Die besten Berliner Hamburgs

Warum die Menschen zu Silvester Berliner essen? Keine Ahnung. Wer die besten der Stadt kosten möchte, muss nach Steilshoop – zu Hansens Berliner Bäckerei

Es spritzt. Ich habe glücklicherweise an der richtigen Stelle reingebissen, sodass die Füllung in meinem Mund und nicht auf der Jacke explodiert. Es ist Samstagmittag in Steilshoop, Peter Hansen steigt aus seinem Wagen und schüttelt mir kräftig die Hand. Er hat Berliner und Apfeltaschen mitgebracht. Der Zuckerguss glänzt so stark, dass man sich beinahe darin widerspiegelt. Nach dem ersten Bissen ist mein Mund voll mit Marmelade. Hansen grinst. „Und? Gut?“ Auf meiner Zunge entfaltet sich ein Himmel aus Himbeeren, Zucker und Fett.

Seit 33 Jahren hat der gelernte Bäcker einen eigenen mobilen Stand, auf neudeutsch würde es Foodtruck heißen. Als Hansen Betriebsleiter von Dat Backhus war, fing er an, draußen nach Feierabend Spritzkuchen zu backen. Später arbeitete er auf Sommerfesten, bevor er sich vor der Steilshooper Famila-Filiale niederließ. Hier backt er täglich vor Ort, heute mit zwei weiteren Mitarbeitern.

An vier Tagen die Woche steht Hansen von acht bis acht am Stand und beglückt die Menschen mit frischen Berlinern, Apfeltaschen und Quarkbällchen. In der restlichen Zeit pflegt er seinen riesigen Garten, von dem er mir Fotos auf dem Handy zeigt. An Rente denkt der Siebzigjährige nicht. „Ich sehe meine Erfüllung hier, es bringt mir Spaß und die Kunden sind mir sehr zugetan.“

Für Famila sei er keine Gefahr, sagt er, eher ein Kundenbringer. Die Stadtbäckerei Junge, einige Schritte weiter, ist wiederum keine Konkurrenz für ihn. Letzten Silvester stellte die Bäckerei ihre Brötchen nach draußen, wohl in der Hoffnung von der riesigen Schlange abzuschöpfen, die sich vor Hansens Stand aufreihte. „Keine Chance“, lacht er. Er hat viele Stammkunden, die Berliner en masse mitnehmen. Sie kommen von überallher: Hamburg, Bad Segeberg, Pinneberg, sogar aus Litauen. Sonntags ist tote Hose in Steilshoop, nur auf dem Famila-Parkplatz tummeln sich Menschen und Autos.

Die Berliner sind geschmacklich, qualitativ und preislich unschlagbar. „Das ist noch echte Handarbeit. Ich liefere konsequent gute Qualität und der Preis stimmt.“ Die prallen Bälle bekommt man für 1 Euro.

Wir schütteln uns wieder die Hand und Herr Hansen verschwindet in seinem Wagen. Ich laufe nach Hause und grinse. Die Apfeltasche und ich, wir sind endlich allein.

Text: Natalia Sadovnik
Fotos: Jakob Börner

Hansens Berliner Bäckerei
Eichenlohweg 17 (Steilshoop)
Mo-Sa 8–20, So 8–16 Uhr