelle – und auch die Reeperbahn hat einige von diesen zu bieten. Bis April 2019 hat das BID Reeperbahn+ Zeit, anzupacken. Dann wird neu entschieden, ob und wie dieses Pilotprojekt weitergeführt werden soll. Die zweite Halbzeit hat jedenfalls gerade erst begonnen. / Regine Marxen / Fotos: BID

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